Siemens Energy wird zu Omterra: Der Milliarden-Deal hinter dem Namenswechsel

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Die Siemens Energy AG ist aus der Abspaltung der Gas- und Stromsparte von der Siemens AG entstanden.
©Siemens Energy AG
Der DAX-Konzern Siemens Energy verabschiedet sich von seinem Namen und firmiert künftig als Omterra. Hinter der Entscheidung steckt vor allem ein Rechenexempel: Jährlich rund 300 Millionen Euro Lizenzgebühren an die frühere Konzernmutter Siemens fallen künftig weg.
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München/Düsseldorf. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy gibt seine Traditionsmarke auf. Künftig soll das Unternehmen unter dem Namen Omterra firmieren – ein Kunstwort aus dem griechischen Formelzeichen Omega für den elektrischen Widerstand Ohm und dem lateinischen Terra für Erde. Vorstandschef Christian Bruch begründete den Schritt so: „Seit unserem Börsengang war klar, dass uns die lizenzierte Marke Siemens Energy für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen würde.“ Die Umfirmierung soll noch in diesem Jahr beginnen und sich über einen Übergangszeitraum von rund eineinhalb Jahren erstrecken.

Ein teurer Name

Die Energietechnik gehörte einst zu den Eckpfeilern des Siemens-Konzerns, entsprechend emotional wird die Trennung in Teilen der Belegschaft aufgenommen. Seit der Abspaltung im Jahr 2020 zahlte Siemens Energy jährlich 1,2 Prozent seines Umsatzes – ohne Siemens Gamesa und Teile von Dresser-Rand – für die Nutzung der Namensrechte an den früheren Mutterkonzern Siemens. Wegen der kräftigen Umsatzzuwächse summierte sich das im Geschäftsjahr 2024/25 auf rund 300 Millionen Euro.

Der Lizenzvertrag mit Siemens läuft über zehn Jahre ab 2020 und endet damit regulär 2030 – eine Verlängerung ist nicht vorgesehen. Dass Siemens Energy den Schritt bereits jetzt einleitet, begründet Bruch mit der operativen und finanziellen Stärke des Unternehmens: Kunden und Kapitalmarkt hätten inzwischen Vertrauen in die eigenständige Marke aufgebaut. Die Umstellungskosten für das Rebranding sollen – über mehrere Jahre verteilt – niedriger ausfallen als eine einzige Jahreslizenzrate, also unter 300 Millionen Euro liegen.

Werte aus dem Artikel:
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Siemens Energy Aktie 150,94 € +2,30%

Ein weiterer Faktor dürfte die veränderte Aktionärsstruktur sein: Der Anteil der Siemens AG an Siemens Energy ist von einst 35 Prozent auf mittlerweile rund 5 bis 6 Prozent gesunken. Die Nabelschnur zur früheren Mutter wird damit auch kapitalseitig immer dünner.

Vom Kunstwort-Findungsprozess zum „Team Purple“

Der neue Name war laut Industriekreisen kein Zufallsprodukt. Bei Ausgründungen dieser Größenordnung fallen die Entscheidungen meist auf Kunstwörter, da sie markenrechtlich einfacher zu schützen sind. Omterra soll dabei bereits bei der Abspaltung 2020 unter den favorisierten Optionen gewesen sein, bevor man sich zunächst für die Übergangslösung Siemens Energy entschied.

Intern hatte sich mit Blick auf die violette Logofarbe längst der Begriff „Team Purple“ etabliert. Die Farbe soll auch im neuen Markenauftritt eine zentrale Rolle spielen. Markenexperte Karsten Kilian ordnete den Schritt gegenüber der WirtschaftsWoche als naheliegend ein: Da Siemens Energy überwiegend im B2B-Geschäft mit Energieversorgern, Netzbetreibern und Industriekunden tätig sei, falle ein Namenswechsel deutlich leichter als bei einer Konsumgütermarke mit enger Kundenbindung.

