"Muskelprotz Deutschland"


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"Muskelprotz Deutschland"

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19.08.05 15:11
HANDELSBLATT, Freitag, 19. August 2005, 14:17 Uhr


"The Economist"


Lobeshymnen auf "Muskelprotz Deutschland"


Das britische Wirtschaftsmagazin dürfte über jeden Zweifel erhaben sein, es sei hart im Urteil und objektiv in der Sache. Doch nun loben die Londoner Journalisten Deutschland über den grünen Klee - den Kanzler wird's freuen. Kritik muss ausgerechnet die Opposition einstecken.

 
HB LONDON/BERLIN. Der einflussreiche "Economist" begeistert sich in seiner neuesten Ausgabe für "Deutschlands überraschende Wirtschaft". Als Symbol für die deutsche Stärke prangt auf dem Titelblatt der Bundesadler, der die Arme spannt und seine Muskeln spielen lässt. "Deutschland ist superwettbewerbsfähig", lautet das Urteil des renommierten Magazins. Angloamerikanische Ökonomen halten das Potenzial der deutschen Wirtschaft für unterschätzt.

Tatsächlich haben die Reformen der vergangenen Jahre den Standort attraktiver gemacht. Lange Zeit war Deutschland der teuerste Wirtschaftsplatz Europas. Seit Ende 90er Jahre sind die Lohnstückkosten aber um zehn Prozent gefallen, weil die Löhne kaum noch stiegen. "Deutschland hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Großbritannien aufgeholt und einen Wettbewerbsvorteil erzielt“, sagt der Chefvolkswirt der amerikanischen Citigroup, Jürgen Michels.

"In Deutschland ist man betriebsblind"

Für ausländische Unternehmen gehört Deutschland zu den attraktivsten Standorten der Welt. Nach einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young unter 670 ausländischen Firmen belegt Deutschland in diesem Jahr den fünften Platz in der Welt. In Europa erfreue sich nur Polen größerer Beliebtheit als "Germany".

Gute Noten erteilten die Investoren der Infrastruktur, der Ausbildung von Arbeitskräften und der Rechtssicherheit. "Viele Vorteile werden in Deutschland als selbstverständlich betrachtet. Da ist man betriebsblind", sagt Peter Englisch von Ernst & Young.

Einen großen Vorteil hat nach Expertenansicht in den vergangenen Jahren die Lohnzurückhaltung gebracht. Die umstrittenen Hartz-IV-Reformen brachten den Arbeitsmarkt in Schwung. Die Arbeitnehmer plagt die Angst vor Jobverlust. "Das hat die Verhandlungsposition der Firmen bei neuen Tarifabschlüssen gestärkt und die Macht der Gewerkschaften geschmälert", schreibt der "Economist". Die Dax-Unternehmen konnten ihre Bilanzen sanieren, und der über Jahre kränkelnde Bankensektor habe seine Kosten unter Kontrolle gebracht.



Ökonomen warnen aber vor zu viel Euphorie. "Der Patient Deutschland ist auf dem Weg der Genesung, aber er ist immer noch krank", sagt der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding. "Deutschland muss noch lange die Medizin nehmen, um wirklich gesund zu werden." Notwendig sei ein zweiter kräftiger Reformschub. Die Löhne müssten weiter niedrig bleiben. Auf der Wunschliste stehen auch eine Lockerung des Arbeitsrechts, Öffnungsklauseln für Tarifverträge und eine Steuerreform.

Es bleibt noch viel zu tun. "Auch wenn Deutschland nicht mehr das Schlusslicht in Europa ist, können wir noch nicht vorne mitspielen“, sagt Chefvolkswirt Michels. Im Wettbewerb um Investitionen aus den USA verliert Deutschland als Produktionsstandort gegenüber den osteuropäischen Nachbarn rapide an Boden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Danach planen in diesem Jahr die Hälfte der in Deutschland aktiven US-Unternehmen eine Verlagerung einzelner Geschäftstätigkeiten nach Osteuropa. "De Firmen würden stärker in Deutschland investieren, wenn die Binnennachfrage anspringen würde" heißt es. Der private Konsum bleibt aber im vierten Jahr in Folge schwach.

Warnung vor Mehrwertsteuer-Erhöhung

Als große Gefahr für den Standort sehen Ökonomen die Pläne der Unions-Parteien, die Mehrwertsteuer im Fall eines Wahlsieges von 16 auf 18 Prozent zu erhöhen. "Eine isolierte Anhebung würde den Konsum dämpfen und die Preise erhöhen - das wäre rein kontraproduktiv", sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Notwendig sei eine umfassende Reform auch der Einkommens- und Unternehmenssteuer.

Nur die Politik kann dem Aufschwung in Deutschland laut "Economist" noch im Weg stehen: "Die Nachrichten aus Deutschland könnten überraschend gut werden, vorausgesetzt die Politiker vermasseln es nicht nach der Wahl im nächsten Monat."


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The Economist

 
19.08.05 15:15
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Die Ausländer kaufen schon lange

 
19.08.05 15:17
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Auslandsinvestitionen

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19.08.05 15:59
Auslandsinvestitionen

Attraktives Deutschland


Sind Deutschlands Großkonzerne an der Börse bald mehrheitlich in ausländischer Hand? Gut möglich, denn über 40 Prozent sind es schon. Zudem ist der Trend stabil und seit langem zu beobachten. Deutschland wird internationaler und ist deshalb künftig noch mehr als ohnehin schon internationalen Schwankungen in Wirtschaft und Politik ausgesetzt.


Kurzfristig lenken Neuwahlphantasien samt Reformhoffnungen das Interesse ausländischer Anleger auf Deutschland. Das zeigen Rekordaktienkäufe aus dem Ausland, seitdem Bundeskanzler Gerhard Schröder am 22. Mai seinen Neuwahlcoup landete. Wer jetzt rasch einsteigt, weil er auf einen Sieg der konservativ-liberalen Opposition und rasche, tief greifende Reformen im Gesundheitswesen, bei den Lohnnebenkosten und im Kündigungsschutz wettet, dürfte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schnell wieder von seinen deutschen Aktien verabschieden, falls es zu einem anderen Wahlausgang oder Enttäuschungen kommt. Ein Teil der Kursgewinne schmölze also wieder dahin.

Doch neben dem kurzfristigen Aspekt gibt es langfristige Erwägungen. Bereits seit den neunziger Jahren gibt es einen starken Trend zu höheren Auslandsinvestitionen in Deutschland: von neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf über 25 Prozent. Das Ausland erkennt sehr wohl, dass bei allen Schwierigkeiten um marode Staatskassen die Unternehmen ihre Hausaufgaben erfolgreich machen. Sie exportieren immer mehr Waren ins Ausland, senken ihre Produktionskosten und erwirtschaften Rekordgewinne. Dabei schaffen sie es trotzdem, dass die Löhne kaum steigen. So verringern sich die Lohnstückkosten gegenüber der westeuropäischen Konkurrenz. Das mag Beschäftigte hier zu Lande nicht erfreuen, zieht Aktionäre aber an. som


HANDELSBLATT, Freitag, 19. August 2005, 11:18 Uhr

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Konjunkturoptimismus

 
20.08.05 17:03
Wirtschaftsweiser sieht Konjunktur optimistisch

HB BERLIN. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz sieht die konjunkturelle Situation Deutschlands optimistisch. „In Deutschland hat lange Miesmacherei geherrscht“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrates der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Dabei zeige der starke Export schon lange, dass deutsche Waren und Arbeitskräfte international wettbewerbsfähig seien. Auch die Reformen der Bundesregierung hätten das Ihre zu der Verbesserung der Stimmung beigetragen.

Franz warnte aber vor zu viel Euphorie: „Wir haben noch viele Baustellen offen: die Senkung der Unternehmensteuer, die Arbeitsmarktflexibilisierung, die Konsolidierung des Staatshaushaltes und die Reform der sozialen Sicherungssysteme.“ Würden diese Probleme energisch angegangen und schwäche sich die Weltwirtschaft nicht ab, „so bin ich sehr optimistisch für die Konjunktur und auch für den Arbeitsmarkt“, sagte Franz. Ein Beschäftigungsaufbau sei ab einem Wachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent möglich.


