Ein Beitrag zur Güte, insbesondere für den
so mit Eifer begabten Herrn Kalle Weihwasser (4712):
Es ist der tendenzielle Fall seiner Profitrate, der die Krise des Kapitals ausmacht und sich als völlig absurde Verelendung gerade der hochentwickelten Länder herausstellt (Verarmung, Jobhunting, Sozialabbau, Konsumpervertierung) auswirkt. Durch die Hochwertigkeit der Mittel des Wertwachstums führt die Unterwertigkeit der Subsistenzmittel zu einer allgemeinen Entwertung der Lebensmittel und damit zum Wertproblem des Kapitalismus überhaupt: Er entwertet seine Produkte, die seine hochwertigen Produktionsmittel hervorbringen und die zugleich ihren Wert nur durch den Wert der Produkte erheischen können. Wo dies nicht mehr gelingt, muss das Kapital den Druck zur Wertsteigerung auf die Kosten der Quellen des Wehrwerts weitergeben. Der wird an die Lieferanten der Produktionsmaterialien (Energie, Rohstoffe) schließlich auch zu einem machtpolitischen Fakt, das zu Preisdiktaten und Krieg gegen die Länder lockt, die keine Absatzmärkte für das Kapital darstellen. Oft ist das eine reine Besatzungspolitik im Sinne eines Preisdiktats, manchmal ermöglicht auch die Zerstörung und der international finanzierte Wiederaufbau eines Landes die Neuentwicklung von Absatz und neuen Absatzmärkten. Das Kapital ist ein schrankenloser Moloch; es erzeugt Reichtum nur für wenige und treibt zugleich alle Lebensverhältnisse zur Barbarei. Die Menschen werden nicht unbedingt nur unmittelbar im Arbeitsprozess, sondern insgesamt ausgebeutet; ihr Leben wird ärmer, ihre Kultur zerstört.
Der Kapitalismus kann seine überkommene Produktionsform nicht ändern, wenn es die Menschen nicht tun. Seine Krisen haben ihr Zyklen und erzeugen zunehmend Gewalt auf dem ganzen Erdball weil der Kapitalismus sich ausdehnen muss und zugleich am Produkt seiner Ausdehnung, der Armut der Menschen, scheitert. Je weiter diese Spirale entwickelt, desto geringer die Spannen auf allen Seiten und desto rücksichtsloser ist das ganze Verhältnis.
Die Spirale wird um so enger, je automatischer die Arbeit strukturiert ist, je weniger Lohnkosten sie also bezahlt und Produkte auf den Markt bringt, die immer weniger kosten dürfen, um überhaupt absetzbar zu sein. Die Krise seit den 80ger Jahren wird inzwischen von einigen Autoren der ökonomischen Fachliteratur (z.B. der Krisis-Gruppe) als finale Krise des Kapitalismus eingeschätzt, die sich in den Seifenblasen der Finanzspekulation bewegt und in kürzesten Anlagezeiten (maximal 8 Tage) noch Ausbeutungsraten von minimalem Wert (3 bis 10 Prozent) aufrechterhält; und zwar nur dadurch, dass die Strukturreserven von Industrie oder Nationen noch ausgezehrt werden. Der Kapitalismus ist so weit brutalisiert, dass er auch Kriege aus rein ökonomischen Vernichtungsinteressen in Kauf nimmt (man beachte die Rede vom "Reich des Bösen" durch den einstigen US-Präsidenten Reagan und der Theorie von der "Achse des Bösen", mit der Busch auf einen neuen Weltkrieg vorbereitet.
Unter kapitalistischen Bedingungen ist der wesentliche Zweck des Mehrwerts das Entwicklungsprinzip der Rendite. Sie ist das geldwerte Produkt der gesellschaftlichen Entwicklungen, die das Kapital zur privaten Bereicherung an Vermögen und Macht nutzt - nicht weil es dort üble Charaktere so wollen, sondern weil die Rendite selbst formeller Ausdruck des objektiven Widerspruchs solcher Bedingungen ist, in welchen privat nicht nur kassiert, sondern auch vorgeschossen werden muss, was gesellschaftliche Sache ist: Die Entwicklung der Arbeit und der Bedürfnisse der Menschen. Dieses Prinzip der Rentabilität ist die formelle Verabsolutierung menschlicher Entwicklung als Objektivität des Kapitals, die alles zu leeren Objekten ihres Zweckes macht, dem es völlig gleichgültig ist, was er hierfür braucht. Das Prinzip der Rendite verbraucht die Kraft von Menschen, ihre Arbeit und ihren Erfindungsreichtum, ihre ganze Kultur und verpaßt allem seinen Wertsiegel. Es bestimmt ganze Berufszweige, Industrien und Ländereien zur Entmenschlichung ihres Organismus, um sein Bestreben durchzusetzen, Mehrwert anzuhäufen, indem es nur das vermehrt und bestätigt, was Rendite bringt oder zu bringen verspricht. Das Prinzip setzt das Maß für die Zukunft der Produktion und erwartet nicht die Prosperität der gesellschaftlichen Ökonomie, sondern die der privaten, und das ist die der ehedem schon Mächtigen. Dies steht nun auch im Resultat der ganzen Beziehung in vollem Widerspruch zu einander, im Widerspruch vom gesellschaftlichen Organismus der Menschen und ihrer ökonomischen Erneuerung und Entwicklung. Insbesondere das Finanzkapital ist jederzeit dazu in der Lage, den gesellschaftlichen Organismus der Arbeit auszudehnen oder (wie in der Gegenwart der Krise) zu vernichten, je nachdem wie die Werthaftigkeit der Renditen das behaupten mögen.