Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
2001 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation einen Bericht, in dem behauptet wurde, dass die Belastung durch die Uranmunition außer unter ganz besonderen Umständen keinerlei Anlass zur Sorge um die öffentliche Gesundheit böte. In der Folge wurde bekannt, dass wichtige Papiere des US- Verteidigungsministeriums über die genetische Toxizität der Uranmunition aus dem Bericht herausgenommen worden waren. Dr. Keith Baverstock, der in der Strahlenschutzabteilung der WHO arbeitete, glaubt, dass Druck von höchster Ebene ausgeübt wurde, um diese Forschungsergebnisse zu übergehen. Es ist offensichtlich, dass die WHO nur so stark ist, wie die Mitgliedstaaten, die sie finanzieren, es ihr erlauben. Die Quelle weiterer Verwirrung ist ihre Beziehung zu den Schwesterorganisationen wie zur Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), deren Ziel es ist, den Einsatz atomarer Energie zu fördern. Der Bericht der WHO verwendete dieselben ICRP-Modelle, die nachweislich nicht in der Lage sind, die Effekte interner radioaktiver Strahlungsquellen richtig darzustellen. (Quelle: ICBUW a. a. O.; vgl. Fn. 2)
In Zeit-Fragen vom 11. Oktober 2006 (Seite 4) schrieb ein anonymer Autor:
(Es) stellt sich über kurz oder lang die Frage, warum sich die Weltgesundheitsorganisation WHO nicht bzw. erschreckend nichtssagend und falsch über die gesundheitlichen Gefahren äußert, die von ionisierender Strahlung ausgehen, und damit einen Verrat an ihren Kernaufgaben begeht.
Dies wird erst dann verständlich, wenn man weiß, dass (...) die IAEA die WHO schon 1959 mit einem Vertrag zum Schweigen zwang. Im Artikel 1 des Abkommens zwischen IAEA und WHO vom 28. Mai 1959 heißt es, dass «die IAEA die primäre Verantwortung trägt sowohl für die Förderung, die Unterstützung und die Koordination der Forschung als auch für die Entwicklung und die praktische Anwendung der Atomenergie für den friedlichen Gebrauch in der ganzen Welt unbeschadet des Rechts der WHO, sich selber mit der Förderung, der Entwicklung, der Unterstützung und der Koordination der internationalen Gesundheitsarbeit einschliesslich der Forschung, in all ihren Aspekten zu befassen.»
Dieses Recht der WHO zu selbständiger Gesundheitsarbeit ist aber praktisch im Bereich der Atomenergie nicht existent, durch den Anspruch des Artikel I, (3) der besagt, dass „wenn immer die eine der beiden Organisationen beantragt, ein Programm oder eine Aktivität zu einem bestimmten Thema zu initiieren, das die substantiellen Interessen der anderen Organisation berührt oder berühren könnte, die erste Partei die andere konsultieren soll im Hinblick auf eine einvernehmliche Regelung der Angelegenheit».
Im Klartext heisst dies, dass die WHO sich jedes Forschungsprojekt zu gesundheitlichen Auswirkungen von ionisierender Strahlung von der IAEA genehmigen lassen muss.(...)
Unterdrückte Forschungen: Das Radiobiologische Institut der US-Streitkräfte (AFFRI)
Zwischen 2000 und 2003 stand Dr. Alexandra Miller an der Spitze der von der US-Regierung finanzierten Forschung zur chemischen Toxizität und Radioaktivität von Uran. Nachdem sie mehrere von Fachkollegen überprüfte Berichte herausgegeben hatte, in denen sie besorgniserregende Beziehungen zwischen Uran und gesundheitlichen Problemen festgestellt hatte, wurde die Finanzierung ihrer Forschung gestoppt. Sie und ihre Kollegen hatten zum ersten Mal nachgewiesen, dass in den Körper aufgenommene Uranoxide «eine beträchtliche Erhöhung von DNA-Veränderungen bei Zellen im Bereich der Harnwege zur Folge haben können», dass sie menschliche Zellen in Zellen umwandeln können, die bei Mäusen mit unterdrückter Immunreaktion Krebstumore hervorrufen können, und dass abgereichertes Uran in der Lage ist, DNA-Schäden zu verursachen, obwohl keine bedeutenden radioaktiven Zerfallsprozesse stattfinden, das heißt allein schon durch seine chemische Giftigkeit. Dass ihre Forschung unterdrückt wurde, ist typisch für die Geheimhaltung, die in der Debatte um die Uranwaffen vorherrscht. (Quelle: ICBUW, a. a. O.; Fn. 2)
Verheimlichte Untersuchungsergebnisse
Barbara Hug
Im Jahre 1999 habe in Serbien noch niemand über die Probleme mit DU geredet. Schliesslich wurde es durch erkrankte italienische, deutsche und portugiesische Soldaten ans Tageslicht gebracht. In Serbien selbst sprach Zoran Stankovic von der Militärakademie als erster darüber. Er hatte die Leichen von Soldaten aus dem Bosnien-Krieg untersucht. 1996 sei Sarajevo bombardiert worden. Stankovic habe eine Nachuntersuchung der Soldaten gefordert, die auch durchgeführt wurde, jedoch wurde nichts davon veröffentlicht.
