Ich poste diesen Beitrag zur Erinnerung an eine ganz besondere deutsche Unternehmerin, deren Todestag sich übermorgen zum 25. Mal jähren wird. Um Überlänge zu vermeiden, folgen die einzelnen Teile jeweils als Antworten.
Viel Freude beim Lesen.
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| Strategie | Hebel | |||
| Steigender DAX-Kurs | 5,00 | 10,00 | 14,99 | |
| Fallender DAX-Kurs | 5,00 | 10,00 | 15,02 | |
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Ich poste diesen Beitrag zur Erinnerung an eine ganz besondere deutsche Unternehmerin, deren Todestag sich übermorgen zum 25. Mal jähren wird. Um Überlänge zu vermeiden, folgen die einzelnen Teile jeweils als Antworten.
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Beate Uhse war eine der ungewöhnlichsten Unternehmerinnen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aus einem kleinen Aufklärungsversand entstand Europas bekannteste Erotikmarke, ein internationaler Handelskonzern und 1999 eine viel beachtete Börsenstory. Knapp zwei Jahrzehnte später war die Gesellschaft insolvent, das operative Geschäft verkauft und die Aktie praktisch wertlos.
Dabei muss man heute drei Dinge sauber voneinander trennen: die historische Person Beate Uhse, die frühere börsennotierte Beate Uhse AG und die weiterhin existierende Marke Beate Uhse. Die Marke lebt im Onlinehandel weiter. Sie gehört aber nicht mehr zu der Gesellschaft, deren Aktien früher unter der WKN 755140 gehandelt wurden.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Vollständiger Name | Beate Dorothea Köstlin, später Uhse beziehungsweise Rotermund |
| Geboren | 25. Oktober 1919 in Wargenau bei Cranz, Ostpreußen |
| Gestorben | 16. Juli 2001 in St. Gallen |
| Geschäftlicher Ursprung | Verkauf der Aufklärungsschrift „Schrift X“ ab 1946 |
| Gründung des Versandhauses | 1951 in Flensburg |
| Erstes Ladengeschäft | 1962 als „Fachgeschäft für Ehehygiene“ in Flensburg |
| Börsengang | 27. Mai 1999 |
| Emissionspreis | 7,20 Euro |
| WKN | 755140 |
| ISIN | DE0007551400 |
| Börsenkürzel | USE |
| Insolvenz | Antrag am 15. Dezember 2017 |
| Späterer Firmenname | Erotik-Abwicklungsgesellschaft Aktiengesellschaft |
| Ende des Börsenhandels | Ablauf des 2. Juni 2023 |
| Heutiger Markenbetreiber | Beate Uhse Group BV, Veendam, Niederlande |
| Aktueller Aktienstatus | Nicht mehr börslich handelbar |
Die biografischen Eckdaten sowie die Anfänge mit der „Schrift X“, dem Versandhandel und dem Flensburger Ladengeschäft sind beim Haus der Geschichte und beim NDR ausführlich dokumentiert.
https://www.hdg.de/lemo/biografie/beate-uhse.html
Beate Uhse wurde als Beate Köstlin in Ostpreußen geboren. Sie wuchs in vergleichsweise liberalen und wohlhabenden Verhältnissen auf. Ihre Mutter war Ärztin, und Sexualität sowie Sexualhygiene wurden im Elternhaus ungewöhnlich offen behandelt. Schon als junge Frau ließ sie sich zur Pilotin ausbilden und arbeitete zunächst als Kunst- und Testpilotin.
Während des Zweiten Weltkriegs flog sie für die deutsche Luftwaffe. Dieser Teil ihrer Biografie wird heute kritischer betrachtet als in früheren Unternehmensdarstellungen. Uhse sprach später nur begrenzt über ihre Haltung während der NS-Zeit. Sie war ohne Zweifel eine außergewöhnliche Frau in einer damals fast ausschließlich männlich geprägten Fliegerei, zugleich war sie aber Teil des militärischen Systems des nationalsozialistischen Deutschlands. Eine unkritische Heldengeschichte wäre deshalb unangemessen. (ndr.de)
Nach Kriegsende durfte sie wegen der alliierten Bestimmungen nicht mehr fliegen. Als alleinstehende Mutter musste sie eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen. Dabei erkannte sie einen konkreten Bedarf: Viele Frauen wollten angesichts von Wohnungsnot, Armut und unsicheren Lebensverhältnissen weitere Schwangerschaften vermeiden, hatten aber kaum Zugang zu verlässlichen Informationen.
