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Kontron AG: Portfoliotransformation zeigt Wirkung – Q3 2025 markiert Wendepunkt!?
Hier die Präsentation auf die sich einige Stellen in dem Text bezieht: https://cms.kontron.com/kontron/ir/reports/q3_2025_final.pdf
Systematische Portfoliobereinigung belastet Umsatz, stärkt aber Profitabilität
Kontron hat in den vergangenen Jahren konsequent eine Portfoliobereinigung vorangetrieben, die sich auch im dritten Quartal 2025 deutlich in den Zahlen niederschlägt. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,3% auf 400,8 Mio. EUR zurück - ein Rückgang, der unter anderem durch die Dekonsolidierung des COM-Geschäfts (Computer-on-Module) getrieben wurde, welches zu Beginn des dritten Quartals aus dem Konsolidierungskreis ausschied. In den ersten neun Monaten 2025 belief sich der Gesamtumsatz auf 1.181,9 Mio. EUR, verglichen mit 1.207,7 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum. Diese Umsatzrückgänge sind jedoch das Ergebnis einer bewussten strategischen Entscheidung. Kontron verwies auf die Stilllegung und den Verkauf von niedrigmargigen Geschäftsfeldern in den letzten Jahren. Insgesamt hat Kontron seit 2022 rund 635 Mio. EUR an margenschwachem Geschäft desinvestiert oder eingestellt:
- 2023: Verkauf des IT-Service-Geschäfts (390 Mio. EUR Umsatz bei 30% Bruttomarge)
- 2024: Einstellung von margenschwachem IT-Service und EMS-Geschäft (60 Mio. EUR bei nur 15% Bruttomarge)
- 2025: Dekonsolidierung des COM-Geschäfts (100 Mio. EUR) und weitere Reduzierung von EMS/IT-Aktivitäten (110 Mio. EUR)
- Geplant 2026: Weitere Desinvestition von 75 Mio. EUR IT-Service-Geschäft
Beeindruckende Margenverbesserung trotz Umsatzrückgang
Trotz des Gegenwinds durch die Portfoliobereinigung konnte Kontron in den letzten zwei Jahren bemerkenswerte Fortschritte bei der Profitabilität erzielen. Die Bruttomarge verbesserte sich von 34,7% im Jahr 2022 kontinuierlich auf 41,7% in den ersten neun Monaten 2025 - und erreichte im dritten Quartal sogar 43,4%. Diese Entwicklung unterstreicht den Erfolg der Fokussierung auf hochmargige Software- und Lösungsgeschäfte. Das operative EBITDA (bereinigt um Sondereffekte) stieg von 96 Mio. EUR in den ersten neun Monaten 2023 auf 147,6 Mio. EUR im gleichen Zeitraum 2025 - ein Plus von über 50%. Die EBITDA-Marge verbesserte sich entsprechend von 11,7% auf 12,5%. CFO Clemens Billek unterstrich diese positive Entwicklung: "Die Fokussierung zahlt sich aus."
Weitere Kennzahlen der Transformation:
- Eigenkapitalquote: Erstmals seit zwei Jahren wieder über 40% (40,6% nach Q3)
- Working Capital: Reduzierung von 450 Mio. EUR (Q3 2024) auf unter 300 Mio. EUR
- Operativer Cashflow: Sprung von 19,4 Mio. EUR (Q3 2024) auf 33,5 Mio. EUR (Q3 2025)
- Auftragsbestand: Rekordwert von 2,4 Mrd. EUR bei einem Book-to-Bill von 1,41
Q3 2025: Schwächer als das starke Vorjahresquartal, aber operativ solide
Das dritte Quartal 2025 war schwächer als das Vergleichsquartal 2024. Das EBITDA ging um 19,9% auf 47,6 Mio. EUR zurück, wobei das Vorjahresquartal von Entkonsolidierungseffekten aus dem Verkauf der Telealarm-Beteiligung (ca. 5 Mio. EUR Einmaleffekt) profitiert hatte. Das operative EBITDA auf einem ähnlichen Niveau wie im zweiten Quartal 2025. Die Schwäche konzentrierte sich hauptsächlich auf das Europa-Segment, wo besonders das EMS-Geschäft unter Preisdruck litt. Niederhauser erklärte: "Wir sahen ein softeres EMS-Geschäftsumfeld in Q3 mit leichtem Margendruck." Die Bruttomarge im EMS-Bereich fiel von 24-25% auf 21-22%, was die Gesamtprofitabilität des Segments belastete.