HANDELSBLATT, Samstag, 20. August 2005, 16:16 Uhr

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Schluss mit Schlusslicht

 
22.08.05 07:44
Kommentar

Comeback für Deutschland

Von Olaf Storbeck

Schluss mit Schlusslicht, wir sind wieder wer!

Behauptet das britische Wirtschaftsblatt „Economist“, das Deutschlands „überraschende Wirtschaft“ in einer Titelgeschichte feiert. Behauptet die US-Investmentbank Goldman Sachs, die seit Monaten das Comeback des Standorts D beschwört. Behaupten ausländische Top-Manager, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit schon Ende 2004 wieder bessere Noten gaben.

Auch wenn es die Union im Wahlkampf nicht hören will: Selbstverständlich stimmen die Argumente der Deutschlandfans. Die Unternehmen haben sich konsequent saniert und sind schlank und stark aus der Krise gekommen. Die schwindende Gewerkschaftsmacht verschafft den Firmen mehr Freiraum. Eine seit Jahren moderate Lohnpolitik mindert den Kostennachteil der deutschen Wirtschaft. Und Schröders Einstieg in die Strukturreformen hat einen Teil der volkswirtschaftlichen Verkrustungen aufgeweicht. Keine Frage, die Agenda 2010 kam zu spät und greift zu kurz. Trotzdem ist die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe die am tiefsten einschneidende Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik.

Bleibt nur ein Schönheitsfehler: Im Inland ist von einer Wende zum Besseren nichts zu spüren. Nach wie vor ist das Wachstum niedrig, die Arbeitslosigkeit hoch. Erstens, weil die Fortschritte, die das Land gemacht hat, in den Köpfen der Deutschen nicht angekommen sind. Zweitens, weil das Vertrauen von Unternehmern und Verbrauchern in die Politik tief gestört ist, eine Folge der sprunghaften rot-grünen Wirtschaftspolitik. Dritte Ursache für das noch schwache Wachstum: Viele Reformbaustellen sind offen – Unternehmensteuerrecht, das Gesundheitssystem und der Arbeitsmarkt für gering Qualifizierte.

Die nächste Regierung sollte daher nicht nur das Reformtempo erhöhen, sondern sich zudem an ein Konzept aus dem Kalten Krieg erinnern: vertrauensbildende Maßnahmen. Denn nur wenn die Menschen den Glauben an die Verlässlichkeit der Politik wiederfinden, wirken die Reformen voll.


HANDELSBLATT, Montag, 22. August 2005, 06:31 Uhr

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Signale für Belebung der Binnenkonjunktur

 
23.08.05 12:20
Signale für Belebung der Binnenkonjunktur


Die Finanzmärkte beurteilen einer ZEW-Umfrage zufolge die Aussichten für die deutsche Konjunktur deutlich optimistischer als vor einem Monat.

 


HB BERLIN. Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg im August auf 50,0 von 37,0 Punkten im Monat zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Das ZEW-Barometer liegt nun deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von 34,3 Zählern und erreichte seinen höchsten Stand seit März 2004..

ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: „Vielleicht sehen wir nun gerade, wie der Funke von der Exportwirtschaft auf die Binnenwirtschaft überspringt.“ Neben der trotz des hohen Ölpreises weiterhin soliden Entwicklung der Weltwirtschaft dürften in diesem Monat erste Signale für eine Belebung der Binnenkonjunktur in Deutschland zum steigenden Konjunkturoptimismus beigetragen haben. Steigende Auftragseingänge vor allem aus dem Inland würden zu dieser Hoffnung Anlass geben.

Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilten die Experten in diesem Monat dank der höheren Industrieproduktion deutlich optimistischer. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich von minus 66,7 Punkte auf minus 61,1 Punkte.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im August ebenfalls. Der Euro-Indikator gewann 12,6 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei 41,6 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum habe sich in diesem Monat hingegen kaum verändert und stehe bei 33,3 Punkten.

An der Umfrage im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests haben sich in diesem Monat 322 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.

Die ersten Stellungnahmen der Analysten:



Gerd Hassel, BHF Bank: „Ich hatte zwar mit einem starken Anstieg gerechnet, hätte aber nicht gedacht, dass er so stark ausfallen würde. Es gibt offenbar immer noch recht positive Erwartungen an die bevorstehende Bundestagswahl. Offenbar rechnet man allgemein mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Folge eines Regierungswechsels. Auf der anderen Seite hatten wir auch gesehen, dass sich die Ifo-Geschäftserwartungen und der ISM-Index aus den USA verbessert haben. Die Zinsstruktur hat sich wieder etwas ausgeweitet, und die Aktienmärkte haben sich erholt. Insofern einige positive Signale von der Datenseite oder von der Finanzmarktseite her, die sicherlich auch die Erwartungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung beflügeln. Ich denke, das wird sich auch weiter fortsetzen bei den Ifo-Geschäftsklimadaten, die diese Wochen kommen. Das wird dazu führen, dass wir schon im dritten, aber auf jeden Fall im vierten Quartal auch einen deutlicheren Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt sehen können in Deutschland. Nachdem wir im zweiten Quartal Stagnation hatten, sollte es wieder zu einem Aufschwung kommen.

Der Ölpreis ist einer der dämpfenden Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Konjunkturerwartungen nicht noch weiter gestiegen sind. Dazu gehörte auch die zwischenzeitliche Aufwertung des Euro. Auch von der politischen Seite haben wir Belastungsfaktoren. Es ist plötzlich nicht mehr so ganz klar, dass Union und FDP die Wahlen mit einer satten Mehrheit gewinnen werden, sondern es gibt jetzt auch das Risiko, dass es vielleicht zu einer großen Koalition kommen könnte oder sogar zu einem Bündnis unter Beteiligung der Linkspartei.“

Julian Barclays Capital: „Das ist ein ermutigendes Signal. Die Hoffnung auf Veränderungen nach der Wahl im September, die Aktienkurse und die Weltwirtschaft haben zu diesem kräftigen Anstieg beigetragen. Die Schwankungsbreite des ZEW ist sehr weit und eine Bewegung dieser Größenordnung ist nicht so bedeutsam wie es etwa bei dem Einkaufsmanagerindex wäre.“

Jörg Angele, Bayerische Landesbank: „Der Indikator ist überraschend positiv ausgefallen, wir hatten nur mit einem Plus von 40 Punkten gerechnet. Richtig ist, dass die letzten Auftragseingänge für die Unternehmen und auch die Industrieproduktion im Juni hoch waren. Dennoch wird meiner Meinung nach der hohe Ölpreis ausgeblendet, gerade weil er sich wohl auf diesem Niveau einpendeln wird. Deshalb wird sich die Konjunktur keinesfalls so entwickeln wie es der ZEW-Indikator vorgibt. Ich denke, dass er noch einmal zurückgehen wird.“

Andreas Scheuerle, Deka-Bank: „Nach den enttäuschenden Zahlen zum BIP heute Morgen endlich gute Nachrichten. Ich würde aber noch nicht soweit gehen, das der Schwung vom Export bereits in der Binnenwirtschaft ankommt. Es ist wichtig zu konstatieren, dass wir weiter einen starken Impuls von Außenhandel haben - das ist die Hauptbotschaft für die Konjunktur. Dies zeigen auch die ZEW-Daten für andere Regionen. Wesentliche Anzeichen für eine Belebung der Binnenwirtschaft sehe ich aber noch nicht.“

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Standort D gewinnt an Ansehen

 
31.08.05 10:43
Investitionsverhalten nach wie vor zurückhaltend

Standort D gewinnt an Ansehen

Von Dorit Hess

Der Standort Deutschland hat bei den deutschen Top-Managern wieder an Ansehen gewonnen – allerdings überwiegen weiter kritische Urteile.

HB DÜSSELDORF. Insbesondere die Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten bewerten die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft so positiv wie seit knapp fünf Jahren nicht mehr. Aber auch die gegenwärtigen Standortbedingungen haben die Führungkräfte letztmals Anfang dieses Jahres so positiv beurteilt.

Dennoch planen die Top-Manager nicht, ihr Investitionsverhalten in den kommenden zwölf Monaten zu verändern. Das geht aus dem Handelsblatt Business-Monitor hervor, für den das Hamburger Psephos-Institut in der Zeit vom 4. bis 19. August im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. 763 Manager befragt hat.

