Amazon setzt zum nächsten Großangriff an. Der US-Technologiekonzern öffnet sein über Jahrzehnte aufgebautes Logistiknetzwerk für Unternehmen außerhalb des eigenen Marktplatzes und rückt damit noch näher an die traditionellen Schwergewichte der Branche heran. Mit den neuen Amazon (Amazon Aktie) Supply Chain Services sollen Firmen künftig Fracht, Distribution, Lagerung, Fulfillment und Paketversand über eine zentrale Plattform buchen können.
Amazon macht aus Logistik ein Plattformgeschäft
Für die Logistikbranche ist das mehr als nur eine weitere Produktankündigung. Amazon macht aus einer internen Infrastruktur ein externes Geschäft. Genau dieses Muster hatte der Konzern bereits mit Amazon Web Services vorgemacht: Was einst aus der eigenen IT-Infrastruktur entstand, wurde später zum dominierenden Cloud-Geschäft. Nun könnte sich eine ähnliche Geschichte in der Logistik wiederholen.
DHL, FedEx (FedEx Aktie) und UPS (UPS Aktie) geraten unter Druck

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Der Markt reagierte entsprechend nervös. Aktien klassischer Paket- und Frachtanbieter gerieten im vorbörslichen Handel unter Druck. FedEx und UPS verloren nach der Ankündigung zunächst 1,8 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent. Die DHL-Aktie erwischte es noch schlimmer. Sie gab um über 4 Prozent nach. Amazon tritt mit dem neuen Angebot direkt gegen Anbieter an, die den Paket- und Frachtmarkt über Jahrzehnte geprägt haben.
Ein Angebot für ganze Lieferketten
Der neue Dienst richtet sich laut Amazon an Unternehmen aus verschiedenen Branchen – vom Einzelhandel über das Gesundheitswesen bis zur Industrie. Firmen sollen Rohstoffe, Zwischenprodukte und fertige Waren über Amazons Netzwerk bewegen, lagern und ausliefern lassen können. Dabei geht es nicht nur um den klassischen Paketversand. Amazon bündelt Fracht, Lagerhaltung, Bestandssteuerung, Fulfillment und letzte Meile in einem Angebot.
KI soll Lager und Nachfrage steuern
Besonders brisant ist der technologische Teil des Angebots. Amazon verknüpft die Supply-Chain-Dienste mit KI-gestützten Prognosemodellen. Unternehmen sollen dadurch die Nachfrage besser vorhersagen, Lagerbestände effizienter verteilen und Lieferzeiten verlässlicher steuern können. Amazon verspricht Lieferfenster von 2 bis 5 Tagen und will seine Infrastruktur nicht nur für Amazon-Verkäufer, sondern auch für externe Vertriebskanäle öffnen. Darunter eigene Websites, soziale Medien und stationäre Geschäfte.
Großkunden als Signal an die Branche
Zu den ersten Kunden zählen prominente Namen: Procter & Gamble, 3M und American Eagle Outfitters haben sich laut Amazon bereits für die neuen Supply-Chain-Dienste angemeldet. Auch Lands’ End wurde im Zusammenhang mit frühen Nutzern des Netzwerks genannt. Für Amazon ist das wichtig, weil der Konzern damit zeigen kann, dass der Dienst nicht nur für kleine Marktplatzhändler interessant ist, sondern auch für große Industrie- und Konsumgüterkonzerne.
Amazons Logistikmacht wird sichtbar
Die Dimensionen sind erheblich. Amazon verfügt über mehr als 100 Frachtflugzeuge sowie ein dichtes Netz aus Lagern, Sortierzentren und Zustellkapazitäten. Andere Berichte verweisen zudem auf zehntausende Trailer und intermodale Container. Damit besitzt Amazon genau jene Infrastruktur, die bislang vor allem etablierten Logistikern wie UPS, FedEx und DHL Skalenvorteile verschafft hat.
DHL muss den Angriff ernst nehmen
Für DHL ist die Nachricht zwar weniger unmittelbar als für die US-Konkurrenten FedEx und UPS, aber strategisch kaum weniger relevant. Der Bonner Konzern ist global in Paketlogistik, Express, Fracht und Supply-Chain-Dienstleistungen aktiv. Wenn Amazon seine Kapazitäten für Drittunternehmen öffnet, entsteht ein neuer Wettbewerber mit enormer Datenbasis, hoher Automatisierung und direktem Zugang zu Händlern, Marken und Endkunden.
Preisdruck für die gesamte Branche
Der Schritt könnte den Preisdruck in der Branche verschärfen. Amazon ist bekannt dafür, neue Märkte aggressiv über Skaleneffekte, Technologie und Kundennähe aufzurollen. Für etablierte Anbieter bedeutet das: Sie müssen nicht nur schneller und günstiger werden, sondern auch stärker in digitale Steuerung, Prognosemodelle und integrierte Plattformen investieren.
Logistik bleibt ein riskantes Geschäft
Gleichzeitig ist der Angriff nicht ohne Risiko. Logistik ist kapitalintensiv, zyklisch und operativ komplex. Freie Kapazitäten gewinnbringend an Dritte zu verkaufen, kann die Auslastung verbessern. Doch sobald Amazon größere externe Kunden bedient, steigt auch die operative Verantwortung. Verzögerungen, Engpässe oder Qualitätsprobleme würden dann nicht nur den eigenen Onlinehandel treffen, sondern auch externe Konzernkunden.
Die nächste große Plattformwette
Trotzdem ist die Stoßrichtung klar: Amazon will nicht länger nur Waren verkaufen und ausliefern. Der Konzern will die Infrastruktur hinter dem Handel monetarisieren. Nach Cloud, Werbung und Marktplatzgebühren könnte Logistik die nächste große Plattformwette werden.
Warnsignal für FedEx, UPS und DHL
Für FedEx, UPS und DHL ist das ein Warnsignal. Amazon war lange ihr Kunde, dann ihr Konkurrent und wird nun zunehmend zum Plattformanbieter für die gesamte Lieferkette. Sollte der Konzern mit seinen Supply Chain Services ähnlich erfolgreich sein wie einst mit AWS, könnte sich der globale Logistikmarkt grundlegend verschieben.
Amazon hat ambitionierte Pläne
Amazon öffnet sein Logistiknetz für Drittunternehmen – und macht damit aus einem Kostenblock eine potenzielle Wachstumsmaschine. Für FedEx, UPS und DHL steigt der Druck, weil Amazon nicht nur Pakete liefern, sondern ganze Lieferketten steuern will.
Noch ist offen, wie schnell sich das neue Geschäft skaliert. Doch die Botschaft an die Branche ist eindeutig: Der nächste große Plattformkampf findet nicht in der Cloud statt, sondern im Lager, auf der Straße und an der Haustür.
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Redaktion Ariva/MW