04.09.2008 08:50
US-Automobilmarkt bricht im August weiter ein
Der Rückgang des Automobilabsatzes in den USA hat sich ungeachtet zum Teil massiver Rabatte auch im August unvermindert fortgesetzt. Nach den Erhebungen des Marktforschungsunternehmen Autodata Corp wurden mit 1,25 Mio Pkw und Geländewagen insgesamt 15,5% weniger Neufahrzeuge verkauft als im Vorjahresmonat.
Bis auf wenige Ausnahmen mussten alle Hersteller Einbußen hinnehmen. Auch die deutschen Konzerne konnten sich dem Abwärtstrend überwiegend nicht entziehen. Bei BMW und Mercedes-Benz fingen die Kleinwagen Mini und smart die Verluste der Traditionsmarken wieder auf. Lediglich Volkswagen verbuchte mit knapp 22.300 Fahrzeugen ein leichtes Plus in der Kernmarke, das aber ausschließlich auf der Nachfrage nach Jetta und Tiguan basierte.
Porsche verlor mit allen Modellen und kam auf 45% Absatzrückgang. Allerdings rechnet der Sportwagenhersteller mit anziehender Nachfrage beim neuen 911 Carrera, der in knapp zwei Wochen in Nordamerika auf den Markt kommt. Audi verbuchte nur bei den Modellreihen A5 und A6 Zuwächse; insgesamt gingen die Verkäufe aber um 16% zurück. Vom benzindurstigen Q7 konnte Audi mit 900 Einheiten nur halb soviel absetzen wie noch im Jahr zuvor.
Mercedes-Benz verlor fast 12% Absatz und mit Ausnahme der C-Klasse in allen Modellreihen. Der smart-Absatz von 2.420 Einheiten bügelte das Minus von Mercedes-Benz nahezu wieder aus. BMW profitierte lediglich vom neuen Geländewagen X5 und etwas besseren Verkäufen der 5er-Reihe. Insgesamt ging der Absatz der Marke BMW um 4% zurück. Dafür verzeichnete der Mini ein Absatzplus von 34% auf 5.470 Stück.
Die Hauptlast der von den hohen Benzinpreisen und Rezessionsängsten gedämpften Nachfrage trugen abermals die US-Hersteller. Alle drei verbuchten einen deutlich stärkeren Absatzrückgang als der Markt insgesamt. General Motors verkaufte im August mit gut 307.000 Einheiten - 20% weniger Fahrzeuge als ein Jahr zuvor.
Ford kam auf einen Absatz von gut 155.000 Fahrzeuge, ein Rückgang von 26,5%. Die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler verkaufte mit etwa 110.000 Automobilen zwar ein Fünftel mehr als im Juli, verglichen mit dem Vorjahresmonat bleibt dennoch ein Minus von 34,5%.
Anders als die US-Wettbewerber verliert Chrysler nicht nur erheblich Kundschaft bei den einstmals so beliebten, spritfressenden Geländewagen und Pickups. Auch im Pkw-Geschäft läuft es nicht rund. Nur noch 26.000 Kunden entschieden sich für ein Fahrzeug der Marken Chrysler und Dodge, das sind 38,5% weniger als ein Jahr zuvor.
Nur knapp blieb Chrysler nach Gesamtabsatz vor Nissan. Die Japaner profitierten unerwartet von der Markteinführung des Crossover-Modells Rogue und legten im Monatsvergleich gegen den Trend um 13,6% auf 108.500 Einheiten zu. Damit hätten sie Chrysler, die ehemalige Nummer drei am US-Markt, fast auf Platz sechs verdrängt.
Toyota und Honda, die Nummer zwei und vier am US-Markt, konnten sich im August ebenfalls nicht gegen den Trend stemmen. Mit ihren Geländewagen verloren beide prozentual zweistellig. Insgesamt sank der Absatz bei Toyota um 9,4% auf gut 211.500 Einheiten und bei Honda um 7,3% auf knapp 147.000. Dennoch war ein Toyota das beliebteste August-Modell. Der Camry verkaufte sich besser als der jahrelange Topseller F-150, ein Pickup von Ford.
Als zunehmend untauglich erwies sich im August die erneute aufgelegte Rabattstrategie der US-Hersteller. So verkauft Chrysler den Pickup Dodge Ram je nach Teilmarkt mit bis zu 40% oder 9.000 USD Abschlag. Dennoch ging dessen Verkauf im August um 23% zurück. Die US-Hersteller wollen trotzdem auch im September weiter mit teils massiven Preisnachlässen verkaufen.