1946 verfasste Uhse die „Schrift X“, ein Informationsblatt über die damals verbreitete Knaus-Ogino-Methode zur natürlichen Empfängnisverhütung. 1947 hatte sie bereits rund 32.000 Exemplare verkauft. Am 22. Februar 1951 gründete sie in Flensburg das „Versandhaus Beate Uhse“, das Bücher, Kondome, Verhütungsmittel und sogenannte Ehehygieneartikel verschickte. (hdg)
Das Geschäftsmodell passte exakt in die damalige Gesellschaft. Die Nachfrage war groß, der öffentliche Verkauf erotischer oder sexualmedizinischer Produkte jedoch mit Scham und rechtlichen Risiken verbunden. Der Versandhandel bot Diskretion. Kunden konnten anonym bestellen, während die Marke Beate Uhse zugleich für ein Mindestmaß an Vertrauen stand.
1962 eröffnete sie in der Flensburger Angelburger Straße das „Fachgeschäft für Ehehygiene“, das allgemein als erster Sexshop der Welt gilt. Das Unternehmen wuchs trotz massiver juristischer Widerstände. Das Haus der Geschichte dokumentiert rund 2.000 staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren und etwa 700 Gerichtsprozesse im Umfeld ihrer geschäftlichen Tätigkeit. Häufig ging es um angeblich unzüchtige Schriften, Bilder oder Produkte. (hdg)
Die Verfahren schadeten dem Geschäft nicht nur. Sie sorgten auch für enorme öffentliche Aufmerksamkeit. Beate Uhse verstand früh, dass ihre eigene Person die stärkste Werbefigur des Unternehmens war. Sie trat selbstbewusst auf, sprach offen über Sexualität und stellte sich als pragmatische Aufklärerin dar. Aus einem Versandhaus wurde so eine der bekanntesten Marken der Bundesrepublik.
Das Sortiment wurde schrittweise erweitert. Neben Büchern und Verhütungsmitteln kamen Dessous, erotische Hilfsmittel, Magazine, Filme und später Videoprodukte hinzu. Das Unternehmen übernahm unter anderem Produktions-, Verlags- und Versandkapazitäten und baute ein Netz stationärer Geschäfte auf.
Mit der Lockerung des Sexualstrafrechts und der gesellschaftlichen Liberalisierung wuchs der Markt erheblich. Besonders profitabel wurden Pornofilme, Videokabinen, Magazine und der klassische Versandhandel. Die gesellschaftliche Öffnung, an der Beate Uhse selbst mitgewirkt hatte, schuf einen großen kommerziellen Markt.
1981 wurde das Familienunternehmen aufgeteilt. Aus einem anderen Teil der Familie entstand der Orion-Versand, der später zu einem direkten Wettbewerber wurde. Die Aufteilung schwächte die Familie als geschlossene Unternehmereinheit und erzeugte Konkurrenz, war aber nicht die unmittelbare Ursache der späteren Insolvenz. Orion zeigte vielmehr, dass man auch im veränderten Erotikmarkt erfolgreich bleiben konnte, wenn Sortiment, Onlinevertrieb und Kostenstruktur rechtzeitig angepasst wurden. (ndr.de)
Beate Uhse selbst erhielt 1989 das Bundesverdienstkreuz. 1996 eröffnete sie in Berlin ein Erotikmuseum. Drei Jahre später folgte der Börsengang, der den Höhepunkt ihrer öffentlichen Unternehmerkarriere markierte. Sie starb am 16. Juli 2001 im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. (ndr.de)
Die Aktie wurde am 27. Mai 1999 erstmals im amtlichen Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Der Emissionspreis betrug 7,20 Euro und lag damit am oberen Ende der zuvor festgelegten Preisspanne. Der erste Börsenkurs wurde mit 13,20 Euro festgestellt. Gegenüber dem Ausgabepreis entsprach dies einem Kursplus von etwa 83 Prozent.
Zur Überzeichnung der Emission finden sich unterschiedliche Angaben. In damaligen Berichten war von einer ungefähr 40-fachen Nachfrage die Rede, während spätere Darstellungen teilweise einen Faktor von 64 nannten. Anhand der heute frei zugänglichen Quellen lässt sich nicht mehr zuverlässig feststellen, welche Angabe auf welcher Berechnung beruhte. Fest steht jedoch, dass die Zahl der georderten Aktien das verfügbare Angebot erheblich überstieg.
Auch die Angaben zu den Höchstkursen der ersten Handelstage sind nicht einheitlich. Als Gründe kommen unterschiedliche Börsenplätze, Kursfeststellungen und spätere rechnerische Anpassungen in Betracht. Für den 31. Mai 1999 wurde seinerzeit ein Kurs von 24,75 Euro genannt. Andere Rückblicke weisen Werte von mehr als 28 Euro aus. Unabhängig von der konkreten Berechnung zeigt die Kursentwicklung, dass sich der Wert der Aktie unmittelbar nach dem Börsengang innerhalb kurzer Zeit vervielfachte. Die ersten Handelstage waren damit von einer ausgeprägten Börseneuphorie geprägt.
| Börsendatum | Angabe |
|---|---|
| Emissionspreis | 7,20 Euro |
| Erster Kassakurs | 13,20 Euro |
| Zeichnungsgewinn zum ersten Kurs | rund 83 Prozent |
| Frühe Höchstkurse | je nach Quelle knapp 25 bis über 28 Euro |
| Kurs in der Insolvenzphase | nur noch Bruchteile eines Euro |
| Langfristiger Verlust | mehr als 99 Prozent |
| Dividende in den letzten Jahren vor der Insolvenz | 0,00 Euro |
| Heutiger Kurs | Keiner, da kein Börsenhandel mehr besteht |
Die Aktie war keine Beteiligung an einem jungen Internetunternehmen, sondern an einem etablierten Handelskonzern. Trotzdem waren die Erwartungen zu hoch. Anleger bezahlten nicht nur für Gewinne und Vermögenswerte, sondern vor allem für den Bekanntheitsgrad der Marke und die Vorstellung, der Erotikmarkt werde dauerhaft überdurchschnittlich wachsen.
Eine starke Marke ist jedoch noch kein dauerhaft geschütztes Geschäftsmodell.
Der Niedergang hatte nicht nur eine Ursache. Mehrere strukturelle und hausgemachte Probleme verstärkten sich gegenseitig.
| Ursache | Wirkung auf das Unternehmen |
|---|---|
| Kostenlos verfügbare Internetpornografie | Filme, Magazine und Videokabinen verloren massiv an Nachfrage und Preissetzungsmacht |
| Zu später Ausbau des Onlinehandels | Digital aufgestellte Wettbewerber gewannen Kunden und Suchmaschinenreichweite |
| Großes stationäres Filialnetz | Hohe Mieten, Personal- und Umbaukosten belasteten die Erträge |
| Unzureichende Verzahnung der Vertriebskanäle | Onlineshops, Versand und Filialen arbeiteten nicht als einheitliches System |
| Überaltertes Markenbild | Die Marke wurde lange mit Schmuddelshops und männlicher Pornokundschaft verbunden |
| Häufige Managementwechsel | Strategien wurden begonnen, geändert oder nicht konsequent umgesetzt |
| Fehlgeleitete Produktpolitik | Das Sortiment reagierte teilweise kurzfristig auf Trends, statt klar positioniert zu sein |
| Finanzielle Verschuldung | Die 2014 ausgegebene Anleihe über 30 Millionen Euro erhöhte den Refinanzierungsdruck |
| Verkauf von Unternehmensteilen | Verkäufe schafften Liquidität, schwächten aber die Substanz und verursachten Buchverluste |
| Scheitern der Refinanzierung | Ohne Einigung mit Investoren und Anleihegläubigern drohte Zahlungsunfähigkeit |
Ein erheblicher Teil des früheren Geschäftsmodells beruhte darauf, dass erotische Inhalte knapp, schwer zugänglich und kostenpflichtig waren. Magazine, Videokassetten, DVDs und Videokabinen erzielten gute Margen. Das Internet beseitigte diese Knappheit.
Pornografische Inhalte waren plötzlich jederzeit, anonym und vielfach kostenlos verfügbar. Kunden mussten weder ein Geschäft betreten noch einen Film bestellen. Damit brach nicht der gesamte Erotikmarkt zusammen, wohl aber ein besonders profitabler Teil des Geschäftsmodells von Beate Uhse.
Produkte wie Sextoys, Dessous und Pflegeartikel konnten weiterhin profitabel verkauft werden. Dafür war jedoch ein moderner, effizienter und stark vermarkteter Onlinehandel erforderlich. Genau hier waren neuere Anbieter im Vorteil.
Die Beate Uhse AG räumte 2017 selbst ein, dass der Ausbau des Onlinehandels „zögerlich und unsystematisch“ erfolgt sei. Das Unternehmen erklärte außerdem, dass Onlinehandel und Filialen ein „asynchrones Eigenleben“ geführt hätten, anstatt dem Kunden ein durchgängiges Einkaufserlebnis zu bieten.
Diese Aussagen stammen nicht von Kritikern, sondern aus der eigenen Pressemitteilung zum Insolvenzantrag. Das damalige Management sprach außerdem von zahlreichen Managementwechseln, strategischen Fehlentscheidungen, verpassten Entwicklungen im stationären Handel und einer zufälligen beziehungsweise reaktiven Produktpolitik.
Während Beate Uhse mit alten Strukturen kämpfte, konnten neue Anbieter ihre Unternehmen von Anfang an digital aufbauen. Sie benötigten keine teuren Innenstadtfilialen, konnten Onlinewerbung präziser einsetzen und ihr Sortiment stärker auf Frauen und Paare ausrichten.
Beate Uhse hatte zwar eine außergewöhnlich hohe Bekanntheit, aber Bekanntheit ist nicht automatisch positiv. Für viele jüngere Kunden stand der Name eher für dunkle Sexshops, Pornofilme und eine männlich dominierte Kundschaft als für moderne Sexualität, Wellness und Partnerschaft.
Neue Anbieter präsentierten dieselben Produktkategorien in heller, unverkrampfter und vielfach weiblicher gestalteten Onlineshops. Erotik wurde weniger als Schmuddelgeschäft und stärker als Lifestyle-, Gesundheits- und Beziehungsprodukt vermarktet.
Beate Uhse versuchte ebenfalls, das Filialkonzept und die Marke zu modernisieren. Die Umstellung kam jedoch spät, kostete Geld und führte nicht schnell genug zu einer stabilen neuen Positionierung.
2014 emittierte die Beate Uhse AG eine Unternehmensanleihe über 30 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2019. Eine solche Finanzierung funktioniert nur, wenn das operative Geschäft genügend Liquidität erzeugt oder rechtzeitig eine Anschlussfinanzierung gesichert wird.
2015 erzielte der Konzern nach eigenen Angaben noch 128,8 Millionen Euro Umsatz. Gleichzeitig verschlechterten sich jedoch Ergebnis, Eigenkapital und Finanzierungslage. Im Juli 2017 verkaufte das Unternehmen niederländische Geschäftsbereiche für insgesamt 4,05 Millionen Euro. Daraus entstanden nach IFRS Buchverluste von rund fünf Millionen Euro. Das Unternehmen erwartete für 2017 einen Verlust im niedrigeren zweistelligen Millionenbereich und ein negatives Konzerneigenkapital. (EQS News)
Die Verhandlungen über eine Restrukturierung der Anleihe und eine neue Finanzierung scheiterten schließlich. Damit drohte die Zahlungsunfähigkeit. Am 15. Dezember 2017 beantragte die Beate Uhse AG ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. (EQS News)
Der Insolvenzantrag betraf zunächst die börsennotierte Holdinggesellschaft. Die operativen Tochtergesellschaften wurden nicht gleichzeitig insolvent und führten ihre Geschäfte zunächst weiter. Ziel war eine Sanierung beziehungsweise ein Verkauf der operativen Einheiten.
