Vorweg das Wichtigste: Deutsche Rohstoff AG ist zum Stand 11. April 2026 ein sehr profitables, aber klar zyklisches Spezialunternehmen und keine „ruhige“ Langfristaktie. Der testierte Jahresabschluss 2025 liegt noch nicht vor; bisher sind für 2025 die vorläufigen Zahlen vom 10. März 2026 verfügbar, der geprüfte Abschluss samt Jahresbericht 2025 und weiterer Guidance soll am 23. April 2026 kommen. Das ist wichtig, weil der Markt die Aktie seit März/April bereits auf Basis dieser Vorabdaten und der neuen 2026-Prognose neu bewertet. (Finanzwire)
Das Unternehmen ist im Kern kein breit gestreuter Rohstoffkonzern, sondern ein deutscher Small Cap mit sehr klarem Schwerpunkt auf Öl- und Gasförderung in den USA. Die Gesellschaft sagt selbst, dass das Kerngeschäft die Förderung von Rohöl und Erdgas in den USA ist; hinzu kommen Beteiligungen und Projekte im Bereich strategische Metalle. Genau hier liegt aber auch die Besonderheit: Nach dem Teilverkauf von Almonty-Aktien schätzt First Berlin immer noch, dass Almonty rund 42 % des Enterprise Value von Deutsche Rohstoff ausmacht. Du kaufst also nicht nur ein US-E&P-Geschäft, sondern zugleich einen großen Hebel auf Almonty beziehungsweise auf Wolfram und kritische Metalle. Das macht die Story attraktiv, aber auch komplizierter und volatiler. (Deutsche Rohstoff AG)
Operativ hat Deutsche Rohstoff 2024 stark geliefert. Der Umsatz stieg auf rund 235 Mio. Euro, das EBITDA auf rund 168 Mio. Euro, der operative Cashflow auf 146 Mio. Euro, die Produktion auf 14.721 BOEPD, und der kombinierte Wert der nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven lag zum Jahresende 2024 bei 493 Mio. USD. Das Eigenkapital stieg auf rund 237,5 Mio. Euro, der Buchwert je Aktie auf etwa 48,50 Euro, und der Verschuldungsgrad gemessen als Net Debt zu EBITDA lag bei 0,9. Das sind für einen kleinen Ölproduzenten starke Werte. Der Haken ist aber genauso klar: freier Cashflow war 2024 erneut negativ, und zwar mit minus 36,8 Mio. Euro, weil das Geschäft sehr investitionsintensiv ist; allein 2024 flossen rund 185 Mio. Euro in Investitionen, davon rund 172 Mio. Euro in neue Bohrungen. Das ist kein leichtes, kapitalarmes Geschäftsmodell, sondern ein Geschäft, das laufend Kapital braucht, wenn es wachsen oder auch nur das Produktionsniveau halten will.
Was mir an der operativen Seite gefällt: Das Unternehmen hat in Wyoming offenbar echte Lernkurve aufgebaut. Im Geschäftsbericht 2024 beschreibt das Management, dass die Bohrkosten pro 2-Meilen-Niobrara-Bohrung auf unter 10 Mio. USD gefallen sind, nachdem die ersten eigenen Bohrungen 2023 noch über 12 Mio. USD gekostet hatten; Teapot-Bohrungen lagen im Schnitt sogar unter 7 Mio. USD. Gleichzeitig stiegen die Fördermengen pro Bohrung. Das ist der zentrale Punkt: Bei Rohstoffwerten ist nicht nur der Ölpreis entscheidend, sondern ob das Management pro Bohrung günstiger und produktiver wird. Wenn diese operative Verbesserung nachhaltig ist, hebt das die Qualität des Unternehmens klar über viele gewöhnliche Small-Cap-Ölbuden.
