FRANKFURT/MAILAND (dpa-AFX) - Die Unicredit bekommt für die Aufstockung ihrer Commerzbank-Anteile grünes Licht von der EZB-Bankenaufsicht. Damit darf die italienische Großbank die Commerzbank-Aktien, die sie sich im Sommer über ein Tauschangebot gesichert hatte, tatsächlich gegen Unicredit-Anteile eintauschen. Gegen Jahresende erwarten die Italiener die noch fehlenden weiteren Genehmigungen - und wollen dann die Kontrolle bei dem Frankfurter Geldhaus übernehmen.
Für dich zusammengefasst:
Die EZB genehmigt Unicredits Übernahme der Commerzbank.
Unicredit kann ihren Anteil auf über 50 Prozent erhöhen.
Die verbleibenden Genehmigungen werden bis Jahresende erwartet.
An der Börse wurden die Neuigkeiten positiv aufgenommen. Obgleich die Genehmigung durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet worden war, gewann die Commerzbank-Aktie kurz nach Handelsstart am Freitag gut ein Prozent auf 38,09 Euro. Auch der Aktienkurs der Unicredit stieg um rund ein Prozent.
Die EZB habe die Übernahme der Kontrolle über die Commerzbank (Commerzbank Aktie) genehmigt, hatte Unicredit am Donnerstagabend in Mailand mitgeteilt. Sie dürfe damit die Schwelle von 30 Prozent der Kapitalbeteiligung an der Commerzbank überschreiten und den Anteil ohne Obergrenze weiter erhöhen.
"Die Entscheidung stellt einen wichtigen Meilenstein bei der Übernahme der Commerzbank durch Unicredit dar und unterstreicht die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB sowie das Vertrauen in die soliden Fundamentaldaten und die starke Position von Unicredit innerhalb des europäischen Bankensektors", hieß es weiter.
Die verbleibenden aufsichtsrechtlichen Verfahren und Bedingungen für den Abschluss des Angebots für die Commerzbank werden demnach voraussichtlich gegen Jahresende abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt werde Unicredit über rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank verfügen und die Kontrolle über die Bank übernehmen können, hieß es von den Italienern. Wie genau die Unicredit das erreichen will, sagte sie nicht.
Die Großbank aus Mailand hatte im Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Aktien vorgelegt und sich so Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile an dem Dax-Konzern gesichert - teils auch indirekt über komplexe Finanzgeschäfte. Für einen Vollzug des Aktientauschs stand aber noch die EZB-Genehmigung aus, die als zentraler Schritt gilt. Nach Abschluss der noch ausstehenden Verfahren steigt der Aktienanteil der Unicredit an der Commerzbank von knapp 30 auf fast 50 Prozent.
Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) überwacht die größten Geldhäuser im Euroraum. Ihre Erlaubnis kommt nicht überraschend: Sie hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum befürwortet, um den EU-Binnenmarkt zu stärken.
Die Unicredit kann nun weitere Commerzbank-Aktien frei am Markt kaufen. Die Italiener könnten auch ein weiteres Angebot vorlegen, was aber wegen der üblichen Übernahmeprämie teuer wäre.
Bund will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden
Die Unicredit müht sich seit rund zwei Jahren um die Commerzbank und hat ihren Anteil trotz des Widerstands aus Deutschland immer weiter ausgebaut. Die Mailänder Großbank, die in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Inzwischen führen Unicredit und Commerzbank Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss.
Der Bund, der mit seinem Commerzbank-Anteil von gut 13 Prozent ein Wort mitzureden hat, will betriebsbedingte Kündigungen bei dem Dax-Konzern mit seinen weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst verhindern. Er will erreichen, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt./als/ben/stw/DP/men/jha/
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