Weltweit werden die Finanzmärkte von Hurrikan \"Rita\" belastet. Der Wirbelsturm, einer der stärksten aller Zeiten, bedroht die US-Südküste und große Teile der dortigen Ölindustrie. Der DAX eröffnete dann auch recht schwach und bewegte sich bis zum Nachmittag kaum von der Stelle. Impulse versetzte dem DAX noch einmal die Veröffentlichung der Zahlen zu den US-amerikanischen Frühindikatoren (Leading Indicators) für August 2005, die besser als erwartet ausfielen. So verringerte das Börsenbarometer seine Verluste noch einmal etwas und schloss schließlich 0,54 Prozent tiefer bei 4.849,01 Zählern. Der MDAX fiel im Tagesverlauf um 0,44 Prozent auf 6.873,22 Punkte.
Im Fokus der Anleger stand die Volkswagen-Aktie, die heute im Hoch schon mehr als 5 Prozent gewann und mit einem Plus von rund 4 Prozent in den Feierabend ging. Das Papier konnte bereits gestern trotz starker Verluste im DAX deutlich zulegen und markierte heute ein neues Drei-Jahres-Hoch. Das "Han! delsblatt" berichtet unter Berufung auf Marktgerüchte, dass der US-Milliardär Kirk Kerkorian bei dem Automobilbauer einsteigen will und derzeit eine Beteiligung aufbaut.
Die Aktien der Versicherer Münchener Rück und der Allianz litten besonders stark unter Hurrikan "Rita", der nach Hurrikan "Katrina" wieder hohe Versicherungsschäden auslösen könnte. In der zweiten Reihe musste die Hannover Rück deutlich Federn lassen, den Handel beendete das Papier mit einem Minus von mehr als 4 Prozent.
Siemens will seinen Unternehmensbereich Communications ohne Entlassungen sanieren. Dazu verständigte sich das Unternehmen mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf ein Maßnahmenpaket im Service und Vertrieb der Sparte, die Aktie gehörte heute aber mit zu den größten Verlierern.
Unter Druck standen im frühen Handel nach wie vor die beiden Versorgen RWE und E.ON. Zum Handelsschluss setzte hier aber eine technische Gegenreaktion ein. E.ON beendete den Tag so doch noc! h im Plus, RWE musste nur geringe Verluste hinnehmen.
In der zweite n Reihe fiel mit einem Kursgewinn von rund 1,5 Prozent die Aktie von STADA auf. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" ist möglicherweise der indische Generikahersteller Wockhardt an einer Übernahme interessiert. Der europäische Flugzeughersteller Airbus, eine Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, geht für das Gesamtjahr von einem Rekord bei den Auftragseingängen aus, so ein Bericht der "Financial Times Deutschland". EADS konnte daraufhin leicht zulegen.
Schlusskurse (17:38 Uhr):
DAX: 4.849,01 (-0,54 Prozent)
MDAX: 6.873,22 (-0,44 Prozent)
Tagesgewinner: Volkswagen, Deutsche Börse, MAN
Tagesverlierer: Infineon, Bayer, Siemens
Unternehmensmeldungen:
Der US-Milliardär Kirk Kerkorian will Presseangaben zufolge beim Automobilkonzern Volkswagen AG (ISIN
DE0007664005/ WKN
766400) einsteigen. Wie das "Handelsblatt" am Donnerstag unter Berufung auf Marktgerüchte berichtet, baut der Investor derzeit eine Beteiligung an dem in Wolfsburg ansässigen gr! ößten europäischen Automobilhersteller auf. Nach Bekanntwerden der Gerüchte verbuchte die Aktie am Morgen ein Plus von zeitweise mehr als 5 Prozent. Kerkorians Finanzholding Tracinda ist bereits beim amerikanischen Konkurrenten General Motors Corp. (ISIN
US3704421052/ WKN
850000) mit gut 9,53 Prozent der Anteile engagiert und will diese Beteiligung auf 9,9 Prozent aufstocken. Kerkorian ist hierzulande vor allem durch seinen spektakulären Schadenersatzprozess gegen den Automobilhersteller DaimlerChrysler AG (ISIN
DE0007100000/ WKN
710000) bekannt geworden. Wie die Zeitung weiter berichtet, ist die Aktie von Volkswagen auch aufgrund der weiter andauernden Restrukturierungen sowie der Hoffnung auf eine operative Gesundung des Konzerns für Investoren attraktiv: "Der Markt hofft unverändert auf umfangreiche Restrukturierungen", wird ein Aktienhändler zitiert.
