TriplePoint Venture Growth BDC, kurz TPVG, ist zum Stand 11. April 2026 für mich keine klassische Qualitäts-BDC, sondern eine deutlich riskantere Spezialwette auf Venture Debt mit eingebautem Equity- und Warrant-Hebel. Das Geschäftsmodell ist klar: TPVG vergibt vorrangig maßgeschneiderte Fremdfinanzierungen an wachstumsstarke, VC-finanzierte Unternehmen und kombiniert diese Kredite häufig mit Warrants und direkten Eigenkapitalpositionen. Der Reiz der Aktie liegt aktuell nicht in makelloser operativer Stärke, sondern in der extrem niedrigen Bewertung: Der letzte Kurs lag bei rund 5,12 US-Dollar, der zuletzt gemeldete NAV bei 8,73 US-Dollar je Aktie. Das entspricht einem Abschlag von rund 41 Prozent auf den Buchwert. Die laufende reguläre Dividende von 0,23 US-Dollar je Quartal entspricht auf diesem Kursniveau einer Rendite von knapp 18 Prozent. So ein Abschlag ist kein Gütesiegel, sondern ein klares Zeichen, dass der Markt TPVG misstraut. Genau deshalb ist die Aktie interessant, aber eben nur für Anleger, die dieses Risiko auch wirklich akzeptieren. (SEC)
Fundamental ist TPVG kein Minianbieter. Zum 31. Dezember 2025 lag das gesamte Portfolio bei 783,5 Millionen US-Dollar Fair Value, davon 645,4 Millionen US-Dollar in Kreditinvestments an 55 Schuldner und 138,2 Millionen US-Dollar in Warrants und Eigenkapitalpositionen über insgesamt 130 Unternehmen. Das Portfolio ist über verschiedene wachstumsstarke Teilsegmente gestreut, mit Schwerpunkten unter anderem in Business/Productivity Software mit 17,0 Prozent, Consumer Products and Services mit 13,8 Prozent, E-Commerce Clothing and Accessories mit 12,8 Prozent sowie Financial Institutions and Services mit 10,9 Prozent. Auf der Kreditseite sah die interne Bonitätseinstufung Ende 2025 ordentlich aus: 75,1 Prozent des Debt-Portfolios lagen in Kategorie White, 13,4 Prozent in Yellow, 3,9 Prozent in Orange und nur 0,6 Prozent in Red; der gewichtete Durchschnitt lag bei 2,16. Dazu kamen 252,4 Millionen US-Dollar Liquidität, eine Brutto-Leverage von 1,33x, eine Netto-Leverage von 1,20x und eine Asset-Coverage-Quote von 175 Prozent. Die revolvierende Kreditlinie wurde zudem bis Ende 2027 beziehungsweise bis Mai 2029 verlängert. Das ist keine Bilanz eines akut wackelnden Sanierungsfalls. (SEC)
Operativ war 2025 trotzdem kein einfaches Jahr. Die Gesamterträge gingen auf 90,9 Millionen US-Dollar zurück, nach 108,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Die gewichtete durchschnittliche Rendite des Debt-Portfolios sank von 15,7 Prozent auf 13,7 Prozent. Der Nettoanlageertrag fiel von 1,40 auf 1,05 US-Dollar je Aktie. Im vierten Quartal lag der Nettoanlageertrag noch bei 0,25 US-Dollar je Aktie, nach 0,32 US-Dollar im Vorjahresquartal. Das ist der Kern des Problems: TPVG verdient zwar noch ordentlich, aber klar weniger als in der Hochzinsphase zuvor. Positiv ist, dass der NAV 2025 dennoch leicht von 8,61 auf 8,73 US-Dollar je Aktie gestiegen ist und der Jahresüberschuss auf NAV-Basis bei 1,22 US-Dollar je Aktie lag. Im vierten Quartal gab es laut Management eine Hochstufung eines Kreditengagements von Orange auf White und keine Downgrades. Das zeigt: Das Portfolio ist nicht kollabiert, aber die Ertragskraft steht unter Druck. (SEC)
Bei der Dividende muss man sauber trennen zwischen kurzfristig tragbar und langfristig wirklich sicher. Für 2025 zahlte TPVG regulär 1,06 US-Dollar je Aktie und zusätzlich 0,02 US-Dollar Sonderdividende, zusammen also 1,08 US-Dollar. Dem standen 1,05 US-Dollar Nettoanlageertrag je Aktie gegenüber. Das heißt: Die reguläre Dividende war 2025 fast vollständig gedeckt, die Gesamtausschüttung aber nicht ganz. Gleichzeitig verfügte TPVG Ende 2025 über sogenanntes Spillover Income von 1,04 US-Dollar je Aktie, und die Gesellschaft hat die Dividende für das erste Quartal 2026 erneut auf 0,23 US-Dollar festgesetzt. Das stützt die Ausschüttung kurzfristig. Der Haken ist aber wichtig: 2025 profitierte TPVG von einem Incentive-Fee-Waiver des Advisers; allein 2025 wurden 5,3 Millionen US-Dollar an Einkommens-Incentive-Fees erlassen, und die vollständige quartalsweise Waiver-Regelung läuft bis Ende 2026 weiter. Anders gesagt: Die ausgewiesene Ertragsdeckung ist real, aber sie ist durch eine temporäre Gebührenentlastung verbessert. Wer die heutige Dividende einfach auf zehn Jahre fortschreibt, macht eine unbelegte Annahme. (SEC)
Genau hier liegt auch der Unterschied zwischen TPVG und konservativeren BDCs. TPVG ist nicht nur Kreditgeber, sondern hat bewusst eine zweite Ertragsschiene über Warrants und Direktbeteiligungen. Ende 2025 lag der Fair Value der Warrants bei 49,2 Millionen US-Dollar bei einer Kostenbasis von 28,0 Millionen US-Dollar; die direkten Eigenkapitalbeteiligungen standen mit 89,0 Millionen US-Dollar Fair Value bei 80,1 Millionen US-Dollar Kostenbasis in den Büchern. Historisch hat TPVG aus solchen Equity-Kickern durchaus substanzielle Gewinne realisiert, unter anderem bei CrowdStrike, ForgeRock oder Toast. Das ist ein echter Werttreiber, weil solche Exits Kreditverluste kompensieren und den NAV stützen können. Aber man darf das nicht romantisieren: Diese Werte sind volatil, häufig modellbasiert und erst dann wirklich belastbar, wenn aus einer Finanzierung ein Exit oder Börsengang wird. Für die Aktie ist das Chance und Risiko zugleich.
