Der Euro ist in seiner Stadt angekommen
Frankfurt, 01. Jan (Reuters) - Diesmal hat sich die "City of the Euro" ihren inoffiziellen Beinamen ehrlich verdient. Rund zehntausend Menschen waren bis Mitternacht auf dem Platz vor dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank zusammengeströmt, um den historischen Augenblick der Einführung des Euro-Bargeldes für zwölf europäische Länder gemeinsam zu erleben. Damit hat Frankfurt, zumindest was die Willkommenspartys für den Euro betrifft, in der Oberliga der europäischen Hauptstädte mitgespielt. Von der Tribüne riefen die Redner wohlgewählte Worte über das europäische Einheitsgeld überzeugten Anhängern des Euro ebenso zu wie den vielen, die in Frankfurt einfach nur verzweifelt nach ein bisschen Berliner Silvesterfeeling suchten.
Je näher der Uhrzeiger auf Mitternacht rückte, um so mehr ging das gut gemeinte europäische Kulturprogramm der Veranstalter in der üblichen Generalprobe für die Böller unter. Eine Million Euro hat der Verein "Euro-Point", mit dem Banken und Unternehmen sich für die Gemeinschaftswährung einsetzen, für die "Night of the Euro" ausgegeben. Im 25 Stockwerke hohen Hochhaus-Rohbau des "Galileo-Turms" waren aus allen zwölf Ländern Musiker, Sänger, Tänzer und Dichter versteckt. Der spanische Flamenco, der schmetternde Tenor aus Italien oder der Domchor aus Speyer waren nur per Projektion auf eine Videowand zu sehen. Die Kultur aus zwölf Nationen mischte ein Discjockey schließlich zu einem dröhnenden Klangbrei zusammen, der nahtlos in den Countdown auf Mitternacht überging.
Und dann war es so weit. Die 15 Meter hohe Euro-Skulptur - ein blaues Euro-Zeichen auf Stelzen mit zwölf gelben, die Mitgliedsländer symbolisierenden Sternen - wurde erleuchtet. "Heute haben wir den Euro in das Herz der Menschen und in das Herz von Frankfurt gebracht", schrie Euro-Point-Gründer Manfred Pohl gegen die Silvesterkracher an. Mit Sätzen wie "Das wichtigste ist, dass der Euro eine stabile Währung wird" und "Happy new Euro year" folgten der hessische Landeszentralbank-Chef Hans Reckers und EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans im Stakkato. Stolz schwenkte der sonst so zurückhaltende Notenbanker in jeder Hand ein Bündel Euro-Scheine wie zur gleichen Zeit in Brüssel EU-Währungskommissar Pedro Solbes und der belgische Finanzminister Didier Reynders.
Auch in der Masse ist vereinzelt herzliche Freude darüber zu beobachten, dass die Deutschen von jetzt an mit Franzosen, Italiener oder Finnen mit dem Geld etwas wichtiges gemeinsam haben. "Wenn wir schon ein einheitliches Europa haben, ist eine gemeinsame Währung ideal, so fängt es an", erklärt der 50-jährige Klaus Richter, warum der Euro ihn froh macht. Auch die 28-jährige Susanne Schwarz sagt: "Ich habe mich schon immer auf den Euro gefreut." Sie gehört zu denen, die sich noch in der Nacht das neue Geld aus dem Automaten ziehen.
Auf Teil zwei der Euro-Party, der Gala im Hotel Inter-Continental, kann Rosi von den Jacob-Sisters dem Euro vor allem praktische Vorteile abgewinnen: "Für uns Künstler ist das toll, wir haben dann keine Probleme mehr mit dem Geldwechseln, wenn wir in Europa unterwegs sind." Über den Abschied von der D-Mark sei sie gleichzeitig traurig, sagte die Schlagersängerin, die mit ihren drei singenden Schwestern 1961 noch vor dem Mauerbau aus Sachsen in die Bundesrepublik gekommen war. "Aber da müssen wir durch."
"Es sieht ein bisschen wie Spielgeld aus"
01. Jan (Reuters) - Vor den Geschäftsräumen der Commerzbank im Frankfurter Bankenviertel krachen die Böller, zischen bunte Raketen und aus Lautsprechern auf dem Platz dröhnt "Freude, schöner Götterfunke". Das neue Jahr ist schon mehr als 15 Minuten alt, die Fete zur Einführung des Euro-Bargeldes läuft, doch die beiden Geldautomaten direkt gegenüber der Europäischen Zentralbank lässt das kalt. Rund dreißig Menschen stehen vor den Apparaten und wollen - beobachtet von mehreren Kamerateams - die ersten Euro-Scheine ziehen; endlich das neue Bargeld ansehen, befühlen, in Besitz nehmen. Doch: "Dieser Automat ist zurzeit nicht in Betrieb" steht beharrlich auf den Displays. Nichts zu machen. Erst gegen halb eins, als draußen Passanten längst schon Euro-Scheine hochhalten, die sie an anderen Automaten geholt haben, überlegen es sich auch die beiden Geräte im Rampenlicht, und geben unter Applaus die neuen Scheine frei.