2025 war dann trotz deutlich schwächerem Preisumfeld immer noch ordentlich, nur eben sichtbar schwächer als 2024. Nach den vorläufigen Zahlen lag der Umsatz bei 195,1 Mio. Euro, also 3 % über dem oberen Ende der Guidance, das EBITDA bei 132,0 Mio. Euro am oberen Rand der Zielspanne, der Konzerngewinn bei 28,9 Mio. Euro und das EPS bei 6,03 Euro. In den ersten neun Monaten 2025 lag der operative Cashflow mit rund 119 Mio. Euro trotz rückläufigem Umsatz praktisch auf Vorjahresniveau; zum 30. September 2025 standen 41,9 Mio. Euro an Cash und Wertpapieren 42,8 Mio. Euro Bankverbindlichkeiten sowie 143,0 Mio. Euro Anleihen gegenüber, dazu kamen noch ungenutzte reserve-based lending Linien von 65,1 Mio. USD. Das heißt: Die Bilanz war angespannt, aber nicht kaputt. (Finanzwire)
Der eigentliche Kurstreiber 2026 ist nun die massive Prognoseanhebung vom 1. April 2026. Das Unternehmen erwartet im Basisszenario jetzt 260 bis 280 Mio. Euro Umsatz und 290 bis 310 Mio. Euro EBITDA; im Upside-Szenario sogar 290 bis 310 Mio. Euro Umsatz und 320 bis 340 Mio. Euro EBITDA. Gleichzeitig wurde das 2026er Capex auf rund 220 bis 230 Mio. Euro hochgesetzt, 1876 Resources soll 26 Bruttobohrungen beziehungsweise rund 18 Nettobohrungen stemmen, und für das zweite Halbjahr 2026 wird eine Produktion von über 20.000 BOEPD erwartet. Das klingt spektakulär, und das ist es auch. Aber man muss die Qualität dieser Zahl sauber einordnen: In der neuen 2026-Prognose steckt auch ein Gewinn von fast 100 Mio. Euro aus dem Verkauf von 9 Mio. Almonty-Aktien. Wer also auf das 2026er EBITDA von rund 300 Mio. Euro schaut und daraus eine dauerhaft operative Ertragskraft ableitet, macht einen Fehler. Ein großer Teil des Sprungs ist einmalig oder zumindest nicht aus dem reinen Bohrgeschäft wiederholbar. (MarketScreener)
Genau deshalb ist die Aktie heute schwerer zu bewerten als noch vor einem Jahr. Die Börse hat den Schwenk bereits gesehen: Auf Xetra lag der Kurs am 10. April 2026 bei rund 93,60 Euro, die Aktie war damit seit Jahresanfang um rund 91 % gestiegen; das 52-Wochen-Hoch lag um 102 bis 103 Euro. Auf der IR-Seite der Gesellschaft standen am 11. April 2026 aktuelle Analystenziele von 124 Euro von First Berlin und 129 Euro von mwb Research; Investing.com weist auf Basis von zwei Analysten ein durchschnittliches 12-Monats-Kursziel von 126,50 Euro aus. Formal ist also noch Aufwärtspotenzial da. Ich würde diese Ziele aber nicht unkritisch übernehmen, weil sie inzwischen stark am Ölpreis, an der Terminstruktur bei WTI, an der Bohrintensität 2026/27 und an der Bewertung der verbleibenden Almonty-Position hängen. Das ist keine simple Bewertungsstory mehr, sondern ein Konstrukt aus operativem Ölgeschäft, Bilanzwirkung, Rohstoffpreishebel und Beteiligungswert. (MarketScreener)
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre halte ich das Unternehmen als Firma für interessanter als die Aktie auf dem aktuellen Niveau. Die Firma hat bewiesen, dass sie Reserven aufbauen, Bohrkosten senken, Produktionsprofile verbessern und Kapital relativ diszipliniert zwischen Wachstum, Dividende und Rückkäufen verteilen kann. Sie hat 2024 die Dividende auf 1,75 Euro erhöht, für 2025 eine Dividende von 2,00 Euro vorgeschlagen und zusätzlich Aktien zurückgekauft. Das Management denkt klar renditeorientiert. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell brutal abhängig von Ölpreis, Gaspreis, USD/EUR, Bohrkosten, Förderprofilen der neuen Bohrungen und regulatorischen Rahmenbedingungen; selbst First Berlin nennt Ölpreis, Wechselkurs, Politik/Regulierung und Investitionsrisiken ausdrücklich als zentrale Risiken. Für einen konservativen Investor ist das daher kein defensiver Dauerläufer wie ein Qualitätsindustriewert oder Softwarecompounder, sondern eher eine opportunistische, zyklische Renditeposition.
Mein Gesamturteil ist deshalb klar: Deutsche Rohstoff AG ist operativ ein stark geführter, lernfähiger und derzeit sehr gut positionierter Small Cap mit echtem Wertschöpfungspotenzial. Das Unternehmen gefällt mir fundamental deutlich besser als viele andere europäische Nebenwerte im Rohstoffbereich. Die Aktie ist aber nach der Neubewertung im Frühjahr 2026 nicht mehr der offensichtliche Schnäppchenkauf, der sie noch bei 30, 40 oder auch 60 Euro war. Heute kaufst Du eine Mischung aus US-Ölproduzent, Almonty-Hebel und Sonderertrag 2026. Das kann weiter aufgehen, gerade wenn Ölpreise hoch bleiben und das Bohrprogramm in Wyoming liefert. Es kann aber auch schnell nüchterner werden, wenn Öl zurückkommt, neue Bohrungen hinter den Erwartungen bleiben oder der Markt den Einmaleffekt aus Almonty sauber herausrechnet. Für 5 bis 15 Jahre finde ich das Unternehmen interessant, aber die Aktie würde ich auf diesem Niveau nicht mehr als konservativen Basisbaustein sehen, sondern als überdurchschnittlich chancenreiche, ebenso klar überdurchschnittlich zyklische Spezialposition. (MarketScreener)
Autor: ChatGPT