Knapp die Hälfte (45 Prozent) der für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Top-Manager rechnet damit, dass sich die Standortbedingungen hier zu Lande in den kommenden zwölf Monaten verbessern werden. Im Mai war die Zahl derer, die an eine bessere Entwicklung des Standortes D geglaubt hatten, auf nur 16 Prozent gesunken. Im August hat sich dieses Bild nun deutlich aufgehellt. Noch optimistischer als der Durchschnitt der aktuell Befragten sind die Führungskräfte in Großunternehmen, in Dienstleistungsunternehmen, im Handel, in Verkehr und Nachrichtenübermittlung, im Süden und in der Mitte Deutschlands sowie in der Gruppe derjenigen, die 60 Jahre und älter sind.

Die gegenwärtige Lage beurteilen die befragten Top-Manager zwar besser als noch in den Vormonaten – allerdings hält mit 56 Prozent immer noch die Mehrheit der Befragten die derzeitigen Standortbedingungen für „eher schlecht“, weitere sieben Prozent halten sie sogar für „schlecht“. Nur ein Drittel beurteilt die Lage mit „eher gut“, als „gut“ bezeichnen die Situation sogar nur vier Prozent. Am unzufriedensten äußern sich die Top-Manager aus Ostdeutschland und der Mitte des Landes, dem Baugewerbe sowie die unter 40-Jährigen – in all diesen Untergruppen bewerten rund zwei Drittel der Befragten den Standort als „eher schlecht“.

Die insgesamt gesteigerte Zuversicht sowie die Aussicht auf die Bundestagswahl veranlassen die Top-Manager aber offenbar nicht, ihre Investitionspläne zu verändern. 62 Prozent der Befragten wollen in den kommenden zwölf Monaten weder mehr noch weniger investieren.


HANDELSBLATT, Mittwoch, 31. August 2005, 10:00 Uhr

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Sahne:

Wir ham's halt drauf :-) o. T.

 
31.08.05 10:55
Muskelprotz Deutschland 14527
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Röckefäller:

Nein nicht ...

 
31.08.05 11:12
Wir ham's halt drauf, sondern erste Sahne ;)

Aber mal sehen, wann die Börsen ins Bodenlose abstürzen, wenn sich die Beeinträchtigungen durch Katrina in den USA abzeichnen, die US-Börsen in den Keller rauschen und die Euro-Börsen mitziehen, da Sie nachwievor nicht völlig losgelöst sind...

Cu
Röckefäller
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Die Stärke der Börsen überrascht mich

 
31.08.05 11:22
ebenfalls.
http://www.ariva.de/board/229776

gruss

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Arbeitslosigkeit sinkt/ statistischer Effekt

 
31.08.05 12:59
Arbeitslosenzahl sinkt stärker als üblich


Die Arbeitslosigkeit ist im August wegen der Ein-Euro-Jobs und einer Bereinigung der Statistik stärker gesunken als für die Jahreszeit üblich.


HB NÜRNBERG. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte, waren 4,728 Millionen Menschen als erwerbslos registriert, 44 000 weniger als im Juli. Die Quote sei um 0,1 Prozentpunkte auf 11,4 gesunken. Im Vergleich zum August 2004 sei die Arbeitslosenzahl sogar um knapp 382 000 zurückgegangen.

Ausschlaggebend für die Besserung auf dem Arbeitsmarkt seien vor allem saisonale Gründe, so BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Im August zeigen sich regelmäßig die ersten Vorboten der Herbstbelebung". Werde der jahreszeitliche Einfluss herausgerechnet, betrage der Rückgang im Vergleich zum Juli lediglich 12 000. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 1000 zu. Im Osten sank sie um 13 000. Weise sagte, die Statistik sehe aber auch deswegen besser aus, weil mehr Arbeitslose Ein-Euro-Jobs hätten. Außerdem sei bei einer Telefon-Aktion der BA im Juli deutlich geworden, dass etwa fünf Prozent der Empfänger des Arbeitslosengeldes zu Unrecht als arbeitslos gezählt werden.

Erstmals gab die BA zudem eine Einschätzung ihrer Finanzlage zum Jahresende ab. "Wir werden in diesem Jahr den geplanten Bundeszuschuss in Höhe von vier Milliarden Euro nicht ganz in Anspruch nehmen müssen“, erklärte Finanzvorstand Raimund Becker. Er gehe nach einer ersten Schätzung von einem Zuschussbedarf zwischen 3,0 und 3,7 Milliarden Euro aus.


HANDELSBLATT, Mittwoch, 31. August 2005, 10:09 Uhr

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Datenübertragung mit unsichtbarem Laserstrahl

 
02.09.05 16:27
Unsichtbarer Laserstrahl überträgt riesige Datenmengen


Dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist erstmals die Übertragung riesiger Datenmengen mit einem unsichtbaren Laserstrahl von der Stratosphäre auf die Erde gelungen. Damit habe ein wichtiger Test für zukünftige fliegende Sendemasten Erfolg gehabt, teilten die DLR-Experten in Oberpfaffenhofen bei München mit.

dpa OBERPFAFFENHOFEN. Das Projekt sei ein wichtiger Schritt in eine neue Ära der mobilen Breitbandkommunikation. Auf einem Testgelände bei Kiruna in Nordschweden, auf dem sonst Höhenforschungsraketen starten, gelang den Wissenschaftlern des DLR- Instituts für Kommunikation und Navigation am vergangenen Mittwoch die Datenübertragung. Das vom DLR entwickelte Terminal, das den Laserstrahl abgegeben hatte, hing in 22 Kilometern Höhe an einem Stratosphärenballon und war zeitweise mehr als 60 Kilometer von der Empfangsstation entfernt. „Bis zu 1,25 Gigabit pro Sekunde wurden nahezu fehlerfrei übertragen“, berichtete das DLR. Das entspricht etwa 50 Musikstücken in MP3-Qualität pro Sekunde.

Langfristiges Ziel dieser Forschungsarbeiten seien fliegende Sendemasten auf fest verteilten Plattformen in der Stratosphäre, die Hochgeschwindigkeits-Datenverbindungen für Nutzer am Boden, aber auch mit Satelliten und mit Flugzeugen ermöglichen, hieß es weiter in der DLR-Mitteilung. Die DLR-Arbeiten gehören zum EU-Forschungsprojekt Capanina für mobile Datenkommunikation.

Unbemannte Flugkörper dienen bei dem Projekt als entsprechende Plattformen in der Stratosphäre. Verglichen mit Satelliten bieten sie nach DLR-Angaben entscheidende Vorteile: Sie könnten etwa zur Wartung oder zum Umbau auf den Boden zurückgeholt werden. Zudem könnten sie schnell an ihren Einsatzort gebracht werden, beispielsweise wenn in Katastrophengebieten die Mobilfunk- und Kommunikationsnetze zusammengebrochen seien. Denkbar sei der Einsatz der frei schwebenden Plattformen auch bei Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften, bei denen enorme Datenmengen übertragen werden müssten.


HANDELSBLATT, Freitag, 02. September 2005, 16:15 Uhr

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Auftragsplus

 
06.09.05 13:37
3,7 Prozent mehr im Juli

Kräftiges Auftrags-Plus für Industrie nährt Aufschwungshoffnungen


Die starke Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Maschinen und Anlagen hat der Industrie im Juli erneut deutlich dickere Auftragsbücher beschert.


HB BERLIN. Im Juli konnte die deutsche Industrie im Vergleich zum Vormonat ein preis- und saisonbereinigtes Auftrags- Plus von 3,7 Prozent verbuchen. Dies war der dritte Anstieg in Folge und der bislang höchste Wert in diesem Jahr. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wertete die Zahlen am Dienstag in Berlin als Beweis dafür, dass die Konjunktur „zusehends in Schwung“ komme.

Der Auftragseingang ist neben der Produktion einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Zahlen können bei Großaufträgen jedoch von Monat zu Monat stark schwanken. Das Juli-Plus von 3,7 Prozent übertraf jedoch die Erwartung der Experten bei weitem. Nach den positiven Auftrags- Zahlen für Mai und Juni (jeweils plus 2,3 Prozent) hatten sie im Durchschnitt mit einem Rückgang von einem Prozent gerechnet.