"Es sieht ein bisschen wie Spielgeld aus", diese Reaktion kommt spontan von fast jedem aus der Warteschlange, der den Euro in dieser Nacht zum ersten Mal in der Hand hält. "Unwirklich" sei das neue Geld, kaum zu glauben, dass man dafür wirklich etwas kaufen könne. "Wie ein Fleurop-Gutschein", ist die größte Beleidigung. Auf den zweiten Blick dann aber viel Lob; für die Währungsunion und die Euro-Einführung ohnehin, aber auch für die neuen Scheine. "Modern" sei das Design und: "Wenn man sie erst einmal in der Hand hält, sind sie gar nicht so schlecht."
Einigen fehlen jedoch die von den D-Mark-Scheinen gewohnten Gesichter auf den von Fensterbögen und Brücken gezierten Euro-Scheinen. Diese hätten die Währung persönlicher gemacht. Und ein Passant meint, der Zwang, es allen Teilnehmerstaaten optisch recht machen zu müssen, sei den Scheinen doch anzusehen: "Ein bisschen nichtssagend", seien sie.
Haben wollen den Euro aber trotzdem alle: Nach und nach sprechen sich unter den Grüppchen erste Tricks herum, wie eine möglichst große Auswahl zu ergattern ist: "Wenn man 185 Euro abhebt, bekommt man die meisten verschiedenen Scheine", sagt einer und hält seinen bunten Fächer hoch. Zwei Interessenten bekommen allerdings überhaupt nichts - ihr Konto ist überzogen und daran ändert auch der Euro nichts.
Aus Neugier sind die meisten hergekommen. Mal sehen, wie es so ausschaut, das neue Geld. Die meisten haben noch Restbestände von D-Mark und gehen davon aus, dass sie auch weiterhin angenommen werden. Wirklich brauchen kann die neue Währung in dieser Nacht zunächst offenbar noch niemand so recht. Auf die Frage, wofür sie die ersten Euro ausgeben wollen, verfallen etliche zunächst ins Grübeln. Angesichts der sternklaren, eiskalten Nacht fällt vielen dann jedoch ein: "Etwas heißes zu trinken kaufen!"
Zumindest bei einer Crepes- und Glühweinbude in der Innenstadt haben die Besitzer der neuen Währung aber kein Glück mit den neuen Scheinen. "Wir nehmen weiter nur D-Mark", sagt einer der Verkäufer lange nach Mitternacht. "Wir haben auch überhaupt keine Euros zum Wechseln."
"Wir haben hier Liquidität unter der Theke"
Berlin, 01. Jan (Reuters) - Erst kommt er zu früh, dann drängelt sich auch noch der US-Botschafter Dan Coats beim Geldtauschen vor. Um zwei Minuten nach Mitternacht hält Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) endlich seine offiziell ersten Euro-Noten in der Hand. Die muss er immer wieder für die Fotografen in der Hand schwenken. Was er offensichtlich gerne tut. Kurz vorher hat bereits Bundesbankpräsident Ernst Welteke gute Laune versprüht. "Wir haben hier Liquidität unter der Theke", sagt Welteke und holt ein Glas Sekt hervor. Dann stößt er mit Eichel, Coats und Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz auf das Neue Jahr und die neue Währung an. Außer der Prominenz können auch Kunden in der Nacht an einem Sonderschalter nahe dem Brandenburger Tor D-Mark in Euro tauschen.
Eine knappe halbe Stunde vor dem offiziellen Euro-Start haben sich die Politiker und Banker schon vor den Fernsehkameras versammelt, um symbolisch die ersten Scheine auszugeben. Doch weil die Satellitenübertragung noch nicht funktioniert, verschwinden die Herren im Smoking schon nach drei Minuten wieder im Hinterzimmer. Um Mitternacht ist es dann so weit und Eichel erhält von Bank-Chef Fahrholz für seine 200-D-Mark-Note 102,26 Euro. US-Botschafter Coats tauscht 100 Dollar in Euro. Was er mit dem ersten Euro macht, weiß der Bundesfinanzminister noch nicht so genau. "Wahrscheinlich werde ich ihn für das Frühstück ausgeben." Welteke hingegen mag seinen ersten Euro nicht ausgeben, denn den trägt er seit der Ausgabe der Münzpäckchen am 17. Dezember in der Tasche. "Vielleicht sollte ich ihn kennzeichnen. Mit Lippenstift oder was Ähnlichem", scherzt der Bundesbankpräsident.
