Ungewöhnlich geringe Marktschwankungen
Ein erster kritischer Indikator ist die aktuell „unnatural stability" an den Aktienmärkten, gemessen an den historisch niedrigen Volatilitätsniveaus. Der Autor verweist darauf, dass der Markt in den vergangenen Monaten über weite Strecken ohne nennenswerte Rücksetzer gestiegen ist. Der „all-time high frequency" des S&P 500 liegt dabei in einem Bereich, der historisch häufig mit späteren Korrekturphasen korreliert. Diese geringe Schwankungsbreite signalisiert kein geringes Risiko, sondern vielmehr eine latente Verwundbarkeit, weil Marktteilnehmer zunehmend auf ein einseitiges Szenario setzen.
Hohe Konzentration der Kursgewinne
Ein zweites Warnsignal ist die starke „market concentration" im US-Aktienmarkt. Ein relativ kleiner Kreis großkapitalisierter Technologiewerte trägt einen überproportional hohen Anteil an der Indexperformance. Die Analyse auf Seeking Alpha hebt hervor, dass diese Konzentration die Marktbreite deutlich verengt. Je stärker sich Kursgewinne auf wenige Titel fokussieren, desto anfälliger wird der Gesamtmarkt für idiosynkratische Schocks einzelner Unternehmen. In früheren Marktzyklen waren Phasen hoher Konzentration häufig Vorläufer von Rebalancings oder stärkeren Korrekturen.
Bewertungen über historischem Mittel
Als drittes Kriterium steht die Bewertungsebene im Zentrum. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des US-Marktes liegt oberhalb seiner langfristigen Durchschnitte. Zusätzlich verweist die Analyse auf alternative Bewertungskennziffern wie das Shiller-CAPE, die ebenfalls auf ein erhöhtes Bewertungsniveau hindeuten. Diese Kennzahlen signalisieren, dass die erwartete zukünftige Rendite pro Risikoeinheit sinkt. Bei überdurchschnittlichen Multiples steigt die Sensitivität gegenüber Gewinnrevisionen, makroökonomischen Schocks und Zinsänderungen.
Renditedifferenzen und Zinsniveau
Ein weiterer kritischer Punkt ist das Verhältnis der Aktienbewertung zu den Renditen von Staatsanleihen. Die sogenannte „equity risk premium" bewegt sich nach der Darstellung auf Seeking Alpha in einem Bereich, der konservativen Anlegern wenig Puffer bietet. Angesichts gestiegener Anleiherenditen fällt der Zusatznutzen einer höheren Aktienquote bei gleichzeitig höherem Risiko zunehmend geringer aus. Dies betrifft insbesondere Investoren, die in der Entnahmephase sind und auf stabile Erträge angewiesen sind.
Makroökonomische und liquiditätsbezogene Rahmenbedingungen
Als fünfter Komplex werden makroökonomische und liquiditätsbezogene Kennzahlen hervorgehoben. Dazu zählen die „tightening liquidity conditions" infolge der restriktiveren Geldpolitik der Notenbanken. Rückläufige Zentralbankbilanzen und weniger expansive Rahmenbedingungen wirken dämpfend auf Risikoanlagen. Gleichzeitig bleibt die Inflation zwar moderater als im Peak der letzten Jahre, jedoch weiterhin ein struktureller Risikofaktor für Margen und Bewertungsniveaus. Diese Kombination aus knapperer Liquidität und anspruchsvollen Bewertungen sorgt für eine fragile Ausgangslage.
Implikationen für konservative Anleger
Die in dem Beitrag auf Seeking Alpha dargestellten fünf Kennzahlen zeichnen zusammen ein Bild erhöhter Verwundbarkeit des Marktes. Für konservative Anleger, die Werterhalt und stabile Cashflows priorisieren, ergibt sich daraus ein klarer Handlungsrahmen: Risikoexposure überprüfen, Klumpenrisiken insbesondere in hoch bewerteten Wachstums- und Technologiewerten reduzieren und gegebenenfalls schrittweise Umschichtungen in qualitativ hochwertige, bilanziell robuste Unternehmen oder Anleihen mit attraktiven Renditen und solidem Bonitätsprofil vornehmen. Eine höhere Liquiditätsquote kann als Puffer gegen potenzielle Volatilitätsschübe dienen und zugleich Flexibilität schaffen, um in einer Korrekturphase selektiv Qualitätswerte zu günstigeren Bewertungen aufzubauen.
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