Im Januar 2018 erhielt die Gesellschaft ein Massedarlehen von rund 2,7 Millionen Euro. Das Geld wurde unter anderem benötigt, um die im Weihnachtsgeschäft stark gesunkenen Warenbestände wieder aufzufüllen. Schon dieser Vorgang zeigte, wie knapp die Liquidität geworden war. (EQS News)
Im Juni 2018 wurde der Insolvenzplan rechtskräftig bestätigt. Die werthaltigen operativen Bestandteile wurden aus der alten Gesellschaft herausgelöst beziehungsweise an Investoren übertragen. Die börsennotierte Hülle blieb zurück. (EQS News)
Die bisherige Beate Uhse AG wurde anschließend in Erotik-Abwicklungsgesellschaft Aktiengesellschaft umbenannt. Dieser Name beschrieb ihre tatsächliche Funktion: Sie betrieb nicht mehr das historische Erotikgeschäft, sondern diente der Umsetzung des Insolvenzplans und der Abwicklung der verbliebenen Rechts- und Vermögenspositionen. Die Umfirmierung wurde Ende 2018 im Handelsregister bekannt gemacht. (Companyhouse)
2019 erwarb die niederländische EDC Retail die Onlineaktivitäten und die damit verbundenen Markenrechte aus der Insolvenz der Pabo 4.0. EDC betrieb bereits den Onlineanbieter EasyToys und übernahm unter anderem die Webshops Beate-Uhse.com, Pabo und Adam et Eve. (EQS News)
Der Onlineshop Beate-Uhse.com ist auch im Juli 2026 aktiv. Betreiber ist laut Impressum die Beate Uhse Group BV mit Sitz im niederländischen Veendam und der niederländischen Registernummer 75278944. (support.beate-uhse.com)
Das bedeutet jedoch nicht, dass die alte Aktie wieder einen wirtschaftlichen Wert durch das aktuelle Geschäft erhalten hat. Die heutige Beate Uhse Group BV und die frühere börsennotierte deutsche Beate Uhse AG beziehungsweise Erotik-Abwicklungsgesellschaft sind nicht dasselbe Investment.
Die Marke und der Onlineshop wurden verkauft. Die früheren Aktionäre erhielten dadurch keine Aktien des neuen niederländischen Betreibers.
Kennzahl | Status |
|---|---|
Frühere Gesellschaft | Beate Uhse AG |
Spätere Bezeichnung | Erotik-Abwicklungsgesellschaft AG |
ISIN | |
WKN | |
Kürzel | USE |
Letzter bekannter Kursbereich | Bruchteile eines Cents beziehungsweise wenige Zehntelcent |
Regulärer Börsenhandel | Beendet |
Dividende | Keine |
Analystenkursziele | Keine belastbaren aktuellen Kursziele |
Beteiligung am heutigen Onlineshop | Nein |
Anlagecharakter | Illiquides Abwicklungs- beziehungsweise Depotaltpapier |
Die Frankfurter Börse widerrief die Zulassung zum regulierten Markt mit Ablauf des 2. Juni 2023. Weitere deutsche Börsenplätze stellten ihre Notierung ebenfalls ein. Hintergrund war laut Frankfurter Bekanntmachung, dass die Pflichten aus der Börsenzulassung auch nach einer angemessenen Frist nicht erfüllt worden waren. (BörsenNews)
Einige Finanzportale zeigen weiterhin einen alten Kurs von beispielsweise 0,0025 Euro an. Das ist kein aktueller, handelbarer Marktpreis. Es handelt sich um einen historischen Datenbankeintrag. Ohne Börsenhandel, Geld- und Briefkurse sowie tatsächlich ausgeführte Umsätze existiert kein belastbarer Kurs.