Zur gleichen Zeit öffnet die Dresdner Bank ihre Filiale am Pariser Platz für den Publikumsverkehr. Rund ein Dutzend Bankangestellte bieten den Interessierten abgepackte Euro-Bündel im Gegenwert von 20, 50 oder 100 D-Mark an. "Es herrscht großer Andrang, die Leute sind wild auf den Euro", sagt der zuständige Gebietsleiter der Bank, Rainer Bonowsky. Alle Angestellten hätten sich freiwillig gemeldet. Wie Robert Hinrichs. Der 21-Jährige trägt eine blaue Krawatte mit goldenen Sternen und riesiger Euro-Münze. "Die Leute, die hier kommen, sind meist gut drauf und nehmen den Euro mit viel Humor." Fast alle Kunden bestaunen die neuen Scheine neugierig, halten sie gegen das Licht, tasten und fühlen. Anders Henrico Lievore. Der Westfale zerschneidet mürrisch seine 20 frisch getauschten Beutel und befreit Euro im Wert von insgesamt 2000 D-Mark aus dem eingeschweißten Plastik. "Der Euro ist großer Mist. Er bringt Belastungen und wir müssen jetzt die ganzen Umrechnungen machen." Für seine Kneipe habe er jeden Spielautomat für etwa 300 D-Mark umrüsten müssen.
Anders als der Gastwirt freut sich eine bunt geschminkte Dame in extravagantem roten Hut auf die neue Währung. "Ich nutze den Euro als Geldanlage", sagt sie und beklebt eifrig gut ein Dutzend Scheine mit je einer Briefmarke. "Nebenan bei der Post kann ich mir dann einen Silvester-Sonderstempel auf die Euro-Noten besorgen." Die 35-Jährige nennt sich "Fräulein Kaiserin" und eine Schärpe um die Hüften zeichnet sie als Miss Christopher Street Day Berlin 2001 aus.
Doch nicht jeder will die ersten Euro aufheben. "Wir tragen das Geld jetzt zum Hotel Adlon an die Eisbar", sagt Monica Korte bestimmt und will es für Champagner ausgeben. Ihr Mann Gerhard plädiert indes für Bier. Nur wenige Meter entfernt tritt Minister Eichel um kurz nach zwei Uhr mit seiner Frau den Heimweg an. Die ersten Euro hat er noch in der Tasche. "Ich konnte noch keine ausgeben", rechtfertigt sich der "Sparminister".
Automatenumstellung weitgehend reibungslos
Frankfurt, 01. Jan (Reuters) - Die Umstellung der deutschen Geldautomaten auf die Ausgabe von Euro ist nach Angaben von Banken- und Sparkassenverbänden in der Nacht auf den 1. Januar weitgehend reibungslos verlaufen. Sparkassen und Banken meldeten am Dienstag eine Stunde nach Beginn des neuen Jahres, die Euro-Ausgabe sei an den Geldautomaten ohne nennenswerte Störungen gut angelaufen. Auch europaweit gehe die Bargeld-Ausgabe reibungslos vonstatten. Vor allem in den Großstädten sei bereits viel Geld abgehoben worden. Mit Verspätung startete die Ausgabe der Euro-Scheine allerdings an den Automaten direkt gegenüber dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Hier mussten Kamerateams und neugierige Bürger eine halbe Stunde auf das neue Geld warten.
"Vor allem in Großstädten wird schon viel Geld abgehoben, aber es ist nicht so viel, dass die Automaten schon in der Nacht leer werden", sagte Reinhold Rickes, Euro-Experte der Sparkassen. Allein in Berlin seien mit mehr als 200.000 Abhebungen in der ersten halben Stunde die Automaten etwa vier Mal so oft wie sonst bedient worden.
In Frankfurt standen unmittelbar nach Mitternacht bei eisiger Kälte zahlreiche Bürger vor den Ausgabestellen, um sich vor allem aus Neugier schon in der Neujahrsnacht mit Euro-Scheinen einzudecken: "Ich will das neue Geld sehen und anfassen", sagte eine Passantin. Der erste Eindruck war unterschiedlich: "Es sieht ein bisschen aus wie Spielgeld" war als Beschreibung" oft zu hören. Viele bezeichneten die neue Währung noch als "unwirklich". Es sei schwer vorstellbar, sich für die Scheine tatsächlich etwas kaufen zu können. Für den Entschluss, die Währungsunion zu vollziehen und den Euro einzuführen, gab es aber insgesamt viel Lob: "Wenn man die Scheine in der Hand hält, sind sie gar nicht so schlecht."
In ländlichen Regionen war der Gang zum Geldautomaten in der Neujahrsnacht nach Angaben der Verbände dagegen die Ausnahme. "Die Leute feiern erstmal Silvester", sagte Rickes. Gerade in kleineren Filialen von Regionalbanken standen in der Nacht allerdings auch etliche Menschen vor noch abgeschalteten Geldautomaten. Aufkleber verwiesen hier auf bereits umgestellte Geräte in größeren Geschäftsstellen. "Schade, ich hätte gerne ein paar Euros gezogen, um sie mal zu sehen", sagte ein Mann in Mainz-Kastel.
