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Wenn da nur nicht diese Zweifel wären, die immer wieder tiefe Schatten auf die Firma werfen. Regelmäßig gibt es Berichte über angeblich fragwürdige Methoden vor allem bei der Bilanzierung. Hedgefonds wetten immer wieder auf fallende Kurse. Jetzt zeigen umfangreiche interne Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, dass in Wirecard zumindest 2017 immer noch einiges von der Schmuddelfirma aus dem Porno- und Glücksspielmilieu schlummerte, die sie in den Gründungsjahren war. Der WirtschaftsWoche liegt eine Liste mit den Namen von rund 100.000 Wirecard-Kunden aus dem Jahr 2017 vor. Viele der großen Kunden aus der Sparte "Digitale Geschäfte" sind zumindest als zweifelhaft einzustufen. Von einigen soll sich das Unternehmen mittlerweile getrennt haben.
Hinzu kommen Fragen zu engen Geschäftspartnern. Wirecards Dubai-Töchter tragen mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Dort wickelt der Dax-Konzern Zahlungen unter anderem über den Dienstleister Al Alam ab. Andere internationale Zahlungsdienstleister kennen die für Wirecard so wichtige Firma nach eigenem Bekunden nicht. Eigentümer und Strippenzieher von Al Alam bleiben im Dunkeln, die Rolle der Firma kann Wirecard bis heute nicht plausibel erklären.
Weitere interne Unterlagen zeigen, dass Wirecards Tochter in Indien, einer der wichtigsten und teuersten Zukäufe in der kurzen Historie des Konzerns, nur mithilfe zweifelhafter Softwareumsätze 2017 in die Gewinnzone gehievt werden konnte. In mindestens einem Fall wurden hierfür erst Monate später schriftliche Vertragsabschlüsse fabriziert, nachdem der indische Wirtschaftsprüfer unbequeme Fragen stellte. Wirecard ließ Fragen der WirtschaftsWoche hierzu unbeantwortet. Der Akte Wirecard können auf Basis der Dokumente weitere Kapitel hinzugefügt werden. Brauns Anhänger unter den Investoren argumentieren, die Compliance - also die Abteilung, die in einem Unternehmen überwacht, ob sich alle an die Regeln halten - sei bei Wirecard eben nicht im Gleichschritt mitgewachsen. Die Firma habe einige interne Prozesse noch nicht im Griff. Das weltweit verzweigte und rekordschnell hochgezogene Geschäft sei zwangsläufig an einigen Stellen intransparent. Das Unternehmen will jetzt wohl die Zahl seiner Compliance-Mitarbeiter aufstocken. Die internen Dokumente aber belegen, dass es bei Wirecard offenbar nicht nur an Compliance mangelt - und das an mehreren Ecken der Welt.