@goethe: Ich stimme Dir da ja zu. Es ist natürlich auch OK, wenn IVU konservativer vorgeht, als wir das vielleicht tun würden.
Was mir jedoch wichtig wäre--und da geht es nicht um die konkreten Einzelmaßnahmen, sondern um's allgemeine Prinzip--ist eine Würdigung der Notwendigkeit von Kapitalallokation.
Nahezu alle Unternehmen, die langfristig überdurchschnittliche Kapitalerträge erwirtschaftet haben, haben als Grundlage dafür ein genaues Verständnis von Kapitalallokation. Da muss einfach eine Philosophie da sein, die konkrete Ziele, Mechanismen und Benchmarks definiert, um langfristig hohe Kapitalerträge zu generieren.
Bei IVU kommt Kapitalallokation bestenfalls als Nachgedanke oder Fußnote zum operativen Geschäft vor. Das ist in meinen Augen nicht nur provinziell, sondern auch kaufmännisch fundamental falsch.
Regeln und Prinzipien der Kapitalallokation muss das erste sein, was ein Unternehmen aufstellt, formuliert und umsetzt, noch bevor man sich den operativen Dingen zuwendet. Gut geführte Unternehmen haben klare Thresholds und Hurdle-Rates für ROCE o.ä. Da wird kein Cent intern oder extern ausgegeben, bevor keine Begründung da ist, dass die Ausgabe die Kapitalkosten (WACC) deckt.
IVUs Politik wirkt halt wie ein Haufen Techniker, die im Wesentlichen ihre Technik machen wollen, dafür sorgen, dass das Unternehmen wächst und die Wahrscheinlichkeit von Liquiditätsproblemen minimiert wird. Das ist schön und sympathisch. Aber IVU ist halt auch kein Privatunternehmen, sondern man hat sich an der Börse (=von uns) das Kapital geholt.
Wenn's das Unternehmen der Gründer und des Managements wäre, könnte ich verstehen und gutheißen, dass es ihnen vor allem um's Produkt und um die Existenzsicherung des Unternehmens und der eigenen Jobs geht. Aber wenn man sich vom Kapitalmarkt das Geld holt, selbst nur sehr beschränkt investiert ist (wie das Management), dann sollte man mehr fokussiert darauf sein, wie man Eigenkapitalrendite generiert. Denn das ist der gesetzliche Auftrag des Managements in Aktiengesellschaften.
Wie gesagt: es geht mir gar nicht so sehr um die genauen Mittel (Dividende, ARP, interne Investitionen, anorganisches Wachstum etc.). Worum es mir geht, ist ein Bewusstsein dafür, dass ein CEO sich jeden Morgen die Frage stellen sollte, wie er heute den ROCE seines Unternehmens erhöhen kann. Und ich habe leider eher den Eindruck, dass das bei IVU eher ein untergeordneter Gedanke ist.
Ändert aber zum Glück nichts an der guten operativen Entwicklung. Immerhin konnte man wegen der fehlenden Shareholder Value-Orientierung des Unternehmens die Aktie auch zumeist deutlich unter Potenzialwert kaufen.