Der Hebel ist nicht das Problem sondern was man daraus macht
u.a. Highländer49
Der Artikel ist nicht falsch. Aber er erzählt für mich nur die halbe Geschichte.
Natürlich kauft Strategy seine Bitcoin nicht aus den 122 M US D Quartalsumsatz des Softwaregeschäfts. Das wäre bei inzwischen mehr als 800000 bitcoin auch mathematisch vollkommen unmöglich.
Strategy ist längst keine normale Softwarefirma mit etwas Bitcoin in der Kasse mehr.
Das Geschäftsmodell ist inzwischen selbst der Kapitalmarkt. Eigenkapital, Preferreds, Wandelanleihen, Liquiditätsreserve und Bitcoin werden miteinander kombiniert.
Und ja das ist ein Hebel. Und Hebel funktionieren in beide Richtungen.
Genau deshalb würde ich will ich das Risiko auch niemals kleinreden.
Bei max 21 Millionen BitCoin ergibt
21000.000 mal 100.000.000 sind e s 2 100 000 000000000 Satoshis
Aber aus Strategy gibt neue Aktien Preferreds aus automatisch "immer zu betonen"
das geht zulasten der Stammaktionäre abzuleiten, ist nicht so korrekt und greift zu kurz.
Vielleicht sehe ich es nicht korrekt aber die entscheidende Frage lautet
Was passiert mit dem BitcoinWert den Bitcoin je verwässerter Aktie
Wenn ich 10 Pzent mehr Aktien ausgebe, damit aber den wirtschaftlich zurechenbaren Bitcoin Bestand je Aktie um 15 Pz steigern kann, wurde zwar formal verwässert wirtschaftlich aber Wert pro Aktie geschaffen.
Wenn ich dagegen 10 pzent mehr Aktien ausgebe und bitcoin je Aktie nur um 3 Prozent steigen, habe ich tatsächlich Wert abgegeben. Das ist der Punkt.
Und genau deshalb finde ich die gegenwärtige Situation wesentlich interessanter und gefährlicher als die "einfache Aussage" Saylor verwässert.
Je näher die Bewertung von Strategy an den Wert ihrer Netto Bitcoinposition heranrückt, desto kleiner wird Saylors Spielraum. Bei einer hohen mNAV kann er teures Eigenkapital gegen Bitcoin tauschen. Nahe 1 funktioniert diese Maschine wesentlich schlechter.
Strategy sagt das inzwischen selbst. Dazu kommen Preferred Dividenden, Zinsverpflichtungen und inzwischen sogar die Möglichkeit, Bitcoin zu verkaufen, um Liquidität und Ausschüttungen zu finanzieren. Das sind reale Risiken.
Da braucht niemand weder Saylor Fanclub noch Untergangsszenario.
Aber jetzt kommt für mich der psychologisch viel interessantere Teil.
Menschen beurteilen einen Hebel fast immer abhängig davon, in welche Richtung der Kurs gerade läuft.
BTC plus 10, MSTR plus 20 Prozent. Geniales Geschäftsmodell.
BTC minus 10, MSTR minus 20 Prozent. Saylor hat sich verzockt. Dabei ist es zweimal derselbe Hebel.
An der Börse wird Risiko erstaunlich oft erst dann wahrgenommen, nachdem es eingetreten ist Steigende Kurse machen uns mutiger, fallende Kurse plötzlich fundamental.
Genau deshalb sollte man Strategy weder romantisieren noch verteufeln
Ich sehe MSTR nicht als besseren Bitcoin sondern MSTR als kapitalmarktfinanzierte Bitcoin Wette mit zusätzlichem Unternehmens, Finanzierungs, Bewertungs und Managementrisiko.
Wer dieses zusätzliche Risiko nicht will, braucht Strategy überhaupt nicht. Der kann Bitcoin halten.
Wer MSTR kauft, wettet dagegen auf etwas Zusätzliches, Dass Bitcoin langfristig steigt und dass Strategy seinen Kapitalmarktzugang so einsetzen kann, dass nach Finanzierungskosten, Preferreds, Schulden und Verwässerung für den Stammaktionär langfristig mehr Bitcoin Wert je Aktie übrig bleibt.
Geht diese Rechnung auf, kann der Hebel enorm sein.
Geht sie nicht auf, dreht sich derselbe Hebel brutal gegen den Aktionär.
Und selbstverständlich kann ich damit komplett danebenliegen. Das gehört zur Börse.
Aber genau deshalb finde ich Bitcoin Wette wird teurer als Schlagzeile zwar schön griffig als fundamentale Analyse ist mir das etwas dünn.
Die spannendere Frage ist nicht, ob Saylor hebelt. Das wissen wir längst.
