Aktien Frankfurt Schluss: DAX unter 4.500 Punkte - Tiefster Stand seit Oktober
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag anfängliche Kursgewinne nicht verteidigen können und nach unruhigem Handelsverlauf mit Verlusten geschlossen. Der DAX verlor 0,89 Prozent auf 4.470,14 Punkte und schloss damit so tief wie seit Oktober nicht mehr. Günstige Vorgaben von der Wall Street hatten das Standardwerte-Barometer am Vormittag noch um mehr als 1,5 Prozent ins Plus getrieben.
Am Neuen Markt fiel der Auswahl-Index NEMAX 50 um 0,82 Prozent auf 676,53 Punkte. Der MDAX der 70 Nebenwerte gab 0,31 Prozent auf 4156,46 Zähler nach.
Aktienhändler begründeten die schwächere Markttendenz mit dem unerwartet starken Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze im Monat Mai sowie der Umsatzwarnung des amerikanischen Telekomausrüsters Lucent . Die US-Einzelhandelsumsätze sanken im Monatsvergleich um 0,9 Prozent, Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet. Die schwache Eröffnung der New Yorker Leitbörsen am Nachmittag habe zusätzlich die Stimmung auf dem Frankfurter Börsenparkett belastet, sagten Händler.
Zu Frankfurter Handelsende lag der Dow Jones 0,55 Prozent im Minus bei 9.565,69 Punkten. Der NASDAQ-Composite-Index gab 0,58 Prozent auf 1.510,28 Zähler nach.
Nachdem MLP im Handelsverlauf zeitweise mit Abstand schwächster DAX-Titel waren, schlossen die Aktie des Finanzdienstleisters mit einem Minus von 2,31 Prozent bei 32,52 Euro. Am Morgen war der Titel um mehr als 12 Prozent abgestützt, nachdem er am Vortag bereits 15 Prozent verloren hatte. Zu Handelsende hätten sich einige Investoren bei dem Titel wieder eingedeckt, sagte ein Frankfurter Händler.
Am Vortag waren Aktien unter Druck geraten, nachdem das Anlegermagazin "Börse Online" erneut über angeblich unsaubere Bilanzierung berichtet hatte. MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen wies die Vorwürfe zurück. In einer Unternehmenserklärung hieß es, der Artikel bestehe aus einem "Wust von Unwahrheiten und Tatsachenverdrehungen". Bereits Mitte Mai hatte das Magazin MLP vorgeworfen, die Gewinne künstlich aufzublähen.
Deutliche Verluste verbuchten auch Auto-Aktien. BMW fielen 5,62 Prozent auf 42,00 Euro. Wertpapierexperten konnten jedoch keine besondere Nachricht dafür verantwortlich machen. Der gesamte Sektor habe aber unter den schwächer als erwartet ausgefallenen Zulassungszahlen für Westeuropa gelitten. Die Pkw-Neuzulassungen fielen im Mai um 8 Prozent auf knapp 1,25 Millionen Fahrzeuge. In Deutschland wurden 14 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen. Im Gegensatz zu Volkswagen und DaimlerChrylser verbuchte BMW dabei aber ein kräftiges Zulassungsplus.
Die Technologie-Aktien tendierten uneinheitlich. Der Aktie der Deutsche Telekom AG fiel um 0,87 Prozent auf 10,21 Euro. Bis zur Eröffnung der Wall Street hatte die T-Aktie im Plus notiert und zeitweise um mehr als vier Prozent zugelegt. EPCOS gaben nach positiven Auftakt 3,91 Prozent auf 36,15 Euro nach. Am Nachmittag hatte der US-Telekomausrüster Lucent Technologies seine Umsatzprognose für das laufende Quartal überraschend deutlich gesenkt. SAP , Infineon und Siemens legten dennoch jeweils mehr als ein Prozent zu.
Am Neuen Markt stieg die MobilCom-Aktie nach drei Tagen mit Einbußen von insgesamt mehr als 60 Prozent um 22,15 Prozent auf 7,25 Euro. Wie aus Pariser Finanzkreisen verlautete, bemühen sich die Banken und Großaktionär France Telecom SA intensiv um eine Lösung des Schuldenproblems der Telefongesellschaft. Zudem werde der Rücktritt von MobilCom-Chef Gerhard Schmid immer wahrscheinlicher, sagten Händler./rh/bi
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