"Bisher ist alles reibungslos verlaufen", sagte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. "Es hätte nicht besser sein können." Und Bundesbank-Direktoriumsmitglied Edgar Meister bestätigte: "Auch europaweit läuft alles gut. Ich habe ein gutes Gefühl, nachdem die Vorabausstattung mit Bargeld und die Ausgabe der Starter-Kits so gut gelaufen ist, aber Pannen sind bestimmt nicht auszuschließen." Neben den Startschwierigkeiten in Frankfurt verweigerten offenbar auch Geldautomaten an der Grande Place in Brüssel nach Mitternacht die Ausgabe von Euro.
Für alle, die sich in der Silvesternacht oder am 1. Januar nicht am Automaten mit Euro eindecken wollen, haben die Hälfte der Sparkassen, die Postbank, Volksbanken und die Dresdner Bank eine oder mehrere Filialen geöffnet.
"Bitte keine Euros" in Wien
Wien, 01. Jan (Reuters) - "Bitte keine Euros" stand auf dem Schild einer Würstchenbude beim Wiener Prater. Auch nach der Euro-Einführung um Mitternacht wurden die Gäste bei vielen Silvesterfeiern gebeten, weiter mit der alten Währung Schilling zu bezahlen. Der Euro wurde auch nicht als Wechselgeld herausgegeben. "Uns ist das mit dem Rechnen zu mühsam", sagte der Wirt. Ein Euro entspricht rund 14 Schilling. Ein junger Wiener, der beim Snowboard-Festival der Stadt an einer Bar mit den neuen Scheinen zahlen wollte, gab entmutigt auf. "Hör mal, wir nehmen schon Euro auch, aber dann wartest auf dein Bier eine halbe Stunde", sagte ihm eine gestresste Kellnerin.
Im Scheinwerferlicht von TV-Teams war der Euro in Österreich hingegen sofort gültig. Der prominenteste Wien-Besucher der Silversternacht, EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, kaufte von Reportern umgeben kurz nach Mitternacht für 32 Euro einen Strauß aus weißen und roten Rosen für seine Frau. Prodi erklärte, er sei froh über die Einführung des Euro-Bargeldes in den zwölf Mitgliedstaaten der Euro-Zone. "Bisher ist alles reibungslos verlaufen", sagte er. "Es hätte nicht besser sein können."
Im Stadtzentrum, in dem in der Nacht rund 500.000 Menschen den Jahreswechsel auf den Straßen feierten, waren die Passanten überrascht, dass mehrere Geldautomaten bereits zwei Stunden vor 00.00 Uhr Euros ausgaben. "Ich find das toll", sagte die Wien-Touristin Charlotte Gruber mit zwei frischen 100 Euro-Scheinen in der Hand. Daran, das neue Geld noch in der gleichen Nacht in Umlauf zu bringen, dachte sie aber nicht. "Ich glaube, das ist jetzt zu kompliziert - das hebe ich mir lieber für den Neujahrstag auf".
In einem der nobelsten Lokale der Stadt, einem Restaurant mit Blick auf den Stephansdom, stellte die Umstellung auf die neue Währung den Besitzer vor keine Probleme. "Für uns ist das überhaupt nicht schwierig", sagte Attila Dogudan, während um ihn herum mit Champagner und Meeresfrüchten gefeiert wurde. Die Rechnung werde wie jedes Jahr ohnehin nicht bar, sondern mit Kreditkarte beglichen. "Unsere Gäste zahlen sowieso nie in Cash".
Europäer begrüßen Euro mit großer Neugier
Frankfurt, 01. Jan (Reuters) - Mit der Einführung des Euro-Bargeldes haben Deutschland und elf weitere Staaten der Europäischen Union in der Nacht zum Neujahrstag die größte Währungsumstellung der Geschichte besiegelt. In Deutschland verlief die Umstellung der Geldautomaten auf die Ausgabe der neuen Währung nach Angaben der Geldinstitute weitgehend reibungslos. Ab Mitternacht bildeten sich vor vielen Automaten Menschenschlangen, weil Hunderttausende das neue Geld nach langem Warten endlich in Händen halten wollten. Einzelhändler sprachen am Neujahrsmorgen von einem überwiegend problemlosen Start: Praktisch alle Kunden seien neugierig auf den Euro und akzeptierten ihn als Wechselgeld, sagten sie. Der Euro ist Zahlungsmittel für mehr als 300 Millionen Menschen in Europa.
Das Kassieren dauere durch die Umstellung auf die neue Währung etwas länger, die meisten Kunden hätten dafür jedoch Verständnis, sagte ein Händler am Frankfurter Hauptbahnhof. Praktisch alle Kunden zahlten noch mit Mark und erhielten dann Euro als Wechselgeld. Nur einige wenige Einkäufer hätten sich geweigert, das neue Geld anzunehmen. Auch ein Taxi-Fahrer sagte, es gebe keine Probleme. Er akzeptiere Euro und D-Mark. Automaten etwa für Zigaretten funktionierten ebenso schon mit Euro-Münzen.
