Markt weiterhin äußerst teuer bewertet
Ein weiteres ungelöstes Problem ist das hoher Aktienbewertungen. Der Buffett-Indikator notiert mit 230 Prozent weiter auf dem höchsten Stand der Geschichte, während das Shiller-KGV mit 40,5 auf dem zweithöchsten Stand aller Zeiten notiert – nur noch wenig vom Hoch von 44,2 Punkten unmittelbar vor dem Platzen der Dotcom-Blase entfernt.
Das KGV des US-Technologieindex liegt nach drei Jahren KI-Boom inzwischen bei 32,7. Mit Blick auf die anhaltenden hohen Renditen am Anleihenmarkt ist das ein Problem, denn einer Gewinnrendite von 3,05 Prozent bei Technologieaktien steht eine Rendite von 4,13 Prozent für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren gegenüber. Wer sich für 30 Jahre verpflichtet, erhält sogar 4,81 Prozent. In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld ist das eine attraktive Option für eine wachsende Zahl von Anlegerinnen und Anlegern.
KI sorgt für wachsende Finanzierungs- und Kreditrisiken
Außerdem wächst die Gefahr einer neuer Schuldenkrise. Das ist mit Blick auf die wachsende Verschuldung von Staaten zugegeben eine alte Leier, im Fokus könnten dieses Mal aber Unternehmen stehen, die dreistellige Milliardenbeträge in den Ausbau ihrer KI-Kapazitäten investieren – ohne dass überhaupt klar ist, ob sich diese Ausgaben jemals rechnen werden.
Erste Risse in der KI-Finanzierung haben sich gezeigt, als sich der Private-Equity-Finanzierer Blue Owl Capital aus einem Deal mit Oracle zurückgezogen hat. Die Verbindlichkeiten von inzwischen 111 Milliarden US-Dollar sind offenbar eine echte Gefahr für die Kreditwürdigkeit des SAP-Rivalen.
Auch Cashvernichtungsmaschine OpenAI muss bei Investoren immer wieder um neues Geld betteln. In den vergangenen Tagen hat Softbank seine Investition auf 40 Milliarden US-Dollar aufgestockt. Unter der Hand wird gemunkelt, ob das Unternehmen am Ende nicht sogar mit Steuergeldern gerettet werden muss, wenn die Profitabilität länger als erwartet auf sich warten lässt.
Auch technisch bröckelt die Fassade
Als wäre dieser Cocktail nicht toxisch genug, wirft auch der Chart des Technologieindex Nasdaq 100 eine wachsende Zahl an Fragen auf. Der Aufwärtstrend hat sich inzwischen spürbar verlangsamt und droht nun zu kippen:

Zwar ist der im April gestartete Aufwärtstrend und damit auch die übergeordnete Anstiegsbewegung noch intakt, doch inzwischen liegen gleich drei Lower Highs und damit ein erstes Anzeichen für einen möglichen Abwärtstrend vor. Diese Bewegung wird auch an den technischen Indikatoren RSI und MACD ablesbar, die sich ebenfalls in Abwärtsbewegungen befinden.
Dabei begann der Abwärtstrend im RSI zunächst gegen den Trend des Nasdaq 100, sodass bearishe Divergenzen vorlagen. Diese gelten häufig als Vorboten von Trendwenden, wie sie sich nun im Technologiebarometer vollziehen könnte. Auch der MACD ist von einem Ausweis der Stärke zu einem Belastungsfaktor geworden. Er ist in den vergangenen Tagen unter seine (rote) Signallinie gefallen und droht nun auch die Nulllinie zu unterschreiten, was einen neuen (kurzfristigen) Abwärtstrend anzeigen würde.
Ernstzunehmende Abwärtsrisiken
Dabei ist das Abwärtspotenzial beträchtlich. Schon die 50-Tage-Linie erwies sich zuletzt kaum mehr als belastbare Unterstützung. Da die Aufwärtstrendlinie inzwischen weit nachgerückt ist, könnte diese gemeinsam mit der 50-Tage-Linie aufgegeben werden. Das würde Abwärtspotenzial bis 24.000 und anschließend auch bis 22.000 Punkte freisetzen. Einen Zwischenstopp könnten die Kurse an der 200-Tage-Linie einlegen.
Die Gefahr zur Unterseite ist umso ernstzunehmender, als dass sich das Chartbild auch auf höheren Zeitebenen eingetrübt hat. Im Wochenchart ist der MACD ebenfalls unter seine Signallinie gefallen. Das zeigt einen an Dynamik verlierenden Aufwärtstrend an und geht häufig mit längeren Durststrecken einher. Erst für neue, technisch bestätigte Allzeithochs würde diese Gefahr weichen.
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Fazit: Vorsicht ist angebracht!
Zuletzt könnten auch Steuereffekte für einen Abverkauf zum Jahresauftakt sorgen. Während im alten Jahr vor allem schlecht gelaufene Aktien verkauft werden (sog. Tax-Loss-Harvesting), um Kapitalertragsteuern einzusparen, werden im neuen Jahr nicht selten bei gut gelaufenen Positionen Gewinne mitgenommen. Diese noch im alten Jahr zu verkaufen, hätte zu einer höheren Steuerlast geführt.
Da 2025 wie die Jahre zuvor von Technologiewerten dominiert wurde, könnten die Gewinnmitnahmen hier überproportional stark ausfallen. Aufgrund ihrer hohen Gewichtung auch im Gesamtmarktindex S&P 500 wäre dieser ebenfalls betroffen. Die hohe Marktkonzentration (zweithöchster Stand der Geschichte) auf einige wenige Werte, ist ebenfalls ein weiterhin unterschätztes Problem.
Anlegerinnen und Anleger könnten angesichts dieser Herausforderungen gut beraten sein, für 2026 mit einem vorsichtigen Ansatz zu planen, Gewinne mitzunehmen und ihre Depots zu hedgen. Auch die Rotation in defensive Werte sollte in Betracht gezogen werden, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross