George W. macht sich schon wieder lächerlich


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vega2000:

George W. macht sich schon wieder lächerlich

 
28.08.02 15:17
George W. Bush macht sich wieder zum Gespött der Medien: „Es ist traurig, dass ich nicht öfter joggen kann“

Der Sommer des Missvergnügens
Langer Urlaub, kurzer Atem – ein Jahr nach dem Schock steht der US-Präsident als ein entzauberter Führer da, der nicht mehr die Debatte bestimmt
Washington, im August – Das W ist wieder da. Monatelang war es verschwunden, doch seit kurzem kriecht der kleine, dicke Buchstabe wieder zurück in die Kolumnen der Zeitungen, in die Kommentare der Fernseh-Talkshows und TV-Spaßmacher und in die Köpfe der Menschen. Denn W steht für Double-U, texanisch Dubya, W steht für George W. Bush, W steht für den Vorkriegspräsidenten – vor Terror und al Qaida.

W steht auch für Witze, und das sollte dem Herrn im Weißen Haus zu denken geben. Denn neuerdings darf wieder gelacht werden über Präsident Dubya Bush, über seine intellektuelle Beschränktheit ebenso wie über seine Freude an ausgedehnten Urlauben. Bush, so spottete unlängst eine Karikatur, solle Kanadas Regierungschef anrufen, und ja, Kanada sei jener andere Ort, der nicht Mexiko heiße. Kurz darauf dringt durch die Tür des Oval Office die Stimme des Präsidenten: „Amigo“.

In den Monaten nach den Terroranschlägen auf Washington und New York vom 11. September vergangenen Jahres grenzte es an Hochverrat, wenn nicht an Blasphemie, sich über den Kriegspräsidenten, den Helden der Heimatfront, den Befreier Afghanistans lustig zu machen. Alle Amerikaner waren Patrioten, und Patrioten lachen nicht. Doch ausgerechnet zum ersten Jahrestag der Tragödie, welche George W. Bush, dem politischen Leichtgewicht, staatsmännische Statur zuwachsen ließ, sind Aura und Gloriole verflogen. Der Held ist zurückgestutzt auf Normalmaß.

Chancen vergeudet

Nirgends wurde das anschaulicher als bei Bushs Foto-Termin kürzlich vor den in die Bergwand gemeißelten Präsidentenköpfen von Mount Rushmore in South Dakota. Klügere Vorgänger haben den direkten Vergleich mit diesen Titanen der Vergangenheit stets vermieden. So groß ist der Kontrast – in jeder Hinsicht – zu George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt, dass sich dem Betrachter fast zwangsläufig nur eine Frage stellt: Ach was, so klein ist Bush?

Ja, so klein ist er, und erstaunlicherweise sind es weniger die oppositionellen Demokraten als die eigenen Republikaner, die Bush deswegen immer lauter kritisieren. Von einem „Sommer vergeudeter Chancen“ beispielsweise sprach der konservative Publizist Michael Kelly, der dem Präsidenten eher zugetan ist. „Der 11. September war einer der furchterregenden und zugleich großartigen Wendepunkte der Weltgeschichte", schrieb er unlängst. „Aber in diesem Sommer ging das irgendwo verloren.“

Zwei überragende Themen hatte sich Bush im Frühjahr vorgenommen, mit denen er die Demokraten bei den Zwischenwahlen zum Kongress im November das Fürchten lehren wollte: Kampf gegen den Terror, Teil zwei; und die Wiederherstellung des nationalen und internationalen Vertrauens in die US- Volkswirtschaft, beziehungsweise in deren ins Zwielicht geratene Vertreter aus den Firmenvorständen.