In Geschäften oder Restaurants kann noch bis Februar in Mark bezahlt werden. Die Bundesbank erwartet aber, dass die Mark, die 1948 in einer Währungsreform eingeführt worden war und als Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit gilt, schon in zwei Wochen aus den Geldbeuteln verschwunden ist.
Noch in der Nacht hatten sich bundesweit Hunderttausende Bürger bei klirrender Kälte an Geldautomaten mit den neuen Euro-Scheinen eingedeckt. Die Ausgabe sei ohne nennenswerte Störungen angelaufen, erklärten Banken und Sparkassen. "Vor allem in Großstädten wird schon viel Geld abgehoben, aber es ist nicht so viel, dass die Automaten schon in der Nacht leer werden", sagte Reinhold Rickes, Euro-Experte der Sparkassen. Allein in Berlin seien mit mehr als 200.000 Abhebungen in der ersten halben Stunde die Automaten etwa vier Mal so oft wie sonst bedient worden. Mit Verspätung startete die Ausgabe der Euro-Scheine allerdings an einigen Automaten in Brüssel und direkt gegenüber dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Hier mussten Kamerateams und neugierige Bürger eine halbe Stunde auf das neue Geld warten.
Die Stimmung vor den Bankautomaten war meist gut, viele Menschen kamen von den Silvester-Feiern und brachten Sekt und heißen Tee in Thermos-Flaschen mit. Ihr erster Eindruck von der neuen Währung war unterschiedlich: "Es sieht ein bisschen aus wie Spielgeld", war oft zu hören. Viele bezeichneten die neue Währung als unwirklich. Es sei schwer vorstellbar, sich für die Scheine tatsächlich etwas kaufen zu können. Für den Entschluss, die Währungsunion zu vollziehen und den Euro einzuführen, gab es aber insgesamt viel Lob: "Wenn man die Scheine in der Hand hält, sind sie gar nicht so schlecht", sagte eine Frau. Viele Menschen strömten auch am Neujahrstag in die Bankfilialen, um Euro abzuheben oder Mark in Euro zu tauschen. "Es ist richtig viel los", sagte ein Bankmitarbeiter in Frankfurt.
Um Mitternacht war die neue Gemeinschaftswährung in zahlreichen Großstädten der Euro-Zone mit Feiern und Zeremonien begrüßt worden. Zuerst wurde der Euro bereits um 21.00 Uhr MEZ in dem französischen Überseeterritorium La Reunion im Indischen Ozean eingeführt. Dort kaufte der Bürgermeister der Hauptstadt Saint-Denis, Rene-Paul Victoria, auf dem Markt ein Kilo Lychee-Früchte nach kurzem Feilschen für 75 Euro-Cent. In Wien erstand der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, mit seinem ersten Euro-Bargeld einen Strauß roter und weißer Rosen für seine Frau. "Bisher ist alles reibungslos verlaufen", sagte er. "Es hätte nicht besser sein können."
In Berlin, wo sich rund 1,2 Millionen Menschen zu einer Silvester-Feier versammelt hatten, tauschte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) um Mitternacht in einem symbolischen Akt 200 Mark bei Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz und erhielt dafür gut 102 Euro. Vor dem Hochhaus der EZB in Frankfurt feierten Tausende Menschen die Einführung des Euro. Künstler nutzten einen 100 Meter hohen Hochhaus-Rohbau als Bühne für eine kulturelle Reise durch alle zwölf Euro-Länder. Unter dem Jubel der Menschenmenge beleuchtete EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans ein Euro-Denkmal.
Führende Politiker und Notenbank-Vertreter hatten dem Euro zuvor eine Schlüsselrolle für eine friedliche Zukunft in Europa zugesprochen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte den Bundesbürgern mit dem Euro eine noch bessere Zeit als mit der Mark voraus. "Wir verbinden mit der Mark die Erinnerung an gute alte Zeiten in der Bundesrepublik. Aber Sie können sicher sein: noch bessere stehen bevor", sagte Schröder in seiner Neujahrsansprache. EZB-Präsident Wim Duisenberg nannte die Euro-Einführung einen Jahrzehnte alten "Traum der Europäer".
Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion hatte mit Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Irland, Portugal und Finnland 1999 begonnen. Griechenland kam vor einem Jahr dazu. Seit drei Jahren ist der Euro offizielle Währung der Euro-Zone, er war aber nicht als Bargeld in Umlauf. Seitdem bereiteten sich die Länder vor, 15 Milliarden Banknoten und 52 Milliarden Münzen einzuführen und die nationalen Währungen aus dem Verkehr zu ziehen.
Minister aus Neuseeland als erster Euro-Nutzer
Wellington, 01. Jan (Reuters) - Neuseelands stellvertretender Finanzminister, Trevor Mallard, hat als erster offiziell Euro-Bargeld eingetauscht. Mallard nutzte den Zeitvorsprung des Pazifik-Staates, um bei einer Werbeveranstaltung eines Finanzunternehmens Euro-Banknoten zu tauschen. Schlag Mitternacht - in Frankfurt, der "City of the Euro", war es erst Mittag - erhielt er am internationalen Flughafen von Wellington Euro-Banknoten für seine neuseeländischen Dollar. Damit war er dem ersten Käufer im Euro-Gebiet rund acht Stunden voraus. Bürgermeister Rene-Paul Victoria kaufte für seine ersten Euro in Saint-Denis auf der französischen Insel Reunion im Indischen Ozean ein Kilo Lychee-Früchte.
