Unmittelbar nach dem Krieg von 1967 setzte sich Scharon, damals General in den israelischen Streitkräften, als erster dafür ein, bewaffnete Zivilisten in der Westbank anzusiedeln, um so angeblich einen "Schutzring" aufzubauen. Aus diesen Anfängen entstand dann die "Siedlerbewegung".
1972 brachten Scharon und seine Getreuen Yehezkel Sahar (ehemaliger Polizeiminister) und Gen. Rehavam Zeevi (heute Chef der Moledet-Partei in Netanjahus Regierungskoalition) die israelische Regierung dazu, das Verbot für Israelis, Land auf der Westbank zu kaufen, teilweise aufzuheben.
1973 verließ Scharon das Militär, um sich in der Politik für die Umsetzung seiner expansionistischen Politik einzusetzen. Ratgeber bei dieser Entscheidung war Scharons langjähriger US-Ziehvater Meshulam Riklis, damals Besitzer der Firma Rapid American Corp. Riklis wiederum war Mittelsmann von Burton Joseph, einflußreicher Getreidehändler aus Minneapolis und Vizevorsitzender der Anti-Defamation League of B'nai B'rith (ADL), und von Kenneth Bialkin, führender Wallstreet-Anwalt und ADL-Vorsitzender.
Im Dezember 1973 wurde Scharon erstmals mit tatkräftiger Unterstützung seiner Hintermänner in die Knesset gewählt. Nachdem Menachem Begin
Likud-Block 1977 an die Macht gekommen war, wurde die Besiedlung der besetzten Gebiete massiv ausgedehnt. Ein wichtiger Schritt dabei war Scharons Ernennung zum Landwirtschaftsminister im September 1977, denn dieses Ministerium war für die Finanzierung aller landwirtschaftlichen Siedlungen und nun auch der Siedlerbewegung auf der Westbank zuständig.
Die Ausweitung dieser Siedlungen machte Scharon zu seiner höchsten Priorität. Schon nach einem Monat im Amt gab er bekannt, neue Siedlungen auf der Westbank genehmigt zu haben. 1976 lebten dort (außerhalb von Ostjerusalem) nur etwa 3000 Juden. Bis 1981 (das Ende seiner Amtszeit) stieg diese Zahl rapide auf fast 25000, 1986 waren es über 60000, und heute sind es einschließlich Ostjerusalems mehr als
150000.
Die meisten der Siedler waren Mitglieder extremistischer Sekten, die nach dem Krieg von 1967 aus dem Boden schossen, darunter die Gush Emunim und die in den USA entstandene Jewish Defense League/Kach-Partei des Rabbi Meir Kahane sowie die Ateret Cohanim, die sich die Zerstörung der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zum Ziel gesetzt hat, um an deren Stelle König Salomons Tempel wiederzuerrichten. Von Anfang an wurden diese Sekten von Scharons und Netanjahus Hintermännern in den USA, u.a. von Irving Moskowitz (der später auch Netanjahus Wahlkampf 1996 unterstützte) finanziert und von Scharons Freunden im israelischen Geheimdienst organisiert. Für die Ateret Cohanim waren beispielsweise Scharons Leute im Inlandsgeheimdienst Shin Bet zuständig.
1979 fällte der Oberste Gerichtshof ein für Scharons Sache wegweisendes Urteil, als er entschied, daß israelische Bürger nun ohne Sondergenehmigung Land auf der Westbank kaufen könnten. Es war für Scharons Freunde in New York und London ein Leichtes, in Israel entsprechende Strohmänner für ihre Spekulationsgeschäfte zu finden. Auf diese Weise konnte nun im Ausland über die Siedlungsströme in die besetzten Gebiete entschieden werden, ohne daß die israelische Regierung darauf irgendeinen Einfluß hätte.
1980 begann Scharon auf ausgedehnten Reisen in den USA und Europa internationale Propaganda für den privaten Landkauf zu machen. 1981 entschied der Oberste Gerichtshof außerdem, daß die israelische Regierung brachliegendes oder unbebautes Ackerland in den besetzten Gebieten zum Staatseigentum erklären könne. Innerhalb von vier Jahren wurde auf diese Weise die Hälfte der Westbank und Gazas beschlagnahmt.
Der Harlech-Kissinger-Plan
1982 wurde Scharon Verteidigungsminister. In diesem Zusammenhang bildeten der britische Lord Harlech (David Ormsby-Gore), einer der führenden Israel-Strategen in London, und der frühere US-Außenminister Henry Kissinger ein internationales Konsortium, um die Westbank aufzukaufen. Nach Harlechs Plan sollten jüdische und arabische Mittelsmänner umfangreichen Grund und Boden im Namen der Gruppe aufkaufen. Die Gruppe plante, zahlreiche Juden aus der Sowjetunion nach Israel zu bringen, die dann dort angesiedelt werden sollten. Die dort lebenden Araber würden über den Jordan nach Jordanien abgeschoben; das nannte man euphemistisch "Transfer". Die Demographie der besetzten Gebiete sollte auf Dauer vollkommen verändert werden.
Um die Palästinenser loszuwerden, mußte natürlich Gewalt angewandt werden, und hier kam Scharon ins Spiel. Zur Vorbereitung des "Austausches" veranstaltete Scharon auf seiner Farm mehrere Treffen, an denen u.a. Rafi Eytan und Gen. Rehavam Ze'evi, die Terrorismus-Berater des Ministerpräsidenten, sowie Scharons Geldgeber Meshulam Riklis teilnahmen.
Im Gefolge dieser Treffen steigerten die Scharon-Fanatiker ihre Provokationen mit Überfällen und Anschlägen und einem erneuten Versuch, die Al-Aqsa-Moschee in die Luft zu sprengen. Vor allem durch die Entweihung moslemischer Gotteshäuser sollte eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt werden, an deren Ende die israelische Armee einen Vorwand hätte, die in der Westbank lebende palästinensische Bevölkerung massenweise nach Jordanien zu deportieren.
Scharons erste Erfahrungen
Scharons Politik, angebliche zivile "Siedler" vorzuschicken, um Araber zu töten und zu vertreiben, ist nicht neu. Diese Taktik geht mindestens auf das Jahr 1953 zurück, als Gen. Mosche Dajan die Bildung einer Geheimtruppe in der israelischen Armee ("Einheit 101") anordnete. Ihr Befehl: Unter ziviler jüdischer Tarnung Massaker an Palästinensern anrichten. Scharon erhielt das Kommando über diese Einheit.
Im Oktober 1953 führte Scharon eine Gruppe Soldaten in die damals noch zu Jordanien gehörenden Westbank und tötete in dem Dorf Qibya 66 Menschen. Das Massaker war angeblich eine "Vergeltung" für die Erschießung zweier israelischer Juden wenige Tage zuvor. UN-Militärbeobachter, die die Szene untersuchten, berichteten: "Von Schüssen durchsiebte Leichen in der Nähe der Hauseingänge und zahllose Einschläge in den Türen der demolierten Häuser ließen darauf schließen, daß die Bewohner gezwungen worden waren, in ihren Häusern zu bleiben, bis diese über ihnen in die Luft gejagt wurden."
Weitere Einsätze dieser Art folgten. Im Februar 1955 tötete die Einheit im Gazastreifen 22 Soldaten und im August des gleichen Jahres dort noch einmal 39 Zivilisten. Scharons Einheit wurde später dem Fallschirmspringer-Korps der israelischen Streitkräfte eingegliedert.
Joseph Brewda
f24.parsimony.net/hat er nicht recht der Karsli mit seinen Vorwürfen gegen die Scharonregierung und die Medien?