Das kräftige Plus war vor allem der gestiegenen Nachfrage nach deutschen Maschinen und Anlagen aus dem Ausland zu verdanken (plus 7,7 Prozent). Bei den Inlandsbestellungen ging das Ordervolumen im Monatsvergleich dagegen leicht zurück (minus 0,1 Prozent). Clement betonte, damit hätten sich die Voraussetzungen für eine Belebung der Produktionstätigkeit in den kommenden Monaten weiter verbessert. „Neben vielen anderen Indikatoren sprechen jetzt auch die Auftragseingänge eine immer deutlichere Sprache.“

Innerhalb der industriellen Hauptgruppen konnten die Hersteller von Investitionsgütern (plus 6,8 Prozent) und die Vorleistungsgüterproduzenten (plus 4,3 Prozent) die kräftigsten Zuwächse verbuchen. Bei den Konsumgüterherstellern gab es noch ein Anstieg um 2,5 Prozent.

Im Zwei-Monats-Vergleich (Juni/Juli gegenüber April/Mai) nahmen die Auftragseingänge bundesweit um 5,4 Prozent zu. Mit einem Plus von 6,6 Prozent war auch hier die Entwicklung im Ausland besser als im Inland. Auch im Jahresvergleich lagen die Bestellungen in der Industrie deutlich höher (plus 6,4 Prozent). Das Auftragsvolumen aus dem Inland lag dabei um 3,4 Prozent höher, die Auslandsbestellungen um 9,5 Prozent.


HANDELSBLATT, Dienstag, 06. September 2005, 13:22 Uhr

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Vorteile des Standorts D

 
07.09.05 11:43
US-Konzern ist auf der Suche nach Akquisitionen

3M sieht die Vorteile des Standorts Deutschland

Von Siegfried Grass

Der US-Konzern 3M hat Spaß am deutschen Standort. In den letzten fünf Jahren hat der Multitechnologie-Konzern rund 150 Mill. Euro in Deutschland investiert.


NEUSS. Kurt-Henning Wiethoff, Geschäftsführer der 3M Deutschland GmbH, machte deutlich. dass die deutsche Niederlassung somit einen „soliden Beitrag“ zum Ergebnis der US-Mutter beigetragen konnte. 3M hat weltweit seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 9,8 Prozent auf 20 Mrd. Dollar gesteigert und auch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres seinen Umsatz um 6 Prozent auf 10,5 Mrd. Dollar verbessert. Die 3M Deutschland GmbH hat 2004 ihren Umsatz um 3,3 Prozent auf 1,16 Mrd. Euro erhöht; das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 53 Prozent auf 59 Mill. Euro.

Nach den Worten des Deutschland-Chefs will 3M hier zu Lande weiter wachsen – jetzt aber verstärkt durch Akquisitionen: „Wir haben mehrere Firmen im Auge, die mit ihren Produkten zu uns passen könnten.“ Wiethoff denkt da vor allem an den Bereich Health-Care, der nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland die höchsten Steigerungsraten aufzuweisen hat.

Als jüngstes Investitionsprojekt wurde im Mai am Standort Hilden bei Düsseldorf eine Beschichtungsanlage für 13 Mill. Euro in Betrieb genommen. Weil das Werk über die modernste Technologie verfüge, so Wiethoff, war auch die Herstellung von Produkten möglich, die bisher aus einem 3M-Werk in den USA geliefert wurden. Die Kunden auf den europäischen Märkten könnten dadurch schneller beliefert werden. In Hilden befindet sich mit 950 Mitarbeiter das größte 3M-Werk in Europa.

„Das Management in den USA“, so erklärt Wiethoff die Bereitschaft für diese Investitionen, „hat erkannt, dass es in Deutschland eine gute Infrastruktur gebe, gut ausgebildete Mitarbeiter und die Verkehrslage günstig ist.“ Und nicht zuletzt seien hier viele zukunftsträchtige Technologien zu Hause. Dabei weist Wiethoff, der seit 1. Mai als Generaldirektor für die deutsche Niederlassung fungiert, besonders auf das Engagement bei der Entwicklung von Brennstoffzellen hin. Als weltweit eines der wenigen Unternehmen könne 3M das Herzstück des gängigsten Typs dieser kleinen Kraftwerke, die Membran-Elektroden-Einheit, wirtschaftlich in Serie herstellen und erfülle damit die Voraussetzung für eine Vermarktung auf breiter Ebene, betonte Wiethoff. Die Kompetenz für diese führende Rolle habe sich 3M schon zuvor mit seinem Wissen auf dem Gebiet der Nano-Technologie erworben.

Bundesweit nimmt Nordrhein-Westfalen in der Brennstoffzellen-Technologie eine führende Rolle ein. So ist 3M seit 2004 Mitglied in der Landesinitiative „Kompetenz-Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff in NRW“, um gemeinsam mit anderen Herstellern die Markteinführung dieser Umwelt schonenden Kraft- und Wärme-Erzeuger zu beschleunigen.


HANDELSBLATT, Mittwoch, 07. September 2005, 11:13 Uhr

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Weltbank lobt Deutschland

 
13.09.05 08:20
 

Reformen und Bürokratieabbau schreitet in Deutschland zügig voran



Von Olaf Storbeck

In Deutschland haben sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen im vergangenen Jahr so deutlich verbessert wie in keinem anderen hoch entwickelten Industrieland der Welt.


DÜSSELDORF. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Weltbank, in der die Standortfaktoren für Unternehmen in 155 Ländern der Welt miteinander verglichen werden. Bei der Arbeitsmarktregulierung wird Deutschland als weltweiter „Top-Reformer“ gelobt. Die Untersuchung mit dem Titel „Doing Business in 2006“ wird heute in Washington vorgestellt und liegt dem Handelsblatt vor.

Bereits seit Monaten häufen sich Anzeichen, dass das Ansehen Deutschlands im Ausland steigt. Der Handelsblatt Business-Monitor International zeigte zu Jahresanfang, dass sich nach Ansicht europäischer Top-Manager die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands 2004 deutlich verbessert hat. Nach einer im Sommer veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gehört Deutschland für ausländische Unternehmer zu den attraktivsten Standorten der Welt. Und das britische Wirtschaftsblatt „Economist“ widmete „Deutschlands überraschender Wirtschaft“ jüngst eine Titelgeschichte.

„Es hat sich ganz einfach etwas getan in Deutschland – insbesondere auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Weltbank-Vizepräsident Michael Klein dem Handelsblatt. „Wenn man die Reformen in Deutschland mit denen anderer Länder vergleicht, dann war das relativ viel.“


Damit schafft Deutschland in diesem Jahr zum ersten Mal seit der ersten Weltbank-Studie vor zwei Jahren knapp den Einzug in die Top-20-Liste der Länder mit der wirtschaftsfreundlichsten Bürokratie. In der Weltbank-Bestenliste rangiert der Standort D auf Platz 19. Im vergangenen Jahr, als die Weltbank nur für die 20 besten Länder eine genaue Rangliste veröffentlichte, hatte Deutschland verheerend abgeschnitten. Da lag das Land zwischen dem 21. und 29. Platz – noch hinter Botswana und Thailand. In Deutschland waren zwar viele Reformen bereits beschlossen, aber noch nicht in Kraft getreten. „Viele der deutschen Arbeitsmarktreformen gehen in die richtige Richtung, aber es gibt weiterhin etliche Bereiche, die erheblich reformbedürftig sind“, sagt Eckhard Wurzel, Deutschland-Experte der OECD gestern. „Damit dauerhafte Erfolge auf dem Arbeitsmarkt erzielt werden können, dürfen die Reformanstrengungen nicht nachlassen.“

Von den Top-Standorten Neuseeland, Singapur und USA ist Deutschland auch in diesem Jahr noch weit entfernt. Auch die skandinavischen Länder bieten Unternehmen laut Weltbank bessere Rahmenbedingungen als Deutschland. Ansonsten kommt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich aber relativ gut davon. Von den großen EU-Ländern schneidet nur Großbritannien (Platz 9) besser ab. Die anderen großen EU-Länder sind weit abgeschlagen. Spanien landet auf Platz 30, Frankreich auf Platz 44 und Italien nur auf Platz 70. Auch die Niederlande (24) und Österreich (32) schneiden schlechter ab.

