DAX setzt Bären unter Strom
Obwohl die Kommentatoren weiterhin alles trüb sehen, steigen die Bluechip-Kurse auf ein Drei-Jahreshoch. Die Investoren kaufen vermutlich nicht aus Überzeugung, sondern müssen eindecken. Denn im Bärenlager scheint die Kursluft zu dünn.
01. Juni 2005. Hat da nicht gerade jemand behauptet, Europa befände sich in einer politischen und wirtschaftlichen Krise? Befürchtete man nicht, die europäische Währungsunion könne aus den Angeln gehoben werden? Die Finanzpresse war seit dem französischen ‚“Nein“ zur EU-Verfassung mit solchen Aussagen gespickt. Breitgetreten wurde das Thema aber nur von Devisenhändlern. Diese sahen in der ablehnenden Haltung der Franzosen drohendes Unheil für Europa und für den Euro. Am Aktien- und Rentenmarkt schien sich niemand solche Sorgen zu machen. Im Gegenteil. Hier zeigte man sich weiterhin voll in Kauflaune. Der DAX® schoss auf ein neues Drei-Jahres-Hoch, der DJ Euro Stoxx 50 kratzt ebenfalls an seiner Jahresbestmarke und für europäische Bonds zahlten Investoren Rekordpreise. Wo also ist die Krise, wenn solche, ansonsten sensiblen Märkte weiter haussieren? Hätten die Akteure wirklich Angst, dass Europa aus den Fugen gerät, dann hätten sie wahrscheinlich besseres zu tun, als in heimische Unternehmen und deren Schuldverschreibungen zu investieren.
Plötzlich mutierte der Kursverfall des Euro selbst zum Argument für den deutschen Aktienmarkt. Analysten erkannten, dass dadurch die Welt der Exporteure wesentlich besser aussehen würde als noch vor sechs Monaten. Abgesehen von dem bisschen Übernahmefantasie, das durch die jüngsten Fusionsverhandlungen von HVB mit der italienischen Unicredito entstanden ist, gab es wenig, was die Händler zum Kaufen inspirierte. Stattdessen überwog wieder der negative Diskussionsstoff. Beispielsweise moserte man über eine fast schon chronisch leidende deutsche Konsumnachfrage, wetterte über dünnen Feiertags-Börsenhandel oder sorgte sich um eine abflachende heimische Investitionstätigkeit. Diese Beobachtungen zeigen klar, dass für die Mehrheit der Akteure die Kursreise nicht unbedingt nach oben geht.
Über diesen Eindruck kann auch unsere jüngste Sentiment-Erhebung nicht hinwegtäuschen. Sie zeigt zwar einen zur Vorwoche leicht gestiegen Optimismus, liegt aber im absoluten Vergleich nur knapp über dem ohnehin sehr dürftigen Jahresmittelwert. Dies erklärt auch, warum einige Händler nach wie vor unbeirrt eine Seitwärtsbewegung sehen wollen. Obwohl der DAX derzeit mit guter Performance von sich reden macht, fällt die Zuversicht der befragten Investoren viel zu bescheiden aus. Ein Phänomen, auf das wir unsere Leser schon seit Jahresbeginn hinweisen. Diesmal fanden lediglich drei Prozent den Weg aus dem Bären- ins Bullenlager. Auch dieser Austausch fand sicherlich nicht aus Überzeugung statt. Die Pessimisten stehen unter Strom und mit jedem Prozent, das der DAX zulegt, erhöht sich die Spannung. Umgeschichtet wird also nicht aufgrund gestiegen Vertrauens, sondern lediglich aus Performance-Druck.
Die oft beschriebene Short-Squeeze scheint bereits losgetreten worden zu sein. Bis sie in voller Blühte steht, bedarf es aber noch einiger Prozentpunkte. Wir vermuten, dass die potenzielle Nachfrage, die noch in der mittelfristigen (Fehl-)Positionierung steckt, ausreicht, den DAX um rund weitere 200 Punkte nach oben zu hieven. Dafür müssen Rückschläge aber überschaubar bleiben. Das werden sie sicherlich auch sein.
Dax-Stimmungsbarometer:

Privatanleger drücken TecDAX nach oben
Bei den Technologietitel haben vor allem die Privaten die Kurse nach Norden geschickt. Sie freuen sich über gute Nachrichten. Die Neutralen stehen weiterhin an der Seitenlinie. Was den Index nach Süden abpuffert.
1. Juni 2005. Rosarot scheint auf der Farbpalette der Akteure im Technologiesegment derzeit die eindeutige Lieblingsfarbe zu sein. Zumindest die der Privatanleger. Denn diese zeigen sich in unserer aktuellen Sentimenterhebung ausgesprochen zuversichtlich gestimmt. Während es ihre institutionellen Mitstreiter vom optimistischen ins neutrale Lager zieht, strömen die Privaten breitflächig ins Bullencamp und treiben den Bull/Bear-Index® somit auf den zweithöchsten Stand des Jahres.
