Hier ein paar Statements und Fragen…
Ich lese hier (ariva) seit etwa einem halben Jahr mit, habe durch das Lesen des Bärenthreads meine Gewinne mit Aktien seit Nov 2008 wieder verloren, das heißt ich habe die Rally ab DAX 4500 geshortet….(habe Als „never short a dull market“ überlesen) auf den AZ -Thread bin ich erst später gestossen.
Ich versuche mich hier mal an einer Art grober Zusammenfassung, beider
Positionen:
Beginnend mit AL…
Aktienmärkte sollten, seiner Meinung nach, auf ein „gesundes Niveau“ zurückfallen, damit sie später, wenn faire Bewertungen zugrunde liegen, „gesund“ steigen können. Gesund heisst: die Wirtschaft zieht an, es werden Leute eingestellt, die wiederum Geld ausgeben etc… ein sich selbst verstärkender Aufschwung…
Dieser Position liegt ein Konzept der Wahrheit, Fairness, Angemessenheit, ein Konzept der funktionierenden Preisfindung zugrunde. Oder man benutzt das Kostolany-Bild von Herr und Hund. In ALs Meinung: der Hund ist zuweit vorgelaufen, er muss(?) wieder in eine angemessene Nähe zu seinem Herrchen zurück.
Die angemessene Bewertung von Aktien wurde in diesem Thread ja gerade vorbildlich diskutiert.
Also, wenn alles mit rechten Dingen zuginge, würden seröse Fondmanager warten bis sich angemessene Preise für Aktien eingestellt haben und dann kaufen.
Vielleicht ist der Glaube an die Fairness nach dem großen Einbruch besonders groß, nach dem Motto: jetzt müsste doch auch dem letzten die Augen geöffnet worden sein. Wir müssen wieder zurück zu den „wahren Werten“, zum „guten Kaufmann“ etc. Ich glaube allein die Boni-Geschichten der letzten Wochen machen klar, dass niemand daran denkt jetzt auf einmal „fair“ zu spielen.
Dieser „vernüftigen“ und auch ethisch korrekten Position gegenüber steht die „realistische“ von Metro. Er sagt: die Menschen sind nicht vernüftig, es geht nicht um Wahrheit, Angemessenheit und Fairness: es geht nur darum wohin die Reise geht, Gründe sind egal.
Es kommt die Politik ins Spiel: Amerika will Supermacht bleiben. Alle wollen, dass es aufwärts geht, wollen aber wegen der Wahlen das Tal der Tränen, das für einen gesunden Aufschwung vielleicht nötig wäre vermeiden. Können es sich die USA also leisten über mehrere Jahre nicht unter den Teppich zu schauen. Muß Mr. Market überhaupt zuschlagen? Ich denke schon, nur wann? Wenn man das bisherige Schema weiterdenkt, schwillt jetzt die nächste Blase an, der Zeitpunkt ihres Platzens ist aber völlig ungewiss.
Bleibt also immer wieder die Frage des Zeitpunkts und der ist, wenn ich Malkos Statements recht verstehe, seiner Meinung nach komplett ungewiss.
Vergleiche mit früher könnten in die Irre führen. Heute traden Maschinen und es ist viel Geld vorhanden. D.h. für mich: es kann zu jedem Zeitpunkt in jede Richtung gehen, oder um wieviele Ecken kann, muß ich denken?
Dazu folgende Fragen: woher kommt das ganze Geld, das jetzt in den Aktienmarkt geht, weil es dort anscheinend am meisten zu holen gibt?? Wenn Billionen von Derivaten-Geldern vernichtet wurden, sind diese Gelder weg oder hat sie jemand anderes? Was heisst das, wenn gesagt wird, es schlummern riesige Löcher in den Bilanzen? Wie lange kann man diese Schulden mit dem Wissen aller unter dem Teppich liegen lassen? Bis man sie hinweginflationiert hat?
Zusammenfassend, meine Schlußfolgerung: Metros Strategie, der bewußten Teilnahme am kollektiven Irrsinn ist für den Einzelnen vom Chance-Risiko-Verhältnis her lukrativer (wenn der geeignete Ausstiegspunkt gefunden wird) als die bewußte Nichtteilnahme von AL, der zurecht davon ausgeht, das das Ding jederzeit platzen kann.
Mundus vult decipi, ergo decipiatur….