Notenbanken pumpen weltweit Liquidität in Geldmärkte
Angesichts einer erneuten Zuspitzung der Finanzkrise und
der steigenden Besorgnis über mögliche Liquiditätsengpässe haben Notenbanken
weltweit am Montag zusätzliche Liquidität in ihre Geldmärkte geschleust. So
schrieb die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzlich zu ihrem mittlerweile
regulären Devisenswap-Tender über 30 Mrd USD eine spezielle
Refinanzierungsoperation aus, bei der es kein festgelegtes Volumen gibt.
Unterdessen pumpten die Notenbanken von Japan und Australien Milliardenbeträge
in ihre Geldmärkte, um einem Austrocknen vorzubeugen.
Am Wochenende waren eine Reihe von Finanzinstituten in Schieflage geraten und
mussten - um einem möglichen Zusammenbruch zu entgehen - finanziell gestützt und
teilweise verstaatlicht werden. Unter diesen Finanzinstituten befindet sich der
deutsche DAX-Konzern Hypo Real Estate (HRE), dem ein Konsortium eine Kreditlinie
in Milliardenhöhe zur Verfügung stellen musste.
Zudem wurde die Finanzgruppe Fortis - die größte Bank in Belgien und die
zweitgrößte in den Niederlanden - in einer Notaktion von den Regierungen
Belgiens, Luxemburgs und Niederlandens gestützt, während in Großbritannien
bereits zum zweiten Mal binnen eines Jahres die britische Regierung eine Bank
verstaatlichte, diesmal die angeschlagene Hypothekenbank Bradford & Bingley
(B&B).
Der Kollaps der verschiedenen Finanzinstitute in Europa verstärkte den
anhaltenden Vertrauensverlust zwischen den Banken. Für den Euroraum zeigt sich
dies an der hohen Inanspruchnahme der Spitzenrefinanzierungsfazilität der EZB.
Dort können sich Banken zu einem vergleichsweise hohen Zins von 5,25%
kurzfristig mit Liquidität versorgen. Per Sonntag nahmen Banken diese
Möglichkeit mit insgesamt 6,79 Mrd EUR in Anspruch. Zugleich wurden jedoch 28,06
Mrd EUR in der Einlagenfazilität geparkt, was eigentlich ein Anzeichen für
ausreichende Liquidität sei, sagten Beobachter.
Die EZB strebt nach eigenen Angaben an, die Liquidität im Gleichgewicht zu
halten, sodass die kurzfristigen Geldmarktsätze nahe dem Leitzinsniveau von
4,25% bleiben. Vor diesem Hintergrund kündigte die Notenbank eine spezielle
Refinanzierungsoperation an. Die Geldmarktoperation wird am Montag in Form eines
Standardtenders durchgeführt, bei dem es kein festgelegtes Volumen gibt. Die
Valutierung erfolgt am Dienstag, den 30. September 2008, die Fälligkeit ist am
7. November 2008. Zugleich schrieb die EZB eine eintägige
Feinsteuerungsoperation in Dollar über 30 Mrd USD aus.
Die Bank of Japan (BoJ) stellte ebenfalls dem Geldmarkt des Landes zusätzliche
Finanzmittel zur Verfügung. Gegen die Bereitstellung von Sicherheiten pumpte die
Notenbank insgesamt 1 Bill JPY in den Markt, um die Sorgen vor
Liquiditätsengpässen zu dämpfen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die BoJ
das Bankensystem mit zusätzlichen Geldern versorgt, darunter erstmals auch mit
Dollar-Liquidität.
Australiens Notenbank injizierte ebenfalls zusätzliche Mittel, um
Liquiditätssorgen zum Ende des Quartals und des Finanzjahres zu dämpfen. Die
Reserve Bank of Australia (RBA) stellte den Banken angesichts der Finanzkrise
weitere 2,72 Mrd AUD zur Verfügung. Bereits in der vergangenen Woche hatte die
RBA die Banken mit zusätzlichen Finanzmittel versorgt, darunter auch US-Dollar.
Webseiten: www.ecb.int