Xiaomi-Schock: KI-Boom frisst Smartphone-Gewinne – jetzt muss das E-Auto die Kohlen aus dem Feuer holen
ARIVA.DE Redaktion  | 
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KI-generiert mit DALL-E
Xiaomi bekommt die Schattenseite des KI-Booms zu spüren: Teure Speicherchips drücken die Marge im Smartphone-Geschäft, der Gewinn bricht ein und der Umsatz enttäuscht zudem. Gleichzeitig verschlingt die Expansion in Elektroautos und Künstliche Intelligenz Milliarden. Jetzt setzt der Konzern auf reduzierte Preise, Europa-Fantasie und ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm.
Für dich zusammengefasst:
Xiaomi verzeichnete im ersten Quartal einen Gewinneinbruch.
Die Smartphone-Auslieferungen sanken um 19 Prozent auf 33,8 Millionen.
Im Elektroauto-Geschäft stieg der Umsatz um 5,1 Prozent auf 19 Milliarden Yuan.
Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi ist mit einem deutlichen Gewinneinbruch ins neue Geschäftsjahr gestartet. Der bereinigte Nettogewinn sank im ersten Quartal um 43 Prozent auf 6,1 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 772 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 6,4 Milliarden Yuan gerechnet. Auch der Umsatz enttäuschte: Mit 99,1 Milliarden Yuan blieb Xiaomi unter der Konsensschätzung von 103,4 Milliarden Yuan. Belastet wurde der Konzern vor allem durch steigende Speicherchip- und Komponentenkosten sowie den harten Wettbewerb im chinesischen Smartphone-Markt.
Speicherchips werden zur Gewinnbremse
Ausgerechnet der KI-Boom, von dem viele Technologiewerte profitieren, wird für Xiaomi zum Problem. Der massive Ausbau von Rechenzentren erhöht die Nachfrage nach Speicherchips. Dadurch steigen die Kosten für Bauteile, die auch in Smartphones benötigt werden. Xiaomi-Präsident William Lu merkte auf der Telefonkonferenz an, dass sich die Branche auf dauerhaft höhere Speicherkosten einstellen müsse.
Die Folgen zeigen sich deutlich im Kerngeschäft. Die Smartphone-Auslieferungen sanken im ersten Quartal um 19 Prozent auf 33,8 Millionen Geräte. Laut Omdia war das der stärkste Rückgang unter den fünf größten Smartphone-Herstellern weltweit. Der Umsatz der Smartphone-Sparte fiel um 12,5 Prozent auf 44,3 Milliarden Yuan, die Bruttomarge sank von 12,4 Prozent auf 10,1 Prozent.
Für Xiaomi ist das besonders bitter, weil Smartphones weiterhin das wichtigste Volumengeschäft des Konzerns sind. Höhere Komponentenpreise lassen sich im hart umkämpften Android-Markt nur begrenzt an Kunden weitergeben. Gerade chinesische Hersteller stehen unter Druck, weil sie stark über Preis-Leistungs-Verhältnisse konkurrieren.
Smartphone-Markt bleibt schwierig
Der Ausblick für den Smartphone-Markt bleibt daher verhalten. Counterpoint Research hatte bereits gewarnt, dass steigende Halbleiterkosten die weltweiten Smartphone-Auslieferungen 2026 belasten könnten. Besonders betroffen ist das niedrigere Preissegment, in dem Komponentenpreise einen deutlich höheren Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.
Für Xiaomi bedeutet das: Der Konzern kann nicht einfach auf eine schnelle Normalisierung hoffen. Wenn Speicherchips bis weit ins Jahr 2027 knapp und teuer bleiben, dürfte der Margendruck im Smartphone-Geschäft anhalten. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob neue Geschäftsfelder den Druck im Kerngeschäft schnell genug ausgleichen können.
Elektroautos: Wachstumsstory mit hohen Kosten
Die große Hoffnung der Chinesen heißt Elektroauto. Xiaomi hat sich in kurzer Zeit als ernstzunehmender neuer Wettbewerber im chinesischen Automarkt positioniert. Im ersten Quartal lieferte der Konzern 80.856 Elektrofahrzeuge aus. Gegenüber dem vierten Quartal war das zwar ein Rückgang um 44,3 Prozent, im Jahresvergleich lagen die Auslieferungen aber 6,6 Prozent höher. Der Umsatz im EV-Geschäft stieg um 5,1 Prozent auf 19 Milliarden Yuan.
