Der Sandmann kommt und ich denke, er ist im Nebenberuf CEO. Man verwendet sehr viel Geld für Aktienrückkäufe - um die Kennzahl EPS zu verbessern. Super. Davon haben wir alle was. Wir bekommen dieses Geld nicht - und man steckt das Geld auch nicht in Investitionen oder Zukäufe, um die Umsätze zu steigern, das wäre vielleicht die "altmodische Art" um das EPS zu steigern. Nein, man verbrennt das Geld und kauft eigene Aktien zurück.
Gut, rechnen wir's mal durch, was das Tolles uns Aktionären bringt:
Gehe mal von der hier verlinkten Publikation aus (und was dort nicht zu finden ist, nehme ich von marketscreener, weils auch auf der Homepage von der NBG - jedenfalls für mich - nicht zu finden war. z.B. die geheimnisvolle Zahl, wieviele Aktien des Unternehmens im Umlauf sind oder das EPS 2025. Wird ja vielleicht noch veröffentlicht. Mylonas hat gestern referiert - auf der Homepage ist das Q4/25 das Aktuellste, was ich gefunden habe, aber möglicher Weise schaffen ein paar talentierte Onlinepfadfinder mehr ...
www.bankingnews.gr/trapezika-nea/articles/...sto-d-s-o-tsamaz
Na gut. Rechnen wir mal:
Aktien im Umlauf: 903,4 Mio
(wenn wir von Marketscreener ausgehen - auf der Homepage von NBG hab ich dazu nichts gefunden). Geht man vom oben verlinkten Bericht aus, wären es eher 914 Mio Aktien ...
EPS 2025 : 1,272
Marketscreener führt 1,272 / Finanzen.de 1,28 / Homepage NBG ?
Dividende 2025: 0,5072 (incl. Vorabdividende vom Dezember 2025)
Im verlinkten Bericht ist eine BARausschüttung von 464 Mio angeführt. Geht man von 914 Mio Aktien aus, kommt man zu der dort genannten Dividende von 0,5072. Bei marketscreener findet man 0,51. Ist ja nicht so viel Unterschied ...
Daraus ergibt sich des Sandmanns erste Einstreu:
Bardividende = 39,87 % vom EPS
Keine Spur von der großartigen Ankündigung, 50 % oder gar 60 % auszuschütten. Aber klar, CEO Mylonas ist ja auch der Meinung, die Aktienrückkäufe wären ebenfalls eine "Ausschüttung" an die Aktionäre. Weil das Unternehmen dadurch wertvoller wird, insb. die Kennzahl EPS. Was für ein Hohn ...
Wir rechnen weiter:
Kapital für kommende Rückkäufe aus dem Gewinn 2025: € 232 Mio
Und dann gibts noch ein "außerordentliches Programm" von - nochmals (??) 300 Mio für Rückkäufe um die Kennzahl EPS zu verbessern..... Ich muss sagen, das mit dem außerordentlichen Programm verstehe ich nicht ganz. Aber ich rechne das mal mit:
Schlusskurs Athen am 30.04.2026: € 13,425
Nach den tollen Ankündigungen von Herrn Mylonas gab's einen Tagesverlust von 3,03 %. Ob das was aussagt ??
Nun sagen wir mal fiktiv, der Ausübungskurs von Rückkäufen ist € 13,50
€ 232 Mio : € 13,5 = 17,19 Mio Aktien Rückkauf
Wenn außerordentliches Programm mitgilt, dann:
€ 532 Mio : € 13,5 = 39,41 Mio Aktien Rückkauf
Wir hätten dann (wenn ich mal die für Mylonas Berechnung günstigere Zahl von Marketscreener nehme)
903,4 Mio Aktien - 17,19 Mio Rückkaufsaktien = 886,21 Mio neuer Stand an Aktien
903,4 Mio aktien - 39,41 Mio Rückkaufsaktien = 863,99 Mio neuer Stand an Aktien
Das ergibt die folgende Verbesserung des EPS:
a)
903,4 Mio Aktien (Stand 2025) x 1,272 EPS (2025) : 886,21 Mio Aktien (fiktiv 2026) = 1,30 "verbessertes eps"
Der Einsatz von € 232 Mio brigt also eine optische Verbesserung von € 0,028 also nicht ganz 3 Cent.
b) mit außerordentlichem Programm
903,4 Mio Aktien x 1,272 EPS : 863,99 Aktien = 1,33 ("verbessertes eps")
Der Einsatz von € 532 Mio bringt also eine optische Verbesserung von € 0,058 "immerhin" fast 6 Cent.
Bei der Gelegenheit sei halt auch darauf hingewiesen, dass sich dadurch der Umsatz oder der Gewinn überhaupt NICHT ändert, wenn man das EPS durch Aktienrückkauf um 6 Cent verbessert. Und manche Investoren schauen sich vielleicht auch den wirklichen Gewinn an. Ob das eine Überraschung wäre für den CEO ??
Aber ja, ich will fair bleiben:
Wenn es weniger Aktien gibt, dann steigt die Dividende, weil ja der Gewinn auf "weniger Aktien" aufgeteilt wird. Das stimmt ja mal tatsächlich. Und was macht das aus ?
Gehen wir von den obigen Zahlen aus:
a)
903,4 Mio Aktien x € 0,51 Dividende = € 46,73 Mio Ausschüttung in bar : 886,21 Mio "verbesserte Aktienzahl = € 0,52 "verbesserte Dividende"
b) mit außerordentlichem Rückkaufprogramm:
903,4 Mio Aktien x € 0,51 Dividende = € 46,73 Mio Ausschüttung in bar : 863,99 Mio "verbesserte Aktienzahl = € 0,53 "verbesserte Dividende"
Des Sandmanns zweite Einstreuung:
Die Vernichtung von € 232 Mio bizw. € 532 Mio im Wege des Aktienrückkaufs verbessert ja WIRKLICH unsere künftige Dividende. Um rund 1 Cent bzw. um rund 2 Cent. Fantastisch ...
Des Sandmanns dritte Eintreuung:
Würde man das Geld, das für Aktienrückkäufe reserviert ist, stattdessen an die Aktionäre ausschütten, dann wäre das (je nach außerordentlichem Rückkaufprogramm oder auch nicht):
€ 0,256 bzw. € 0,588 ZUSÄTZLICHE Dividende.
Aber der CEO meint, es ist besser für uns, wenn stattdessen das eps um 0,01 - 0,02 verbessert wird. Ich glaub, diese Story wäre nicht mal dem Sandmann eingefallen ....
Also - alles sinnlos ?? Nein, nicht ganz !!!!! Denn:
irgendwer bekommt ja tatsächlich die Millionen Euro, die für den Rückkauf ausgegeben werden. Schon alleine aus rechtlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten: ich verdächtige natürlich NICHT die gerade großzügig mit Gratisaktien belohnte Führungstruppe oder andere Mitarbeiter der NBG. Ich habe keine Ahnung, wer seine für den Rückkauf benötigten Aktien verkauft und in den Genuss der Millionen kommt. Fest steht nur, dass es jemand ist (bitte den Plural denken).
Faizt:
Es wäre besser, die NBG würde die € 232 Mio (oder gar € 532 Mio) nehmen und anstelle der Aktienrückkäufe damit ein paar Hundert Tankstellen kaufen. Dann haben die Tankenden etwas und wir auch, denn Benzin wirft Gewinne ab, an denen wir partizipieren könnten (soferne er nicht für neue Aktienrückkäufe verwendet wird).
Quod erat demonstrandum....