Nochmal: mein Verständnis ist, dass der nen Brief gekommen hat, in dem drin stand, dass er ca. 30k Aktien aus einem gewährten Bonus aus dem Jahr 2021, 2022 oder 2023 bekommen sollte. Er wartet also schon 3-5 Jahre auf diese Vergütungskomponente für eine Leistung, die er im Jahr 2020, 2021 oder 2022 erbracht hat.
Jetzt wird in diesem Brief gestanden haben, dass er nach dem Zuflussprinzip ca. 40% Steuerbelastung darauf hat. Und wahrscheinlich konnte er ankreuzen, ob er 60k Euro privates Geld in die Hand nehmen will oder ob er stattdessen nur 60% der Aktien in sein Depot gebucht bekommen haben will. Und hat bei letzteren sein Kreuz gemacht.
Der Mann ist meiner Erinnerung nach 63 Jahre, seit 17 Jahren Vorstand, das wird sein letzter Vorstandsvertrag sein, die Rente ruft und er hat den Niedergang des Kurses von >40 auf <4 Euro live mitgemacht, er hat ein enormes Klumpenrisiko mit Evotec. Ist es dann wirklich so dermaßen verwunderlich, dass er kurz vor der Rente nicht noch mal weitere 60k bereits versteuertes eigenes Geld in diese Aktie pumpt? Ich frage mich dann immer, ob all die Leute, die hier in den Foren so etwas anprangern, in deren Situation auch immer so selbstlos handeln würden. I doubt it!
Dass so ein simpler Vorgang immer zu so viel Aufruhr in den Foren führt, ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Wie ich im anderen Forum schon schrieb: in >25 Jahren in diversen Foren habe ich noch nie erlebt, dass jemals ein Foristi das Timing gut fand. Du führst jetzt die Krise an und wenn wir mal ehrlich sind, ist Evotec doch spätestens seit der cyber attack - also seit mehreren Jahren - in der Krise und wird es wohl auch noch ein paar Quartale sein. Nach dieser Denke dürfte niemand aus dem Management über einen Zeitraum von mind. 5 Jahren auch nur eine Aktie verkaufen und jede Steuerschuld für gelieferte Aktien müsste aus privaten Geld begleichen werden. M.E. ist diese Erwartung etwas weltfremd.
Wer in Aktien investiert, der muss auch damit leben, dass das Management mal Teile der erhaltenen Vergütungskomponenten versilbert. Aber aus Sicht der Retail-Foren ist das immer eine der drei Todsünden: i) Insiderverkauf (war es streng genommen noch nicht mal, er hat ja 18k Aktien mehr als vorher im Depot), ii) Analysten-Downgrade und iii) ein HF geht short. How dare you?!
Die Diskussion startet von vorne, wenn er tatsächlich noch Aktien „aktiv“ verkauft - hat er ja im November auch schon getan. Dann ist die Sau wieder am Kreisen :-)