Bei den Verhandlungen zwischen dem Management des Automobilherstellers Volkswagen AG und den Arbeitnehmervertretern üb! er den Bau des neuen Geländewagens im Stammwerk gibt es Presseangaben zufolge weitere Fortschritte. "Ich denke, wir bewegen uns aufeinander zu", erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh laut einem Bericht des "Handelsblatt" am Donnerstag. Dabei hofft der Betriebsrat, dass man in absehbarer Zeit einen ""tragfähigen Kompromiss im Sinne der Standort- und Beschäftigungssicherung" erreichen könnte. Die Verhandlungen seien "hart, aber konstruktiv". Die Verhandlungen sollen am Montag weitergeführt werden. Dann läuft eine von VW gesetzte Frist ab, hieß es weiter. Die VW-Spitze will das Geländewagen-Modell in Portugal bauen, sollte man sich nicht auf Einsparungen in Höhe von 850 Euro pro Fahrzeug bei den Personalkosten einigen können. Nur dann könne das Auto im harten Konkurrenzkampf zu attraktiven Preisen angeboten und profitabel in die USA exportiert werden, hieß es. Eine Produktion des Geländewagens im VW-Werk in Portugal wäre nach VW-Darstellung nach derzeitigem Stand gut 1.000 Euro pro Fahrzeug günstiger als in Wolfsburg, berichtet die Wirtschafts! zeitung weiter.
T-Com, die Festnetzsparte der Deutsche Telekom AG (ISIN
DE0005557508/ WKN
555750), plant Presseangaben zufolge grundlegende Restrukturierungsmaßnahmen. Wie das "manager magazin" (Vorabveröffentlichung) am Donnerstag berichtet, will T-Com-Chef Walter Raizner eine grundlegende Portfoliobereinigung vornehmen und die Belegschaft verkleinern. "Wenn wir nicht aufpassen, sind wir bald ein Sanierungsfall", betont der ehemalige IBM-Deutschland-Chef gegenüber dem Magazin. Dabei muss T-Com vor allem auf den Verlust von Marktanteilen im klassischen Festnetzgeschäft sowie in ihrem wichtigsten Wachstumsmarkt Breitband (DSL) reagieren. Laut dem Bericht soll das Produktangebot in den kommenden Jahren im Rahmen der Umstrukturierungen von derzeit mehr als 700 auf 80 verkleinert und zahlreiche Prozesse von der Auftragsannahme bis zum Stördienst sollen vereinfacht und beschleunigt werden. Erste Pilotprojekte laufen bereits unter dem Codenamen "Improve". Wie das Wirtschaftsmag! azin unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, zwingt die derzeitige Konkurrenzsituation T-Com außerdem zu einem drastischen Stelleabbau. So müssen den Angaben zufolge bis zum Jahr 2008 jährlich 10.000 bis 15.000 Stellen abgebaut werden - derzeit beschäftigt die T-Com rund 110.000 Mitarbeiter.
Der Industriekonzern Siemens AG (ISIN
DE0007236101/ WKN
723610) hat sich mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf ein Maßnahmenpaket im Service und Vertrieb des Enterprise-Geschäfts von Siemens Communications (Siemens Com) in Deutschland verständigt. Wie der Konzern heute bekannt gab, soll zur Abfederung der schwierigen Kosten- und Auslastungssituation vor allem im Servicegeschäft der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung angewandt werden, um so möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Im Rahmen dieses Tarifvertrags wird eine Reuzierung der Arbeitszeit von heute 35,8 Stunden auf 30 Stunden pro Woche ermöglicht. Die Detailgespräche über diese Regelung beginnen jetzt, teilte der Konzern weiter mit. Außerdem wird das Unternehme! n den Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, in eine firmeneigene Vermittlungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln, um über diesen Weg einen neuen Arbeitsplatz innerhalb oder außerhalb von Siemens zu finden. Dieses Konzept einer so genannten "betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit" (beE) hat Siemens bereits in anderen Geschäftsgebieten mit Erfolg praktiziert. Darüber hinaus wird das Unternehmen auch Gespräche über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit anbieten. Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall haben zugesagt, diese zielgerichteten Personalmaßnahmen konstruktiv zu begleiten.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigt Widerstand gegen die von der Allianz AG (ISIN
DE0008404005/ WKN
840400) geplante Verkleinerung ihres Aufsichtsrates an. Dies meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Mittwochabend vorab aus ihrer Donnerstagausgabe. "Die Einflussmöglichkeiten der deutschen Mitarbeiter würden dadurch wesentlich beschnitten", sagte Verdi-Gewerk! schaftssekretär Frank Lehmhagen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Lehmhagen ist Mitglied in mehreren Aufsichtsräten des Allianz-Konzerns. Die Allfinanzkonzern will den Konzernaufsichtsrat im Rahmen der geplanten Umfirmierung der Allianz von einer deutschen Aktiengesellschaft in eine Europa-AG (SE) von 20 auf 12 Mitglieder verkleinern. Nach Aussagen von Lehmhagen sei dies gegen den Willen der Belegschaftsvertreter aber nicht machbar: "Die Umwandlung in eine Europa-AG ist nur möglich, wenn es eine Vereinbarung mit der Arbeitnehmerseite zur Mitbestimmungsstruktur gibt.
