Die nächste Rallye-Stufe? Warum Europas Aktien plötzlich heiß sind
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Europas Börsen stehen auf Rekordniveau. Die UBS sieht noch Luft nach oben. Doch hinter der Rallye lauern Risiken. Nur wenige Branchen tragen den Aufschwung.
Für dich zusammengefasst:
Strategen sind optimistisch bezüglich europäischer Aktien.
Die UBS erwartet, dass der Stoxx 600 bis 690 Punkte steigt.
Über 45 Prozent der Unternehmen übertreffen die Erwartungen.
Strategen blicken wieder bullisher auf europäische Aktien. Steigende Gewinne und die robuste Kursentwicklung nähren die Hoffnung, dass die Rallye geopolitischen Belastungen standhalten kann. Das zeigt eine Bloomberg-Umfrage unter 18 Marktstrategen.
Am zuversichtlichsten ist die UBS. Die Schweizer Großbank erwartet, dass der Stoxx 600 bis zum Jahresende um acht Prozent auf 690 Punkte steigt. Auch die Bank of America, die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) und Kepler Cheuvreux haben ihre Ziele angehoben.
Im Durchschnitt rechnen die Experten für Ende 2026 mit 647 Punkten. Das liegt knapp ein Prozent über dem aktuellen Stand. Nur noch fünf Strategen erwarten fallende Kurse.
"Derzeit gibt es wahrscheinlich mehr Aufwärts- als Abwärtspotenzial", sagte UBS-Stratege Gerry Fowler gegenüber Bloomberg. Er räumte ein, zuvor zu vorsichtig gewesen zu sein.
Nach Einschätzung Fowlers sind negative Auslöser in wichtigen Branchen wie Gesundheit, Basiskonsum und Luxus zunehmend schwer zu finden. Chancen sieht er vor allem bei Banken, Industrieunternehmen und Ausrüstern für künstliche Intelligenz.
Europäische Aktien erreichten im Juli neue Rekordstände. Anleger bauten ihre Positionen wieder aus, nachdem die Sorgen über den Krieg mit dem Iran nach dem Waffenstillstand im April nachgelassen hatten. Auch neue Spannungen konnten die Rallye bislang nicht stoppen.
Unterstützung kommt zudem von der Weltwirtschaft, hohen Staatsausgaben in Europa und Investitionen in künstliche Intelligenz. Ein Indikator der Citigroup für europäische Gewinnrevisionen ohne Großbritannien stieg auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Inzwischen verzeichnen 80 Prozent der Branchen mehr Anhebungen als Senkungen.
Citigroup-Strategin Beata Manthey bleibt für die kommenden zwölf Monate positiv. Die jüngsten Prognoseanhebungen überzeugten durch ihr Ausmaß, ihre breite Verteilung und ihren frühen Zeitpunkt, sagte sie.
Berichtssaison liefert gute Signale
Analysten erwarten für europäische Unternehmen 2026 ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 14 Prozent. Für 2027 rechnen sie mit weiteren zehn Prozent.
Bislang haben mehr als 45 Prozent der Unternehmen die Erwartungen übertroffen. Nur 27 Prozent blieben dahinter zurück. Das Gewinnwachstum liegt laut Bloomberg Intelligence bei 11,6 Prozent.
Dennoch bleiben einige Experten vorsichtig. TFS erwartet einen Rückgang des Stoxx 600 um neun Prozent auf 585 Punkte. Die Société Générale rechnet mit einem Minus von rund sechs Prozent.
SocGen-Stratege Roland Kaloyan sieht das größte Risiko darin, dass die Erholung schwächer ausfällt als bereits eingepreist. Die Erwartungen seien hoch. Zudem konzentriere sich die Kursstärke vor allem auf künstliche Intelligenz und Energie.
Auch Bloomberg Intelligence warnt vor Schwächen unter der Oberfläche. Finanzwerte und Aktien rund um künstliche Intelligenz trieben den Markt, während etwa die Hälfte der Branchen zurückblieb.
Die Stimmung der Investoren hat sich dennoch deutlich aufgehellt. Laut einer Fondsmanagerumfrage der Bank of America rechnen netto 37 Prozent der europäischen Anleger mit robustem Wachstum und sinkender Inflation. Netto 54 Prozent erwarten steigende Aktienkurse.
Barclays-Stratege Emmanuel Cau hält europäische Aktien weiterhin für attraktiv bewertet. Stabile Gewinne könnten höhere Zinsen abfedern. Unsicher bleibe jedoch der Ölpreis.
Francesco Sedati, Aktienchef bei Eurizon, sieht Europa zudem als günstige Alternative zum stark technologielastigen Markt der Vereinigten Staaten. Besonders positiv bewertet er Industrieunternehmen, Halbleiterhersteller, Banken und Versorger.
Vorsicht sei dagegen bei Software und Unternehmensdienstleistungen angebracht. Künstliche Intelligenz stelle viele etablierte Geschäftsmodelle infrage. Gleichzeitig könnten einige vermeintliche Verlierer inzwischen zu stark abgestraft worden sein.
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