Über den Mythos von der Sommerrallye an der Wall S


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Über den Mythos von der Sommerrallye an der Wall S

 
31.05.01 07:40
Über den Mythos von der Sommerrallye an der Wall Street

New York, 29. Mai (Bloomberg) - An der Wall Street rückt der Sommer 2001 näher. Aber die üblichen Begleiterscheinungen der heißen Jahreszeit sind dieses Jahr kaum auszumachen. Nur ganz wenige Strohhüte werden auf dem Weg ins Büro getragen und kaum jemand spricht in diesem Jahr von der bevorstehenden Sommerrallye. Ist das jetzt ein positives Zeichen? Dieser Mythos von einer Sommerrallye war doch schon immer eine Mär, nur Marketing- Geschwätz in einer Phase, in der die Kunden lieber zum Fischen gehen als Aktien handeln. Auch sind derartige Spielchen heute nicht mehr nötig. Im Zeitalter von Handys, Laptops und institutioneller Vermögensverwaltung geht es an den Märkten zwischen Juni und September praktisch genauso hektisch zu wie den Rest des Jahres. Die Klagen über ein "Sommerloch" gehören wohl eher der Vergangenheit an.

Aber bevor sich niemand mehr an diesen Mythos erinnert, ist es vielleicht interessant, mal nachzuforschen, wie sich diese Idee überhaupt in den Köpfen der Anleger festsetzen konnte. In jedem Dreimonatszeitraum gibt es fast immer zumindest ein kurzes Intermezzo steigender Aktienkurse. "Rallye" ist sicherlich ein recht schwammiger Begriff, mit dem auch die kleinsten Kursausschläge in den Kurvenverläufen beschrieben werden können.

In ihrem "Stock Trader's Almanach", dem Jahrbuch für Aktienhändler lassen sich die Vermögensberater Yale und Jeffrey Hirsch darüber aus, wie die Sommerrallye normalerweise gemessen wurde. Als Basis wurde der niedrigste Schlusskurs im Mai oder Juni gewählt und mit dem höchsten Schlusskurs des dritten Quartals verglichen, das grob gesagt Juli, August und September umfasst. Nach dieser lockeren Definition gab es jedes Jahr eine Aufwärtsbewegung, unds seien es nur die mickrigen 0,4 Prozent plus von 1981. Der durchschnittliche Kursgewinn seit 1964 lag nach Berechnung der beiden Vermögensberater bei weniger als 10 Prozent.

Nur zum Spaß errechneten die beiden auch die Kurssteigerungen für die anderen Jahreszeiten nach dem selben Schema. Die Winterrallye bescherte im Schnitt 13,9 Prozent höhere Kurse, die Frühjahrsrallye kam auf ein Plus von 10,6 Prozent und bei der Herbstrallye kletterten die Kurse um 10,5 Prozent. Damit schnitt die Sommerrallye am schlechtesten ab.

Nicht nur relativ gesehen ist die Sommerrallye etwas dürftig, auch lässt die Beständigkeit zu wünschen übrig. Das Verlaufsmuster änderte sich drastisch von einem Jahr auf das andere - einem Kursgewinn von 18 Prozent im Jahr 1997 folgte ein bescheidener Zuwachs von 7 Prozent im darauffolgenden Sommer. Für 1999 wurde ein Anstieg des Börsenbarometers von 8,2 Prozent und für das Jahr 2000 ein Plus von 9,8 Prozent gemessen.

Es war auch einfacher, über die Sommerrallye zu reden als damit Geld zu machen. Wenn sie nicht gerade am letzten Geschäftstag im Juni einsetzte, wusste man nie, wo das Tief vom Mai/Juni letztendlich liegen werde. Genauso schwierig war es, den genauen Tag zu erwischen, wann der Dow die Rekordmarke im dritten Quartal erreichte. Im Nachhinein ist dies leicht zu sagen, aber das nützt den Anlegern herzlich wenig. Wenn sie an den Mythos von der Sommerrallye glaubten, konnte es ihnen passieren, dass sie nahe des Höchstkurses im Juli oder August kauften und dann auf ihrem Impulskauf saßen, während die Herbstblätter bereits fielen.

Natürlich war die Chance einigermaßen groß, dass das Spielchen aufging, denn die allgemeine Markttendenz ist häufiger nach oben als nach unten gerichtet. Aber ob die Anleger dabei Kasse machten, hatte mit den Jahreszeiten rein gar nichts zu tun.

Daher sollte das Sterben dieses Mythos eher positiv gewertet werden - die Investoren sind reifer geworden. Heutzutage kaufen Anleger Aktien oder Investmentfonds nicht in erster Linie, um kurzfristige Marktbewegungen auszureizen. Sie sind sich bewusst, dass entweder eine große Portion Glück notwendig ist, um stets niedrig einzusteigen und teuer zu verkaufen, oder ein ausgeprägtes Marktgefühl. Das heißt, das nötige Wissen gepaart mit Intuition, was nur wenige Menschen besitzen.

Vielleicht sind die Broker auch besser dran, nicht irgendwelche Märchen wie das von der Sommerrallye zu verbreiten. Man braucht sich nur vorstellen, wie viele potenzielle Langfristkunden zum Schluss enttäuscht und mit leeren Händen da saßen, weil sie versuchten, bei der Sommerrallye dabei zu sein und doch nur verloren.

Mit einer ganz normalen Kaufen-und-Halten-Strategie bei Aktien und Investmentfonds haben sie die Möglichkeit, bei sämtliche Parties am Aktienmarkt, nicht nur im Sommer, mitzufeiern.

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Schnorrer:

Meine 2. Sommerrally ... seufffffzzzzz o.T.

 
24.07.02 21:36
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