Deutsche Geschichte
Einer Säuberungswelle in der DDR folgt eine deutliche Zunahme von Westflüchtlingen (von mtl. 20´000 im Januar auf 51´000 im März). Im April werden Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel und im Mai die Erhöhung von Arbeitsnormen um 10% beschlossen. Die Bevölkerung des durch über 1´200 Betriebsdemontagen und Hunger geschwächten Landes begehrt auf.
Die SED kann eine offene Konfrontation mit der Arbeiterschaft auch durch öffentliche Selbstkritik vom 11.6. nicht mehr verhindern. Als die Normenerhöhung nicht nur nicht zurückgenommen, sondern am 16.6. im Organ des FDGB "Tribüne" gar verteidigt wird, treten die als besonders leistungsbewußt geltenden Bauarbeiter der Baustelle "Stalinallee" in den Streik und lösen damit eine Lawine aus. Am Morgen des 17.6. legen Tausende ihre Arbeit nieder, im Tagesverlauf werden es 300´000 in 272 Orten in der ganzen DDR.
Der anfangs ökonomische Charakter der Streikforderungen wandelt sich sehr bald zu einem politischen mit Forderungen nach freien Wahlen. Es kommt zu Gewaltaktionen gegen vielfache Zeichen sowjetischer Präsenz. Die ersten russischen leichten Panzer fahren am Vormittag, schwere T34 gegen Mittag in Berlin auf. Die Aufständischen befreien vielerorts politische Gefangene. Als schließlich die Rote Fahne vom Brandenburger Tor geholt wird, läßt der sowjetische Militärkommandant von Berlin den Aufstand mit Panzern niederwalzen. Nach offiziellen Angaben sterben 19 Demonstranten, lediglich 126 sollen schwer verletzt worden sein.
Der Aufstand bricht angesichts des gewaltsamen Eingreifens des russischen Militärs zusammen. Der 17.6. wird in den Folgejahren in der BRD als arbeitsfreier "Tag der Deutschen Einheit" Nationalfeiertag bis zur Wiedervereinigung am 3.10.1990.
Unter russischem Druck macht die SED Zugeständnisse an die Aufständischen, die Normenerhöhung wird zurückgenommen, viele Gefangene wieder freigelassen. Die Spitzenfunktionäre Pieck und Ulbricht können ihre Machtposition behaupten. Walter Ulbricht wird im Juli zum Ersten Sekretär des ZK Zentralkomitees der SED gewählt und bleibt damit mächtigster Mann der DDR.
Bereits im Februar wurde mit dem Londoner Schuldenabkommen ein Schlußstrich unter die aus dem 1. Weltkrieg stammenden Reparationsleistungen Deutschlands gezogen. Die BRD übernimmt die gesamte Altlast von 29,5 mrd DM den westlichen Gläubigern gegenüber. Die Ostblockstaaten nehmen am Abkommen nicht teil. In einem Separatvertrag mit der DDR wird diese im August von weiteren Reparationsleistungen an die UdSSR befreit, die sich allein am Uranbergbaubetrieb "SDAG Wismut" weiter dominierend beteiligt.
Um Splitterparteien den Einzug in das westdeutsche Parlament zu erschweren, wird die 5%-Klausel ins Wahlrecht der BRD eingeführt. Die Bundestagswahl vom 6.9. bringt der CDU/CSU unter Kanzler Konrad Adenauer beinahe die absolute Mehrheit (an der ihr lediglich ein einziges Mandat fehlt).
www.geschichte.2me.net/dcx/dcx_1954.htm
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