Dass diese Anreize wirkungslos bleiben, hat seine Ursache zunehmend in dem Umstand, dass mehr und mehr Amerikaner keine Finanzierung mehr für den Kauf eines Autos bekommen. "Das größte Problem ist Kredit", sagte jüngst Chrysler-President Jim Press, nicht der verteuerte Benzinpreis.
Dennoch sehen die Analysten der US-Hersteller Hinweise auf eine mögliche Marktberuhigung: "Es gibt erste Anzeichen für etwas verbesserte Umstände", sagte etwa Ford-Volkswirtin Elles Hughes-Cromwick und verwies auf die jüngste Entspannung der Benzinpreise und Verbesserungen beim Verbrauchervertrauen.
Auch für Michael DiGiovanni, Absatzanalyst bei GM, ist ersichtlich, dass der amerikanische Verbraucher sich wieder "besser fühlt". Deshalb sei der US-Automobilmarkt "am Boden angelangt oder zumindest nahe daran". Beide warnen jedoch vor einer schnellen Markterholung. Nach Einschätzung von Hughes-Cromwick wird es Monate oder sogar ein paar Quartale brauchen, bis von einer Erholung des Marktes gesprochen werden kann.
Der saisonal bereinigte aktuelle Jahresabsatz - eine der wichtigen Kennziffern zur Beurteilung des Gesamtmarktes - lag per Ende August bei 13,7 Mio und damit deutlich über den 12,55 Mio des Vormonats. Im August 2007 hatte Autodata allerdings noch einen annualisierten Gesamtabsatz von 16,3 Mio Einheiten ermittelt.
Die Marktforscher von J.D. Powers erwarten, dass der Jahresabsatz 2008 bei 14,2 Mio Fahrzeugen in den USA liegt. Das sind eine Dreiviertel Million weniger als zunächst veranschlagt.
Webseiten: www.bmw.de www.chrysler.com www.daimler.com www.ford.com www.gm.com www.honda.com www.porsche.com www.toyota.com www.volkswagen.de
-Von Olaf Ridder, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, unternehmen.de@dowjones.com (Mike Barris und Neal E. Boudette haben zu diesem Bericht beigetragen) DJG/DJN/rio
(END) Dow Jones Newswires
US-Automobilmarkt bricht im August weiter ein
Der Rückgang des Automobilabsatzes in den USA hat sich ungeachtet zum Teil massiver Rabatte auch im August unvermindert fortgesetzt. Nach den Erhebungen des Marktforschungsunternehmen Autodata Corp wurden mit 1,25 Mio Pkw und Geländewagen insgesamt 15,5% weniger Neufahrzeuge verkauft als im Vorjahresmonat.
Bis auf wenige Ausnahmen mussten alle Hersteller Einbußen hinnehmen. Auch die deutschen Konzerne konnten sich dem Abwärtstrend überwiegend nicht entziehen. Bei BMW und Mercedes-Benz fingen die Kleinwagen Mini und smart die Verluste der Traditionsmarken wieder auf. Lediglich Volkswagen verbuchte mit knapp 22.300 Fahrzeugen ein leichtes Plus in der Kernmarke, das aber ausschließlich auf der Nachfrage nach Jetta und Tiguan basierte.
Porsche verlor mit allen Modellen und kam auf 45% Absatzrückgang. Allerdings rechnet der Sportwagenhersteller mit anziehender Nachfrage beim neuen 911 Carrera, der in knapp zwei Wochen in Nordamerika auf den Markt kommt. Audi verbuchte nur bei den Modellreihen A5 und A6 Zuwächse; insgesamt gingen die Verkäufe aber um 16% zurück. Vom benzindurstigen Q7 konnte Audi mit 900 Einheiten nur halb soviel absetzen wie noch im Jahr zuvor.
Mercedes-Benz verlor fast 12% Absatz und mit Ausnahme der C-Klasse in allen Modellreihen. Der smart-Absatz von 2.420 Einheiten bügelte das Minus von Mercedes-Benz nahezu wieder aus. BMW profitierte lediglich vom neuen Geländewagen X5 und etwas besseren Verkäufen der 5er-Reihe. Insgesamt ging der Absatz der Marke BMW um 4% zurück. Dafür verzeichnete der Mini ein Absatzplus von 34% auf 5.470 Stück.