Die Frage ist, ob er mit jedem zusätzlichen Dollar Finanzierung langfristig mehr Wert schafft, als dieser Dollar den Stammaktionär kostet. Daran würde ich Strategy messen. Nicht an Saylor.
Und auch nicht an der nächsten roten oder grünen Tageskerze.
Ich schreibe das nicht aus der gemütlichen Position eines Beobachters. Mit meinem eigenen Geld ist diese Volatilität teilweise verdammt schwer auszuhalten. Wenn Bitcoin und Strategy innerhalb kurzer Zeit zweistellig schwanken, macht das psychologisch etwas mit einem auch wenn man von seiner langfristigen These überzeugt ist.
Kurzfristig kann sowieso alles passieren. Bitcoin kann 10, 20 oder 30 Prozent fallen, Strategy durch den zusätzlichen Hebel noch wesentlich stärker. Und natürlich kann man solche Bewegungen auch shorten. An der Börse gibt es nicht nur eine Richtung und niemand trifft jeden Wendepunkt.
Langfristig ist meine Wette aber eine andere.
noch etwas wird bei solchen Betrachtungen gerne vergessen. An diesem Markt verdient eine gigantische Derivate und Finanzindustrie Kapitalmächte Marketmäker Banken nicht nur daran, dass Bitcoin steigt. die verdient an Bewegung beide Richtungen
Long, Short, Futures, Optionen, Perpetuals, Market Maker Hedging, Liquidationen hier hängen Milliardenpositionen an Kursbewegungen in beide Richtungen.
Deshalb sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, der Bitcoin Kurs würde kurzfristig einfach gemütlich Angebot und Nachfrage des Spotmarktes abbilden. Tut er nicht.
Wenn sich zu viele Marktteilnehmer auf einer Seite mit Hebel positionieren, entsteht dort Liquidität. Beginnt der Kurs dagegenzulaufen, werden Positionen zwangsweise geschlossen. Aus fallenden Kursen entstehen weitere Verkäufe oder aus steigenden Kursen weitere Käufe.
Eine Kaskade füttert die nächste.
Das ist keine theorie und dafür braucht es keine geheimnisvolle Bankenlobby. Das ist schlicht die Mechanik eines hochgehebelten Marktes.
Natürlich wissen große Market Maker, Banken, Hedgefonds und professionelle Handelshäuser sehr genau, wo im Markt erhebliche Options, Futures und Liquiditätsrisiken liegen. Sie verfügen über Kapital, Daten und Handelsinfrastruktur, von denen ein Privatanleger nur träumen kann.
Aber auch daraus folgt nicht, dass die Große den Kurs beliebig kontrollieren können.
Auch Milliarden schützen nicht davor, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
Genau dann wird es richtig interessant.
Denn ein überhebelter Short bleibt ein überhebelter Short egal ob dahinter 1000 Euro oder 500 oder 10 Millionen stehen. Läuft der Markt stark genug dagegen, muss irgendwann gedeckt, gehedgt oder zusätzliches Kapital gestellt werden.
Und plötzlich wird aus dem vermeintlich kontrollierten Rückgang ein Short Squeeze.
Umgekehrt funktioniert es genauso
Zu viele gehebelte Longs, ein scharfer Rückgang, Liquidationen und aus minus 5 Prozent werden plötzlich minus 10 oder min 15, obwohl sich am fundamentalen Bitcoin Netzwerk innerhalb dieser Stunden praktisch nichts geändert hat.
Genau das ist für mich die Trennung, die man verstehen muss:
Kurzfristig handelt Bitcoin nicht nur seine fundamentale Geschichte.
Kurzfristig handelt Bitcoin auch Liquidität, Hebel, Angst, Gier, Zwangsliquidationen und die Positionierung großer Kapitalmengen.
Und Strategy setzt auf diesen ohnehin schon volatilen Basiswert noch einmal einen Unternehmens und Finanzierungseffekt obendrauf.
Deshalb kann MSTR kurzfristig brutal sein. ich spüre das mit meinem eigenen Geld oft genug.
Aber eine Liquidationskaskade verändert nicht plötzlich die maximale Bitcoin Menge von 21 Mill SatoschisStück Sie verändert auch nicht automatisch die langfristige Adoptionsfrage.
Genau deshalb kann ich einen Markt kurzfristig für völlig überhebelt halten, einen Rückgang erwarten oder sogar einen Short nachvollziehen und trotzdem langfristig bullish auf Bitcoin bleiben.
Kurzfristig kämpft Kapital gegen Kapital. Langfristig muss sich die fundamentale These beweisen.
Und wer glaubt, er könne dauerhaft jede dieser Bewegungen perfekt timen egal ob Kleinanleger, Hedgefonds oder Investmentbank hat wahrscheinlich das größte Risiko dieses Marktes noch nicht verstanden die menschliche Psyche.