Dass daraus nichts wurde, muss noch nicht einmal daran liegen, dass sich Bush auch dieses Jahr nicht davon abbringen ließ, den lieben langen August auf seiner Prairie Chapel Ranch in Texas zu verbringen. Wie schon im vergangenen Jahr wurden die Berater des Weißen Hauses sowieso nicht müde, den Aufenthalt als Arbeitsurlaub zu deklarieren, und tatsächlich besuchte der Präsident während der Ferien elf Bundesstaaten. Die meisten Reisen freilich dienten der Unterstützung republikanischer Kandidaten für die Wahlen und dem Sammeln von Spenden – einer Tätigkeit, die Bush nicht nur perfekt beherrscht, sondern die ihm zudem augenscheinlich viel Vergnügen bereitet. Ansonsten schlüpfte der Präsident in ein blaues Denim-Hemd, streifte sich Arbeitshandschuhe über und griff zur Kettensäge, um Unterholz zu roden. Das für die Dauer der präsidentiellen Ferien in den staubig-glühenden Weiler Crawford abkommandierte Pressekorps des Weißen Hauses durfte den Oberbefehlshaber dabei beobachten, wie er Holzstämme wuchtete und sich mit dem Ruf „Oh, baby“ selbst anfeuerte. Die Washington Post fand einen Historiker, der in der niedrigen Tätigkeit eine tiefe Metapher entdeckte: „Man kann seine Aggressionen ohne viel Aufwand am unschuldigen Gestrüpp abreagieren“, sagte Steven Wayne von der Georgetown Universität in Washington. „Und wenn man fertig ist, kann man seine Arbeit bewundern.“

Ein Koloss mit Zahnbürste

Vermutlich war es genau dies, was Bush brauchte, weil es ihm beim Kleinkrieg im politischen Unterholz abging: sichtbare Erfolge. Hinzu kam, dass die vergangenen Monate zu einem veritablen Sommer des Missvergnügens gerieten: Waldbrände, Überschwemmungen, Kindesentführungen, Firmenpleiten – so viele schlechte Nachrichten schienen die Amerikaner schon lange nicht mehr auf einen Schlag erhalten zu haben. Und der Präsident? Der posierte derweil fürs Titelbild der Jogger-Zeitschrift Runner’s World und rühmte sich, dass er seit Beginn des Terrorkrieges noch schneller renne. „Es ist nur traurig, dass ich nicht öfter joggen kann“, teilte Bush seinen rezessionsgeplagten Landsleuten mit. „Das gehört zu den traurigsten Dingen des Präsidentendaseins.“

Indes, wie schnell er auch rennen mag: Einigen unangenehmen Fakten wird Bush in diesem Herbst nicht entrinnen können. Wenn die Amerikaner in den kommenden Tagen und Wochen der Toten des 11. September und des Afghanistan- Feldzuges gedenken, dann wird ihnen beispielsweise auffallen, dass ihre Regierung viele vollmundige Versprechen nicht eingehalten hat: Von Osama bin Laden, den Bush „tot oder lebendig“ haben wollte, gibt es keine Spur, weder tot noch lebendig; und auch sonst sind den US-Fahndern keine wesentlichen Spitzenmitglieder der al Qaida-Terroristen ins Netz gegangen. Sogar das mit so viel Aplomb angekündigte Ministerium für Heimatschutz liegt auf Eis – ein Opfer kleinlicher Zänkereien zwischen Weißem Haus und Kongress.

Die übelste Schlappe indes fügten sich Bush und seine Truppe kalter Krieger um Verteidigungsminister Donald Rumsfeld selbst zu: Der Feldzug gegen den Irak scheint sich als große Luftblase zu entpuppen. Hatte Bush noch im Februar getönt, dass „die Zeit nicht auf unserer Seite ist“, so scheint jetzt der Angriff in weite Ferne verbannt: „Wenn ich sage, dass ich ein geduldiger Mann bin, dann meine ich auch, dass ich ein geduldiger Mann bin“, beruhigte der US-Präsident das Biest von Bagdad. Hatte Präsident Teddy Roosevelt einst empfohlen: „Sprich leise, aber nimm einen großen Stock mit“, so drehte Bush, der gerne mit Roosevelt verglichen würde, das Motto um: Er polterte laut gegen Saddam Hussein, doch in der Hand hielt er höchstens eine Zahnbürste.

„Vor sechs Monaten glaubten die Leute, dass (Bush) ein Koloss sei, der die politische Landschaft dominiert“, analysierte Geoff Garin, der Meinungsumfragen für die Demokraten erhebt, die wundersame Entzauberung des Präsidenten. „Die Realität sieht sehr viel anders aus: Er bestimmt weder die politische Tagesordnung noch die politische Debatte in der Art, wie er es nach dem 11. September getan hat.“

Seine Meinung wird sogar von Bushs eigenen Parteigängern geteilt. Garins republikanischer Kollege Whit Ayres vermag nur einen Trost zu erkennen: „Es wäre viel schlimmer, wenn das im vergangenen Jahr geschehen wäre“ – ohne den Anti-Terror-Bonus und den Heldenstatus. Und sogar im engsten Zirkel des Präsidenten hat man die Ursachen der Malaise ausgemacht: „Sobald man sich für unangreifbar hält, ist man verraten und verkauft“, befand Dan Bartlett, Bushs neuer Kommunikationsdirektor.