Ganz offensichtlich haben die steigenden Notierungen viele Investoren zum Einstieg gelockt. Vor dem Hintergrund, dass es im TecDAX® quasi seit Anfang Februar mit Long- Strategien keinen Blumentopf mehr zu gewinnen gab, ist diese Einstellung verständlich. Für eine Rechtfertigung ihres hohen Optimismus dürfte den jungen Bullen dabei ein Blick über den Atlantik genügt haben: Im Mai hatte dort der Nasdaq-Composite so stark zugelegt wie seit Oktober 2003 nicht mehr. Das wiederum veranlasste einige dazu, den aktuellen Aufwärtstrend an den US-Börsen speziell der starken Performance von Technologietiteln zuzuschreiben. Für viele mag das alleine Grund genug gewesen sein, um auch bei deutschen Technologie-Werten an eine rosige Zukunft zu glauben. Dass man in der zurückliegenden Woche bei positiven Nachrichten aus dem Vollen schöpfen konnte, dürfte die Akteure bestärkt haben. Manch einer hat sich vermutlich über die Prognose eines Marktforschungsinstituts gefreut, wonach der weltweite Umsatz mit Halbleitern im laufenden Jahr zunehmen werde. Und auch die Meldung, dass deutsche Unternehmen wieder mehr in IT-Beratung investieren, werden Technologie-Anhänger mit Genugtuung vernommen haben.
Weil das Bullenlager nicht nur in der jüngsten Befragung, sondern bereits seit drei Wochen stets zulasten des Bärencamps anschwoll, werden die Käufe mitunter weniger aus Überzeugung, als vielmehr aus der Not heraus erfolgt sein. Potenzial für eine Short-Squeeze, die den TecDAX weiter nach oben drücken könnte, dürfte mittlerweile größtenteils erschöpft sein. Lohnenswert ist aber der Blick auf das Lager derer, die es bislang vorzogen, ihr Geld zu „parken“ und erst einmal an der Seitenlinie zu verharren. Wer davon einst versäumte, bei Kursen um 500 Punkte in den Markt einzusteigen, wird sich nun, bei einem , gut 30 Zähler höheren Index, noch schwerer zum Kauf entschließen. Mögliche Nachfrage stünde dem TecDAX somit bereits ins Haus, wenn die Kurse wieder etwas nachgeben und sich die Riege der „Unentschiedenen“ schließlich doch noch entschlossen zeigt.
TexDAX-Stimmungsbarometer:

Quelle: deutsche-boerse.de
...be invested
Der Einsame Samariter
Obwohl die Kommentatoren weiterhin alles trüb sehen, steigen die Bluechip-Kurse auf ein Drei-Jahreshoch. Die Investoren kaufen vermutlich nicht aus Überzeugung, sondern müssen eindecken. Denn im Bärenlager scheint die Kursluft zu dünn.
01. Juni 2005. Hat da nicht gerade jemand behauptet, Europa befände sich in einer politischen und wirtschaftlichen Krise? Befürchtete man nicht, die europäische Währungsunion könne aus den Angeln gehoben werden? Die Finanzpresse war seit dem französischen ‚“Nein“ zur EU-Verfassung mit solchen Aussagen gespickt. Breitgetreten wurde das Thema aber nur von Devisenhändlern. Diese sahen in der ablehnenden Haltung der Franzosen drohendes Unheil für Europa und für den Euro. Am Aktien- und Rentenmarkt schien sich niemand solche Sorgen zu machen. Im Gegenteil. Hier zeigte man sich weiterhin voll in Kauflaune. Der DAX® schoss auf ein neues Drei-Jahres-Hoch, der DJ Euro Stoxx 50 kratzt ebenfalls an seiner Jahresbestmarke und für europäische Bonds zahlten Investoren Rekordpreise. Wo also ist die Krise, wenn solche, ansonsten sensiblen Märkte weiter haussieren? Hätten die Akteure wirklich Angst, dass Europa aus den Fugen gerät, dann hätten sie wahrscheinlich besseres zu tun, als in heimische Unternehmen und deren Schuldverschreibungen zu investieren.
Plötzlich mutierte der Kursverfall des Euro selbst zum Argument für den deutschen Aktienmarkt. Analysten erkannten, dass dadurch die Welt der Exporteure wesentlich besser aussehen würde als noch vor sechs Monaten. Abgesehen von dem bisschen Übernahmefantasie, das durch die jüngsten Fusionsverhandlungen von HVB mit der italienischen Unicredito entstanden ist, gab es wenig, was die Händler zum Kaufen inspirierte. Stattdessen überwog wieder der negative Diskussionsstoff. Beispielsweise moserte man über eine fast schon chronisch leidende deutsche Konsumnachfrage, wetterte über dünnen Feiertags-Börsenhandel oder sorgte sich um eine abflachende heimische Investitionstätigkeit. Diese Beobachtungen zeigen klar, dass für die Mehrheit der Akteure die Kursreise nicht unbedingt nach oben geht.