Ob die Amerikaner denn keine Sorge hätten, dass ihre Soldaten in Camp Bondsteel, die im schwer kontaminierten Gebiet im Süden Serbiens untergebracht seien, krank würden? Es seien in der Mehrzahl amerikanische Soldaten mit Latino-Herkunft, und die gesamte Nahrung würde vom Ausland hereingeschafft …
Beeinflussung der NGOs in Serbien
Barbara Hug
Die Nato versuche, so unsere serbischen Gesprächspartner, ein gezieltes weiches Lobbying unter den Nichtregierungsorganisationen in Serbien zu betreiben, damit sich keine Umwelt-NGO mit der Problematik des abgereicherten Urans befasse. Die Einflussnahme geschieht über verschiedene Kanäle. Einer davon ist das Geld. Nur für «richtige» Projekte erhalten die NGOs Geld, meist aus dem Ausland, von Frankreich, Schweden, Deutschland oder England. (...) Westliche Regierungen zahlen an die serbischen NGOs. Eine andere Kanalisierung im politischen Sinn ist die Vereinnahmung kleiner NGOs durch größere, zum Beispiel durch das Regional Environmental Center for Central and Eastern Europe, mit Sitz in Szentendre, Ungarn. Woher fließt das Geld für diesen Dachverband, der die kleinen NGOs an sich zu binden versucht? Eine kleine NGO in Serbien hat kaum eine Möglichkeit, ohne Beitritt zu diesem «Dach» Unterstützung zu erhalten.
Studien unter Verschluss
Angelika Claußen berichtet:
Der pensionierte WHO-Experte Keith Baverstock ist Mitautor einer Studie, die die WHO bisher unter Verschluss gehalten hat. In dieser Studie führt er aus, dass die direkt von der Niedrigdosisstrahlung des DU getroffenen Zellen dem sog. Bystander Effekt unterliegen. Dadurch werde nicht nur das genetische Material der direkt getroffenen Zelle, sondern auch das der Nachbarzellen destabilisiert und könne so die Ursache für Krebs und andere Erkrankungen darstellen.
Nach dem Golfkrieg 1991 geriet die US-Regierung (auch die britische Regierung) durch die Veteranenverbände enorm unter Druck und musste wissenschaftliche Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des DU in Auftrag geben.
Ergebnisse:
U.S. General Accounting Office 1993: „nicht lösliche Oxide, die inhaliert wurden, verbleiben länger in der Lunge und stellen ein potentielles Krebsrisiko dar infolge der radioaktiven Strahlung. Über die Nahrungskette aufgenommene Teilchen stellen ein radioaktives und ein toxisches Risiko dar.“
Army Environmental Policy Institute 1995 : “Wenn DU in den Körper gelangt, hat es die Fähigkeit, signifikante medizinische Folgen zu hinterlassen. Die Risiken, die mit DU assoziiert sind, sind sowohl chemischer als auch radiologischer Natur.“
Trotzdem heißt es im Schlussbericht des Presidential Advisory Committee of Gulf War Illnesses 1996:
“Es ist unwahrscheinlich, dass die gesundheitlichen Auswirkungen, die von den Golfveteranen beklagt werden, auf die Exposition von DU zurück zu führen sind.“ (...)
