SPIEGEL ONLINE - 07. März 2002
URL: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,185916,00.html
SPD-General Müntefering
"Ich dachte, Sozialdemokraten machen so etwas nicht"
Von Jan Lehmann
Franz Müntefering steht unter Druck. Anstatt mit Journalisten über den Arbeitsmarkt zu diskutieren, musste er ihnen heute Rede und Antwort zur Kölner Spendenaffäre stehen. Der Generalsekretär war vorher von der CDU attackiert worden.
DPA
Müntefering unter Druck: Er muss sich für den Kölner Spendenskandal rechtfertigen
Berlin - Geplant war ein schöner PR-Termin für den Wahlkämpfer Franz Müntefering. Der SPD-General besuchte das Arbeitsamt Berlin-Mitte, um sich nach den Auswirkungen des neuen Job-Aqtiv-Gesetzes zu erkundigen. Anschließend wollte er etwas über die verbesserten Bedingungen und die motivierteren Angestellten erzählen.
Doch daraus wurde nichts. Stattdessen musste sich Müntefering einem Fragenfeuer zur Kölner Spendenaffäre stellen. Dort sollen führende SPD-Politiker mindestens 511.000 Mark an Spenden illegal in die Parteikasse geleitet haben. Außerdem ist von Schmiergeldzahlungen in Höhe von 29 Millionen Mark beim umstrittenen Bau einer Müllverbrennungsanlage die Rede.
Müntefering traf das Interesse am "Kölner Klüngel" aber nicht unvorbereitet: "Das hab ich mir gleich gedacht, dass sie deswegen gekommen sind," gab er sich betont unbeschwert. Doch der gut gelaunte Auftritt konnte es nicht verbergen. Müntefering steht unter Druck, schließlich war er in der Zeit der illegalen Spendenschleusung der Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen.
Er habe jedoch nichts von diesen Vorgängen wissen können, entschuldigte sich der Generalsekretär gleich, denn bei der SPD könne ein Landesverband nicht in die Finanzen der Ortsvereine einblicken. Jetzt wolle er alles dafür tun, dass diese "skandalösen Ereignisse" aufgeklärt werden würden. Das sei nämlich der große Unterschied zur CDU, beteuerte Müntefering: "Wir legen alles schonungslos offen und werden alle Spender nennen."
"So einem würde ich kein Bundestagsmandat geben"
Versprechen dieser Art hatten die Journalisten vor zwei Jahren auch von Roland Koch in Hessen zu hören bekommen. Damals hatte Müntefering noch an vorderster Front lautstark den "Spendensumpf der CDU" angeprangert. Solche Zustände gebe es bei der SPD niemals, verkündete er seinerzeit mit weißer Weste. Heute musste er eingestehen, sich geirrt zu haben: "Ich dachte, Sozialdemokraten machen so etwas nicht."
Für seine damaligen Angriffe wolle Müntefering sich nicht bei der CDU entschuldigen. Das hatte deren Generalsekretär Laurenz Meyer gefordert, die Union will ihn außerdem vor dem Untersuchungsausschuss befragen lassen.
Stattdessen legte Müntefering noch einmal nach: "Herr Kohl befindet sich immer noch im ungesetzlichen Zustand, weil er die Spender nicht nennt. So einem würde ich kein Bundestagsmandat geben," stichelte er. Die Schuldigen in seiner Partei würde er am liebsten ausschließen, zumindest sollen die aber aus den Parlamenten verschwinden. Gleichzeitig bestätigte der SPD-General, dass er auch vor dem Untersuchungsausschuss aussagen würde: "Wenn die Vorladung kommt, dann gehe ich da natürlich hin."
Dass die Kölner Affäre sicherlich auch ein Wahlkampfthema werde, sei ihm bewusst, versicherte Müntefering. Doch das Wort "Korruption" wollte er in Verbindung mit den Ereignissen in der SPD nicht hören: "Geben Sie mir ein Dokument, dass diese Unterstellung beweist. Ich habe es noch nicht," knurrte er einen bohrenden Journalisten an. Münteferings gute Laune war verflogen, aus dem PR-Termin war ein Verhör geworden.
Erst zum Ende der Presserunde gab es noch eine Frage zur Arbeitslosigkeit. Müntefering wirkte erleichtert, jetzt bestimmte er wieder das Thema. Doch spätestens, als der Generalsekretär dann auf dem Arbeitsamt-Flur noch werbewirksam mit einem jungen Arbeitslosen über dessen Chancen diskutierte, waren die Fernsehkameras eingepackt. So hatte das Müntefering sicher nicht geplant.
