Das war das Börsenjahr 2001


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Das war das Börsenjahr 2001

 
23.12.01 23:25
Das neue Jahr 2001 startet gleich mit einem Hammer: Völlig überraschend - und nach Meinung von Kritikern viel zu spät - senkt Notenbankchef Alan Greenspan am 03. Januar die amerikanischen Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. Die Maßnahme ist das Startsignal für ein noch nie da gewesenes Stakkato an weiteren Senkungen, die das Zinsniveau bis Ende Dezember auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren drücken werden.

Die Anleger sind von der aggressiven Vorgehensweise Greenspans zunächst begeistert, katapultieren den Nasdaq Composite noch während der Sitzung um mehr als 14 Prozent in die Höhe. Der Dow Jones Index steigt gegenüber dem Vortag um 2,8 Prozent. Die durch die Zinssenkung ausgelöste Kursrallye soll noch bis Ende Januar Bestand haben ( Wall Street – Kaufpanik nach Zinssenkung).

In Deutschland beginnt das Jahr ebenfalls mit einem Paukenschlag. Der Noch-Börsenliebling Intershop spricht eine drastische Gewinnwarnung aus (Intershop - Schock zum Jahresanfang). Auf der anderen Seite des Atlantiks werden am selben Tag die letzten Hürden bei der Fusion zwischen dem Internet Service Provider America Online und dem Medienkonzern Time Warner genommen.

Nach Handelsende bekommen die Anleger erstmals einen Vorgeschmack darauf, wie sich die rasant abkühlende Konjunktur auf die Creme de la Creme der Hightech-Branche auswirkt: Yahoo! erfüllt nur mit Mühe und Not die Analystenprognosen und spricht eine Gewinnwarnung aus (Yahoo! – Bombe geplatzt).

Abby Cohen bleibt bullisch

Am 14.Febraur kündigt der Medien-Tycoon Leo Kirch den Einstieg bei EM.TV & Merchandising an und sichert sich damit einen Teil der Rechte an der Formel 1. Die Aktien von EM.TV schließen am selben Tag bei 7,12 Euro. An der Wall Street mehren sich indes die Zeichen einer kapitalen Wirtschaftsflaute: Der Telekomriese Nortel Networks wird nach schwachen Quartalszahlen von den Anlegern hart bestraft, die Aktien verlieren innerhalb von zwei Tagen 30 Prozent an Wert (Nortel – von den Anlegern verprügelt).

Am 22. erhält die sorgsam gepflegte Fassade des Neuen Marktes einen tiefen Riss: Die Deutsche Börse schmeißt Gigabell raus. Das Internetunternehmen hatte im September 2000 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beantragt und war danach seiner Informationspflicht nicht mehr nachgekommen (Gigabell – das Ende ist nah).

Am 7. März horchen die internationalen Anleger auf: US-Staranalystin Abby Joseph Cohen erhöht den Aktienanteil in ihrem Musterdepot, drückt die Cashquote auf null. Die Börsen reagieren mit Gewinnen – ein Strohfeuer (Abby Cohen stockt Aktienanteil auf).

Noch ein falscher Prophet


Der Nasdaq Composite Index stürzt am 17. März nach einer Fülle von Gewinnwarnungen aus dem Hightechsektor mit 1.890 Punkten auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Besonders schwer macht die Wirtschaftsflaute den PC-Herstellern zu schaffen. Nach Dell und Gateway nimmt auch Compaq seine Prognosen drastisch zurück.

Am 20. März senkt die US-Notenbank zum dritten Mal im laufenden Jahr die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte. Während Alan Greenspan die nahende Rezession bereits zu spüren scheint, halten viele Wall-Street-Gurus das mittlerweile erreichte Kursniveau für einen günstigen Einstiegszeitpunkt. Prominentester Optimist: Der Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman. In einem Interview am 21. äußert er noch die Vermutung, dass das Kurstief an den Aktienmärkten keine tiefgreifenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben werde (US-Ökonom Friedman: “Wirtschaftslage besser als Aktienmärkte”).

Trügerische Hoffnung


Nach den Kurseinbrüchen gegen Ende des ersten Quartals geht es an den Aktienmärkten im zweiten Quartal wieder stetig bergauf. Die drei Monate ab April sind geprägt von einer trügerischen Hoffnung: Noch kann sich niemand vorstellen, wie schlimm es um die  amerikanische Wirtschaft wirklich steht und welche Auswirkungen dies weltweit haben könnte.

Obwohl bereits hinter vorgehaltener Hand über das böse "R"-Wort (Rezession) getuschelt wird, herrscht die Zuversicht, dass sich eine wirtschaftliche Kontraktion auf den Hightechsektor beschränken und die Old Economy die Flaute relativ unbeschadet überstehen könne. Börsianer lassen angesichts der jüngsten Tiefstände der wichtigsten Aktienindizes die schlechten Nachrichten nur allzu gern außer Acht und konzentrieren sich auf die Hinweise, dass sich die US-Wirtschaft bereits ab dem vierten Quartal 2001 wieder erholen wir.( "Bis zum Anschlag bullisch").

Warnhinweise gibt es jedoch genug: Der Telekomausrüster Motorola [NYSE: MOT Kurs/Chart ] meldet Anfang April den ersten Verlust in 15 Jahren, eine Gewinnwarnung des Einzelhandelsriesen Wal-Mart [NYSE: WMT Kurs/Chart ] deutet an, dass sich die Wirtschaftsflaute nun auch auf den Einzelhandel ausweiten könnte. Zudem mehren sich die Zeichen, dass die schlechte wirtschaftliche Lage auch auf Europa übergreifen könnte.

Gewinnwarnungen und Massenentlassungen

Das zweite Quartal ist die Zeit der deftigen Gewinnwarnungen der New Economy, der Ankündigung von Riesenverlusten und Umsatzeinbrüchen und last but not least von Massenentlassungen. Betroffen sind sämtliche Garanten des einstigen Wirtschaftswunders, wie Cisco Systems [Nasdaq: CSCO Kurs/Chart ], Nokia [NYSE: NOK Kurs/Chart ] und Sun Microsystems [Nasdaq: SUNW Kurs/Chart ]. Besonders hart trifft es die Telekombranche. Der kanadische Telekomausrüster Lucent Technologies [NYSE: LU Kurs/Chart ] versucht sich durch einen Zusammenschluss mit der französischen Alcatel [NYSE: ALA Kurs/Chart ] aus der Misere zu ziehen, der Plan scheitert aber.

Am Neuen Markt fällt in das zweite Quartal der Skandal um Kurt Ochner. Der einst als "Mister Neuer Markt" gefeierte Fondsmanager erhält von der Kapitalanlagegesellschaft Julius Bär Anfang April die fristlose Kündigung, nachdem seine Geschäftspraktiken ins Kreuzfeuer der Kritik geraten waren.

"Es drehte sich vor allem um die Frage, wie nah darf der Kontakt des Fondsmanagers zu den Unternehmen sein", erfährt  Stock-World auf Nachfrage. "Herr Ochner hat die Firmen nicht nur analysiert, sondern auch beraten." Die Anleger wittern Lug und Betrug bei den deutschen Wachstumswerten. Nach einem Zwischenhoch bis Mai setzt sich der Ausverkauf fort.

© 21.12.2001 www.stock-world.de



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