Auch wenn die deutschen Banken in Irland deutlich weniger Geld im Feuer haben als bislang gedacht, sieht die Bundesbank keine Veranlassung für eine Entwarnung. Im Gegenteil: Auf dem deutschen Bankensystem liegt immer noch der lange Schatten der einstigen Turbulenzen an den Immobilienmärkten. Der Finanzstabilitätsbericht der Notenbanker sieht zudem in der EU-Schuldenkrise eine Gefahr für das Finanzsystem.
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Wohin steuer Europa in der Euro-Krise? Die Bundesbank warnt vor Risiken. Quelle: dpa
HB FRANKFURT. Größtes Risiko für das Finanzsystem sei die Lage an den Märkten für Staatsanleihen, die sich durch die Krise in Irland und den Vertrauensverlust in die Solidität der Staatsfinanzen in der Euro-Zone deutlich verschlechtert habe. „Hier steht die Ampel auf rot“, sagte der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret am Donnerstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der deutschen Notenbank in Frankfurt. Positiver als noch 2009 und in der ersten Jahreshälfte sei die Lage am Geldmarkt und damit die Refinanzierungssituation der Banken. Die neuen Bankenregeln - besser bekannt als Basel III - würden die Banken zwar einiges kosten, das Gesamtsystem aber zugleich stabiler machen.
Die deutschen Banken haben nach Darstellung der Bundesbank in Irland allerdings deutlich weniger Geld im Feuer als bislang gedacht. „Das echte Irlandrisiko der Institute liegt bei etwa 25 Mrd. Euro und damit nicht so hoch wie zuletzt in der Öffentlichkeit dargestellt“, sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler. Bislang gehen Öffentlichkeit und Finanzmärkte davon aus, dass sich das Engagement der deutschen Institute in dem Inselstaat auf 138 Mrd. Dollar summiert. Die Differenz erklärte Zeitler mit den hohen Summen, die in den vielen in Irland ansässigen außerbilanziellen Zweckgesellschaften der Banken stecken. Irland galt in der Vergangenheit als Paradies für außerbilanzielle Aktivitäten von Kreditinstituten. „Die in diesen Gesellschaften steckenden Gelder stellen aber kein auf Irland bezogenes Risiko dar, sondern Risiken der Banken in anderen Ländern.
Nach Zeitlers Angaben haben die deutschen Banken jedoch in ihren Bilanzen noch Risikopositionen aus strukturierten Immobilienfinanzierungen von circa 100 Mrd. Euro stehen. Zwar dürfte dies für die Institute beherrschbar sein, allerdings habe sich die Struktur der Risiken in den vergangenen zwei Jahren „kontinuierlich verschlechtert“, warnte Zeitler. Die tatsächlichen Ausfälle lägen bislang nur im „unteren einstelligen Bereich“.
Trotz der schweren Hypothek durch die Immobilienkrise attestiert die Bundesbank den deutschen Geldhäusern eine robustere Gesundheit als im vergangenen Jahr. „Die Stabilitätslage des deutschen Bankensystems hat sich verbessert, die Banken erhalten derzeit Rückenwind durch die gute konjunkturelle Entwicklung“, sagte das für Finanzstabilität zuständige Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Die noch im vergangenen Jahr befürchtete Kreditklemme sei nicht mehr zu erwarten. „Verwundbarkeiten und strukturelle Schwächen bestehen aber weiterhin.“