Der indische Generikahersteller Wockhardt ist Presseangaben zufolge möglicherweise an der Übernahme der STADA Arzneimittel AG (ISIN
DE0007251803/ WKN
725180) interessiert. Wie das "Handelsblatt" heute unter Berufung auf einen Artikel der indischen "Economic Times" berichtet, will der indische Generika-Spezialist entweder den kroatischen Hersteller Pliva oder die im MDAX notierte STADA übernehmen. Dabei könnte es bereits sehr kurzfristig zu einer Übernahmevereinbarung mit ein! em der beiden Unternehmen kommen. Schon in der kommenden Woche werden voraussichtlich hochrangige Manager des indischen Generikaherstellers, darunter auch Firmenchef Habil Khorakiwala, nach Europa fliegen, und entsprechende Dokumente unterzeichnen, hieß es. Im Rahmen des Artikels wurden neben Pliva und STADA auch die deutsche Generikafirma AWD Pharma als mögliches Übernahmeziel für Wockhardt genannt. Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, kommt STADA aufgrund seiner Marktposition als attraktives Übernahmeziel für den indischen Konzern am ehesten in Frage. STADA-Chef Hartmut Retzlaff hatte wiederholt erklärt, sein Unternehmen habe es nicht nötig, übernommen zu werden. Gleichwohl betonte Retzlaff - zuletzt auf der Hauptversammlung Mitte Juni - eine Offerte würde ohne Vorbehalte geprüft, hieß es weiter.
Der europäische Flugzeughersteller Airbus, eine Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns European Aeronautic Defence and Space Co. EADS N.V. (ISIN
NL0000235190! / WKN
938914), geht für das Gesamtjahr von einem Rekord bei den Auftra gseingängen aus. Wie die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag berichtet, erklärte Airbus-Vertriebschef John Leahy, dass der Auftragseingang im laufenden Kalenderjahr gemeinsam mit dem des US-Rivalen Boeing Co. (ISIN
US0970231058/ WKN
850471) den Rekord des Jahres 1989 von 1.631 bestellten Flugzeugen übertreffen könnte. Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 22. September hat Airbus den Angaben zufolge insgesamt 417 Bestellungen erhalten. Die insgesamt 140 Orders für den neuen A350 seien dabei noch nicht enthalten, da der offizielle Start des Programms erst Ende des Monats oder Anfang Oktober erwartet wird. Gleichzeitig äußerte sich Leahy optimistisch, dass man den Vorsprung des Rivalen Boeing bis Ende des Jahres egalisieren kann. Derzeit hat der amerikanischen Flugzeughersteller bei den Aufträgen mit 60 Prozent die Nase vorn. Boeing hat als Konkurrenz für den A350 den 787 Dreamliner im Programm. Beide Modelle sind mittelgroße Flugzeuge für Langstrecken. Bei den Auslieferun! gen hat Airbus derzeit bessere Karten als Boeing. So sollen mehr als 360 Maschinen der EADS-Tochter an die Kunden gehen. Boeing plant mit 320 Jets, musste aber wegen eines Streiks seiner Mechaniker seit Anfang September die Produktion einstellen. Wann diese wieder aufgenommen wird, ist derzeit noch unklar, hieß es weiter.
Die amerikanische FMR Corp. hält mehr als 5 Prozent der Anteilsscheine des Baukonzerns Bilfinger Berger AG (ISIN
DE0005909006/ WKN
590900). Wie aus einer Finanzanzeige in der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe) hervorgeht, hält die US-Gesellschaft derzeit 5,18 Prozent der Aktien des im MDAX notierten Baukonzerns.
Gruß Moya 