Schmerzmittel, welches keine Gewöhnungserscheinungen blicken lässt. Hierzu eine
älterer Nachricht:
Elan erhält FDA-Zulassung für Prialt
Die Elan Corp. (Nachrichten) der größte irische Pharmakonzern, erhielt von der U.S. Food and Drug Administration die Marktzulassung für ihr Schmerzmittel Prialt.
Dieses Produkt basiert auf dem Gift einer Meeresschnecke und dient zur Behandlung von Patienten, die unter starken chronischen Schmerzen leiden, aber die Morphine in klassischen Arzneimitteln nicht vertragen. Prialt wird voraussichtlich ab Januar erhältlich sein und könnte Analystenschätzungen zufolge jährliche Peak Sales von bis zu 250 Mio. Dollar generieren.
Für die EU erwartet Elan die Zulassung des Medikaments im ersten Quartal 2005. Im November hatte sich das European Committee for Medicinal Products for Human Use positiv zu Prialt geäußert. Gestern gingen die Aktien mit 18,83 Euro aus dem Handel.
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Das fand ich unter Quarks.de:
Erstes Schmerzmittel auf dem Markt
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Der Mechanismus des Schneckengiftes ist besonders interessant für die Entwicklung von Schmerzmitteln. Zunächst untersuchten Forscher die wirksamen Substanzen genau und bauten sie künstlich nach, um die Schnecken nicht auszurotten. Dann testeten sie die Gifte an Zellen, und tatsächlich fanden sie dabei einige sehr viel versprechende Stoffe. Im Dezember 2004 wurde in den USA das erste Medikament zugelassen, das auf einem Gift der Kegelschnecke basiert. "Prialt" blockiert die Kalziumkanäle an den Nervenzellen, Schmerzsignale werden nicht weitergeleitet. Das Mittel ist tausendmal wirksamer als Morphium und macht nicht süchtig. Probleme gibt es noch bei der Verabreichung des Medikaments, denn die Substanz muss als Flüssigkeit direkt ins Rückenmark gelangen. Daher bleibt das Medikament vorerst extremen Schmerzpatienten vorbehalten. Bislang gibt es "Prialt" nur in den USA.
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und das fand ich in der Stuttgarter Zeitung:
Von der Kegelschnecke zum Schmerzmittel
Medikament aus einer neuen Wirkstoffgruppe stammt aus dem Meer - "Blaue Biotechnologie" gilt als viel versprechend
Meereslebewesen könnten noch Schätze für die Medizin bergen. So ist aus dem Gift der Kegelschnecke ein neues Schmerzmittel entwickelt worden. Unter dem Schlagwort "Blaue Biotechnologie" arbeiten Forscher an weiteren Projekten.
Von Monika Rößiger
Ein kleiner Meeresbewohner ist die große Hoffnung für Schmerzpatienten, bei denen Morphine in klassischen Arzneimitteln versagen oder nicht vertragen werden. Auf dem Gift der Kegelschnecke (Conus magus) basiert ein neues Medikament, das Ende Dezember in den USA zugelassen wurde und nun auch in der EU auf den Markt kommt. Die nur fünf bis sieben Zentimeter messende Kegelschnecke überwältigt Fische, die schneller und größer sind als sie selbst. Zwar sind Schnecken nicht gerade als Raubtiere berüchtigt, aber diese schafft es, ihre Beute mit Hilfe einer Giftharpune zu erlegen, die das Opfer auf der Stelle lähmt. Da das offensichtlich ohne Schmerzempfinden geschieht, vermuteten Wissenschaftler bereits in den siebziger Jahren, die Schnecke könnte im Besitz eines hochwirksamen Neurotoxins sein, das möglicherweise in der Medizin einsetzbar wäre.
Bis zum fertigen Medikament war viel Forschungsarbeit nötig; herausgekommen ist das erste Präparat in einer neuen Gruppe von Schmerzmitteln, die nicht auf Opiaten basieren. Der Wirkstoff, ein synthetischer Nachbau eines Eiweißmoleküls aus dem Schneckengift, muss direkt in die Rückenmarksflüssigkeit gespritzt werden. Er blockiert die Kalziumkanäle der Nervenzellen und verhindert so die Weiterleitung der Schmerzsignale ans Gehirn. Das Medikament ist für Patienten mit schweren Schmerzen gedacht, die länger als sechs Monate andauern und verschiedenste Ursachen haben können. Dazu zählen Unfälle und Krankheiten wie Krebs oder Aids.
Klinische Studien mit mehr als 1000 Patienten zeigten, dass weder ein Gewöhnungseffekt noch Abhängigkeit oder Sucht einsetzen. Frei von Nebenwirkungen ist das "Schneckenmittel" aber nicht, der Hersteller warnt vor Schwindel, Übelkeit und Verwirrung.
Die Kegelschnecke ist nur ein Beispiel dafür, wie sich das Meer für die Entwicklung von Medikamenten nutzen lässt. In diesem Forschungsbereich, auch "blaue Biotechnologie" genannt, gibt es für die Forscher noch viel zu tun. "Zurzeit sind etwa 12 000 marine Substanzen bekannt, doch nur wenige sind genau erforscht", sagt Uwe Waller von der Arbeitsgruppe Marikultur im Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. "Da ist weiterhin sehr viel Grundlagenforschung notwendig." Gemeinsam mit seiner Kollegin Nicole Kube hat er eine Studie zu den Perspektiven der "blauen Biotechnologie" erarbeitet.
Die größte Schwierigkeit liegt darin, ausreichende Mengen einer wirksamen Meeressubstanz zu produzieren, um mit den klinischen Tests beginnen zu können. "Um beispielsweise ein Gramm Wirkstoff von einer Schwammart zu testen", erläutert Nicole Kube, "müsste man rund 1000 Tonnen dieses Schwamms aus dem Meer holen." Das wäre nicht nur unrentabel, sondern auch ökologisch unverantwortlich. Als Alternative bleibt nur, die Organismen in Aquakulturen zu vermehren - was nicht immer möglich ist - oder den Wirkstoff im Labor herzustellen. Und selbst dann dauert es im medizinischen Bereich noch Jahre, bis ein Produkt reif für eine kommerzielle Anwendung ist.
Immerhin in der vorklinischen Phase befindet sich eine Substanz für ein selektives Medikament gegen Blutkrebs. Der Wirkstoff, Sorbicillacton genannt, stammt aus Pilzen, die in Meeresschwämmen leben. Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass er Tumorzellen zum Absterben bringt, aber gesunde Zellen nicht attackiert. Projektkoordinator Werner Müller vom Kompetenzzentrum Biotecmarin in Mainz hofft, dass die Ethikkommission nächstes Jahr grünes Licht für Tests am Menschen gibt. An Biotecmarin sind auch Forscher der Universität Stuttgart beteiligt. Vor drei Jahren hatten sie bei ihren Untersuchungen per Zufall in der Stuttgarter Wilhelma eine neue Schwammart entdeckt. Sie erhielt den Namen Tethya wilhelma.
Aktualisiert: 05.04.2005, 06:15 Uhr
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näheres unter: www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/hitec/magazin/74633/
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Wiederholung der Sendung von heute ist am Freitag um 15.30