Doch die Expansion ist teuer. Der operative Verlust aus Elektroautos, Künstlicher Intelligenz und weiteren neuen Initiativen summierte sich im ersten Quartal auf 3,1 Milliarden Yuan. Genau hier liegt das zentrale Spannungsfeld: Xiaomi baut sich mit Elektroautos und KI neue Wachstumstreiber auf, bezahlt diese Zukunft aber mit kurzfristigem Ergebnisdruck.
Xiaomi erhöht den Druck auf Tesla
Im chinesischen Elektroautomarkt verschärft Xiaomi zugleich den Preiskampf. Vergangene Woche stellte der Konzern eine günstigere Version seines Flaggschiff-SUVs YU7 vor. Der Startpreis liegt bei 233.500 Yuan und damit rund 8 Prozent unter der Vorgängerversion. Damit setzt Xiaomi nicht nur kleinere chinesische Wettbewerber unter Druck, sondern auch Tesla, dessen Model Y in China bereits seit Monaten in einem intensiven Preiskampf steht.
Ab 2027 will Xiaomi zudem nach Europa expandieren. Das könnte dem Konzern eine neue Wachstumsplattform eröffnen, erhöht aber gleichzeitig die Anforderungen an Produktion, Vertrieb, Service und Regulierung. Europa ist für chinesische E-Auto-Hersteller attraktiv, aber politisch und wettbewerblich schwieriger geworden.
Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
Um das Vertrauen der Anleger zu stärken, legt Xiaomi ein neues Aktienrückkaufprogramm auf. Ab dem 2. Juni 2026 will der Konzern innerhalb von 12 Monaten B-Aktien im Wert von bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar zurückkaufen. Die zurückgekauften Aktien sollen anschließend eingezogen werden.
Das Programm ist ein klares Signal des Managements: Xiaomi will zeigen, dass es die eigene Aktie für attraktiv hält und genügend finanzielle Kraft besitzt, um trotz Investitionen in Elektroautos und KI Kapital an Aktionäre zurückzugeben. Allerdings ersetzt ein Rückkaufprogramm keine operative Trendwende. Entscheidend bleibt, ob Xiaomi die Margen im Smartphone-Geschäft stabilisieren und das EV-Geschäft schneller in Richtung Profitabilität führen kann.
Anleger zwischen Fantasie und Realität
Die Xiaomi-Aktie bleibt damit eine Wette auf zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Auf der einen Seite steht ein schwächelndes Smartphone-Geschäft, das durch höhere Speicherchippreise und aggressive Konkurrenz belastet wird. Auf der anderen Seite locken Elektroautos, Künstliche Intelligenz, internationale Expansion und ein Ökosystem aus Smartphone, Smart Home und Fahrzeug.
Gerade diese Mischung macht Xiaomi spannend, aber auch riskant. Der Konzern ist längst mehr als ein Smartphone-Hersteller. Doch der Umbau kostet Geld, drückt auf die Gewinne und macht die Aktie anfällig für Enttäuschungen. Solange die Speicherpreise hoch bleiben und der chinesische Automarkt von Rabattschlachten geprägt ist, dürfte der Weg holprig bleiben.
Abwarten statt einsteigen
Xiaomi steckt in einer schwierigen Übergangsphase. Das Smartphone-Geschäft leidet unter steigenden Komponentenkosten und sinkenden Auslieferungen. Gleichzeitig investiert der Konzern massiv in Elektroautos und Künstliche Intelligenz, was kurzfristig auf den Gewinn drückt. Das neue Aktienrückkaufprogramm kann die Stimmung stützen, löst aber nicht das operative Grundproblem.
Für Anleger lautet die Kernfrage: Wird Xiaomi zum erfolgreichen Tech-Auto-Konzern mit KI-Fantasie oder frisst der teure Umbau die Gewinne schneller auf, als die neuen Geschäftsfelder liefern können?
Kurzfristig bleibt die Aktie anfällig. Langfristig bleibt Xiaomi eine der spannendsten, aber auch riskantesten China-Tech-Wetten.
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