In vier der zehn von der Weltbank untersuchten Politikfelder gab es in Deutschland 2004 Fortschritte – noch mehr Reformen gab es nur in den Entwicklungs- und Schwellenländern Serbien, Georgien, Vietnam und Slowakei. Neben den Arbeitsmarktreformen hebt die Weltbank hervor, dass es in Deutschland 2004 leichter geworden sei, sich als Unternehmer selbstständig zu machen. Verbesserungen habe es zudem bei der Durchsetzung von Verträgen und bei der Regulierung des grenzüberschreitenden Handels gegeben.


HANDELSBLATT, Dienstag, 13. September 2005, 07:15 Uhr

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Interview

 
13.09.05 08:23
Michael Klein ist Vizepräsident der Weltbank und Chefvolkswirt der Weltbank-Tochter IFC

Interview: „In Deutschland hat sich einiges getan“

Die Fragen stellten Dorit Heß und Olaf Storbeck

Michael Klein, Vizepräsident der Weltbank und Chefvolkswirt der Weltbank-Tochter IFC, über Deuitschlands Stärken und Schwachstellen.


2004 gab die Weltbank dem Standort D ziemlich schlechte Noten – jetzt rangiert er plötzlich in der Top-20-Liste. Wie kann das sein?

Es hat sich ganz einfach etwas getan in Deutschland – insbesondere auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man die Reformen in Deutschland mit denen anderer Länder vergleicht, dann war das relativ viel. Außerdem haben wir die Studie in diesem Jahr um einige Themenfelder erweitert, unter anderem um die Handelspolitik – und dort sind die deutschen Rahmenbedingungen Weltspitze. Auch dadurch schneidet Deutschland insgesamt besser ab als 2004.

Wo steht Deutschland im Vergleich zu den Ländern mit den besten Rahmenbedingungen für Unternehmen?

Deutschland liegt auf dem 19. Platz. Damit sollte sich die größte Volkswirtschaft Europas nicht zufrieden geben. Der Abstand zur Spitzengruppe ist trotz der Fortschritte nach wie vor gewaltig. Es gibt einfach eine Reihe von Ländern, die in den vergangenen Jahren deutlich mehr getan haben als Deutschland. Um zu Ländern wie Neuseeland, Singapur oder USA, den drei Besten, aufzuschließen, wären erhebliche Schritte notwendig.

Die vermutlich kaum mehrheitsfähig wären.

Da wäre ich mir nicht so sicher. Unsere Studie zeigt, dass gute Rahmenbedingungen für Unternehmen nicht automatisch „amerikanische Verhältnisse“ bedeuten. Die skandinavischen Länder, die nicht gerade für „Cowboy Kapitalismus“ bekannt sind, scheiden allesamt besser ab als Deutschland. Die zentrale Frage ist nicht, wie viel Regulierung es gibt, sondern wie gut die Regulierung ist.

Wo hat Deutschland den größten Nachholbedarf?

Auf dem Arbeitsmarkt und bei der Komplexität des Steuerrechts, die signifikant höher ist als in manchen skandinavischen Ländern wie etwa Norwegen. Auch in Sachen Corporate Governance hinkt Deutschland international noch hinterher.


HANDELSBLATT, Dienstag, 13. September 2005, 07:33 Uhr

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Standort-Check

 
13.09.05 08:24
Muskelprotz Deutschland 2104937ad22.vhb.de/...i&sfn=cn_load_bin&id=1104198&big=1" style="max-width:560px" border=0>
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Ausfuhrüberschuss erreicht Rekordniveau

 
13.09.05 09:34
Ausfuhrüberschuss erreicht Rekordniveau

Das Statistische Bundesamt gab am Dienstag die Entwicklung beim deutschen Außenhandel für das erste Halbjahr 2005 bekannt und teilte mit, dass der bislang höchste Ausfuhrüberschuss eines Halbjahres erzielt werden konnte.
Mit 84,8 Mrd. Euro lag der Ausfuhrüberschuss für die ersten sechs Monate des Jahres 2005 noch über dem Halbjahresergebnis des bisherigen Rekordjahres 2004 in Höhe von 84,2 Mrd. Euro.

Der Jahreswert 2004 lag bei 156,1 Mrd. Euro. Damit überstieg der Ausfuhrüberschuss im Jahr 2004 den bis dahin höchsten Stand im Jahr 2002 von 132,8 Mrd. Euro. Als Exportnation weist Deutschland traditionell einen Ausfuhrüberschuss auf.



Quelle: FINANZEN.NET


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Aufstieg eines Absteigers

 
15.09.05 16:30
HANDELSBLATT, Donnerstag, 15. September 2005, 15:27 Uhr


Standort Deutschland


Aufstieg eines Absteigers


Von Michael Maisch, Olaf Storbeck und Katharina Slodczyk


Vor einem Jahr wollte Hartmut Eisenheim eigentlich in Rente gehen – nach fast drei Jahrzehnten als Elektro-Meister bei der Eurogate GmbH, Europas größtem Betreiber von Container-Terminals. Doch noch nie hat das Unternehmen Wissen und Erfahrung des 64-Jährigen so dringend gebraucht wie jetzt. Denn im Hamburger Hafen baut Eurogate derzeit die weltweit größten Anlagen zum Be- und Entladen von Containerschiffen.

 


DÜSSELDORF. Ohne den Technikspezialisten könnten die neuen, feuerrot lackierten Ungetüme kaum pünktlich in Betrieb gehen. Auf diesen Container-Brücken – 60 Meter über dem Hafenbecken, wo die Stahl-Container für die Fracht so aussehen wie Legosteine und der Wind einem gnadenlos um die Ohren peitscht – arbeitet Eisenheim Tag für Tag „daumendicke Checklisten“ ab. „In zwei Wochen machen wir den großen 24-Stunden-Test“, erzählt der drahtige Mann in der roten Warnweste.

Die Zeit drängt. Überall auf der Welt steigt die Nachfrage nach Gütern „made in Germany“. Auf ein Exportplus von neun Prozent im vergangenen Jahr dürften 2005 und 2006 Anstiege von jeweils mehr als sechs Prozent folgen. Hartmut Eisenheim verbaut das vorerst den Ruhestand. Dem Hamburger Hafen beschert dies einen Bauboom. Über eine Milliarde Euro investieren öffentliche und private Geldgeber bis 2009, allein Eurogate schafft 750 neue Jobs.

Willkommen im Deutschland des Spätsommers 2005, dem Land der fünf Millionen Arbeitslosen, maroder Staatsfinanzen, der wirtschaftlichen Stagnation. Willkommen in einem Land, dessen Firmen international Marktanteile erobern und Rekordgewinne erwirtschaften. Einer Volkswirtschaft, der das britische Wirtschaftsblatt „Economist“ jüngst in einer Titelgeschichte huldigte. Einem Land, in dem sich laut Weltbank die Rahmenbedingungen für Firmen 2004 so stark verbessert haben wie in keiner anderen Industrienation.

Heimlich, still und leise hat sich die deutsche Wirtschaft gewandelt: Manager haben ihre Unternehmen restrukturiert und auf Profit getrimmt, haben unrentable Standorte geschlossen, Schulden abgebaut und Kosten gesenkt. In vielen Firmen sind die Beschäftigten bereit, für das gleiche oder für weniger Geld länger zu arbeiten – und die Gewerkschaften erlauben ihnen das sogar. Und nach Jahrzehnten des Reformstaus hat auch die Politik begonnen, die Strukturprobleme des Landes anzugehen. Abstieg eines Superstars? Von wegen. „Deutschland ist ein Volk der Gewinner“, raunte vor wenigen Tagen Goldman-Sachs-Chef Hank Paulson mit heiserer Stimme in das Mikrofon einer Podiumsdiskussion in Frankfurt am Main. Eine These, für die sich überall im Land Indizien finden lassen.



