Gold & Gesellschaft: Gläubiger-Beratung
Sie kennen sicherlich auch den Spruch: Schulden Sie der Bank 100.000 Euro und können die Zinsen und Tilgung nicht mehr leisten, dann haben Sie ein Problem. Schulden Sie dagegen der Bank 100 Millionen Euro und haben Probleme mit der Rückzahlung, dann hat die Bank ein Problem.
Ein Kredit beziehungsweise ein Schuldverhältnis hat immer zwei Parteien, die einen Vertrag miteinander eingehen: Der Schuldner, der sich beispielsweise bei einer Bank Geld leiht und dafür verspricht, dieses Geld in vereinbarten Tilgungsraten zurückzuzahlen und eine Leihprämie in Form eines Zinssatzes zu entrichten. Und den Gläubiger, also derjenigen Person, die ihr Geld für eine Zeit an eine fremde Partei verleiht, in der Hoffnung, es später nebst Zinsen wieder zurückzubekommen.
Der Zinssatz des Kredit-Geschäfts erfüllt hierbei zweierlei – oder sogar dreierlei – Funktion: Er dient als Kompensation für eine (angeblich) sichere Anlageform – meistens sind Staatsanleihen die Anlage, die als Benchmark für eine solche sichere Anlageform betrachtet werden. Und er enthält eine Risiko-Prämie für den Fall eines Ausfalls des Schuldners – sei dieser nun selbstverschuldet (z.B. übermäßiger Konsum, Scheidung) oder unverschuldet (z.B. durch Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit). Die dritte Komponente ist ein Gewinn-Anteil, den eine Bank noch zusätzlich erzielen möchte.
Nun gibt es Politiker, die sich zu Garanten der Gläubiger machen: Beispielsweise Norbert Blüm mit seinem legendären Ausspruch, dass die Renten sicher seien. Oder unsere Bundeskanzlerin nach der Lehman Krise, wo sie den Bürgern eine Garantie für deren Spareinlagen gegeben hat.
In Wirklichkeit sind diese angeblichen Garantien nur Nullsummen-Spiele. Denn wenn Frau Merkel eine Bank wie die HRE mit 100 Milliarden Euro Staatsgeldern retten muss, um die Spareinlagen für eine Zeit garantieren zu können, dann wird aus dem Inhaber der Spareinlagen (Gläubiger) gleichzeitig ein neuer Schuldner – nämlich als Steuerzahler, der nun für die zusätzlich gemachten Staatsschulden in Höhe von 100 Milliarden Euro eintreten muss.
Und auch die Blümsche Rentengarantie wird von den aktuellen Beitragszahlern in Form höherer Sätze zur gesetzlichen Rentenversicherung und stärkeren staatlichen Zuwendungen an die Rentenkasse – sprich neue Staatsschulden zu Lasten der Steuerzahler – finanziert.
Es wird zu Recht behauptet, dass viele Menschen mit ihren Schulden nicht mehr zurande kommen und deshalb eine Schuldner-Beratung aufsuchen müssen. Ich behaupte: Es gibt einen noch größeren Anteil innerhalb der Gruppe der Gläubiger, die sich über die Risiken ihres in Kreditverträgen gefangenen Geldes überhaupt nicht bewusst sind. Oder noch nicht einmal wissen, dass ihr Vermögen eigentlich nur darauf basiert, dass eine Gegenpartei versprochen hat, das bereits ausgegebene Geld nebst Zinsesleistung zurückzuzahlen.
So wird die abgeschlossene Lebensversicherung plötzlich zu einem indirekten Kreditvertrag, den ich mit dem deutschen Staat, aber gegebenenfalls auch mit Portugal, Griechenland, Spanien & Co abschließe. Das wollen Sie nicht glauben: Schauen Sie sich an, in welche Anlageformen die Versicherungs-Branche auch aufgrund gesetzlicher Bestimmungen investiert – in Staats-Anleihen. Finanziere ich nicht da die staatlichen 100 Milliarden Euro für die Rettung einer Bank wie der HRE mit, nur damit meine Spareinlagen auf dem anderen Konto garantiert werden können. Garantiere ich vielleicht einen Teil meiner Einlagen durch meine Verträge mit Banken und Versicherungen selbst? Und wenn ich einen Anteil selbst garantiere, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass meine Spareinlagen doch schon zum großen Teil verloren sind?
Und wie ist das mit der gesetzlichen Rentenversicherung: Bin ich nicht derzeit als Arbeitnehmer der Schuldner gegenüber der Generation von Rentnern, die aufgrund eines Kreditvertrages, der sich Generationen-Vertrag schimpft, als Gläubiger von mir Zins- und Tilgungsleistungen verlangen. Gleichzeitig erarbeite ich mir als zukünftiger Rentner den Gläubiger-Status auf Basis desselben Kreditvertrages. Nur meine Schuldner sind jetzt die Jungen, die noch in der Ausbildung sind oder gerade mit dem Beruf begonnen haben. Und zu Zeiten meiner Generation ist die Bevölkerung noch gewachsen und jetzt schrumpft sie kräftig. Und dort, wo es noch Kinderreichtum gibt, geht diese Generation fließend in Hartz IV über. Sind die verbliebenen Jungen noch in der Lage oder willens, diesen Kreditvertrag zu erfüllen.
Man könnte die Beispiele beliebig fortsetzen. Wichtig ist jedoch, dass jeder Bürger versteht, wo er wirklicher Vermögens-Besitzer mit jederzeitigem und ungehindertem Zugang auf sein Vermögen ist, oder wo er nur ein Gläubiger ist, der auf die Erfüllung seines Kreditvertrages hofft – unter den oben genannten Rahmenbedingungen wahrscheinlich unwahrscheinlich.
