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IG Metall: Beschäftigte sollen Wachstum spüren. Foto: dpa |
HB BERLIN. „Es ist Zeit für eine Lohnpolitik, die den Arbeitnehmern angemessene Lohnerhöhungen zubilligt“, sagte Beck der „Bild am Sonntag“. Die Phase, in der Lohnzurückhaltung wegen der wirtschaftlichen Schwäche und der großen internationalen Konkurrenz angezeigt gewesen seien, sei überwunden. Müntefering sagte der „Bild“-Zeitung vom Montag: „Es ist Zeit für Mut, die Spirale nach oben zu drehen.“ Gute Löhne seien auch zum Nutzen der Binnenkonjunktur.
Führende Funktionäre der IG Metall kündigten gut vier Monatevor dem Auslaufen des Tarifvertrages in der Metallindustrie höhere Lohnforderungen für die Tarifrunde 2007 an. Dagegen warnte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, vor überzogenen Tarifabschlüssen. Er signalisierte allerdings, die Mitarbeiter „angemessen am Zuwachs und Erfolg“ zu beteiligen.
Der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, sagte, angesichts von Mehrbelastungen durch gestiegene Sozialversicherungsbeiträge und Steuern müsse die Forderung deutlich höher als in der letzten Tarifrunde. Die lag damals bei fünf Prozent. „Egal wie man rechnet, bei den Beschäftigten bleibt das dumpfe Gefühl übrig, es wird teurer“, begründete er das. Dabei gehe es wirtschaftlich aufwärts. Den Betrieben gehe es gut, sie forderten Mehrarbeit ein. Das wirke auf die „Erwartungshaltung der Beschäftigten nicht gerade dämpfend.“
Die Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, sagte der „Welt am Sonntag“, ihre Tarifkommission halte eine Erhöhung zwischen fünf und sieben Prozent für angemessen. In einer Umfrage habe eine große Zahl von Beschäftigten sogar acht Prozent mehr Lohn gefordert. Ihr nordrhein-westfälischer Kollege Detlef Wenzel sagte, das kommende Tarifergebnis müsse der spürbar besseren wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen.
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<!--/nodist-->Der Chef der Metallarbeitgeber, Martin Kannegiesser, dagegen führte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ an, es gebe ein langjähriges Einverständnis, die Auswirkungen von Steueränderungen nicht durch die Tarifpolitik auszugleichen. Da sich die wirtschaftliche Lage aber deutlich gebessert habe, sollten die Arbeitnehmer angemessen daran partizipieren. Das Preis-Leistungsverhältnis deutscher Produkte auf den Weltmärkten dürfe jedoch keinesfalls durch überzogene Lohnabschlüsse wieder verschlechtert werden. Kannegießer forderte, intensiver über gewinnorientierte Lohnanteile zu sprechen.
Die Gremien der IG Metall wollen sich im Januar und Februar auf eine konkrete Forderung für die neue Tarifrunde festlegen. Der Tarifvertrag läuft Ende März aus. Mit den Arbeitgebern hatte sich die IG Metall im Frühjahr nach wochenlangen Verhandlungen auf eine Lohnerhöhung von drei Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung von 310 Euro für die Monate März bis Mai geeinigt.
Derweil haben Wirtschaftsforscher die Ankündigung höherer Löhne von Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser begrüßt. Der Direktor am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, sagte: „Die Äußerung von Herrn Kannegiesser zeigt, dass es den Unternehmen gut geht. Offenbar setzt sich allmählich bei den Arbeitgebern die Erkenntnis durch, dass auch die Beschäftigten in dieser Situation nicht zu kurz kommen dürfen.“ Lohnerhöhungen seien dringend nötig, damit sich der Aufschwung fortsetzen könne.
Auch der Berliner Wirtschaftsforscher Michael Burda sprach sich für moderate Lohnerhöhungen aus: „Die Lohnstückkosten sind in den letzten Jahren objektiv gefallen, da ist es auch gerechtfertigt, dass die Reallöhne steigen.“ Allerdings dürfe nicht der Fehler der 70er Jahre wiederholt werden, als die Lohnerhöhung zu stark ausgefallen sei. Er erwarte einen Zuwachs der Reallöhne um ein bis zwei Prozent in der Metallbranche.