SPD-Generalsekretär Franz Müntefering nimmt in einem Interview Stellung zur Affäre der Kölner SPD – und BILD bringt seine Stellungnahme nur in der Kölner Lokalausgabe. Franz Münteferings Antworten werden in allen Ausgaben außerhalb Kölns verschwiegen.
Interview der Bild-Zeitung mit Franz Müntefering 08. März 2002
BILD: Illegale Parteispenden an die Kölner SPD, Schwarze Kassen in der Schweiz – was wussten Sie als bisheriger SPD-Landeschef und Ihr Amtsvorgänger Johannes Rau über den Skandal?
Franz Müntefering: Über die Vorgänge in Köln weiß ich derzeit nicht mehr, als bisher öffentlich geworden ist. Die kriminellen Machenschaften einiger SPD-Funktionäre waren in der Landespartei nicht bekannt. Ich bin deswegen ganz sicher, dass auch mein Amtsvorgänger davon nichts wusste.
BILD: Wie konnte es passieren, dass die Kölner SPD riesige Beiträge illegal in die Parteikasse schleusen konnte?
Franz Müntefering: Wie es aussieht, wurden Großspenden an die Kölner SPD mit erheblicher Energie in so kleine Beträge aufgeteilt, dass sie völlig unauffällig in die Parteikasse fließen konnten. Gegen solche skandalösen Machenschaften ist eine Partei nicht gefeit.
BILD: Sind Sie bereit, zu den Vorgängen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen?
Franz Müntefering: Ich habe nichts zu verbergen. Wenn der Untersuchungsausschuss mich einlädt, werde ich dort selbstverständlich Rede und Antwort stehen. Ob ich vorgeladen werde, muss der Ausschuss entscheiden.
BILD: Das Kölner Abfall-Unternehmen Trienekens betreibt Anlagen in ganz NRW. Ist der Kölner Fall wirklich ein Einzelfall?
Franz Müntefering: Das ist schwer zu beurteilen. Wir haben noch in der Nacht von Sonntag auf Montag damit begonnen, die Vorgänge in Köln aufzuklären. Und sie können ganz sicher sein: Wir werden den Skandal mit eisernem Besen aufklären und Konsequenzen ziehen!
BILD: Wird es Parteiausschlussverfahren geben?
Franz Müntefering: Für die Ämter und Mandate der Verantwortlichen wird die Affäre sicher persönlich Konsequenzen haben. Ich schließe nicht aus, dass am Ende auch das parteiinterne Schiedsgericht tätig werden wird.
BILD: Fürchten Sie, dass der Kölner Skandal zur Belastung für den Bundestagswahlkampf werden könnte?
Franz Müntefering: Das lässt sich aus heutiger Sicht nicht sagen. Es kommt jetzt darauf an, die Vorgänge zügig so aufzuklären, dass nichts zurückbleibt. Deshalb erwarte ich von jedem, der Spenden angenommen hat, dass er sich meldet und Ross und Reiter nennt.
Nieder mir der Rechten Kampfpresse !