Wir brauchen deshalb eine Gläubiger-Beratung, die den Menschen die Augen dafür öffnet, welche Schein-Vermögenswerte sie eigentlich über die Zeit angesammelt haben. Und dass für dieses Schein-Vermögen keine oder nur geringe Überlebens-Chancen bestehen wird. Der erste Schritt wäre, den Bürgern zu eröffnen, in welchen Anlageformen überhaupt ein Gegenpartei-Risiko liegt und in welchen nicht.
Leider ist das schwieriger, als es eigentlich sein müsste. Der Grund: Die Psychologie des Menschen. Denn keiner gibt gerne zu, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat. Und anstatt die Probleme noch rechtzeitig zu lösen, sitzt man sie lieber aus und macht die Situation am Ende noch viel schlimmer. Das ist eine Eigenart, die der Volksmund eigentlich nur den Politikern zuteilt. Zunichte, denn das steckt in jedem von uns. Die Anfragen und versteckten Begründungen auf Walter Eichelburgs Seite hartgeld.com zum Thema Immobilien-Kredite sind dafür geradezu ein Parade-Beispiel: Man geht dort zwar konform mit den Ideen zu Gold, Silber, Systemzusammenbruch, Schuldsklaventum & Co – aber sich selbst sieht man fälschlicherweise nicht auf der Galeere, obwohl die Immobilien-Kredite monatlich schmerzen und man sich mit Zwangsvollsteckungs-Erklärungen bereits selbst den Strick um den Hals gelegt hat. Man denkt sogar, besondern pfiffig zu agieren – totale Realitätsverweigerung.
Wie soll man da die Vermögens-Inhaber überzeugen, keine Anlagen zu besitzen, die ein Gegenpartei-Risiko in sich tragen.
In Anlehnung an Peter Zwegats Sendung Raus aus den Schulden brauchen wir eine ähnliche Sendung für die Gläubiger – beispielsweise mit dem Titel Retten Sie ihr Vermögen. Die Versuchungen dort sind nicht der OTTO-Katalog und der schicke 3er BMW, sondern die angeblich heile Welt der Versicherungs-Vertreter, Banken-Berater und Finanz-Dienstleister.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Seit der kräftigen Erholung am Ende der letzten Woche oszilliert Gold heute sehr stark. Dabei fällt der US-Dollar kräftig, der US-Aktienmarkt ist in Champagner-Laune, die Realzinsen der Staatsanleihen sind wieder gestiegen und Öl, Palladium, Platin uns sogar Silber haussieren regelrecht.
Willkommen in der Welt der Gold-Preisdrücker.
Wir haben heute keine sichtbaren deflationären Tendenzen, welche die non-interest bearing assets nach unten ziehen könnten. Durch die Bank steigen diese Titel zum Teil recht kräftig – bis auf das Gold. Das möchte auch steigen, wird dann aber wieder blockiert. Versucht es aber erneut – aber man möchte es nicht steigen lassen. Zum COMEX-Schluss blieb ein mikriges Plus von einem Dollar im Handelstags-Vergleich, nachdem auf Vergleichsbasis der A.M. Fix um zehn Dollar und der P.M. Fix um zwanzig Dollar zugelegt hatten.
Positiv an der heutigen Entwicklung war der Londoner P.M. Fix. Denn der tendierte mit $1.188,50 (EUR 904,63) fast am Tages-Höchststand. Von da an ging es bergab. Die EZB ist raus aus dem Gold-Markt und die FED nebst ihren Gehilfen ist wieder back on stage.
Denn es gibt Gerüchte über weiter kräftige Monetarisierungs-Maßnahmen, welche die FED auf ihrer nächsten regulären Sitzung am Dienstag in einer Woche verkünden möchte. Und der US-Arbeitsmarktreport steht Freitag nachmittags zur Veröffentlichung an. Die Zahlen der US-Konjunktur in letzter Zeit waren insgesamt enttäuschend, auch wenn dies durch Formulierungen auf Bloomberg wie better than expected verdeckt werden soll.
Und obwohl Gold heute in US-Dollar gerechnet doch noch leicht steigen konnte, ist es de facto nicht unwesentlich gefallen: Laut KITCO um 21:15 Uhr MEZ um $8,90, wenn man den kräftigen Rückgang des US-Dollars gegenüber den anderen wichtigen Währungen herausrechnet.
Ein um 0,6 Punkte auf 80,9 gefallener US-Dollarindex, gepaart mit einer auf 3,0 Prozent gestiegenen Real-Rendite der 10-jähriges Treasury Notes macht zusammen einen um 1,1 Punkte sehr kräftig gefallenen Quotienten aus den beiden Werten. Was dort verloren gegangen ist, wurde in Aktien, Öl und den anderen Edelmetallen (ohne Gold) hinzugewonnen.
Willkommen in der Welt der Zentralbanken.
Liquiditäts-Steuerung ist das heutige Brennmaterial, mit dem man den verschiedenen Anlage-Klassen Feuer unter den Hintern macht. Versiegt die Flamme, den erkaltet die Suppe schnell zu einem deflationären und unverdaulichen Brei.
Willkommen in der Welt des Kredit-Kredit-Kreditgeldes.
Wenn schon nicht ausreichend Geld verdient wird, um den Kredit für Zinsen und Tilgung zu abzuzahlen, dann nehmen wir eben noch mehr Kredit auf. Unsere Notenbank hilft uns dabei – ohne böse Hintergedanken natürlich.
Alles nur Illusion? Die Märkte heute hatten jedenfalls eine andere Auffassung.
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"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)