Er verschwieg freilich, dass er unter Umständen selbst ein Teil des Problems sein könnte. Denn der eher glücklose Bartlett folgte im Amt auf Karen Hughes nach. Sie stand George Dubya fast so nahe wie eine dominierende Ersatzmutter und schwang eine derart strenge Zuchtrute, dass sich ihr sogar egomanische Kabinettsmitglieder willig unterwarfen. Doch seitdem die formidable Dame mit der Figur eines Football-Profis im Sommer aus familiären Gründen das Weiße Haus verließ, scheint es der Administration an der nötigen Selbstdisziplin zu gebrechen.

Das beste Beispiel dafür war die wahre Springflut an lancierten Enthüllungen und ungefragten guten Ratschlägen in Sachen Irak-Krieg. Sie zeigten zudem zweierlei: Bush war es noch nicht einmal gelungen, sein eigenes Militär und den eigenen Außenminister vom Nutzen eines Angriffskriegs auf Bagdad zu überzeugen, geschweige denn den Kongress und die US-Öffentlichkeit. Weitaus interessanter freilich ist die zweite Erkenntnis: Bush junior hört offensichtlich nicht mehr auf den Rat seines Vaters.

Ob Henry Kissinger oder Lawrence Eagleburger, Brent Scowcroft oder James Baker – es waren alles enge Vertraute des Ex-Präsidenten George Herbert Walker Bush, die den Sohn in den letzten Tagen nach der Manier älterer Onkel zur Räson zu rufen suchten. In Juniors Regierung besitzen sie weder Amt noch Einfluss. Früher hätte dies keine Rolle gespielt, weil sie das Ohr des Sohnes jederzeit über Vater Bush erreicht hätten. Dass sie nun über Zeitungsartikel an die Öffentlichkeit treten mussten, zeigt jedoch, dass Dubya sich offenbar endlich von seinem Übervater emanzipiert hat und eigenen Instinkten folgt.

Der Schatten von Papa

Trifft diese Deutung zu, dann wäre es die folgenreichste Veränderung in Leben und Persönlichkeit von George W. Bush, und zu verdanken hätte er sie letztlich Osama bin Laden. Denn nur die Reaktion auf die Herausforderung durch den Terror hat den jungen Bush über seinen Vater hinauswachsen lassen. Der war bisher immer und in allen Dingen besser: ein fleißiger und begabter Student, ein mehrfach ausgezeichneter Weltkriegsheld, ein erfolgreicher Geschäftsmann und eben auch Präsident. Der Sohn dagegen zeichnete sich viele Jahre lang eher als Drückeberger und Versager aus – an der Uni ebenso wie im Militär, wo er Düsenjäger der texanischen Nationalgarde spazierenflog, derweil seine Altersgenossen in Vietnam krepierten.

Der Schatten des Vaters ist lang, und immer öfter wird bereits spekuliert, ob der 43. US-Präsident nicht ebenso über die Wirtschaft stolpern wird wie Nummer 41, Poppy Bush. Denn niemand will so recht glauben, dass die Rezession in den USA wirklich schon ausgestanden ist, und die Experten streiten in erster Linie darüber, ob der Einbruch die Form eines U (flach und lang) oder eines V (steil und kurz) hat.

Was aber, wenn auf das erste V ein zweites folgt? Das wäre dann die W- Rezession, wie in W für Dubya. Der Wirtschaftsprofessor James Devine von der Loyola Marymount Universität in Los Angeles, der den Begriff geprägt hat, ärgert sich schon jetzt, dass er keine Urheberrechte darauf angemeldet hat. Denn er ist überzeugt davon, dass sie in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird: die Dubya-Rezession.

SZ
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TD714788:

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28.08.02 15:20
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Grüsse,
Tyler Durdan

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