USA behindern Studien
Angelika Claußen berichtet weiter:
Seit 1998 waren Berichte von Medizinern aus dem Irak bekannt geworden, die auf eine Erhöhung der Kinderleukämien und der Missbildungen bei Neugeborenen hinwiesen, vor allem in der Region um Basra. Der Irak wandte sich daher an die UN mit der Bitte um Durchführung einer Studie, durch die diese Phänomene aufgeklärt werden sollten. Allerdings verhinderte eine starke US-Lobby, dass die Generalversammlung der UN diese Bitte zu ihrem Beschluss machte.
Es gibt eine Reihe von Widersprüchen und offenen Fragen, mit denen wir uns künftig wissenschaftlich auseinander zu setzen haben. Leider tun die Amerikaner alles, um eine systematische Bearbeitung dieses Bereichs zu behindern - durch Ignoranz, Nicht-zur-Verfügung stellen von bereits vorliegenden Daten und Forschungsergebnissen, Verweigerung finanzieller Unterstützung von unabhängigen Wissenschaftlern für solche Arbeiten, gezielte Desinformation in der Öffentlichkeit usw.
Gleichgeschaltete Presse leugnet Gesundheitsrisiken
Weiter Angelika Claußen:
Als Ärztin und Teilnehmerin einer Friedensdelegation war ich gerade aus Basra von unserem Besuch des Mutter-Kind-Hospitals zurückgekehrt. Der ZDF-Reporter, der mich interviewte, meinte vorab: „Kommen Sie bloß nicht damit, dass die Ursache für die vielen, an Leukämie erkrankten Kinder etwas mit DU, abgereichertem Uran, zu tun haben könnte. Das wird unser Sender auf keinen Fall bringen!“ Ich fühlte einen leichten Schock in mir. Eine ursprünglich wissenschaftliche Debatte ist so politisiert und polarisiert, der „eingebettete Journalismus“ funktioniert reibungslos.(...)
Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Scharping hatte Berichte über Gesundheitsgefahren infolge der während des Kosovo-Krieges verwendeten Uranmunition zum „Blödsinn“ erklärt und kategorisch behauptet,„ein Strahlenrisiko gibt es nicht“.
Irreführende neuere Untersuchung
Eine Untersuchung deutscher im Balkan stationierten Soldaten und bei der Bevölkerung Kosovos hinsichtlich deren Vergiftung und Verstrahlung durch DU-Munition ist in die Kritik geraten. Die offizielle Untersuchung hatte behauptet, «dass sowohl die Friedenstruppen wie auch die Einwohner keinen bedeutsamen Belastungen von DU ausgesetzt waren».
Als besonders schwerwiegend werden zwei Punkte erachtet:
Das ausschliesslich eingesetzte Messverfahren «ICP-Massenspektrometrie» ist nicht geeignet, «strahlen»verursachte Krebsrisiken in ausreichendem Umfang zu bewerten. Strahlenbelastungen aus Trans-Uran (Plutonium, Americium, Curium), die schon bei geringer Uranbestrahlung entstehen und ab 1-Millionstel- Massenanteil wirksam werden, wurden nicht erfasst. Es fehlen Alpha- Betha- und Gamma-Spektralanalysen.
Selbst erste Hinweise auf Anomalitäten sind verschleiert worden: (...)die Auflistung [der Rückstände, B.R./F.V.] von Uran 234 im Urin [wird ] bewusst unterlassen. (...)In [einer anderen] Tabelle (Wasser, weit entfernt von den Betroffenen) besteht dagegen der Mut, U 234 zu nennen.
(...)Die Untersuchung ist im wesentlichen von 8 Wissenschaftern des GSF – Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit – Neuherberg/München getragen, das sich als nationales Forschungszentrum «GSF – National Research Center for Environment and Health, Institute for Radiation Protection» - darstellt. Es bestand die Aufgabe, die Krebsrisiken infolge des Einsatzes von Uran für deutsches Personal und auf die Bevölkerung Kosovos zu untersuchen. Der Auftraggeber und die Formulierung des Auftrages werden verschwiegen.
Die Defizite sollten im Interesse seriöser wissenschaftlicher Berichterstattung beseitigt werden. (...) man sollte dabei bedenken, dass die Krankheitsrate der im Golfkrieg erkrankten US-Soldaten in die Hunderttausende geht.
