"Habe Risiken für Anleger reduziert"
DWS-Star Kaldemorgen über die schwache Entwicklung seines Vorzeigefonds
von Karsten Seibel
DIE WELT: Herr Kaldemorgen, der größte deutsche Aktienfonds, der DWS Vermögensbildungsfonds I, ist in diesem Jahr einer der schlechtesten. Wie erklären Sie das den vielen Privatanlegern?
Klaus Kaldemorgen: Die meisten Anleger dürften nicht unzufrieden sein. Die absolute Wertentwicklung kann sich mit knapp 20 Prozent sehen lassen.
DIE WELT: Aber mit 269 anderen Fonds hätte man mehr verdient.
Kaldemorgen: Das gefällt auch mir nicht. Ich kann aber drei Gründe für die Entwicklung nennen. Erstens habe ich den Dollar zu Jahresbeginn falsch eingeschätzt. Da ich ihn schwach erwartete, habe ich Teile des Portfolios gegen Währungsverluste abgesichert. Positiv gesagt, ich habe den Anleger vor Risiken bewahrt.
DIE WELT: ...aber letztendlich Rendite-Chancen genommen.
Kaldemorgen: Im Nachhinein ist das richtig. Der Dollar zeigte sich überraschend robust.
DIE WELT: Der zweite Grund?
Kaldemorgen: Die Aktien kleinerer Unternehmen haben sich auch in diesem Jahr wieder sehr gut entwickelt - besser als die Titel der Großkonzerne. Leider sind viele Nebenwerte für einen Fonds mit einem Volumen von sieben Mrd. Euro aber zu klein. So viele Aktien kann ich gar nicht kaufen, daß sich ihr Kursanstieg auf die Wertentwicklung des Fonds nennenswert niederschlägt. Selbst wenn ich ein vergleichsweise großes Paket von zehn Prozent an einem Unternehmen mit einem Börsenwert von 400 Mio. Euro halte, hat dies gerade einmal ein Gewicht von einem halben Prozent am Gesamtportfolio.
DIE WELT: Ist der Vermögensbildungsfonds I mittlerweile zu groß?
Kaldemorgen: Ich könnte auch neun Mrd. Euro verwalten. Sie dürfen nicht vergessen, die zwangsläufige Konzentration auf Titel großer Unternehmen bewahrt Anleger über die Jahre hinweg vor zu großen Verlusten. Zwar laufen kleine Werte im Börsenaufschwung besser, aber sie verlieren auch mehr im Abschwung.
DIE WELT: Ist es nicht Aufgabe eines Fondsmanagers in guten wie in schwachen Phasen besser als der Gesamtmarkt zu sein?
Kaldemorgen: Ich will mich nicht rausreden. Ich will nur zeigen, daß es Gründe für die diesjährige Entwicklung gibt. Der dritte Punkt ist, daß ich den Gesamtmarkt nicht so stark erwartet habe. Statt eines Anstiegs des Deutschen Aktienindex Dax um 25 Prozent hatte ich unter größeren Schwankungen lediglich mit zehn bis 15 Prozent gerechnet. Zur Abfederung möglicher Verluste in schwächeren Wochen habe ich den Bargeldanteil im Fonds mit zeitweise bis zu acht Prozent recht hoch gehalten.
DIE WELT: Das heißt, weil sie nicht alle Kunden-Gelder investierten, ist Anlegern eine höhere Rendite entgangen?
Kaldemorgen: Wie gesagt: Ich habe die Börsenentwicklung falsch eingeschätzt. Darüber ärgere ich mich am meisten. Ich kann mir aber zugute halten, daß die vergleichsweise schwache Wertentwicklung des Fonds in diesem Jahr nicht durch irgendwelche gewagten Manöver zustande kam. Im Gegenteil: durch alle drei genannten Punkte habe ich die Risiken für den Anleger reduziert.
DIE WELT: Mit einem einfachen Indexprodukt, das den Markt annähernd eins zu eins abbildet, wäre ein Sparer aber besser gefahren.
Kaldemorgen: In diesem Jahr mag das stimmen. Aber in den vergangenen acht Jahren habe ich sechsmal den Index geschlagen. Und ich sehe keinen Grund, warum mir das im nächsten Jahr nicht wieder gelingen sollte.
DIE WELT: Umgekehrt gefragt: Warum sollte es Ihnen im nächsten Jahr wieder gelingen?
