Baader Bank Deutschland-Favorit mit hohem Kurspotenzial, Nummer vier: Medigene AG (WKN: A1X3W0, 8,19 Euro)
Alles andere als eine Erfolgsstory war bisher das Börsen-Dasein der Medigene AG. Richtig gut liefe es eigentlich nur gleich nach dem Börsengang im Juni 2000. Da spülte die Euphorie rund um den Neuen Markt den Kurs bis Oktober auf gut 500 Euro nach oben. Doch dieser Elan verpuffte schnell und seitdem ging es per Saldo immer nur abwärts mit der Notiz. Das bisherige Rekordtief von 3,04 Euro stammt aus dem April 2013. Immerhin: Seitdem hat so etwas wie eine Bodenbildungsphase eingesetzt, deren endgültiger Abschluss allerdings noch aussteht.
Etwas Mut hinsichtlich einer erfolgreichen Bodenbildung macht das jüngste Kursverhalten. Denn die in der Vorwoche gemeldete Allianz mit dem US-Biotechkonzern Bluebird Bio führte zu einem deutlichen Kurssprung nach oben. Konkret geht es dabei um Immuntherapien zur Vernichtung von Tumor-Zellen. Medigene ist in der Partnerschaft für die Entwicklung so genannter T-Zellen-Rezeptoren zuständig. Das Münchener Biotech-Unternehmen erhält vom Kooperationspartner eine Anzahlung von 15 Millionen Dollar sowie potenzielle Meilensteinzahlungen und alle anfallenden Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen werden erstattet. Zusätzlich wird Medigene gestaffelte Umsatzbeteiligungen an den Netto-Verkaufserlösen erhalten, die einen doppelstelligen Prozentsatz erreichen können. Insgesamt geht es um bis zu gut eine Milliarde Dollar.
Die Zusammenarbeit mit Bluebird Bio werten Marktteilnehmer als Vertrauensbeweis in die Erfolgsaussichten der Medigene-Forschung. Baader-Helvea-Analyst Bruno Bulic glaubt, dass beide Unternehmen über die Partnerschaft Synergien heben können. Der Umsatz von Medigene dürfte sich im kommenden Jahr etwa verzweieinhalbfachen. Der bereinigte operative Verlust dürfte deutlich zurückgehen auf nur noch 1,3 Millionen Euro von geschätzten 11,4 Millionen Euro in diesem Jahr. Gewinne sind aber auch nach der Ansicht anderer Analysten bisher noch nicht in Sicht.
Bulic rät zum Kauf der Medigene-Aktie. Als Kursziel nennt er 17,00 Euro. Eine Vorgabe, die sich um 107,6 Prozent über den derzeitigen Notierungen bewegt. Durch die Konferenz habe sich der Eindruck gegenüber dem Unternehmen im Vergleich zur Haltung vor der Veranstaltung verbessert. Bei den beiden Hauptentwicklungsprojekten gehe es dem Vernehmen nach wie geplant voran. Nach einigen Rückschlägen bei der Krebs-Zellen-Therapie könnte sich die Gesellschaft hier demnächst als führender europäischer Branchenvertreter entpuppen.
Die TCR-Technologie zielt darauf ab, körpereigene T-Zellen des Patienten mit tumorspezifischen T-Zell-Rezeptoren auszustatten. Die bezüglich ihres Rezeptors modifizierten T-Zellen sind dadurch in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und wirksam zu zerstören. Dieser immuntherapeutische Ansatz versucht, die bestehende Toleranz gegenüber den Krebszellen und die tumor-induzierte Immunsuppression im Patienten zu überwinden, indem T-Zellen des Patienten außerhalb des Körpers (ex-vivo) aktiviert und modifiziert werden.
Die TCR-Therapie, die für das Auffinden einer größeren Anzahl von möglichen Tumor-Antigenen im Vergleich zu anderen T-Zell basierenden Immuntherapien entwickelt wird, dürfte laut Baader 2017 in die klinische Entwicklungsphase eintreten. Unternehmensangaben zufolge ist der Start einer prüfarztinitiierten TCR Phase I-Studie (IIT) mit Medigenes Beteiligung für 2017 geplant. Das Unternehmen plant zudem, die erste eigene klinische TCR-Studie im Jahr 2017 und eine zweite im Jahr 2018 zu beginnen.
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Der Herbst ist traditionell eine wichtige Zeit für Aktien-Konferenzen.