Mallard bewarb gleichzeitig Neuseeland als Standort für Filmschaffende und den Yachtbau. Der Film "Der Herr der Ringe" wurde in Neuseeland gedreht, außerdem hält das Land derzeit die Segelsporttrophäe America's Cup. "Wir sind vorne in der Welt - in einem technologischen und einem zeitlichen Sinn", sagte Mallard.
Der Euro ist seit dem 1. Januar 2002 auch als Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel in den 12 Staaten der Euro-Zone, sowie in Andorra, San Marino, Monaco und dem Vatikanstaat.
Auch Neuseeland und sein größter Handelspartner Australien diskutierten bereits eine gemeinsame Währung.
Nach mehr als 50 Jahren weicht die Mark dem Euro
Frankfurt, 01. Jan (Reuters) - Mit der Einführung des Euro-Bargelds haben die letzten Tage der Deutschen Mark begonnen, die 1948 mit einer Währungsreform eingeführt worden war. Der Euro ist in Deutschland und den anderen elf Ländern der Währungsunion nun offizielles Zahlungsmittel. Völlig abrupt ist der Übergang aber nicht. In der Welt der Börsen, Banken und Unternehmen gehört der Euro schon seit Beginn der Währungsunion am 1. Januar 1999 zum Alltag. Drei Jahre später wird der Euro nun für mehr als 300 Millionen Europäer zum täglich benutzten Geld. Die Währungsunion der zwölf Euro-Länder bedeutet aber anders als die deutsche Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Geldwertverlust.
Damals hatten die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich eine Währungsreform in den drei deutschen Westzonen vorbereitet, nachdem die Viermächte-Regierung nach Kriegsende gescheitert war. Das neue Geld - die Deutsche Mark - wurde schon im Oktober 1947 in den USA gedruckt. Am 20. Juni 1948 setzten die Militärregierungen die Reform um. Jeder Bürger erhielt für 60 Reichsmark zunächst ein so genanntes Kopfgeld von 40 Mark. Zwei Monate darauf wurden weitere 20 Mark pro Kopf ausgegeben. Während Löhne, Gehälter und Mieten im Verhältnis 1:1 umgewertet wurden, verloren Sparguthaben ein Zehntel ihres nominalen Reichsmarkwertes.
Auch entfiel die vorher geltende Preisbindung. Schon am nächsten Tag waren die Schaufenster mit Waren gefüllt, die zuvor zum Teil nur auf dem Schwarzmarkt angeboten worden waren. Doch die Währungsreform bereitete nicht nur dem Schwarzmarkt ein Ende, sondern gab gleichzeitig den Startschuss für den Wirtschaftsboom in Deutschland in der Nachkriegszeit.
Die Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar läutet nun den Abschied von der Mark ein - und kann zugleich als Höhepunkt der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) angesehen werden. Mark, Franc oder Escudo haben bei der schon 1999 begonnenen Währungsunion aber nicht an Wert eingebüßt. Vielmehr wurde jede nationale Währung zu einem Kurs zum Euro fixiert, der sich nach den Wechselkursen von Ende 1998 richtete. Seitdem sind die Währungen nur noch Platzhalter für den Euro, der 1,95583 Mark entspricht. "Durch die Umstellung auf den Euro wird niemand ärmer oder reicher", beteuert daher die Deutsche Bundesbank.
Als Buchgeld existiert der Euro schon seit drei Jahren. Seitdem ist er die offizielle Währung in elf Staaten der Euro-Zone, seit 2001 außerdem in Griechenland. Großbritannien, Schweden und Dänemark blieben auf eigenen Wunsch außen vor. Ohne die dreijährige Übergangsfrist hätten die nationalen Währungen schon 1999 ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel verloren, nun geschieht das in den meisten Ländern Ende Februar. In Deutschland wird die Mark offiziell an Silvester abgeschafft, auch wenn man mit ihr noch bis Ende Februar bezahlen kann. Dazu haben sich die Verbände von Banken, Handel, Gaststätten und Automatenwirtschaft verpflichtet.
Die Idee einer Währungsunion in Europa ist schon alt. Nach einigen vergeblichen Anläufen entstand 1975 die Europäische Währungseinheit (ERE), die vier Jahre später im Europäischen Währungssystem (EWS) aufging. Die ERE wurde zur "European Currency Unit" (ECU). Die europäischen Währungen im EWS durften nur in einer bestimmten Spanne zu einem Leitkurs zur Mark schwanken, die wegen ihrer Stabilität die Ankerwährung war.