Sanderring 2, Zimmer 481 – Der Mann, der den ökonomischen Wiederaufstieg Deutschlands als Erster propagierte, residiert in der vierten Etage eines Prachtbaus im Stil der Spätrenaissance: Peter Bofinger, Professor für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Der schlanke, schwarzhaarige Mann, der trotz seiner 51 Lebensjahre etwas Jungenhaftes an sich hat, ist ein Exot unter den deutschen Volkswirten. Bofinger ist bekennender Keynesianer, gehört auf Empfehlung der Gewerkschaften den Wirtschaftsweisen an. Ein Mann, der es gewohnt ist, mit seiner Meinung oft alleine dazustehen. Doch darüber, was ihm nach dem 22. November 2004 widerfahren ist, staunt er bis heute. An diesem Tag stellte er sein Buch vor mit dem Titel: „Wir sind besser, als wir glauben.“ Auf dem Umschlag ein nach oben gereckter Daumen in Schwarz-Rot-Gold.

Alles krude Ideen eines wissenschaftlichen Außenseiters, hieß es landauf, landab. Die esoterische Minderheitenmeinung eines „linken Ökonomen“, der höheren Löhnen das Wort reden wolle. „Sobald Sie etwas Positives über die deutsche Wirtschaft sagen, halten die Leute Sie fast für einen Kommunisten“, erzählt Bofinger. „Jeder guckt Sie an, als ob Sie etwas Unanständiges im Sinn haben.“

94 Tage später sollte ein Mann namens Dirk Schumacher genau das Gleiche erleben. Nur steht der 35-Jährige eigentlich nicht im Verdacht, den Gewerkschaften das Wort zu reden. Schumacher, promovierter Ökonom mit Bundesbank-Chef Axel Weber als Doktorvater, ist Deutschland-Experte von Goldman Sachs. An einem kalten, bewölkten Donnerstag Ende Februar stellte er in Frankfurt das „Global Economics Paper No. 122“ den Medien vor. Kernthese der 16-seitigen Studie: Der Standort D steht im Vergleich zu den europäischen Ländern so gut da wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Journalisten hätten ihn am liebsten für verrückt erklärt. „Die waren nicht nur ungläubig, die Mehrheit hat ziemlich ablehnend reagiert.“

Tatsächlich war Schumacher seiner Zeit voraus. Die Studie nennt bereits die wichtigsten Argumente, die sieben Monate später auch der „Economist“ bringen wird: Durch die moderate Lohnpolitik der letzten Jahre sind die deutschen Lohnstückkosten gesunken. Die Konsolidierung in den Unternehmen lässt die Renditen steigen und macht das Land attraktiver für ausländische Investoren.

Der Wendepunkt sei weniger die Agenda-Rede von Bundeskanzler Schröder gewesen, analysiert Schumacher heute. „Weit wichtiger war der für die IG Metall verlorene Streik zur Einführung der 35-Stunden-Woche im Osten.“ Danach habe es in den Unternehmen eine „stille Revolution“ gegeben. „Entscheidend war, dass in vielen Unternehmen Betriebsvereinbarungen über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich durchgesetzt wurden.“ Noch sei die Zukunft des Standorts nicht endgültig gesichert, betont er auch. „Aber wir haben eine Atempause.“



Das Foto ist unscharf und leicht vergilbt. Es zeigt mehr als zwei Dutzend Frauen, in zwei langen Reihen stehen sie sich gegenüber. Ihr Gesichtsausdruck schwankt zwischen Konzentration und Anstrengung. Zwischen ihnen breite Tische mit Unmengen von Gummischläuchen. Übereinander, nebeneinander, lang und schmal, wie ein Fang frischer Aale – die Produktion von Bremsschläuchen im niedersächsischen Gifhorn vor gut vierzig Jahren.

Das Foto hängt im Eingang eines Klinkerbaus, Halle 864, auf dem Gelände von Continental Teves. Auch heute werden hier noch Bremsschläuche produziert. In der Halle stehen aber keine langen Tischreihen mehr, nur große Stahlkonstruktionen, an denen sich die Bremsschläuche drehen und winden, an denen sie transportiert und um Anschlussstutzen und Clips verlängert werden. Nur wenige Menschen bewegen sich zwischen den Maschinen.

Technischer Fortschritt und die internationale Arbeitsteilung haben überall auf dem Betriebsgelände ihre Spuren hinterlassen. Zu Hoch-Zeiten vor mehr als 30 Jahren haben hier 4300 Menschen gearbeitet. Heute sind es 1600, in einem Jahr werden es 1500 sein. Doch Werkleiter Bernd Fischer sieht sich nicht nur als Verlierer der Internationalisierung. „Die Verlagerung von Arbeiten ins Ausland sichert Jobs in Gifhorn.“ Zum Beispiel in der Produktion von Bremszylindern. „Wir haben die komplette Montage, also den arbeitsintensiven Teil der Herstellung, nach Tschechien ausgelagert.“ Die kapitalintensiven Arbeitsgänge sind in Gifhorn geblieben und geben 460 Menschen Beschäftigung. Der Werkleiter ist sicher: Ohne diese Mischkalkulation wären auch die verschwunden.

Continental gilt unter Experten als eines der deutschen Unternehmen, denen das Comeback mustergültig gelungen ist. Vor vier Jahren steckte der Konzern in den roten Zahlen, und die großen Kunden in der Autoindustrie forderten Jahr für Jahr niedrigere Preise. Conti-Chef Manfred Wennemer schloss unrentable Werke, verlegte Teile der Produktion in Niedriglohnländer und vereinbarte mit Betriebsräten und Gewerkschaften, dass die Belegschaften fürs gleiche Geld länger arbeiten. So ist die 35-Stunden-Woche in Gifhorn passé – derzeit werden 37,5 Stunden gearbeitet, ab 2006 dann 40 Stunden.

Werkleiter Fischer ist seit 45 Jahren dabei – angefangen hat der inzwischen 61-Jährige als Lehrling mit 48 Wochenarbeitsstunden „plus Samstag als Normalarbeitstag“. Die Verlagerung von Jobs ins Ausland hat er zum ersten Mal in den 70er-Jahren erlebt. Los ging es mit einem Werk in Großbritannien. Dann folgten Standorte in Belgien, Portugal und Tschechien, immer wieder wurden Montagebänder in Gifhorn ab- und im Ausland aufgebaut.

Was bleibt da auf Dauer für die Arbeiter in Deutschland? „Es gibt immer wieder neue Produkte, die hier entwickelt werden, für die wir Maschinen und Werkzeuge bauen, bei denen wir die Kinderkrankheiten ausmerzen.“ Komplexe Arbeiten, die sich in Niedriglohnländern kaum erledigen lassen.

Die Luftfeder, eine Art moderner Stoßdämpfer, ist ein gutes Beispiel dafür. „Wir erwecken sie hier zum Leben“, erzählt Fischer, während einige Meter weiter Conti-Arbeiter einen Stapel Luftfedern in schwarze Styroporkisten verpacken, auf einen Rollwagen laden und zu einem Lastwagen vor der Montage-Halle bringen. Sein Ziel: das Volkswagen-Werk im slowakischen Bratislava. Dort werden die Luftfedern aus Gifhorn in den VW-Touareg eingebaut. In einigen Jahren werden die Conti-Luftfedern wohl aus Rumänien, Tschechien oder Asien kommen, murmelt Fischer. „Aber dafür werden neue Produkte kommen. Wir denken heute schon über Produkte nach, die hier ab 2010 und später produziert werden sollen.“

32 000 Mitarbeiter beschäftigt Conti heute in Deutschland, etwa 40 Prozent der Gesamtbelegschaft. Das soll auch so bleiben, sagt Konzern-Personalchef Thomas Sattelberger. Im gleichen Atemzug nennt er aber die Bedingungen dafür. Die 40-Stunden-Woche müsse zum Normalfall werden, das Unternehmen brauche mehr Leiharbeit und flexible Zeitkonten. „So haben Conti-Arbeitsplätze in Deutschland weiter eine gute Zukunft.“ Und nicht nur die: „Die betriebswirtschaftliche Kostenkomponente hat jedes Unternehmen selbst in der Hand“, sagt Sattelberger. „Wer über unflexible Arbeitszeiten und zu hohe Arbeitskosten klagt, hat das in der Regel selbst mit verursacht.“



Detlef Wetzel ist Funktionär der IG Metall, und Detlef Wetzel sagt Dinge, die ein Funktionär der IG Metall nun mal sagen muss. 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, Streichung von Pausen- und Schichtzulagen? „Da lach’ ich mich doch kaputt, wenn ein Unternehmer mit solchen Vorschlägen kommt“, sagt er, ohne den Mund zu verziehen. „Da macht man es sich doch zu einfach.“ Es dürfe doch nicht zum Prinzip werden, das Einkommen der Arbeitnehmer zu drücken, wenn man als Unternehmer nicht mehr weiterwisse.

