Nach Nasdaq-Ausstieg
Berlin - Das Monopol der Deutschen Börse ist und bleibt nicht zu knacken. Die beteiligten Banken geben trotzdem nicht auf. Obwohl der erst im März gestartete Börsenbetreiber Nasdaq Deutschland am 29. August seine Pforten wieder schließt, arbeiten die an dem Unternehmen beteiligten Banken Dresdner Bank, Commerzbank und Comdirect sowie die Börse Berlin-Bremen erneut an einem Versuch, der Deutschen Börse Paroli zu bieten. Die Unternehmen haben dabei vor allem die von der Deutschen Börse angebotene Internalisierungsplattform BestEx im Visier. Die Banken können auf diesem System Kundenaufträge gegeneinander oder gegen ihren eigenen Aktienbestand ausführen und schaffen so einen eigenen, unabhängigen Handelsplatz. Die Marktteilnehmer erwarten sich dadurch Kosteneinsparungen.
"Ein neuer Anlauf macht aber nur Sinn, wenn sich weitere Banken an dem Projekt beteiligen", sagt ein hochrangiger Börsenmanager im Gespräch mit dieser Zeitung. Ziel sei es zudem, ein elektronisches Handelssystem nach dem Vorbild von Xetra der Deutschen Börse AG aufzubauen, das "auch Privatanleger mit attraktiven Konditionen überzeugen soll". Gespräche mit verschiedenen Geldhäusern liefen bereits. Eine erste Zwischenbilanz wolle man bis zum Jahresende vorlegen.
Die Nasdaq Deutschland, die aus der Fusion der Börsen Berlin und Bremen hervorgegangen war, scheiterte am Veto verschiedener Banken. Sie hatten sich einer Beteiligung bis zuletzt versagt. Die Umsätze waren deshalb zu gering.
Bis eine neue Börsenplattform zur Verfügung steht, nutzen die an der Nasdaq Deutschland beteiligten Geldhäuser das Angebot der Deutschen Börse.
Ihre Beteiligungen an der Nasdaq Deutschland schreiben die Banken ab. Insgesamt zwölf Millionen Euro hatten sie in das Projekt investiert. Die Anteile wurden bereits an die ebenfalls beteiligten Bremer Wertpapierbörse Holding (BWB) und die Berliner Börse übertragen.
Ursprünglich war geplant, mit der vor allem für Kleinanleger eingerichteten Handelsplattform bis zum Jahr 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der Deutschen Börse zur Nummer zwei bei den Börsenbetreibern aufzusteigen. Bereits ab 2004 wollte man Gewinne einfahren. "Das Durchhaltevermögen der an dem Projekt beteiligten US-Mutterbörse Nasdaq war viel zu schwach", heißt es in Börsenkreisen.
Bei den Regionalbörsen beobachtet man die Entwicklung mit Sorge. Eine Konsolidierung der deutschen Börsenlandschaft schließt man nicht aus: "Es werden in Deutschland nur zwei oder drei Börsen überleben", sagt Christine Bortenlänger, Chefin der Bayerischen Börse in München. Bislang buhlen in Deutschland sieben Börsen um Kunden. ur