Zielerreichung 2025: Kontron bekräftigte die Erreichung der Jahresziele für 2025 mit einem operativen EBITDA von mehr als 220 Mio. EUR plus Sondereffekte von rund 46 Mio. EUR aus der COM-Dekonsolidierung. Niederhauser betonte die historisch starke Saisonalität: "If you look at the past, the last 10 years of Kontron, we always did in Q4 more than 30% of the revenues." Konkret bedeutet dies für 2025: - Erwarteter Q4-Umsatz: ca. 500-518 Mio. EUR (30% des Jahresumsatzes). Aus dem ggü. Q3 rund 100 Mio. EUR höheren Umsatzniveau erwartet Kontron bei gleichbleibend hohen Strukturkosten trotz einer typischerweise etwas geringeren Marge eine Fixkostendegression.
- Benötigtes zusätzliches EBITDA in Q4: ca. 70 Mio. EUR
- Hochlauf der Bundeswehr- und Bundesdruckerei-Aufträge seit September
- Erholung des ODM-Geschäfts mit positiver Book-to-Bill-Ratio
Geschäftsbereichsanalyse: Starke Wachstumstreiber kompensieren schwache Segmente
Das Management ging sehr detailliert auf die Entwicklung der Geschäftsbereiche ein.
Basierend auf der Segmentanalyse und den Management-Aussagen ergibt sich folgendes Bild für die einzelnen Geschäftsbereiche. Die Umsatzverteilung 2025 habe ich grob aus dem Kuchendiagramm auf S. 13 in der Präsentation abgeleitet:
Starke Wachstumstreiber
Transportation/High-speed trains (ca. 255 Mio. EUR, ca. 15% des Umsatzes): Niederhauser beschrieb diesen Bereich als "more or less exploding" mit einer Umsatzverdopplung in den letzten drei Jahren. Kontron ist unbestrittener Marktführer für Datenkommunikation im Schienenverkehr:
- Über 300 Mio. EUR neue Aufträge bereits gewonnen (SNCF)
- Weitere 300 Mio. EUR in der Pipeline für die nächsten 4-5 Monate. Hannes Niederhauser: We won already over EUR300 million of orders and as we speak we have another EUR300 million in the pipeline. This is what we should win the next four or five months. So that's doing extremely well".
- Einziger Anbieter für FRMCS-kompatible Edge-Geräte
- EBITDA-Marge über 20%
Aerospace & Defense (ca. 201 Mio. EUR, 12% des Umsatzes): Ein weiterer Bereich, der "extremely well" performt mit einzigartigen Verschlüsselungs- und Sicherheitsprodukten:
- Hochlauf der Bundeswehr-Geschäfte seit September 2025
- Neuer VNX-Produktgeneration für Drohnen und leichte Ausrüstung (während hingegen VPX eher für größere Endgeräte eingesetzt wird)
- Starkes Wachstum besonders in Nordamerika
IoT Software/CRA (ca. 151 Mio. EUR, 9% des Umsatzes): Der strategisch wichtigste Zukunftsbereich mit dem KontronOS und AI-Shield.:
- CRA steht für Cyber Resilience Act. Der Cyber Resilience Act wurde Anfang des Jahres durch eine Reihe von Gesetzen der Europäischen Union und anderer Länder vereinbart.Die Gesetzgebung schreibt vor, dass missionskritische Anwendungen der CRA-Vorschrift entsprechen müssen.
- Aktuell 4 Mio. Geräte mit CRA-kompatiblem Betriebssystem
- Ziel: Verdopplung auf 8 Mio. Geräte bis 2026
- Langfristziel: 80 Mio. Geräte mit Abo-Modell (1-3 EUR/Monat)
- Partnerschaft mit congatec verdoppelt adressierbare Gerätebasis
Zukunftsmärkte im Aufbau
Automotive/NADs (ca. 117 Mio. EUR, 7% des Umsatzes): Der kommende "Game Changer" mit Network Access Devices für autonomes Fahren:
- 300 Mio. EUR Aufträge bereits gebucht
- Produktionsstart September 2026
- Mindestens 50 Mio. EUR Umsatz erwartet für 2026. Auslieferung soll ab September 2026 starten
- Langfristziel: 500 Mio. EUR Jahresumsatz bis 2030
- USP als "non-Chinese supplier" in einem von asiatischen Anbietern dominierten Markt
- Weitere Aufträge im Volumen von bis zu 300 Mio. EUR werden verhandelt.