Ein wichtiger Punkt für 2026 ist die Zins- und Refinanzierungsseite. Auf den ersten Blick sah 2025 so aus, als würden sinkende Zinsen TPVG stark belasten, weil die Portfoliorendite klar gefallen ist. Auf Basis der Ende-2025-Struktur ist das Bild aber differenzierter: 63 Prozent des Kreditportfolios waren variabel verzinst, zugleich lagen 79 Prozent dieses Floating-Rate-Portfolios bereits auf Prime-Floors, und 80 Prozent der Verbindlichkeiten waren festverzinslich. Laut der Zinssensitivitätsdarstellung des Unternehmens würde selbst ein weiterer Prime-Rückgang um 100 Basispunkte den jährlichen NII je Aktie nur um ungefähr 0,01 US-Dollar bewegen; ein Anstieg um 100 Basispunkte würde rund 0,03 US-Dollar bringen. Das heißt: Der große Zinsgegenwind scheint inzwischen wesentlich kleiner zu sein als noch 2025. Wichtiger sind jetzt die Kreditqualität, die Exit-Märkte für VC-finanzierte Firmen und die Frage, ob TPVG die freiwerdenden Mittel in neue, attraktive Kredite rotieren kann. Positiv ist, dass Morningstar DBRS Anfang April 2026 das Investment-Grade-Rating BBB(low) mit stabilem Ausblick bestätigt hat. Zudem hat TPVG die im März 2026 fälligen 200 Millionen US-Dollar Notes nach dem Jahresende vollständig refinanziert beziehungsweise zurückgezahlt, unter anderem über neue 7,50-Prozent-Notes und die revolvierende Kreditlinie. Ein unmittelbares Refinanzierungsproblem sehe ich deshalb aktuell nicht.
Meine Einschätzung ist deshalb klar: TPVG ist auf dem aktuellen Kursniveau kein sicherer Dividendenwert, aber eine spekulative Turnaround- und Bewertungswette mit realer Substanz. Die Aktie ist günstig, weil der Markt weitere Probleme einpreist, und das nicht ohne Grund. Die Dividende wurde bereits mehrfach gesenkt, die laufende Ertragskraft ist schwächer als noch 2024, und das ausgewiesene Ergebnis wird derzeit durch einen Fee-Waiver gestützt. Gleichzeitig sprechen der sehr hohe NAV-Abschlag, die solide Liquidität, die gestaffelte Refinanzierung, die stabile Ratingeinschätzung, die Sponsor-Käufe eigener Aktien und die vorhandene Equity-/Warrant-Optionalität dagegen, TPVG einfach als Totalschaden abzuschreiben. Für mich ist TPVG deshalb weder ein klarer Sell noch ein sorgloser Buy, sondern eine Hochrisiko-Einkommensaktie, bei der viel negatives Sentiment bereits im Kurs steckt. (SEC)
Bei den Kurszielen würde ich bewusst nicht mit einem Ziel nahe NAV arbeiten, denn dafür ist das Geschäftsmodell zu zyklisch, zu speziell und zu stark vom Venture-Umfeld abhängig. Mein Basisszenario für die nächsten 12 bis 18 Monate liegt bei etwa 6,00 US-Dollar. Das wäre immer noch ein deutlicher Abschlag auf den aktuellen NAV, aber eine spürbare Normalisierung gegenüber der heutigen Krisenbewertung. Ein bullishes Szenario sehe ich bei etwa 7,50 US-Dollar, falls die Kreditqualität stabil bleibt, die Dividende bei 0,23 US-Dollar gehalten werden kann und einzelne Equity-/Warrant-Exits zusätzlichen NAV-Schub liefern. Ein bearishes Szenario liegt für mich bei etwa 4,00 US-Dollar, falls es zu weiteren Kreditausfällen, erneuter NAV-Erosion oder einer weiteren Dividendenkürzung kommt. Über fünf bis fünfzehn Jahre ist die Spannweite noch größer: Im guten Fall bleibt TPVG ein ertragreicher Spezialfinanzierer mit ordentlicher Ausschüttung und gelegentlicher Equity-Up-Side; im schlechten Fall frisst eine Kombination aus Kreditverlusten, Verwässerung und sinkender Ausschüttung die Attraktivität Stück für Stück auf. Genau deshalb würde ich die Aktie langfristig nicht als Kerninvestment sehen, sondern nur als kleinere, bewusst spekulative Beimischung. (SEC)
Autor: ChatGPT