Aktien können technisch weiterhin in einzelnen Depots verbucht sein. Das bedeutet aber nicht, dass sie über einen normalen Börsenplatz verkauft werden können.
Zum Stand Juli 2026 liegt mir keine verlässliche öffentliche Bestätigung vor, dass die Abwicklungsgesellschaft bereits endgültig im Handelsregister gelöscht wurde oder dass Aktionäre noch eine Ausschüttung erhalten werden. Eine solche Ausschüttung darf nicht unterstellt werden. In einem Insolvenz- oder Abwicklungsfall werden zunächst Verfahrenskosten und Gläubiger bedient. Aktionäre stehen wirtschaftlich ganz am Ende.
Der Fall ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Markenbekanntheit mit wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit verwechselt werden kann.
Beate Uhse besaß einen der bekanntesten Namen Deutschlands. Dieser Name konnte jedoch weder den technologischen Wandel aufhalten noch Managementfehler, operative Verluste und eine problematische Finanzierung ausgleichen.
Das ursprüngliche Unternehmen hatte über Jahrzehnte davon profitiert, dass der Zugang zu Erotikprodukten schwierig und gesellschaftlich tabuisiert war. Das Internet veränderte genau diese Bedingungen. Informationen, Bilder und Filme wurden kostenlos verfügbar. Produkte konnten diskret bei jedem Onlinehändler bestellt werden. Der historische Vorteil des anonymen Beate-Uhse-Versands verschwand.
Gleichzeitig wurde das Filialnetz von einem Vermögenswert zu einer Belastung. Was früher Kundennähe und Marktmacht erzeugte, bedeutete nun Mieten, Personal, Lagerbestände und Umbaukosten. Digital gegründete Wettbewerber hatten diese Altlasten nicht.
Der entscheidende Fehler war daher nicht, dass sich der Markt veränderte. Märkte verändern sich immer. Entscheidend war, dass das Unternehmen zu langsam, zu unkoordiniert und mit zu wenig finanzieller Reserve reagierte.
Beate Uhse war eine bemerkenswerte, zugleich aber auch kontroverse Unternehmerin. Sie erkannte einen realen gesellschaftlichen Bedarf, brach Tabus und baute aus nahezu nichts einen international bekannten Konzern auf. Ihre persönliche Leistung wird durch das spätere Scheitern des Unternehmens nicht aufgehoben.
Die Beate-Uhse-Aktie hingegen war am Ende ein nahezu vollständiger Kapitalverlust. Aus einem gefeierten Börsengang mit einem Emissionspreis von 7,20 Euro wurde ein nicht mehr handelbares Abwicklungspapier. Die Aktionäre partizipieren nicht am heutigen Beate-Uhse-Onlineshop.
Die Marke hat die Insolvenz überlebt. Das Unternehmen in seiner früheren Form und die Börsenstory haben sie nicht überlebt.
Für Anleger existiert heute keine investierbare Beate-Uhse-Aktie, keine belastbare Bewertung, keine Dividendenrendite und kein seriöses Kursziel. Wer im Depot noch Aktien mit der ISIN DE0007551400 besitzt, hält kein Stück des heutigen operativen Beate-Uhse-Geschäfts, sondern ein illiquides Relikt der alten Abwicklungsgesellschaft.
Ihr Name ist eine Marke, so bekannt wie Nivea oder Mercedes. Bei einer Umfrage in den 1990er Jahren kennen ihn 98 Prozent der Deutschen: Beate Uhse, erfolgreiche Unternehmerin und – in der noch jungen Bundesrepublik – Vorkämpferin in Sachen Erotik. Ihr Leben und ihre mehr als 50 Jahre währende Unternehmensgeschichte sind eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der Sittengeschichte des Landes.
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Die Geschichte der deutschen Unternehmerin von 1945-1972
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