Stabile Geschäftsbereiche
Automation (ca. 264 Mio. EUR, 16% des Umsatzes): Nach der COM-Dekonsolidierung zeigt sich eine leichte Erholung ("slightly industrial coming back"):
- Dreistelliger Millionenauftrag in den USA gewonnen
- Profitiert vom Near-Shoring-Trend in Europa
- Stabiles "Brot-und-Butter-Geschäft" mit 8-9% EBITDA
Medical (ca. 172 Mio. EUR, 10% des Umsatzes): Stetiges Wachstum von 5-10% jährlich, getrieben von der alternden Bevölkerung in Europa.
Communications (ca. 168 Mio. EUR, 10% des Umsatzes): Führende Position bei Glasfaser-Switches in Europa für Telekom-Betreiber.
Herausfordernde Bereiche
Renewable Energy (ca. 102 Mio. EUR, 6% des Umsatzes): Das schwächste Segment mit erheblichen Verzögerungen:
- 2025 nur 50 Mio. EUR Umsatz statt geplanter 100 Mio. EUR mit Wallcharger
- Verzögerte Volkswagen-Wallbox-Aufträge (ca. 50 Mio. EUR) verschoben auf 2026
- Erste positive Anzeichen bei Solar-Invertern mit positivem Book-To Bill in Q3
Rest/EMS/ODM (ca. 270 Mio. EUR, 16% des Umsatzes): Der Transformationsbereich mit gemischten Signalen:
- Anhaltender Preisdruck im EMS-Geschäft (Margen bei 5% oder darunter)
- Positive Entwicklung im ODM-Geschäft. Hier wurden einige Aufträge gewonnen bei denen ab 2026 mit der Auslieferung gestartet wird
- Geplante Desinvestition von 75 Mio. EUR IT-Services bis Mitte 2026
- Ziel: Transformation von EMS (25% Bruttomarge) zu ODM (35% Bruttomarge)
These: Talsohle durchschritten, Wachstumsphase beginnt
Meiner Meinung nach dürften die schwachen Bereiche ihren Boden gefunden haben, während die starken Segmente ihre Wachstumsdynamik fortsetzen. Die Portfoliobereinigung ist zu etwa 90% abgeschlossen - lediglich der Verkauf der restlichen IT-Service-Aktivitäten (75 Mio. EUR) steht noch aus.
Während die "Legacy"-Bereiche (EMS, IT-Services, COM) von über stark reduziert wurden, wuchsen die Zukunftsbereiche Transportation, Defense und IoT Software überproportional. Diese Umschichtung zeigt sich in der starken Verbesserung der Bruttomarge von 34,7% auf über 41,7% in den letzten Jahren.
Besonders bemerkenswert ist die strategische Positionierung in drei disruptiven Technologiefeldern:
- CRA (Cyber Resilience Act): Als erster und aktuell einziger Anbieter CRA-kompatibler IoT-Lösungen. Potenzial in 5 Jahren: 80 Mio. Devices, >500 Mio. EUR subscription fees (siehe Folie 14)
- FRMCS: Monopolstellung bei Future Railway Mobile Communication Standard. Potenzial in 5 Jahren: >500 Mio. EUR jährlich
- NADs: Einer von nur zwei nicht-chinesischen Anbietern für automotive Hochgeschwindigkeits-Konnektivität. Potenzial in fünf Jahren: >500 Mio. EUR
- VPX/VNX für Defense Applikationen. Potenzial in fünf Jahren: >400 Mio. EUR
Fazit: Der Acker ist bestellt für profitables Wachstum
Mit dem anstehenden Verkauf der letzten IT-Service-Aktivitäten wird Kontron die mehrjährige Portfoliotransformation abschließen. Das Unternehmen steht vor dem Eintritt in eine neue Wachstumsphase, die auf hochmargigen, technologisch führenden Produkten basiert.
Nachdem die Portfoliobereinigungen weitgehend abgeschlossen sind, dürfte die starke Auftragslage in den Schlüsselbereichen zu einer verstärkte Wachstumsdynamik führen.
Die Transformation von einem diversifizierten Industriekonglomerat zu einem fokussierten High-Tech-Unternehmen mit klaren USPs in Zukunftsmärkten ist nahezu abgeschlossen. Mit CRA-konformen Produkten, NADs für autonomes Fahren und FRMCS für die Bahninfrastruktur ist der Acker für die kommenden Jahre bestellt. Die aktuelle Bewertung der Aktie mit einem durchschnittlichen Kursziel von 31,42 EUR (Konsens von neun Analysten) spiegelt dieses Potenzial noch nicht vollständig wider - ganz zu schweigen vom aktuellen Kurs ;-)
Gruß,
Johannes
(Dies ist keine Anlageempfehlung, Ich besitze Kontron Aktien. Es bestehen Interessenskonflikte)
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