Kaldemorgen: Unter anderem weil ich davon ausgehe, daß 2006 der Unterschied zwischen kleinen und großen Werten nicht mehr so groß sein wird. Zudem bleibe ich dabei, der Dollar wird sich gegenüber dem Euro schwächer entwickeln - was schon in den vergangenen Wochen zu sehen war. Und dann habe ich in Erwartung einer weiteren Verbesserung der Aktienmärkte bereits die Barquote reduziert.
DIE WELT: Das klingt nach Prinzip Hoffnung.
Kaldemorgen: Anleger sollten nicht mit zweierlei Maß messen: Als alle Aktienfonds im Minus lagen und sich mit ihnen kein Geld verdienen ließ, beschwerten sich alle über die schwache absolute Wertentwicklung. Jetzt, wo alle Fonds im Plus sind, wird darüber geklagt, daß es nicht mehr als 20 Prozent sind.
Das Gespräch führte Karsten Seibel
Artikel erschienen am Do, 22. Dezember 2005
Da bleibt nicht mehr viel hinzufügen - außer ein paar Fragen.
1. Wurden hier ähnliche seltsame Geschäfte gemacht wie beim Immo-fonds, wo über Bausch (noch behaupte ich nicht "Busch") und Bogen (was immer sich dahinter verbirgt) an einen australischen Investor nicht genau definierbare Verkäufe zu welchen Preisen auch immer getätigt wurden?
2. Diente der Invesmtentfonds als Abladeplatz für die Investmentbankabteilung, damit die schlauen Londoner zu Lasten der deutschen Anleger Schrott entsorgen konnten, damit die Erfolgsprämien der Londoner Investmentbänker (hoffentlich muss ich das nicht in Investmentbängster ändern) stiegen?
Ihr seht also, Fragen über Fragen. Auch die Aktie der Deutschen Bank würde ich nur mit der Beißzange anfassen, denn das ist inzwischen ein Hedgefonds mit unsicherem Ausgang. Denn machen wir uns nicht vor, es macht keinen Sinn ein Jahr besonders herauszustreichen, wo die einmal Geld verdient haben, was vorher nicht so war - und noch viel schlimmer, was in Zukunft keinesfalls sicher ist. Denn ob Hedgefonds wie die Deutsche Bank etwas verdienen, hängt sehr stark davon ab, ob sie die Politik lässt und ob die Unvollkommenheit der Märkte, an der man als Investmentbank nur verdienen kann, weiterhin besteht. Daran glaube ich nicht. Bei aller Bewunderung, die ich Greenspan immer entgegengebracht habe, hatte er einen Fehler, er versorgte seine Ex-Kumpels in den Investmentbanken mit Geld, das sie nicht verdient hatten. Sein Nachfolger wird dem nicht mehr zustimmten und der Nachfolger von Bush, dessen Wahlkämpfe die Investmentbanken finanzierten, sicher auch nicht. Investmentbanken verdienen ihr Geld zu recht, wenn sie Ineffizienzen des Marktes beseitigen. Sie verdienen es nicht nicht, wenn sie Ineffizienzen herbeiführen und dann abkassieren. Und letzteres haben sich in der letzten Zeit häufig getan. Ein Beispiel dafür war die Nummer der Citybank beim Rentenhandel in England. Leider ist für diese extrem kriminellen Taten von denen niemand in den Knast gekommen und die Ausbeutung der europäischen Bevölkerung ist noch nicht einmal abgeschöpft worden. Der Schutzpatron dieser Kriminellen ist Tony Blair, obwohl der angeblich jeden Sonntag in die Kirche geht. Und das hat einen simplen Grund. Da diese Kriminellen in Großbritannien ihre Sitz haben, profitiert Großbritannien von solchen kriminellen Handlungen. Die Gewinne der City-Bank aus diesen kriminellen Handlungen zu Lasten der europäischen Bevölkerung sind gestiegen und der Blair hat über die Steuer mitkassiert. Daher bleibt meines Erachtens nur eines übrig, wir sollten uns von den Sozialkundeunterrichtromantikvorstellungen lösen und die Engländer aus der EG werfen. Denn eines Tages darf man dann in Schottland auch Rauschgift züchten, wenn es in die anderen EU-Staaten exportiert wird, es Großbritanniern Arbeitsplätze schafft und dort den Steuersäckel füllt
Europäer wehrt Euch und werft die Schmarotzer aus dem Netz. Für Deutschland entstehen dadurch enorme Vorteile, insbesondere für den Finanzplatz Frankfurt.