JP Morgan und HSBC setzen auf KI, Pharma und Zykliker – doch der S&P 500 warnt

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Die Investmentbanken JP Morgan und HSBC benennen ihre Favoriten für den Sommer: Technologie, Gesundheit, Konsum. Gleichzeitig zeigt der S&P 500 ein Rallymuster, das zuletzt vor dem Börsencrash 1987 auftrat – eine Konstellation, die erfahrene Anleger nicht ignorieren sollten.
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JP Morgans Monatsliste: Zehn Titel für Juni

Jeden Monat verdichten die Analysten von JP Morgan ihre besten Einzelideen auf eine kurze Liste – aufgeteilt nach Anlagestrategien: Wachstum, Einkommensorientierung, Value und Short-Positionen. Die Aktienempfehlungen für Juni spiegeln das breite Themenspektrum wider, das die Bank bei US-Aktien und internationalen Titeln aktuell für aussichtsreich hält.

JP Morgan Top-Picks – Juni 2026
Ticker Unternehmen Börse
AMZN Amazon.com NASDAQ
AVGO Broadcom NASDAQ
BA Boeing NYSE
CELH Celsius Holdings NASDAQ
GOOGL Alphabet (Kl. A) NASDAQ
LLY Eli Lilly NYSE
QTWO Q2 Holdings NYSE
UAL United Airlines Holdings NASDAQ
VSAT Viasat (Neuzugang) NASDAQ
WMT Walmart NASDAQ

Neu auf der Liste steht Viasat, ein globaler Anbieter von Satellitenkommunikation und direkter Konkurrent von SpaceX' Starlink-Dienst. Das Unternehmen hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 730 Prozent an Börsenwert zugelegt. Dass Viasat in den letzten Handelstagen nach Einreichung eines Shelf-Registration-Antrags bei der US-Börsenaufsicht SEC rund 16 Prozent verlor, stört JP Morgan offenbar nicht. Das Analysehaus Needham bekräftigte gleichzeitig seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 58 auf 90 Dollar (Dollarkurs) an. Etwa 70 Prozent von Viasats Umsatz stammt aus dem Kommunikationsgeschäft, der Rest aus Verteidigungs- und Technologiesparten. Jüngster Vertragsgewinn: eine Zusammenarbeit mit Lockheed Martin (Lockheed Martin Aktie) zur Unterstützung von NOAA-Wetterflugzeugen.

Ein weiterer Favorit mit besonderer Dynamik ist Eli Lilly. Der Pharmakonzern aus Indianapolis kehrte im Mai mit einer neuen Offensive in den Impfstoff- und Infektionskrankheitsmarkt zurück. Parallel dazu hat CVS Health (CVS Health Aktie) die Kostenerstattung für Lillys Abnehmmittel Zepbound in seinen Versicherungsplänen wiederhergestellt – ein Schlag gegen den dänischen Konkurrenten Novo Nordisk. Die Wall Street reagiert positiv: Mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar und sieben Akquisitionen in den vergangenen drei Monaten bleibt Lilly der Konsens-Favorit unter den großen Pharmawerten. Der Kurs notiert rund 73 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von August 2025.

Werte aus dem Artikel:
Alphabet (Google) Aktie 311,05 € +0,05%
Amazon Aktie 220,45 € -0,09%
Boeing Aktie 186,70 € -0,26%
Broadcom Aktie 423,95 € +2,37%
Eli Lilly and Aktie 915,60 € +0,02%
Walmart Aktie 97,27 € +0,09%

HSBC-Stratege Kettner: KI-Boom und zyklische Nachzügler

Max Kettner, Chef-Multiasset-Stratege bei der HSBC, hatte frühzeitig auf eine Erholung der US-Märkte gesetzt – im März 2026 bezeichnete er seine Positionierung als „maximal bullish", als der Nasdaq noch in einer technischen Kurskorrektur steckte. Seither hat der Index rund 30 Prozent hinzugewonnen, der S&P 500 knapp 19 Prozent.

