Das Fed-Dilemma: Droht den USA ein "Nixon-Schock" wie in den 1970er Jahren?

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Das Siegel des Federal Reserve Board (FED) der Vereinigten Staaten
©iStock
Mit dem Amtsantritt von Kevin Warsh an der Spitze der Fed droht den USA eine gefährliche Wiederholung der Wirtschaftsgeschichte. Wenn eine Zentralbank dem Druck der Politik nachgibt, geraten die Inflationserwartungen außer Kontrolle. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ein ganz ähnlicher politischer Druck löste in den 1970er Jahren ein verheerendes Jahrzehnt der Stagflation aus.
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Die Unabhängigkeit der Federal Reserve steht vor ihrer größten Belastungsprobe seit Jahrzehnten. Mit der Vereidigung von Kevin Warsh als neuem Vorsitzenden der US-Notenbank durch Präsident Donald Trump im Weißen Haus stellt sich die Frage: Wackelt die Unabhängigkeit der Fed – und steuern die USA mit ihm in eine Epoche der Hochinflation wie vor 50 Jahren?

Das Zerwürfnis zwischen Trump und Warshs Vorgänger Jerome Powell, der unermüdlich vor den inflationären Risiken der präsidialen Wirtschaftsagenda gewarnt hatte, ist in den letzten Monaten immer deutlicher und belastender für die Märkte geworden. Trump hofft darauf, dass mit Warsh an der Fed-Spitze die Zinsen sinken könnten und auch Warsh hat angedeutet, dass durchaus die Möglichkeit für Zinssenkungen bestehe. Aber die Warnungen von Powell haben durchaus eine solide Grundlage.

Die historische Parallele: Richard Nixon und Arthur Burns

Wer die Gegenwart verstehen will, muss das Jahr 1971 analysieren. Damals stand der republikanische Präsident Richard Nixon vor seiner Wiederwahl und forderte eine boomende Wirtschaft. Er setzte den damaligen Fed-Chef Arthur Burns massiv unter Druck, die Zinsen trotz steigender Inflationszeichen niedrig zu halten. Burns gab dem politischen Druck nach – ein historischer Sündenfall.

Werte aus dem Artikel:

Die Folgen des sogenannten "Nixon-Effekts" waren verheerend: Die Geldmenge weitete sich rücksichtslos aus. Als kurz darauf der Ölpreisschock von 1973 die Weltwirtschaft traf, war die Fed geldpolitisch nackt. Die Inflation geriet völlig außer Kontrolle und mündete in die Ära der Stagflation – ein verlorenes Jahrzehnt aus stagnierendem Wachstum und explodierenden Preisen, das erst Anfang der 1980er Jahre von Paul Volcker unter schmerzhaften Zinserhöhungen auf über 20 Prozent gebrochen werden konnte.

Donald Trump und Kevin Warsh: Geschichte wiederholt sich?

Die Parallelen zur heutigen Konstellation sind unübersehbar. Trump fordert lautstark und kontinuierlich Zinssenkungen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Gleichzeitig treiben exogene Faktoren die Teuerung: Der Krieg mit dem Iran hat die Energiepreise angeheizt, wodurch die US-Inflationsrate im April sprunghaft auf 3,8 Prozent angestiegen ist – weit entfernt vom 2-Prozent-Ziel der Notenbank.

Kevin Warsh, ein erfahrener Wall-Street-Insider und ehemaliger Fed-Gouverneur, tritt sein Amt somit in einer geldpolitischen Zerreißprobe an. Zwar betonte Warsh in den Anhörungen vor dem Senat, die Unabhängigkeit der Institution wahren zu wollen, und auch Trump hat erklärt, dass Warsh völlig frei in seinen Entscheidungen sei. Doch Kritiker verweisen auf früheren Aussagen Warshs, wonach er strukturelle Produktivitätsgewinne (unter anderem durch Künstliche Intelligenz) erwartet, die ein höheres Wachstum auch ohne Inflationsdruck erlauben würden – eine Argumentation, die Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen gefährlich nahekommt.

Das systemische Risiko für Anleger

Sollte Warsh den Zinssenkungsforderungen des Weißen Hauses nachgeben, während die Rohstoff- und Energiepreise kriegsbedingt weiter steigen, droht den Märkten ein ähnliches Szenario wie 1974: Eine Entankerung der Inflationserwartungen. Wenn Marktteilnehmer das Vertrauen verlieren, dass die Zentralbank die Preise stabil halten will und darf, flüchten sie aus Geld- in Sachwerte. Die Folge wäre ein massiver Ausverkauf am langen Ende des Anleihemarktes und ein historischer Rendite-Schock, da Investoren einen massiven Risikoaufschlag für die galoppierende Inflation verlangen.

Das Risiko einer Wiederholung des "Nixon-Schocks" ist kein theoretisches Schreckgespenst, sondern ein reales Marktrisiko für die kommenden Jahre. In einem solchen Umfeld verliert das klassische 60/40-Portfolio (Aktien/Anleihen) seine Schutzfunktion. Investoren müssen sich darauf einstellen, dass die Inflation hartnäckig über dem Zielwert bleibt. Die Gewinner eines solchen Regimewechsels wären reale Sachwerte – allen voran Gold (Goldkurs), Energieaktien und Unternehmen mit einer so extremen Preissetzungsmacht, dass sie die schwindende Kaufkraft des Dollars direkt an ihre Kunden weitergeben können.

Autor: Ingo Kolf, sbh-Redaktion




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