Gleichgeschaltete Presse während der Balkankriege
Die PR-Firmen, die während der Balkan-Kriege tätig waren, sind ganz überwiegend mächtige, gesellschaftlich (zumindest in der US-Gesellschaft) anerkannte und vertrauenswürdige Kommunikationsspezialisten. Sie gelten als glaubwürdige Quellen und Akteure, insbesondere wenn man ihr personelles Profil berücksichtigt. Sie erfüllen alle Voraussetzungen eines »unabhängigen Botschafters« («independent messenger»), wie er für die Public diplomacy gefordert wird (Peterson 2002).
Somit haben wir in den Balkan-Kriegen die Konstellation, dass Kriegsregierungen ihre Propaganda durch den Filter von PR-Agenturen und deren zahlreiche Kommunikationskanäle in glaubwürdige Botschaften verwandeln konnten. Daraus resultiert eine starke Homogenisierung der öffentlichen Meinung in den USA (und in den westlichen Gesellschaften überhaupt): die US-Regierung, amnesty international, Human Rights Watch, Freedom House, das United States Institute of Peace, die Soros Foundation, liberale Intellektuelle und weite Kreise der Konservativen, die Vereinten Nationen, Journalisten, aber auch die Regierung in Zagreb, die Regierung in Sarajevo, die Führung der Kosovo-Albaner, die UÇK – sie alle haben, mit geringfügigen Nuancen, eine praktisch identische Lesart der Balkan-Kriege publiziert.
Und sie ist deckungsgleich mit der Propaganda der exjugoslawischen, nichtserbischen Kriegsparteien.
Verweigerte Abdruckgenehmigung
23. April 2007
Sehr geehrte Frau Runge,
leider kann ich Ihnen die erbetene Abdruckgenehmigung für Textstellen aus meiner Veröffentlichung über DU-Munition nicht erteilen.
Ich habe lange mit mir gerungen, möchte aber nach meinen Erfahrungen aus den Jahren 2002/2003 nun lieber meine Familie schützen und meinen Namen nicht wieder in die Öffentlichkeit bringen.
Ich bitte um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
xxx
Freie Journalistin
Mordanschläge auf Siegwart-Horst Günther
(...)Seit Ende 1991 diagnostizierte ich im Irak eine bisher unbekannte Krankheit, die auf Funktionsstörungen der Nieren und Leber zurückzuführen war. In einem Artikel hatte ich am 28. Oktober 1991 unter der Überschrift „Wurden irakische Kinder Opfer von ABC-Kampfstoffen?“ darüber berichtet. 1991 entging ich in Jordanien nur knapp einem Mordanschlag und wurde im Dezember 1993 bei einem zweiten Anschlag in Deutschland schwer verletzt.
Die Untersuchung eines dieser ungewöhnlichen Geschosse brachte mich in Deutschland in größte Schwierigkeiten: Es war hochtoxisch und zeigte eine hohe Radioaktivität; auch die Geschossummantelungen waren radioaktiv. Das Projektil wurde mit den Geschossummantelungen von einem großen Aufgebot deutscher Polizei in Schutzkleidung beschlagnahmt, unter größten Sicherheitsvorkehrungen abtransportiert und in einer gesicherten Deponie gelagert. Ich wurde später wegen „Freisetzung ionisierender Strahlung“ inhaftiert und bei den Verhören misshandelt. Der damalige deutsche Verteidigungsminister hatte die DU-Geschosse als völlig ungefährlich bezeichnet und beabsichtigte, ein derartiges Geschoss im deutschen Parlament zu zeigen. Als er aus der Presse von meiner Verhaftung erfahren hatte, nahm er davon Abstand.(...)
„Halbe Wahrheiten und ganze Lügen“
Unter diesem Titel hat Dr. med. Ralf Cüppers mehrere Äußerungen der WELT, des ehemaligen Verteidigungsministers Scharping (14. Januar 2001 in der ZDF-Sendung „Eser und Gäste“) und einen Artikel des Redakteurs Gero von Randow in der ZEIT auf 40 Seiten einer gründlichen kritischen Analyse unterzogen. Da die Bloßstellungen von Cüppers keine über die hier dargestellten Befunde konkret hinausgehende Analysen enthalten, beschränken wir uns aus Platzmangel hier auf diesen allgemeinen Verweis. Wir betonen aber, dass Cüppers‘ Text ein besonders detaillierter Aufweis der Fahrlässigkeit ist, mit der in der Bundesrepublik weithin die Problematik dieser lebensgefährlichen Waffen behandelt wird.
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Uranmunition in Deutschland
quelle
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