Die Algos haben heute ein Shortmassaker veranstaltet. SMA 38 (4,92 €) und SMA 50 (5,21 €) wurden widerstandslos überrannt und der wie an der Perlenschnur gezogene Bullrun stoppte erst direkt unterhalb der SMA 100 (5,45 €).
Der RSI 14 wurde auf 82 hochgeprügelt, was die Aussichten für eine kurzfristige Fortsetzung des Bullruns Richtung SMA200 (5,95 €) leider stark eintrübt.
Nach Playbook dürften die Algos morgen wieder auf Verkaufen drehen und einen Retest der SMAs 38 und 50 anstreben, bevor die SMA200 in den Fokus gerät.
Für Investoren alles Nonevents... aber natürlich tut es gut, die Aktie endlich mal wieder deutlich steigend zu erleben, nachdem wir hier im Forum wochenlang mit Negativposts shortwilliger Kurzfristzocker bombardiert wurden. Einigen davon dürften die Algos heute finanziell einen Einlauf vom Feinsten verpasst haben... gut so!
Wenn man dem Kern der Berenberg News glauben schenken darf, wonach Evo mit deutlich steigenden Auftragsvolumina seitens KI-gestützter Medikamenten- und Wirkstoffforschung rechnen darf, dann sollte der heutige Kursanstieg nicht der letzte in 2026 sein.
Wer nun allerdings bereits für Q1 oder Q2 mit besserem Umsatz rechnet, wird m.E. schwer enttäuscht.
Q1 dürfte sowohl USD-Umrechnungskurs-bedingt als auch infolge des Sandoz-Deals (Wegfall Toulouse-Umsatz + Wegfall US-Sandoz-Umsatz wegen Inhouse-Verlagerung nach Toulouse) im VJ-Vergleich nochmals deutlich sinkende Umsätze (in beiden Geschäftseinheiten) gesehen haben.
Q2 könnte im Vergleich zu Q2 25 dann zumindest ein stabiles Umsatzniveau sehen... Q3 erwarte ich Wachstum, Q4 dürfte dank des sich in 2026 nicht wiederholenden Sondereffekts aus Q4 25 (Einmal-Lizenzzahlung 65 Mio USD) nochmal leicht schwächer ausfallen, sofern der USD nicht komplett einbricht, was angesichts Trumps Megaverschuldungspolitik (> 7% Haushaltsdefizit) indes jederzeit möglich erscheint...
Fundamental weitaus erfreulichere Nachrichten erwarte ich mir im Jahresverlauf von der EPS-Entwicklung.
Q1 dürfte dank Horizon-Rückstellungen und Wertberichtigungen von in Summe min 100 Mio € granatenschlecht ausfallen. Q2 indes könnte dank Tubulis-deal (min. 100 Mio USD a.o.E.) erstmals wieder schwarze Zahlen liefern. Ab Q3 dürfte sich das berichtete EBITDA dank Restrukturierungsrückstellungen aus Q1 dann erstmals dem bereinigten EBITDA annähern und eine deutliche Profitabilitätsverbesserung vs. Q325 sichtbar werden.
Ich erwarte im Gesamtjahr ca. 150 Mio EUR Einmalbelastung durch Restrukturierungs-Rückstellungen und Wertberichtigungen. Dem gegenüber erwarte ich indes auch außerordentliche Gewinne aus Beteiligungsverkäufen (Dark Blue + Tubulis) in der Größenordnung von 125 bis 175 Mio EUR, so dass die einmaligen Restrukturierungskosten durch Veräußerungsgewinne weitestgehend kompensiert werden könnten und mithin das Konzernergebnis 2026 Richtung -50 bis -25 Mio EUR verbessert und der Konzernverlust nochmals halbiert werden könnte.
Für den Fall, dass ein erheblicher Teil der vereinbarten Earn Outs aus den beiden Beteiligungsverkäufen bereits in 2026 erfolgswirksam verbucht werden könnten, wäre im Bestcase sogar eine schwarze Null möglich, aber davon will ich lieber (noch) nicht träumen.
Für die mittel- und langfristige Kursentwicklung fraglos wesentlich entscheidender als das EPS2026 werden die operative Umsatz- und Margenentwicklung sein. Sollte Evotec Ende 2026 tatsächlich wieder auf Wachstumskurs gelangen und die EBITDA-Marge glaubhaft schrittweise Richtung 20% verbessert werden, ist eine Rückkehr zu zweistelligen Kursniveaus m.E. nur eine Frage der Zeit.
Wenn nicht, wird der heutige Shortsqeeze bei weitem nicht ausreichen, um weitere Abverkäufe von Algos und Shorties zu verhindern...
Kurzfristig dürfte der heutige Tag indes erst einmal nachwirken und auf der Longseite für etwas Entspannung nach monatelangem Kursmassaker sorgen...