URL: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,185916,00.html
SPD-General Müntefering
"Ich dachte, Sozialdemokraten machen so etwas nicht"
Von Jan Lehmann
Franz Müntefering steht unter Druck. Anstatt mit Journalisten über den Arbeitsmarkt zu diskutieren, musste er ihnen heute Rede und Antwort zur Kölner Spendenaffäre stehen. Der Generalsekretär war vorher von der CDU attackiert worden.
DPA
Müntefering unter Druck: Er muss sich für den Kölner Spendenskandal rechtfertigen
Berlin - Geplant war ein schöner PR-Termin für den Wahlkämpfer Franz Müntefering. Der SPD-General besuchte das Arbeitsamt Berlin-Mitte, um sich nach den Auswirkungen des neuen Job-Aqtiv-Gesetzes zu erkundigen. Anschließend wollte er etwas über die verbesserten Bedingungen und die motivierteren Angestellten erzählen.
Doch daraus wurde nichts. Stattdessen musste sich Müntefering einem Fragenfeuer zur Kölner Spendenaffäre stellen. Dort sollen führende SPD-Politiker mindestens 511.000 Mark an Spenden illegal in die Parteikasse geleitet haben. Außerdem ist von Schmiergeldzahlungen in Höhe von 29 Millionen Mark beim umstrittenen Bau einer Müllverbrennungsanlage die Rede.
Müntefering traf das Interesse am "Kölner Klüngel" aber nicht unvorbereitet: "Das hab ich mir gleich gedacht, dass sie deswegen gekommen sind," gab er sich betont unbeschwert. Doch der gut gelaunte Auftritt konnte es nicht verbergen. Müntefering steht unter Druck, schließlich war er in der Zeit der illegalen Spendenschleusung der Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen.
Er habe jedoch nichts von diesen Vorgängen wissen können, entschuldigte sich der Generalsekretär gleich, denn bei der SPD könne ein Landesverband nicht in die Finanzen der Ortsvereine einblicken. Jetzt wolle er alles dafür tun, dass diese "skandalösen Ereignisse" aufgeklärt werden würden. Das sei nämlich der große Unterschied zur CDU, beteuerte Müntefering: "Wir legen alles schonungslos offen und werden alle Spender nennen."
"So einem würde ich kein Bundestagsmandat geben"
Versprechen dieser Art hatten die Journalisten vor zwei Jahren auch von Roland Koch in Hessen zu hören bekommen. Damals hatte Müntefering noch an vorderster Front lautstark den "Spendensumpf der CDU" angeprangert. Solche Zustände gebe es bei der SPD niemals, verkündete er seinerzeit mit weißer Weste. Heute musste er eingestehen, sich geirrt zu haben: "Ich dachte, Sozialdemokraten machen so etwas nicht."
Für seine damaligen Angriffe wolle Müntefering sich nicht bei der CDU entschuldigen. Das hatte deren Generalsekretär Laurenz Meyer gefordert, die Union will ihn außerdem vor dem Untersuchungsausschuss befragen lassen.
Stattdessen legte Müntefering noch einmal nach: "Herr Kohl befindet sich immer noch im ungesetzlichen Zustand, weil er die Spender nicht nennt. So einem würde ich kein Bundestagsmandat geben," stichelte er. Die Schuldigen in seiner Partei würde er am liebsten ausschließen, zumindest sollen die aber aus den Parlamenten verschwinden. Gleichzeitig bestätigte der SPD-General, dass er auch vor dem Untersuchungsausschuss aussagen würde: "Wenn die Vorladung kommt, dann gehe ich da natürlich hin."
Dass die Kölner Affäre sicherlich auch ein Wahlkampfthema werde, sei ihm bewusst, versicherte Müntefering. Doch das Wort "Korruption" wollte er in Verbindung mit den Ereignissen in der SPD nicht hören: "Geben Sie mir ein Dokument, dass diese Unterstellung beweist. Ich habe es noch nicht," knurrte er einen bohrenden Journalisten an. Münteferings gute Laune war verflogen, aus dem PR-Termin war ein Verhör geworden.
Erst zum Ende der Presserunde gab es noch eine Frage zur Arbeitslosigkeit. Müntefering wirkte erleichtert, jetzt bestimmte er wieder das Thema. Doch spätestens, als der Generalsekretär dann auf dem Arbeitsamt-Flur noch werbewirksam mit einem jungen Arbeitslosen über dessen Chancen diskutierte, waren die Fernsehkameras eingepackt. So hatte das Müntefering sicher nicht geplant.