Nach Angaben des Marktbeobachters Chris Marcus von GoldFix nehmen chinesische Käufer derzeit gezielt Kontakt zu lateinamerikanischen Junior-Silberproduzenten auf. Ziel sei es, sich künftige Produktionsmengen langfristig zu sichern. Dabei würden Preisaufschläge von acht bis zehn US-Dollar je Unze über dem Comex-Preis geboten. China gilt seit Jahren als einer der größten Abnehmer von Silber, insbesondere für die Solarindustrie, Elektronik sowie strategische Anwendungen.
Marktteilnehmer berichten, dass chinesische Unternehmen zunehmend bereit seien, höhere Preise zu akzeptieren, um Lieferketten zu stabilisieren. Diese Vorgehensweise könne, so Branchenkenner, kleinere Produzenten finanziell entlasten, zugleich jedoch den Wettbewerb um verfügbare Mengen verschärfen.
Parallel dazu treten nun auch Käufer aus Indien auf den Markt. Laut Marcus stammt ein Teil dieser Nachfrage aus der indischen Solarbranche. Hintergrund sei die Sorge, dass chinesische Abnehmer einen Großteil des verfügbaren Silbers absorbieren könnten. „China saugt das gesamte Silber auf und macht es für Indien schwierig, die benötigten Rohstoffe für die Produktion zu beschaffen“, zitiert Marcus eine mit den Gesprächen vertraute Quelle.
Von einer unmittelbaren Silberknappheit in Indien könne derzeit noch nicht gesprochen werden. Dennoch erinnerten Marktbeobachter an die Versorgungssituation im Oktober des Vorjahres, als es zeitweise zu Engpässen kam. Sollte sich der Wettbewerb um lateinamerikanisches Silber weiter zuspitzen, könnte dies nach Einschätzung von Branchenvertretern nicht nur die Solarindustrie, sondern auch andere verarbeitende Sektoren unter Druck setzen.
Diese Entwicklung kommt nicht isoliert, sondern verschärft eine ohnehin angespannte Lage am globalen Silbermarkt. Erst vor wenigen Tagen hatten außergewöhnliche Lieferbewegungen an der US-Terminbörse COMEX für Unruhe gesorgt. Analysten sprachen in diesem Zusammenhang von einem schwindenden Vertrauen in den stark papierbasierten Silberhandel, insbesondere nach wiederholten Abwicklungsproblemen am Londoner Silbermarkt im Jahr 2025.
Vor diesem Hintergrund erhält der aggressive Zugriff Chinas und Indiens auf lateinamerikanisches Silber zusätzliche Brisanz. Während Finanzinvestoren physisches Metall aus westlichen Lagerstätten abziehen, sichern sich asiatische Industrienationen direkte Lieferquellen an der Mine. Wenn strategische Käufer, Industrie und Investoren gleichzeitig auf physische Bestände drängen, droht dem Silbermarkt eine Eskalation in mehreren Stufen. Während der Preis bereits in Bewegung geraten ist, könnte die eigentliche Explosion erst noch bevorstehen.
Metallic Minerals will die Zuspitzung am globalen Silbermarkt gezielt für die Entwicklung seines Keno-Projekts nutzen. Das Management verweist darauf, dass der wachsende Wettbewerb um physisches Silber das Interesse an großen Lagerstätten erhöht. Mit einer abgeleiteten Ressource von rund 18,2 Millionen Unzen Silberäquivalent bei durchschnittlichen Gehalten von 223 Gramm pro Tonne sieht das Unternehmen sein Projekt im Yukon entsprechend positioniert. Die direkte Nachbarschaft zu den Minen von Hecla Mining gilt laut Management als Vorteil, da vorhandene Infrastruktur perspektivisch einbezogen werden könnte.
Für 2026 plant Metallic Minerals ein Bohrprogramm, mit dem zusätzliche Silberzonen abgegrenzt und die Ressourcenbasis erweitert werden sollen. Nach Angaben des Managements soll das Keno-Projekt damit gezielt in eine Phase überführt werden, in der es von einer weiteren Verschärfung der Lage am Silbermarkt profitieren könne.
Während Silber bereits spürbar in eine Phase zunehmender Knappheit eingetreten ist, geraten nach Einschätzung von Branchenvertretern auch andere strategische Rohstoffe unter Druck. Dazu zählt insbesondere Antimon, das für militärische Anwendungen, Batterietechnologien und Hochleistungswerkstoffe benötigt wird. Der CEO von Critical One Energy, Duane Parnham, verweist darauf, dass Antimon heute faktisch von China kontrolliert werde. Diese Marktkonzentration sei aus seiner Sicht problematisch, da westliche Industrien und Verteidigungssektoren kaum über gesicherte Alternativen verfügten.
Critical One Energy positioniert sich vor diesem Hintergrund mit dem Howells-Lake-Projekt in der kanadischen Provinz Ontario. Das Unternehmen erschließt dort eines der größten bislang unentwickelten Antimon-Vorkommen Nordamerikas. Historische Daten wiesen bereits auf hohe Antimongehalte hin, zudem liege das Projekt in einer rohstoffstarken Region mit bestehender Infrastruktur. Parnham sieht darin einen strategischen Ansatz, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Aus Sicht des Managements könnte Antimon damit eine ähnliche strategische Rolle einnehmen wie Silber, als kritischer Rohstoff, dessen Bedeutung erst mit zunehmender Knappheit voll sichtbar werde.
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