Etwas anderes würde keiner von dem nordrhein-westfälischen Bezirksleiter der Gewerkschaft erwarten. Und trotzdem ist Wetzel anders. Er ist wendiger, aufgeschlossen für Argumente und am Ende gnadenlos pragmatisch. Das sagen Spitzenvertreter des Arbeitgeber-Verbandes in Nordrhein-Westfalen. Wetzel sei ein „ausgezeichneter Diskutant“, „kein der Ideologie verhafteter Gewerkschafter.“

Tatsächlich hat der Mann, der mit seinen hochgekrempelten Ärmeln, der beigefarbenen Jeans und der athletischen Figur eher wie ein Sport- und Biologie-Lehrer daherkommt, die Metall-Gewerkschaft in NRW auf neuen Kurs gebracht. Wetzel, ein Unterstützer des Reformkurses von IG-Metall-Vize Berthold Huber, setzt auf flexibles Handeln, geht offen mit Abweichungen vom Flächentarifvertrag um. Der neuen Strategie hat er den Slogan „Besser statt billiger“ gegeben. Das bedeutet in der Realität: Im Zweifel lässt sich die IG Metall auch auf die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ein. Nur muss die Geschäftsleitung ihren Mitarbeitern im Gegenzug etwas bieten: Fortbildung, Investitionen, Standortsicherung – ein Konzept, um Wachstum anzukurbeln und neue Kunden zu gewinnen. „Das Unternehmen muss eine Lösung für seine Probleme erarbeiten und sich nicht darauf beschränken, den Mitarbeitern nur Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt Wetzel. „Wir wollen Impulse geben, damit sich das Unternehmen weiterentwickelt“, sagt er und klingt fast wie ein Unternehmensberater.

Die Metall-Arbeitgeber in NRW können mit „Besser statt billiger“ ganz gut leben – „solange die Gewerkschaft dies als Vaseline braucht, um den Belegschaften finanzielle Einschnitte nahe zu bringen, ohne dass die Mitglieder meutern“, heißt es in Kreisen des Arbeitgeberverbandes. Eines aber macht den Arbeitgebern zu schaffen: Die Gewerkschaft braucht oft zu lange, um zu prüfen, ob das Konzept die Vorgaben erfüllt.

Auch für die IG Metall zahlt sich das Vorgehen aus: Die Gewerkschaft, die bundesweit unter eklatantem Mitgliederschwund leidet, verzeichnet in NRW inzwischen steigende Mitgliederzahlen. Wetzel selbst ist mit der neuen Strategie trotzdem nicht ganz zufrieden: Noch habe man nicht die richtige Kombination aus Flächentarifvertrag und betrieblichen Lösungen gefunden. „Wir sind noch nicht betriebsbezogen genug.“



Wenn es Abend wird in Frankfurt, dann zeigt sich das ganze Ausmaß der Immobilienmisere: Ganze Hochhäuser bleiben dunkel, seit Jahren will diese Büros niemand mehr mieten. Doch der chronisch kriselnde Markt beginnt sich nun zu drehen: Während deutsche Investoren noch über Krise und Stagnation lamentieren, pumpen angelsächsische Kapitalgeber viel Geld in den Markt. Den Wohnungsmarkt haben Fonds aus Großbritannien und den USA mit milliardenschweren Übernahmen bereits umgekrempelt, jetzt gehen sie bei Büroimmobilien auf Schnäppchenjagd. Die Blackstone Group übernahm gleich 50 Gebäude von der Deutschen Bank. „Deutschland ist einer der spannendsten Kandidaten für eine Erholung“, meint der Immobilienforscher Hartmut Bulwien.

Das Immobiliengeschäft ist nur ein Beispiel – Deutschland ist in. Das Gerede vom kranken Mann Europas war gestern, bei Fondsmanagern und Analysten in London und New York gilt Deutschland heute als attraktivster Hoffnungswert Europas. Im Mai und Juni kauften internationale Anleger unter dem Strich deutsche Aktien im Wert von 71 Milliarden Euro, dreimal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit diesen Investitionen im Rücken hängte der Dax die Wall Street und die britische Börse ab. Mittlerweile befinden sich bereits acht der 30 Dax-Konzerne mehrheitlich in internationaler Hand.

Und die Ausländer kaufen nicht nur Aktien. Allein im ersten Halbjahr übernahmen sie deutsche Unternehmen im Wert von 66 Milliarden Euro. Für 30 bis 40 Prozent davon dürften die von Franz Müntefering so gefürchteten „Heuschrecken“ verantwortlich sein. Angelsächsischen Private-Equity-Gesellschaften gehören inzwischen 5 500 Unternehmen in der Republik, die 2004 mit 640 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 114 Milliarden Euro erwirtschafteten. Das alles ist womöglich erst der Anfang. Für Thomas Krenz von der Beteiligungsgesellschaft Permira zumindest steht fest: „Deutschland wird auch in den kommenden Jahren zu den spannendsten Märkten gehören.“


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Kicky:

5 500 deutscheUnternehmen gehören Private Equity

 
15.09.05 18:12
Und die Ausländer kaufen nicht nur Aktien. Allein im ersten Halbjahr übernahmen sie deutsche Unternehmen im Wert von 66 Milliarden Euro. Für 30 bis 40 Prozent davon dürften die von Franz Müntefering so gefürchteten „Heuschrecken“ verantwortlich sein. Angelsächsischen Private-Equity-Gesellschaften gehören inzwischen 5 500 Unternehmen in der Republik, die 2004 mit 640 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 114 Milliarden Euro erwirtschafteten. Das alles ist womöglich erst der Anfang. Für Thomas Krenz von der Beteiligungsgesellschaft Permira zumindest steht fest: „Deutschland wird auch in den kommenden Jahren zu den spannendsten Märkten gehören.“

damit es auf der Klappe nicht ganz verloren geht!
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Kicky:

Generalmobilmachung bei Salzgitter

 
15.09.05 18:37
Der Stahl- und Röhrenkonzern hat Angst vor einer feindlichen Übernahme. Zum Schutz kauft der Konzern verstärkt eigene Aktien zurück. Außerdem will Salzgitter die Pensionsrückstellungen zum Teil in einen externen Fonds auslagern. Beide Vorhaben sollen mögliche Übernahmeversuche schon im Keim ersticken, erläuterte Salzgitter-Finanzvorstand Heinz-Jörg Fuhrmann seine Abwehrpläne gegenüber dem Handelsblatt. Dadurch würde das Unternehmen die hohen Barbestände reduzieren, die es für Investoren interessant macht.

Bei einem möglichen Übernahmeversuch könnte ein großer Teil der Barmittel schnell ausgelagert werden. Ein entsprechender Beschluss des Aufsichtsrats ließe sich binnen weniger Tage herbeiführen, sagte Fuhrmann dem Blatt. "Entsprechende Pläne liegen fertig in der Schublade", zitierte die Zeitung unternehmensnahe Kreise. Die Mittel könnten so vor dem Zugriff zunächst geschützt werden. Salzgitter sieht sich nach eigenen Angaben gut gegen eine mögliche Übernahme gewappnet. ...Das verstärkte Interesse ausländischer Investoren und der stark gestiegene Aktienkurs hatten das Salzgitter-Management beunruhigt. Seit Anfang September kursierten verstärkt Übernahmegerüchte. Es hieß, der britische Konzern Corus sei interessiert. Das gab dem dem Kurs der im MDax notierten Salzgitter-Aktie weiter Auftrieb.  
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Mehr Investitionen in Deutschland gefordert

 
20.09.05 15:36
Mehr Investitionen in Deutschland gefordert

Für Goldman Sachs ist Deutschland wettbewerbsfähig


Der deutschen Wirtschaft bescheinigen die Volkswirte der Investmentbank Goldman Sachs Group internationale Wettbewerbsfähigkeit. In Wien sagte Erik Nielsen, Chefökonom bei Goldman für die Region Europa, am Dienstag: "Das ist so, denn sonst wäre das Land im vergangenen Jahr nicht Exportweltmeister gewesen."

