...In der Ölindustrie herrsche "Verzweiflung", sagt Marktexpertin Borbély. Schließlich lässt sich die Produktion vielerorts nicht einfach von heute auf morgen herunterfahren. Erst recht nicht beim in den USA weit verbreiteten Fracking-Verfahren, wo das Gestein tief im Boden mithilfe eines Wasser-Sand-Chemikalien-Gemischs unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen wird. Viele Fracker haben keine Erfahrung - sie haben noch nie die Produktion wochenlang gestoppt und dann später wieder hochgefahren. Und so verramschen sie lieber ihren Stoff: In der texanischen Fracking-Hochburg Midland kostete das Fass WTI zuletzt zeitweise nur noch 10 Dollar. Weniger als ein "Southern Bell Brown Ale" im "Midland Beer Garden".
Aber vielleicht ist das schwarze Gold bald noch weniger wert. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" steuern 20 Supertanker voll mit Erdöl aus Saudi-Arabien auf die US-Golfküste zu. Die Flotte hat insgesamt 40 Millionen Barrel geladen und soll Ende Mai ankommen. Beladen wurden die Tanker im März und Anfang April, als die Saudis einen Preiskrieg entfacht hatten und ihren Brennstoff mit extrem hohen Rabatten verschleuderten.
"Das ist das Pearl Harbor für die amerikanischen Energieerzeuger", zitiert das "Wall Street Journal" Kirk Edwards, den Chef des Unternehmens Latigo Petroleum. Edwards sagt voraus, dass allein in der Region West-Texas 40.000 Mitarbeiter der Ölindustrie ihre Jobs verlieren werden. Insgesamt beschäftigt Amerikas Öl- und Gasindustrie mehr als zehn Millionen Menschen. Ihr Zusammenbruch würde ein Heer von Arbeitslosen hervorbringen.
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