„Die Stärke der Tech-Konzerne haben viele unterschätzt. Am Ende haben Investoren ihren Pessimismus abgeschüttelt, was zu einer Aufholrally geführt hat." — Max Kettner, Chef-Multiasset-Stratege, HSBC

Was Kettner besonders früh erkannte: die Preisexplosion bei DRAM-Speicherchips, die in Servern und Rechenzentren für KI-Anwendungen benötigt werden, kombiniert mit überraschend starken Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne. Während geopolitische Risiken aus dem Irankonflikt viele Investoren zurückhielten, konzentrierte er sich auf die fundamentalen Daten – und behielt recht.

Exemplarisch für diese Entwicklung steht Micron Technology. Das US-Speicherunternehmen hat als erstes Unternehmen überhaupt seine Marktkapitalisierung in nur 48 Tagen verdoppelt und überschritt zuletzt erstmals die Marke von einer Billion Dollar. Nvidia benötigte für denselben Schritt 490 Tage – eine Dimension, die Finanzhistoriker beschäftigen wird.

Kettner sieht weiteres Kurspotenzial, allerdings nicht mehr ausschließlich im Technologiesektor. Die nächste Phase der Rally könnte seiner Einschätzung nach von Zyklika getragen werden – Hausbaukonzerne und Einzelhändler, die in der Geopolitik-Unruhe unterproportional von der Erholung profitiert haben und fundamental robust dastehen. Ähnlich argumentiert Ulrike Hoffmann-Burchardi, Investmentchefin der UBS: Die starke Kursentwicklung der Technologiewerte verlange ein Rebalancing in andere Sektoren, um Konzentrationsrisiken abzubauen.


Inflation und Zinspolitik: Die Unbekannte im Sommer

Der private Konsumausgabenindex (PCE) stieg im April auf 3,8 Prozent im Jahresvergleich – der stärkste Anstieg seit zwei Jahren. Die Kernrate, die Fed-Präferenzgröße für Inflationsmessung ohne Energie und Nahrungsmittel, lag bei 3,3 Prozent. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Folgen des seit Februar andauernden Irankonflikts, der länger anhält als zunächst angenommen.

Fed-Gouverneur Christopher Waller, der ursprünglich Zinssenkungen befürwortet hatte, revidierte seine Einschätzung in Frankfurt: Sollte der Inflationsdruck anhalten, seien auch Leitzinserhöhungen denkbar. Der Markt preist eine unveränderte Leitzinsspanne von 3,5 bis 3,75 Prozent für die nächste Fed-Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent ein, wie CME-Daten zur Zinspolitik der Fed zeigen.

Kettner rechnet für den Sommer mit „Bremsspuren" an den Märkten, falls die Inflationssorgen die Stimmung drücken. Steigende Anleiherenditen verteuern die Unternehmensfinanzierung und machen festverzinsliche Anlagen attraktiver – beides belastet in der Regel Aktien. Dennoch glaubt er nicht, dass die Fed zu einer Reihe von Zinsschritten gezwungen sein wird, und hält die Rally grundsätzlich für intakt.


Die Mega-IPOs: Chance oder Belastung?

Mit den bevorstehenden Börsengängen von SpaceX (angestrebte Bewertung: 1,75 Billionen Dollar), OpenAI und Anthropic steht der Kapitalmarkt vor einer historischen Testsituation. Eine Fraktion der Wall Street befürchtet, dass die Größenordnungen den Markt überfordern könnten – zumal unprofitable Unternehmen mit Rekordvaluierungen Erinnerungen an den Dotcom-Boom wecken. NYU-Professor Scott Galloway formulierte es pointiert: „Es fühlt sich an wie 1999."

