Eurozone-Wirtschaftsstimmung steigt erstmals seit 2007
Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im April
erstmals seit Mai 2007 wieder aufgehellt. Der am Mittwoch von der Europäischen
Kommission veröffentlichte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen
Entwicklung (ESI) stieg unerwartet stark auf 67,2 Punkte von dem im März
verzeichneten Rekordtief von 64,7. Volkswirte hatten einen Indexanstieg auf
lediglich 65,3 prognostiziert.
Die Erholung der Wirtschaftsstimmung resultierte der Kommission zufolge aus
einer deutlichen Stimmungsaufhellung sowohl in der Industrie als auch bei den
Verbrauchern des Euroraums. Auch im Dienstleistungssektor war eine Besserung zu
verzeichnen. Die Stimmung im Einzelhandel und im Baugewerbe verschlechterte sich
hingegen.
Bankvolkswirte werteten die mögliche Trendwende beim ESI als weiteres Signal für
ein Ende der konjunkturellen Talfahrt im zweiten Halbjahr. Vor Jahresende werde
die Wirtschaft der Eurozone dennoch nicht aufhören zu schrumpfen, hieß es.
Entsprechend sicher sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins
in der kommenden Woche um 25 Basispunkte auf 1,00% senkt.
Nach Angaben von Eurostat hellte sich die Wirtschaftsstimmung in den meisten
Mitgliedstaaten der Eurozone auf, wobei allerdings der Anstieg in Deutschland
mit plus 0,8 auf 73,2 Punkte und in Frankreich mit plus 1,0 auf 74,5 Zähler eher
moderat ausfiel. In Italien zog der Index zur Wirtschaftsstimmung im April
dagegen um 6,4 auf 73,5 Punkte und in Spanien um 4,1 auf 71,9 Zähler an.
Sektorspezifisch wurde vor allem in der Industrie und bei den Verbrauchern der
Eurozone eine deutlich verbesserte Stimmung verzeichnet. Der Index für die
Industrie stieg auf minus 35 gegenüber minus 38 im Vormonat, während Ökonomen
lediglich eine Zunahme auf minus 37 erwartet hatten. Beim Verbrauchervertrauen
wurde eine Indexverbesserung auf minus 31 (Vormonat: minus 34) gemeldet.
Erwartet worden war ein unveränderter Stand. Der Stimmungsindex für den
Dienstleistungssektor stieg auf minus 24 (minus 25).
Der Stimmungsindex für den Einzelhandel verschlechterte sich dagegen auf minus
19 (minus 17), der Index für die Bauwirtschaft ging auf minus 34 (minus 32)
zurück.
"Das Eurozone-Wirtschaftsvertrauen gesellt sich zu anderen wichtigen
Stimmungsindikatoren, die im April ebenfalls gestiegen sind", sagte Alexander
Krüger vom Bankhaus Lampe. Dennoch erwartet er nicht, dass die Wirtschaft des
gemeinsamen Währungsraums kurz vor einem neuen Aufschwung steht. Der
Schrumpfungsprozess der Wirtschaft werde vorerst anhalten und "weiter für
Konjunktur-Tristesse sorgen". Ende des Jahres dürfte der Rückgang der
wirtschaftlichen Leistung aber zum Stillstand kommen, meinte Krüger.
Martin van Vliet, Ökonom bei ING Bank, sagte, die besser als erwarteten
Stimmungsdaten dürften die Hoffnungen verstärken, "dass wir das Schlimmste des
Abschwungs hinter uns haben". Für die EZB dürfe dies aber nicht heißen, dass sie
sich mit weiteren unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen zurückhalten
sollte, warnte van Vliet. Diesbezüglich verwies er auch auf den im Rahmen der
monatlichen Stimmungsumfrage erhobenen Index der Inflationserwartungen, der im
April mit minus 2 ein neues Allzeittief für die Eurozone verzeichnete.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313,
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April 29, 2009 07:59 ET (11:59 GMT)
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29.04.2009 13:59:19 Quelle: Dow Jones-VWD