Über diesen Eindruck kann auch unsere jüngste Sentiment-Erhebung nicht hinwegtäuschen. Sie zeigt zwar einen zur Vorwoche leicht gestiegen Optimismus, liegt aber im absoluten Vergleich nur knapp über dem ohnehin sehr dürftigen Jahresmittelwert. Dies erklärt auch, warum einige Händler nach wie vor unbeirrt eine Seitwärtsbewegung sehen wollen. Obwohl der DAX derzeit mit guter Performance von sich reden macht, fällt die Zuversicht der befragten Investoren viel zu bescheiden aus. Ein Phänomen, auf das wir unsere Leser schon seit Jahresbeginn hinweisen. Diesmal fanden lediglich drei Prozent den Weg aus dem Bären- ins Bullenlager. Auch dieser Austausch fand sicherlich nicht aus Überzeugung statt. Die Pessimisten stehen unter Strom und mit jedem Prozent, das der DAX zulegt, erhöht sich die Spannung. Umgeschichtet wird also nicht aufgrund gestiegen Vertrauens, sondern lediglich aus Performance-Druck.
Die oft beschriebene Short-Squeeze scheint bereits losgetreten worden zu sein. Bis sie in voller Blühte steht, bedarf es aber noch einiger Prozentpunkte. Wir vermuten, dass die potenzielle Nachfrage, die noch in der mittelfristigen (Fehl-)Positionierung steckt, ausreicht, den DAX um rund weitere 200 Punkte nach oben zu hieven. Dafür müssen Rückschläge aber überschaubar bleiben. Das werden sie sicherlich auch sein.
Dax-Stimmungsbarometer:
Privatanleger drücken TecDAX nach oben
Bei den Technologietitel haben vor allem die Privaten die Kurse nach Norden geschickt. Sie freuen sich über gute Nachrichten. Die Neutralen stehen weiterhin an der Seitenlinie. Was den Index nach Süden abpuffert.
1. Juni 2005. Rosarot scheint auf der Farbpalette der Akteure im Technologiesegment derzeit die eindeutige Lieblingsfarbe zu sein. Zumindest die der Privatanleger. Denn diese zeigen sich in unserer aktuellen Sentimenterhebung ausgesprochen zuversichtlich gestimmt. Während es ihre institutionellen Mitstreiter vom optimistischen ins neutrale Lager zieht, strömen die Privaten breitflächig ins Bullencamp und treiben den Bull/Bear-Index® somit auf den zweithöchsten Stand des Jahres.
Ganz offensichtlich haben die steigenden Notierungen viele Investoren zum Einstieg gelockt. Vor dem Hintergrund, dass es im TecDAX® quasi seit Anfang Februar mit Long- Strategien keinen Blumentopf mehr zu gewinnen gab, ist diese Einstellung verständlich. Für eine Rechtfertigung ihres hohen Optimismus dürfte den jungen Bullen dabei ein Blick über den Atlantik genügt haben: Im Mai hatte dort der Nasdaq-Composite so stark zugelegt wie seit Oktober 2003 nicht mehr. Das wiederum veranlasste einige dazu, den aktuellen Aufwärtstrend an den US-Börsen speziell der starken Performance von Technologietiteln zuzuschreiben. Für viele mag das alleine Grund genug gewesen sein, um auch bei deutschen Technologie-Werten an eine rosige Zukunft zu glauben. Dass man in der zurückliegenden Woche bei positiven Nachrichten aus dem Vollen schöpfen konnte, dürfte die Akteure bestärkt haben. Manch einer hat sich vermutlich über die Prognose eines Marktforschungsinstituts gefreut, wonach der weltweite Umsatz mit Halbleitern im laufenden Jahr zunehmen werde. Und auch die Meldung, dass deutsche Unternehmen wieder mehr in IT-Beratung investieren, werden Technologie-Anhänger mit Genugtuung vernommen haben.
Weil das Bullenlager nicht nur in der jüngsten Befragung, sondern bereits seit drei Wochen stets zulasten des Bärencamps anschwoll, werden die Käufe mitunter weniger aus Überzeugung, als vielmehr aus der Not heraus erfolgt sein. Potenzial für eine Short-Squeeze, die den TecDAX weiter nach oben drücken könnte, dürfte mittlerweile größtenteils erschöpft sein. Lohnenswert ist aber der Blick auf das Lager derer, die es bislang vorzogen, ihr Geld zu „parken“ und erst einmal an der Seitenlinie zu verharren. Wer davon einst versäumte, bei Kursen um 500 Punkte in den Markt einzusteigen, wird sich nun, bei einem , gut 30 Zähler höheren Index, noch schwerer zum Kauf entschließen. Mögliche Nachfrage stünde dem TecDAX somit bereits ins Haus, wenn die Kurse wieder etwas nachgeben und sich die Riege der „Unentschiedenen“ schließlich doch noch entschlossen zeigt.
TexDAX-Stimmungsbarometer:
Quelle: deutsche-boerse.de
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Der Einsame Samariter
