Der Dax war in den Wochen um den Jahreswechsel nach mehreren Fehlversuchen in die „Lehman-Zone“ und damit in den Bereich zwischen 5850 und 6150 Punkten vorgedrungen und dieser ist eine außerordentlich bedeutende Widerstandszone.
Der Dax war nun drauf und dran, die obere Begrenzung dieser Zone zu erreichen und zu überbieten und damit den Weg bis über 7000 Punkte frei zu machen. Aber genau das geschah nicht. Stattdessen wurde die Abgabebereitschaft unter 6150 einfach zu groß, und er fiel mit einigem Karacho unter 5850 Punkte zurück. Das lässt nicht viel Gutes ahnen.
Der Chart des Dax sieht jetzt einfach ziemlich mau aus. Neben den schon sichtbaren negativen Divergenzen wesentlicher Indikatoren auf Tagesbasis werden sich spätestens Ende dieser Woche fast unvermeidbar auch solche auf Wochenbasis dazugesellen. Den wöchentlichen Candlesticks eine positive Lesart abzuringen käme deren Vergewaltigung gleich, und auch die Elliott Waves deuten durch die mittlerweile geschehenen ersten Überlappungen der Wellen nicht unbedingt auf eine überlagernde knackige Hausse hin. Zwar ist die Stimmung der Marktteilnehmer nach wie vor alles andere als euphorisch. Aber eine einzige positive Indikation wird es nicht schaffen, alles herauszureißen. Unterm Strich ist es faszinierend zu sehen, wie es dem Dax binnen Tagen gelingen konnte, aus einer gar nicht so schlechten Ausgangslage eine technisch ziemlich verfahrene Situation zu machen. Das passiert nicht allzu oft. Aber wenn, dann ist das mehr als nur ein sehr beachtenswerter analytischer Fingerzeig.
Vor diesem Hintergrund kann kaum die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich der Dax demnächst wieder zu einem Steigflug aufmachen wird. Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, wie tief er fallen kann. Wahrscheinlich wird er erst wieder in Bereichen zwischen rund 5050 und 5300 Punkten eine tragfähige Unterstützung finden. Diese Region markiert den oberen Rand der Erholungen vom Herbst 2008. Sie ist deshalb in den Köpfen der Investoren gut genug verankert, um die für eine nennenswerte Unterstützung zwingend notwendige Aufnahme- bzw. Kaufbereitschaft aufkommen zu lassen.
Nach dem heutigen Stand würde erst ein erneutes Vordringen des Dax auf über 5850 Punkte den Bären die Partystimmung vergraulen. Wir sollten jetzt nicht damit rechnen. Die Zeichen stehen also auf Sturm, und die Zeiten relativer Ruhe der letzten neun Monate bei geringer Volatilität dürften auf absehbare Zeit erst einmal vorbei sein. Der Dax hat mit einer Korrekturphase mit eingelagerten massiven Erholungen begonnen. Bevor sich diese ihrem Ende zuneigen wird, dürfte der Schnee geschmolzen sein. Das ist zwar wieder einmal unter zyklischen Aspekten sehr untypisch – die ersten drei Monate des Jahres sind statistisch sehr viel besser als die beiden folgenden Quartale –, aber es scheint unabänderbar zu sein. Es sei denn, die Zeichen der Technik trügen. Denn dann wäre ich mit dieser auf Sicht der nächsten ein bis drei Monate wenig zuversichtlichen Einschätzung auf dem Holzweg. Schön wär’s, wenn’s so wäre. Allein es fehlt zumindest momentan der Glaube.
Gold im Aufwärtstrend
Die Feinunze Gold hat in Dollar gerechnet in den vergangenen Wochen ihren Aufwärtstrend nicht fortsetzen können und stattdessen spürbar konsolidiert. Für den Euro- Anleger hat sich – dem schwachen Euro sei’s gedankt – wenig geändert, und man kann davon ausgehen, dass das so bleiben wird. Gold bleibt trotz der Korrekturphase genauso im Aufwärts- wie der Euro im Abwärtstrend. Beide werden ihren Weg mittelfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Für die vermeintliche Krisenwährung dieser Welt bleiben Kurse um 1.400 Dollar das absolute Minimalziel, und für die kriselnde europäische Gemeinschaftswährung stehen wenigstens Kurse um rund 1,36 Dollar, mit zunehmender Wahrscheinlichkeit sogar Kurse um oder gar unter 1,30 Dollar auf der Agenda. Das würde selbst dann noch gelten, wenn, was momentan nicht gar so unwahrscheinlich ist, der Euro sich nun von den Unterstützungen zwischen rund 1,40 und 1,41 Dollar aus zu einer Erholung gen 1,45 Dollar oder im Zweifel auch ein wenig darüber aufmachen würde.
@Der Autor ist technischer Analyst und Geschäftsführer der Staud Research GmbH.
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