Die Hauptlast der von den hohen Benzinpreisen und Rezessionsängsten gedämpften Nachfrage trugen abermals die US-Hersteller. Alle drei verbuchten einen deutlich stärkeren Absatzrückgang als der Markt insgesamt. General Motors verkaufte im August mit gut 307.000 Einheiten - 20% weniger Fahrzeuge als ein Jahr zuvor.
Ford kam auf einen Absatz von gut 155.000 Fahrzeuge, ein Rückgang von 26,5%. Die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler verkaufte mit etwa 110.000 Automobilen zwar ein Fünftel mehr als im Juli, verglichen mit dem Vorjahresmonat bleibt dennoch ein Minus von 34,5%.
Anders als die US-Wettbewerber verliert Chrysler nicht nur erheblich Kundschaft bei den einstmals so beliebten, spritfressenden Geländewagen und Pickups. Auch im Pkw-Geschäft läuft es nicht rund. Nur noch 26.000 Kunden entschieden sich für ein Fahrzeug der Marken Chrysler und Dodge, das sind 38,5% weniger als ein Jahr zuvor.
Nur knapp blieb Chrysler nach Gesamtabsatz vor Nissan. Die Japaner profitierten unerwartet von der Markteinführung des Crossover-Modells Rogue und legten im Monatsvergleich gegen den Trend um 13,6% auf 108.500 Einheiten zu. Damit hätten sie Chrysler, die ehemalige Nummer drei am US-Markt, fast auf Platz sechs verdrängt.
Toyota und Honda, die Nummer zwei und vier am US-Markt, konnten sich im August ebenfalls nicht gegen den Trend stemmen. Mit ihren Geländewagen verloren beide prozentual zweistellig. Insgesamt sank der Absatz bei Toyota um 9,4% auf gut 211.500 Einheiten und bei Honda um 7,3% auf knapp 147.000. Dennoch war ein Toyota das beliebteste August-Modell. Der Camry verkaufte sich besser als der jahrelange Topseller F-150, ein Pickup von Ford.
Als zunehmend untauglich erwies sich im August die erneute aufgelegte Rabattstrategie der US-Hersteller. So verkauft Chrysler den Pickup Dodge Ram je nach Teilmarkt mit bis zu 40% oder 9.000 USD Abschlag. Dennoch ging dessen Verkauf im August um 23% zurück. Die US-Hersteller wollen trotzdem auch im September weiter mit teils massiven Preisnachlässen verkaufen.
Dass diese Anreize wirkungslos bleiben, hat seine Ursache zunehmend in dem Umstand, dass mehr und mehr Amerikaner keine Finanzierung mehr für den Kauf eines Autos bekommen. "Das größte Problem ist Kredit", sagte jüngst Chrysler-President Jim Press, nicht der verteuerte Benzinpreis.
Dennoch sehen die Analysten der US-Hersteller Hinweise auf eine mögliche Marktberuhigung: "Es gibt erste Anzeichen für etwas verbesserte Umstände", sagte etwa Ford-Volkswirtin Elles Hughes-Cromwick und verwies auf die jüngste Entspannung der Benzinpreise und Verbesserungen beim Verbrauchervertrauen.
Auch für Michael DiGiovanni, Absatzanalyst bei GM, ist ersichtlich, dass der amerikanische Verbraucher sich wieder "besser fühlt". Deshalb sei der US-Automobilmarkt "am Boden angelangt oder zumindest nahe daran". Beide warnen jedoch vor einer schnellen Markterholung. Nach Einschätzung von Hughes-Cromwick wird es Monate oder sogar ein paar Quartale brauchen, bis von einer Erholung des Marktes gesprochen werden kann.
Der saisonal bereinigte aktuelle Jahresabsatz - eine der wichtigen Kennziffern zur Beurteilung des Gesamtmarktes - lag per Ende August bei 13,7 Mio und damit deutlich über den 12,55 Mio des Vormonats. Im August 2007 hatte Autodata allerdings noch einen annualisierten Gesamtabsatz von 16,3 Mio Einheiten ermittelt.
Die Marktforscher von J.D. Powers erwarten, dass der Jahresabsatz 2008 bei 14,2 Mio Fahrzeugen in den USA liegt. Das sind eine Dreiviertel Million weniger als zunächst veranschlagt.
Webseiten: www.bmw.de www.chrysler.com www.daimler.com www.ford.com www.gm.com www.honda.com www.porsche.com www.toyota.com www.volkswagen.de
-Von Olaf Ridder, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, unternehmen.de@dowjones.com (Mike Barris und Neal E. Boudette haben zu diesem Bericht beigetragen) DJG/DJN/rio
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