Bemerkenswert: Unter dem neuen Dach Omterra sollen künftig auch die Windkraft-Aktivitäten von Siemens Gamesa Renewable Energy zusammengeführt werden.

Operative Stärke als Rückenwind

Nach dem Börsengang 2020 geriet das damals neue Unternehmen zunächst in eine handfeste Krise: Hohe Verluste im Windkraftgeschäft ließen Banken bei der Vergabe von Garantien vorsichtig werden, sodass Siemens Energy den Bund um Rückgarantien bitten musste, um den prallen Auftragsbestand abarbeiten zu können.

Diese Phase gilt inzwischen als weitgehend überwunden. Der Konzern profitiert vom weltweit steigenden Energiebedarf wie etwa durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und die fortschreitende Elektromobilität. Im Geschäftsjahr 2024/25 (Stichtag 30. September) stiegen die Umsätze auf vergleichbarer Basis um gut 15 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro, der operative Gewinn lag bei rund 2,4 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben etwa 1,7 Milliarden Euro Nettogewinn. Auch der Auftragseingang bewegt sich auf Rekordniveau: Zuletzt vermeldete das Unternehmen einen Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro allein für ein Quartal.

Aktie im Konsolidierungsmodus

Trotz starker operativer Zahlen zeigt sich der Aktienkurs zuletzt zurückhaltend. Die Siemens-Energy-Aktie notierte Mitte Juli 2026 bei rund 148 bis 152 Euro und damit spürbar unter ihrem 52-Wochen-Hoch von knapp 188 bis 195 Euro, das Ende April 2026 erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein deutliches Plus von mehr als 20 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar über 60 Prozent. Zum Vergleich: Nach dem Tiefpunkt der Staatsgarantie-Krise notierte das Papier zeitweise bei nur rund sieben Euro.

Aktuell befindet sich Siemens Energy in der sogenannten Quiet Period vor der Vorlage der Quartalszahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026, die für Anfang August erwartet wird. Bis dahin äußert sich das Management nicht mehr zum operativen Geschäft. Am Kapitalmarkt gehen die Einschätzungen zur weiteren Kursentwicklung derzeit auseinander: Während einzelne Analysehäuser wie Jefferies deutlich höhere Kursziele nennen, verweisen technische Analysten auf mögliche Unterstützungszonen im Bereich von 140 bis 145 Euro. Der Wettbewerber ABB hatte zuletzt mit robusten Zahlen im Bereich Energieinfrastruktur und Elektrifizierung für zusätzliche Bewegung im gesamten Sektor gesorgt, da Siemens Energy mit seiner Sparte Grid Technologies in ähnlichen Geschäftsfeldern konkurriert.

Offene Frage: Aufspaltung des Portfolios

Unklar bleibt, wie sich das Portfolio des Konzerns langfristig entwickelt. Am Windkraftgeschäft, das sich derzeit an die Gewinnschwelle heranarbeitet, dürfte Siemens Energy nur festhalten, sofern sich langfristig auskömmliche Margen erzielen lassen. Auch dieses Segment wird im Zuge des Rebrandings umbenannt.

Zudem wird am Markt seit Monaten über eine mögliche Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry“ spekuliert, die so unterschiedliche Produkte wie Kompressoren für die Ölindustrie und Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion bündelt. Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich profitabler geworden, der Gewinn liegt aber weiterhin klar unter dem der Kernsegmente Gasturbinen und Stromnetze. Laut Aufsichtsratskreisen ist über eine Abspaltung bislang keine Entscheidung gefallen.

Für Anleger bedeutet der Namenswechsel zu Omterra zunächst vor allem eines: einen Markenwechsel ohne unmittelbare operative Zäsur. Geschäftsmodell, Aktienstruktur und die Notierung im DAX bleiben unverändert. Entscheidender für die weitere Kursentwicklung dürfte sein, ob Bruch seine ambitionierten Renditeziele in den kommenden Quartalen tatsächlich untermauern kann – der Rebranding-Prozess selbst gilt an der Börse eher als Randnotiz denn als Kurstreiber.


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