Ganz schöne Polemik, die Du da auffährst - auch in deinem #2840 Beitrag.
In Learners Beitrag, kann ich keine Wut und auch auch keine sozialdarwinistischen Anschauungen erblicken.
Kinderarbeit hat hier Niemand gefordert - warum führst Du so was ins Feld?
Natürlich könnte man diese mit ökonomischen Effizienzargumenten rechtfertigen.
Deswegen gibt es sie in China ja auch. Sicher sehr erfolgreich.
Genau so, wie es sich damit rechtfertigen ließe, chemische Abfälle ins Meer zu kippen etc.
Erfreulicher Weise haben wir in Europa jedoch einen Wertekonsens, der uns solche Dinge ablehnen lässt, und sogar verfassungsmäßig verbietet.
Kinderarbeit wäre mit dem aus Art. 6 abgeleiteten Jugendschutz i. V. mit Art. 1, der unantastbaren Würde des Menschen, unvereinbar.
In unseren Produkten ist all das eingepreist - Umweltschutz, Sozialsysteme, menschliche Arbeitsbedingungen, keine Kinderarbeit etc.
Deswegen können unsere Preise mit denen von China und anderen Ländern, die diese Prinzipien verletzen auch nicht mithalten.
Billige Preise sind allerdings nicht alleine ausschlagebend dafür, ob Produkte gekauft werden oder nicht. Eine hoch technologisierte und innovative Dienstleistungsgesellschaft mit hohen Qualitätsstandards in der Fertigung und Produktion, ist auf billige Preise weitaus weniger angewiesen als weniger fortschrittliche Industrien.
Dies erklärt z.B. zum Teil auch die große Nachfrage nach deutschen Autos, obwohl die Chinesen da z.B. weitaus billiger sind.
Wenn Länder, die die oben benannten Prinzipien verletzen, allerdings zu den hochtenologisierten Industrien hinsichtlich Innovation, Know-How und der Qualität der Fertigung aufzuschließen, bekommen die moralisch handelnden Industrien Probleme.
Das hat mit Ideologie nichts zu tun - so ist es nunmal.
Entweder müssten sich die Industrien dann den effizienteren unter Aufgabe einiger ihrer Prinzipien anpassen, oder sie würden wohl erhebliche Marktanteile verlieren.
Eine dritte Möglichkeit wären Strafzölle. Kinderarbeit? das macht dann 10% Aufschlag. kein Umweltschutz? nochmal 10%. Unmenschliche Arbeitsbedingungen nochmal 10%
Natürlich könnten andere Länder mit eigenen Zollerhöhungen kontern. Dann kann man mit ihnen eben irgendwann keinen Handel mehr treiben.
Es ist doch ohnehin pervers. Wir machen uns das alles immer sehr einfach. Wir haben keine Kinderarbeit einen weitausgebauten Sozialstaat, strikte Bedingungen zum Umweltschutz und verabschieden uns auch brav von unseren Atomkraftwerken.
Unsere Unternehmen produzieren allerdings teilweise in Ländern, in denen solche Prinzipien mit Füßen getreten werden, und bereichern sich somit mittelbar an solchen Systemen.
Unseren Atomstrom beziehen wir dann eben aus Frankreich.
Wir können immer unsere schöne weiße Weste vorzeigen, daran dass sich andere die Hände schmutzig machen wird dann aber gerne mitverdient.
Ich weiß, das war nun von mir mal etwas polemisch dargestellt.
Die Unternehmungen in solchen Ländern haben ja auch etwas gutes, zumal dort Arbeitsplätze geschaffen werden, es dabei Schritt für Schritt zu einer Vergrößerung des allgemeinen Wohlstandsniveaus kommt, was wiederum den Prozess einer Demokratisierung
begünstigt (der Zusammenhang von Wohlstand und Demokratisierung ist vielfach untersucht worden - vereinfacht gesagt: sie bedingen und beinflussen sich gewissermaßen gegenseitig im positiven Sinne) Eine Demokratisierung führt dann im Verlauf auch in der Regel dazu, dass Menschenrechte eine größere Bedeutung erlangen.
Man darf die Sachen nie zu einseitig sehen - eine gewisse Doppelmoral ist in unserem westlichen Handelstreiben m.E. dennoch zu erkennen.
Die Wahrheit liegt dann am Ende vermutlich irgendwo dazwischen.
So, nun aber wieder zurück zu Deinem Beitrag
Keiner verlangt wie gesagt von den Südländern solche Maßnahmen, wie die Kinderarbeit wieder einzuführen. Es geht nur darum, ihre Währung real oder nominal an ihre Leistungsfähigkeit anzupassen.
Wenn man bedenkt, dass ihr Lohnniveau sogar überhalb von unserem eigenen liegt, bestünde jenseits der Sittenwidrigkeit doch vermutlich einiger Spielraum.
Wonach bestimmst Du eigentlich was sittenwidrige Löhne sind?
Wenn im gleichen Maße die Preise sinken, was ja gerade Sinn und Zweck dieser Maßnahmen ist, sehe ich da kein großes Problem.
Die Importe würden teuerer gut. Dann müsste man eben auf inländische Waren zurückgreifen. Auch auch das ist ja gerade gewollt - die Handelsbilanzdefizite sollen ja gerade abgebaut werden. Für die Binnenwirtschaft wäre das toll. Der Export nähme ebenfalls wieder zu. Es würden auf diese Weise neue Arbeitsplätze entstehen etc.
Alles sicher nicht von heute auf morgen - aber in einigen Jahren.
Mit der Zunahme ihrer Leistungsfähigkeit würden dann auch nach und nach die Löhne wieder steigen können und so weiter und so weiter.
Es geht doch nicht darum, schwache Länder liegen zu lassen. Sondern darum, die Vorrausetzungen dafür zu schaffen, dass sie ihre Misere überwinden können und ihnen wieder auf die eigenen Beine zu helfen.
Wenn man sie zu Daueralimentationsfällen machte und damit die nötige Abwertung ihrer Währung im Ergebnis verhindert, hält man sie in ihrer Misere im Grunde nur gefangen.
Man beraubt sie der Möglichkeit, mal irgendwann zu anderen erfolgreichen Industrien aufzuschliessen zu können.
Ich sehe auch keine Geringschätzung oder gar Diskriminierung darin, andere Länder als eigenständig, eigenverantwortlich und entwicklungsfähig zu betrachten und sie darin zu fördern. In der gegenteiligen Betrachtung sehe ich eher eine Diskrimierung.