Der Europäische Rat entdeckte 1988 das Ziel der EWWU neu. Der damalige Kommissionspräsident Jacques Delors sollte dafür ein Konzept erarbeiten. Der Delors-Plan von 1989 sah drei Stufen vor. Die erste begann mit der Schaffung des Binnenmarktes im Juli 1990. Die zweite startete nach der Ratifizierung des Maastrichter Vertrags im November 1993. Zum Durchbruch trug letztlich die deutsche Wiedervereinigung bei. Die europäischen Partner wollten Deutschland in Europa fest verankern.
Ab Januar 1994 bereitete das Europäische Währungsinstitut (EWI) die gemeinsame Geldpolitik vor und wurde so zum Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB). Das EWI und die EU-Kommission wachten außerdem über die Einhaltung der so genannten Maastricht-Kriterien für die Teilnehmerstaaten, die aus Vorgaben für Inflationsrate, Haushaltsdefizit, öffentlichen Schuldenstand, langfristige Zinsen und der Einhaltung der EWS-Bandbreiten bestanden und die Eintrittshürde in die EWWU sind. Im Dezember 1995 taufte der Europäische Rat die geplante gemeinsame Währung in Madrid auf den Namen Euro. Die EZB nahm ihre Arbeit am 1. Juni 1998 auf, gut ein halbes Jahr vor Beginn der dritten Stufe der Währungsunion. Diese Phase endet jetzt mit der Einführung des Euro als offizielles Zahlungsmittel.
In Brüssel schwer zu kriegen und auszugeben
Brüssel, 01. Jan (Reuters) - In der politischen Hauptstadt Europas war es gut acht Stunden nach Einführung des Euro-Bargelds nicht einfach Euro-Bargeld zu bekommen oder auszugeben. Die Empfangsdame des Renaissance-Hotels, nur einen Steinwurf von den Glaspalästen der Europäischen Kommission entfernt, zögerte erst, sich vom Euro zu trennen. Dann war sie unsicher wie. Jedenfalls wollte sie keine 500-Euro-Note hergeben: "Wir können nicht so viel Geld herausgeben. Sie werden verstehen, dass heute viele Leute die haben wollen."
Nach kurzer Verhandlung gab sie 49,58 Euro her - das entspricht genau 2.000,05 der nun ungültigen belgischen Franc. "Es ist wegen der Buchhaltung", erklärte sie.
Der Gang über die eisigen Boulevards in Brüssel brachte nur wenig bessere Ergebnisse. Ein Geldautomat zog die Bankkarte ein, und gab sie unverrichteter Dinge wieder aus. Ein zweiter nahm sie überhaupt nicht an. "Störung", leuchtete beim Eingeben der Karte auf. Der Geldautomat der Deutschen Bank an der Avenue des Arts gab schließlich zwei druckfrische 50-Euro-Noten im Wert von 4034 bfr aus.
Das Geld auszugeben schien dann eine fast noch größere Herausforderung zu sein, als es zu bekommen. Selbst die McDonald's-Filiale bei der Rue d'Ixelles hatte um 8.30 Uhr zusammen mit allen anderen Geschäften geschlossen.
Bessere Ergebnisse versprachen die Fernsehscheinwerfer bei einer Filiale von Carrefour, Europas größtem Einzelhändler. Aber der Filialleiter weigerte sich etwas für Euro oder irgendeine andere Währung zu verkaufen, als er auf die Ankunft eines Fernsehmoderators wartete. "Wir öffnen um neun. Sie können dann wiederkommen."
Das Savanna Cafe, noch von Nachtschwärmern bevölkert, servierte gerne Kaffee oder andere Getränke. Aber dort hätte man diese eher verschenkt, als eine 50-Euro-Note oder auch nur einen Fünfer zu nehmen.
Aber es gab doch etwas für den Euro zu kaufen. Bäcker Renard am Place F. Cocq war glücklich, seinen ersten Verkauf in Euro zu machen: zwei Schoko-Croissants für 1,32 Euro. Das Wechseln der 50 Euro dauerte zwar etwas, aber ein doppeltes Nachzählen zeigte, das es korrekt war. "Ich bin froh, dass ich dass geschafft habe", seufzte Monsieur Renard und schloss seine zweite Kassenschublade.
Euro-Umstellung bei der Bahn bislang reibungslos
Frankfurt, 01. Jan (Reuters) - Die Deutsche Bahn[DBN.UL] hat ihre Systeme nach eigenen Angaben bislang ohne Probleme auf das Euro-Bargeld umgestellt. "Die Umstellungsarbeiten bei der Bahn sind reibungslos verlaufen", sagte Finanzvorstand Diethelm Sack am Dienstag in Frankfurt. Gegen 5.00 Uhr sei sicher gewesen, dass die wichtigen Fahrkartencomputer den Euro verwenden, hieß es. Von rund 10.000 Fahrkartenautomaten für den Nahverkehr seien 5500 schon umgestellt. In den kommenden zwei Wochen würden zudem rund 24.000 Schließfächer per Hand auf den Euro umgestellt.
