Sehr guter Beitrag Lumpi - stimmt absolut.
Diese Möglichkeit hatte ich in meinem beitrag gewissermaßen unterschlagen.
Es gibt natürlich 2 Möglichkeiten, die Währung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anzupassen und damit wieder wettbewerbsfähig zu werden.
Eine nominal Abwertung - diese Möglichkeit steht den einzelnen Staaten innerhalb des Euros aber nunmal nicht zur Verfügung - aber eben auch eine reale Abwertung- dazu müssten dann die Löhne, aber auch die Preise entspreched gesenkt werden.
Bei Griechenland gehen verschieden Experten davon aus, dass wenigsten Lohnsenkungen von 30% - 40% notwendig wären. Ausserdem müssten sich diese Lohnsenkungen dann auch entsprechend durch niedrigere Preise an die Konsumenten wiedergegebne werden.
Wenn ich mir was aussuchen dürfte, dann würde ich den Weg von weitgehenden Schuldenschnitten und anschließenden Lohnsenkungen klar bevorzugen.
Was Du m.M. nach ganz richtig siehst, Fill, wird das praktisch aber kaum durchsetzbar sein -zumindest nicht auf friedlichem Wege.
Wenn man diesen europäischen Monsterstaat schaffen möchte, um den Südländern eben diesen Weg aufzuoktroieren, dann sollte man sich m.M. nach schwer davor hüten. Das hätte im übrigen schon totalitäre Züge
Das kann nicht gutgehen.
Wenn man dies aber bleiben ließe und stattdessen einen Schuldensozialismus schüfe, so würde sich das Dilemma von Handelsbilanzdefiziten, hoher Verschuldung fehlender Wettbewerbsfähigkeit und strukturellen Problemen zu Lasten aller immer weiter fortsetzen.
Was ausserdem eher früher als später zwangsläufig zu einer Überforderung der Kernländer führte und diese selbst in große Bedrängnis brächte.
Deswegen brauchen die schwachen Südländer unbedingt eine eigene Währung.
P.S. Auf Deine Interessante Frage zu der Funktionsfähigkeit von großen Währungsräumen wie den U.S.A, China oder Brasilien antworte ich noch dezidiert.
Das wird aber glaube ich eher was am Wochenende. Sehr interessante Frage, aber recht aufwändig zu beantworten ich will es versuchen.
Als ersten Hinweis, schau Dir mal die regional recht starken Lohnunterschiede an.
In Brasilien beträgt der Mindestlohn bspw. umgerechnet 236 Euro, das ist weniger als das was bei uns im Rahmen von hartz4 als sogen. Existenzminimum gilt.
Schau dir mal die wenig entwickelten staatlichen Sozial- Renten- und Gesundheitssysteme und die Rolle der Gewerkschaften in diesen Ländern an.
In Brasilien, U.S.A und China werden die einzelnen Bundesstaaten bzw. Provinzen dabei finanziell nur wenig durch den Bundesdistrikt unterstützt.
In Brasilien untersagt das "Gesetz zur Finanzpolitischen Verantwortung" der Zentralregierung eine Kreditvergabe an die einzelnen Bundesstaaten sogar vollends und nimmt die Gouverneure auf juristischer und finanzieller Ebene stark in die Verantwortung.
Die U.S. Bundesstaaten finanzieren sich ebenfalls recht eigenständig. Sie können dafür Komunalanleihen geben. Transferzahlungen des Bundes gibt es nur zweckgebunden.
Im Grunde ist das System mit unseren EU-Fördergeldern gar nicht so unähnlich.
Der Bund kann dabei diese Zahlungen theoretisch jederzeit einstellen, was gelegentlich auch passiert. Kommunen die insolvent werden, werden dort NICHT aufgefangen.
Letzte Woche ist dort gerade die 43. Kommune pleite gegangen.
Auch kleinere regionale Banken werden dort übrigens nicht aufgefangen. Seit Lehmann sind dort sang- und klanglos über 250 Banken Pleite geagangen!