Kettner teilt diese Sorge nicht. Da der IPO-Markt in den vergangenen Jahren praktisch zum Erliegen kam, verfüge er nun über erhebliche Aufnahmekapazität. Dass er nun mit großen Transaktionen wieder Fahrt aufnehme, sei ein Zeichen von Markttiefe, keine Überhitzung. Bei europäischen Aktien hingegen bleibt der HSBC-Stratege skeptisch: Fehlende Technologiekomponente, geringeres Gewinnwachstum und negative fiskalpolitische Impulse vor allem in Frankreich sprechen gegen eine Rotation dorthin.


Das historische Warnsignal: S&P 500 im Crashmuster von 1987

⚠️ Risikohinweis · Marktstruktur: Der S&P 500 hat in den Monaten April und Mai 2026 mehr als 16 Prozent zugelegt. Laut Analyse der Deutschen Bank Research ist eine Zweimonatsperformance dieser Größenordnung seit dem Zweiten Weltkrieg nur viermal aufgetreten – und das letzte Mal außerhalb einer Rezessionserholung waren die Monate unmittelbar vor dem Börsencrash vom Oktober 1987.

Henry Allen, Makrostratege bei Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) Research, formuliert den Befund nüchtern: Die Geschwindigkeit der aktuellen Rally widerspreche allen jüngsten Präzedenzfällen für eine Wirtschaft, die nicht aus einer Rezession herauskomme. Die übrigen drei historischen Vergleichsperioden – April/Mai 2020 nach dem Covid-Schock, März/April 2009 nach der Finanzkrise und Januar/Februar 1975 nach dem ersten Ölpreisschock – hatten stets eine klare makroökonomische Begründung: Anleger kauften nach einer schweren Erschütterung aggressiv nach. Eine solche Ausgangssituation liegt diesmal nicht vor.

Was den aktuellen Kursanstieg antreibt, ist bekannt: der KI-Boom und die überraschend starken Unternehmensgewinne vor allem im Technologiesektor. KI-Aktien wie Micron überschritten neue Börsenbewertungs-Schwellen, Nvidia-CEO Jensen Huang nannte Marvell Technology als nächsten potenziellen Anwärter auf den Billion-Dollar-Klub. Die Euphorie ist breit, die Bewertungen hoch.

Doch die Risiken mehren sich. Kreditaufschläge am Unternehmensanleihemarkt sind trotz wirtschaftlichem Druck eng geblieben. Die private Sparquote der US-Verbraucher fiel auf ein Niveau, das zuletzt kurz 2022 und vor der Finanzkrise 2008 gemessen wurde. Der Ölpreis ist derzeit stabil, doch die weiter geschlossene Straße von Hormus bleibt eine Unbekannte. Deutsche Bank Research warnt: Ob die aktuelle Marktruhe anhält, wenn die Straße von Hormus länger geschlossen bleibt als erwartet, sei mehr als fraglich.

Morgan Stanleys Strategin Serena Tang hat einen negativen Ausschlag bei ihrem Stimmungsindikator registriert. Barclays' Stefano Pascale diagnostiziert ein überstrapaziertes Positionierungsbild im Markt. „Die Risiken für einen Rücksetzer bauen sich auf", schrieb er in einer aktuellen Notiz.

Das Szenario 1987 ist kein Wahrscheinlichkeitsurteil – es ist eine historische Parallele, die aufhorchen lässt. Der Crash im Oktober jenes Jahres folgte auf eine lange, technologisch getriebene Hausse, dichte Positionierungen und eine Notenbank, die sich mit Zinserhöhungen schwer tat. Die Ähnlichkeiten zur Gegenwart sind strukturell, nicht identisch. Für Privatanleger und Investoren mit mittlerem Anlagehorizont, die etwa die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt gestalten, bedeutet das konkret: Die Empfehlungen von JP Morgan und HSBC mögen fundamental begründet sein – doch ein Aktienmarkt, der in diesem Tempo steigt, bietet wenig Sicherheitsmarge für den Fall, dass sich eine der genannten Unbekannten materialisiert.

 

 



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