Die Kosten für die Euro-Umstellung bezifferte die Bahn auf 63 Millionen Euro, von denen die Hälfte auf neue Technik, die andere Hälfte auf Personalkosten entfielen.
Im Zuge der Umstellung habe die Bahn zudem Euro-Bargeld im Gesamtgewicht von rund 350 Tonnen an ihre Schalter und Zugbegleiter verteilt, hieß es weiter.
Experten warnen vor Geldfälschern
Berlin, 01. Jan (Reuters) - Mit dem Ende der D-Mark als Zahlungsmittel wird auch für Fälscher die Zeit knapp, mit Blüten zu bezahlen. Experten warnen, dass Betrüger besonders die nun laufende Übergangszeit von Mark auf Euro nutzen werden, wenn Banken, Händler und Kunden mit altem und neuem Geld alle Hände voll zu tun haben. Nach Worten von Dietmar Thiele, Leiter der Falschgeldstelle bei der Deutschen Bundesbank, ist es jetzt besonders wichtig, sich nicht nur die Sicherheitsmerkmale der neuen Euro-Banknoten einzuprägen, sondern auch auf die der D-Mark-Scheine zu achten. Der Euro, der die Mark mit dem Jahresbeginn 2002 als Zahlungsmittel abgelöst hat, wird der Bundesbank zufolge zu den fälschungssichersten Währungen der Welt gehören.
Der Countdown für die Mark-Fälscher läuft noch bis zum 30. Juni, danach nehmen nur noch Zentralbanken die Scheine der nationalen Währungen an. Im Handel ist schon der 28. Februar Stichtag - dann werden die alten Mark-Scheine dort nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Die Bundesbank verzeichnete 2001 bereits ein höheres Falschgeldaufkommen als im Vorjahr. Von Januar bis Oktober waren allein schon etwa 23.000 Imitate zum Vorschein gekommen und damit mehr als die insgesamt 21.000 gefälschten Banknoten 2000. Dennoch bewertet Thiele dies als verschwindend wenig in Relation zu den momentan etwa 2,3 Milliarden Banknoten im Umlauf.
In Berlin habe der Handel zuletzt häufig mit gefälschten 500 und 1000-Mark-Scheinen gekämpft, sagt Thiele. Das beliebteste Fälschungsobjekt sei jedoch mit 40 Prozent aller entdeckten Geldkopien der 20-Mark-Schein. Ihn könnten Betrüger ihren Opfern leichter unterschieben, denn er werde wegen des geringen Betrags nicht so genau unter die Lupe genommen. Die grüne Banknote hatte vor einiger Zeit den Hunderter als Spitzenreiter in der Blüten-Hitliste abgelöst, nachdem dieser mit einem metallfarbenen Hologramm sicherer gemacht worden war. "Fälscher gehen mit der Technik", gibt Thiele zu bedenken und fürchtet, dass auch das Euro-Bargeld vor Nachahmung nicht gefeit ist: "Ich bin sicher, dass auch der Euro gefälscht wird".
Auch die europäische Polizeibehörde Europol hat bereits gewarnt, es sei mit gefälschten Euro-Noten zu rechnen. Die Gemeinschaftswährung sei für Fälscher attraktiv, weil sie in einem viel größeren Gebiet als bisher in den einzelnen zwölf Mitgliedsländern verbreitet werde. Die Bevölkerung muss also auch bei der neuen Währung auf der Hut sein, selbst wenn es Gaunern durch komplexe Sicherheitsmerkmale schwerer gemacht wird.
Besonders ältere Menschen suchten bereits bei den Beamten der "Kontaktstellen Euro der Länder" Rat, sagt Bernd Drescher, Polizeihauptkommissar bei der Euro-Kontaktstelle Schleswig-Holstein in Kiel. Senioren seien besonders wegen Trickbetrügern, die sich etwa als "Euro-Umtausch-Beauftragte" bei ihnen vorstellen, gefährdet. "Es gibt leider genug alte Menschen, die darauf hereinfallen", meint Drescher.
Die Behörden bieten auch im Internet Hilfe an, um Geldfälschungen besser zu erkennen. So kann man online den Ernstfall proben: Im Internet bietet die Polizei unter www.polizei.propk.de/aktionen/euro die Mark- und Euro-Blütentrainer an, bei denen sich der Kandidat in Rätselrunden unter Zeitdruck zwischen "Original und Fälschung" entscheiden muss. Mit dem "Leitfaden für die Erkennung von DM-Falschgeld in der DM-Auslaufphase" will die Bundesbank (www.bundesbank.de) das Augenmerk nochmals auf die alte Währung lenken. Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt Tipps zur Erkennung des echten Eurogeldes (www.euro.ecb.int). Detaillierte Fragen beantworten die "Kontaktstellen Euro der Länder", die unter www.bka.de/text/euro/eurokontakt.html aufgelistet sind.
Gruß
Happy End