HB WIEN. Die deutsche Wirtschaft habe ihre Reorganisation gut vorangetrieben, die Unternehmen säßen auf Rekordgewinnen, ferner liege das Land beim Produktivitätswachstum fast gleichauf mit den USA. Dass sich dies nicht im selben Maß positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirke, begründete Nielsen vorwiegend mit dem schwachen Privatkonsum.

Dieser sei auch eine Folge von niedrigen Lohnabschlüssen, sagte der Ökonom. Allerdings dürften die deutschen Gewerkschaften bei künftigen Verhandlungen höhere Lohnsteigerungen fordern. Dass sich dies nachhaltig auf das deutsche Wachstum auswirken werde, glaubt Nielsen aber nicht. Wichtiger wäre hier, die deutschen Unternehmen zu höheren Investitionen in Deutschland zu veranlassen. Dies könne aber nur durch weitere Strukturreformen geschehen, wie etwa Steuersenkungen oder ähnliche Anreize. Es sei aber davon auszugehen, dass der lediglich moderate Reformkurs der Rot-Grünen Koalition auch von der neuen Regierung fortgeführt werde.

Welche Regierung das sein könnte, wollte Nielsen nicht abschätzen. Vor der Wahl hätten die Umfragen auf eine große Koalition ohne Gerhard Schröder hingedeutet. Dies wäre aber die schlechteste aller Varianten gewesen, da sich bei diesem Szenario wohl der linke Flügel innerhalb der SPD gegen den Reformblock durchgesetzt hätte. "Man darf nicht vergessen, dass Rot-Grün eine Reihe von wichtigen Reformen eingeleitet hat", sagte Nielsen. Durch das Wahlergebnis sei nun aber Gerhard Schröder und somit auch der Reformblock der SPD gestärkt. Somit sei eine große Koalition nun weniger negativ zu bewerten. So sei beispielsweise auch denkbar, dass Schröder erneut Kanzler werde und die Wirtschaftsressorts der Union überlasse.


HANDELSBLATT, Dienstag, 20. September 2005, 15:11 Uhr

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Kritiker:

Die deutschen Denkansätze sind falsch!

 
20.09.05 16:49
Transportiert aus einer Zeit unserer Geldreserven, glauben heute noch viele, ALLES sei ausschließlich mit Geld zu machen.
Wir müßten wieder mehr das Hirn einschalten.
Fast alle Betrachtungen werden nur mit Zahlen definiert.
Der Mensch hingegen lebt nicht von Zahlen, sondern von Leistung!!

Der Fehler unserer Binnenwirtschaft liegt doch darin, daß auch heute noch - 50 Jahre nach dem Krieg - hauptsächlich Schund auf den Markt kommt. Wegwerfgesellschaft!
Qualität wird nur für den Export gebaut; deshalb boomt dieser!
Für das Inland gibt es Ramsch aus den Billigländern - und auch von uns!
Ramsch und Schrott hat aber schon jeder, deshalb wird nichts gekauft!
Bei den Händlern fehlt eindeutig der Mut zur Qualität.
Diese findet sich nur in der Werbungs-show! - und im Verkaufs-Geschwätz.
z.B., wir haben zuhause 6 Schirme, = alle kaputt! Schaut mal in Mülltonnen: gekauft - getestet - weggeworfen!
Devise: Geldbeutel zu - abwarten. - Kritiker.
Erspare mir hier die lange Liste
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Standort D

 
26.09.05 16:01
HINTERGRUND: Am 'Standort D' tut sich was - deutsche Firmen investieren



FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Einstieg von Porsche  bei VW  zeigt den Standort Deutschland in einem neuen Licht. Nach der 'Heuschrecken'- Debatte und Angstmache vor ausländischen Investoren und Hedge-Fonds steht eine deutsche Beteiligung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. 'In Deutschland tut sich wieder etwas', lautet das Urteil der Volkswirte. Experten sehen in diesem Schritt einen Impuls für andere deutsche Unternehmen, sich auf dem heimischen Markt umzuschauen. Gute Nachrichten könnten den Standort stärken. Ein Wiederaufleben der 'Deutschland AG', ein in der Nachkriegszeit entstandenes enges Geflecht aus Banken und Industriekonzernen, sehen Volkswirte nicht. 'Nach den ausländischen Sanierern kommen jetzt die inländischen Sanierer', sagt der Chefvolkswirt-Europa der Bank of America, Holger Schmieding. 'Deutschland ist wieder interessant geworden.' Anglo-amerikanische Investoren schätzen schon länger die niedrigen Lohnstückkosten und Arbeitsmarktreformen. Viele sehen den 'Standort D' positiver als die Deutschen selbst. Für die Wirtschaft und die Firmen seien der umfassende Wandel und die notwendigen Restrukturierungen allein kaum zu schaffen - deshalb müssten Partner her, die nun auch verstärkt aus Deutschland kommen könnten.

LOHNENDES INVESTMENT


Experten sehen einen neuen Trend: Deutsche Firmen blättern für ein lohnendes Investment in Deutschland die prallen Sparbücher auf. Denn die 'Kriegskassen' der Konzerne sind gut gefüllt. Nach einer Studie der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Mercer Management sowie dem 'Handelsblatt' haben die börsennotierten Unternehmen allein im Geschäftsjahr 2004 rund 100 Milliarden Euro gehortet. Die Konzerne seien finanziell gesundet, lautet das Ergebnis. 'Die Phase der Kosteneinsparung geht dem Ende zu', sagt der leitende Volkswirt der Dresdner Bank, Rolf Schneider. In den 90er Jahren habe Deutschland ein gravierendes Kostenproblem gehabt, so dass deutsche Firmen Produktion ins Ausland verlagerten und die Globalisierung zum obersten Ziel aller Firmenlenker wurde. 'Heute sind die Standort-Bedingungen viel besser.' Die Firmen fassten wieder Mut.

KEINE KARIKATIVE EINRICHTUNG

Schneider erwartet weitere innerdeutsche Kooperationen und Beteiligungen vom Aktienkauf bis zum Erwerb. Gleichzeitig hätten die Firmen bereits begonnen, wieder mehr in Ausrüstungen zu investieren. 'Der ein oder andere Investor wird wachgerüttelt und wird sich auf dem Heimatmarkt umschauen', meint der Chefvolkswirt-Deutschland der Citigroup, Jürgen Michels. 'Es könnte ein Umdenkprozess einsetzen. Die Deutschen müssen aufhören zu jammern und sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.' Natürlich darf die Bedeutung des Porsche-Einstiegs bei VW nicht überschätzt werden. 'Porsche ist keine karitative Einrichtung', sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. 'Unternehmen gehen nur aus eigenen Interessen eine Verbindung ein, und nicht, um den Standort zu sichern.' Patriotische Gedanken haben in der Wirtschaft keinen Platz, nur die Rendite zählt. Die Großkonzerne wollten keine 'Wagenburg' gegen ausländische Kapitalgeber aufbauen.

SCHUTZGEFÜHL

Entscheidend sei vielmehr die psychologische Wirkung. 'Im Gegensatz zu ausländischen Übernahmen bietet die innerdeutsche Beteiligung für die Beschäftigten von VW ein Schutzgefühl', sagt Kater. Auch wenn keine neuen Jobs geschaffen und durchaus erst mal Arbeitsplätze verloren gehen könnten, würden letztlich Jobs gerettet. 'Wir haben schon genug Arbeitsplatz-Angst in Deutschland, da ist jede gute Nachricht willkommen.' Ein Wiedererstarken der 'Deutschland AG' mit ihren Verfilzungstendenzen sehen Volkswirte nicht. Dieses kaum überschaubare Geflecht aus Kapitalbeteiligungen hatte Banken und Versicherungen im Mittelpunkt und wurde unter dem Druck ausländischer Investoren in den vergangenen Jahren entflochten. 'In Zeiten internationaler Kapitalströme ist das nicht mehr möglich - man kann die Zeit nicht zurückdrehen', urteilt Volkswirt Schneider. ---Von Marion Trimborn, dpa--- /mt/DP/rw

Quelle: dpa-AFX
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