Dem Dax droht ein neues Jahrestief
Der deutsche Aktienmarkt befindet sich nach den jüngsten Kursverlusten charttechnisch gesehen in einer prekären Situation. Und es ist gut möglich, daß sich die Lage am Montag weiter verschlechtert. Denn die Vorgaben von der Wall Street und aus Asien sind nicht gerade berauschend. Ein Abgleiten des Dax auf Kurse unter 3.800 Punkte und damit auf ein neues Jahrestief scheint damit nicht ausgeschlossen. Zumal neben den wieder aufgeflammten Terrorängsten auch die wachsenden Spannungen zwischen Taiwan und China nicht dazu angetan sind, wieder für mehr Vertrauen zu sorgen. Elf von der Nachrichtenagentur vwd befragte Marktteilnehmer erwarten im Schnitt einen Endstand beim Dax von 3.791 Punkten nach 3.819 Punkten am Freitag.
Zur Erinnerung: Die Aktienindizes MDax und TecDax der Deutschen Börse werden ab diesem Montag in leicht veränderter Zusammensetzung berechnet. Im MDAX mit 50 Unternehmen aus den klassischen Branchen ersetzt der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate die Aktie des Zementkonzerns Dyckerhoff. Neu im Technologie- Index TecDAX mit 30 Werten sind Dialog Semiconductor, QSC und Rofin Sinar. Dafür scheiden Ixos Software, Lion Bioscience und Wedeco aus. Im wichtigsten Börsenbarometer Dax bleibt alles beim Alten.
Notierungen am Rentenmarkt gut unterstützt
Der Aufschwung am deutschen Rentenmarkt ist zuletzt zwar etwas ins Stocken geraten. Aber in die neue Woche gehen die Händler trotzdem relativ zuversichtlich. Denn die negativen Aussichten für den Aktienmarkt und die Terrorängste zusammen mit den politischen Turbulenzen in Taiwan dürften zumindest dafür sorgen, den Bund-Future auf dem erreichten hohen Niveau zu halten.
Dollar in Fernost zum Yen fester - Euro unverändert
Der Dollar tendiert am Montag zum japanischen Yen etwas fester. Dennoch erwarteten Händler weiter Druck auf die amerikanische Währung. Zum Euro wurde der Dollar weitgehend unverändert gehandelt. Ein Dollar kostet gegen 7.30 Uhr 107,38 Yen, nach 106,65 Yen im späten New Yorker Handel am Freitag. Ein Euro wird mit 1,2250 Dollar gehandelt, in etwa so viel wie im New Yorker Handel. Spekulationen über eine geringer werdende Interventionsneigung Japans zur Stützung des Dollarkurses dürften Händlern zufolge den Dollar schwächen. „Es würde mich nicht wundern, wenn der Dollar heute weiter fallen sollte", sagte Junya Tanase von JP Morgan Chase. Es sei aber wahrscheinlich noch zu früh, um die 105-Yen-Marke zu erreichen. Am 8. März war der Dollar noch mit 112,34 Yen gehandelt worden. Der Euro wird dagegen zum Dollar weiter in der zuletzt gültigen Handelsspanne gesehen.
Börse in Japan schließt schwächer
Schwächer hat der Tokioter Aktienmarkt den Handel am Montag beendet. Der Nikkei-225-Index sank um 0,9 Prozent auf 11.319 Yen, der marktbreitere Topix reduzierte sich um 0,6 Prozent auf 1.132 Zähler.
Aktien Hongkong am Mittag sehr schwach
Mit sehr schwacher Tendenz zeigt sich die Börse in Hongkong am Montag mittag. Der HSI verliert 1,7 Prozent auf 12.570 Punkte. Das Sentiment sei sowohl durch die Abgaben an Wall Street am Freitag wie durch die Unruhen nach den Wahlen in Taiwan belastet, heißt es. Das Volumen bleibe gering, da sich die Investoren zurückhielten. Alle 33 Werte im Leitindex tendieren schwächer, wobei sich die Verluste bei den defensiven Versorgerwerten noch in Grenzen halten. BOCHK geben im Vorfeld von Zahlen ein Prozent auf 14,50 Hongkong-Dollar ab.
Börse in Taiwan verliert nach umstrittener Wahl über sechs Prozent
Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Taiwan ist die Börse am Montag bei der Eröffnung um 6,6 Prozent gefallen. Der Hauptindex verlor 453,04 Punkte auf 6362,05 Punkte. Präsident Chen Shui-bian war am Samstag mit einem äußerst knappen Vorsprung wiedergewählt worden, nachdem er am Freitag bei einem Attentat leicht verletzt wurde. Die Opposition mutmaßt, die Schüsse auf den Präsidenten könnten inszeniert worden sein, um die Wahl zu gewinnen. Sie wirft Chen Manipulation vor und beantragte, die Stimmen neu auszuzählen. Das Oberste Gericht ließ daraufhin die Wahlurnen versiegeln. Landesweit gab es zum Teil gewaltsame Proteste.
Kursbewegungen und Neuigkeiten nach Börsenschluß in Amerika
Nachbörslich zeigten sich die amerikanischen Aktien am Freitag wenig verändert. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator gewann marginale 0,03 Prozent auf 1.399,02 Punkte.
Unter den Einzelwerten fielen Focus Enhancements um 6,5 Prozent auf 1,43 Dollar. Zuvor hatte das Unternehmen der Börsenaufsicht SEC den Jahresbericht 2003 vorgelegt, der zum zweiten Mal in Folge ein “Going-Concern“-Statement enthielt. Das Statement stammt von dem unabhängigen Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche. Focus berichtete einen Nettoverlust von 1,7 Millionen Dollar für 2003, von sechs Millionen Dollar für 2002 und von 6,7 Millionen Dollar für 2001.
Smurfit-Stone wurden nachbörslich vom Handel ausgesetzt, nachdem sie zuletzt zu 17,50 Dollar gehandelt worden waren. Das Unternehmen warnte vor schlechter als erwarteten Quartalszahlen. Im ersten Quartal sei ein Verlust von 0,22 bis 0,25 Dollar je Titel zu erwarten. Analysten hatten mit einem Verlust von 0,11 Dollar je Aktie gerechnet.
Wall Street von Sicherheitsbedenken belastet
Die amerikanischen Aktienbörsen schlossen am Freitag Händlern zufolge angesichts wieder auflebender Sicherheitsbedenken schwächer. „Der Markt versucht die globalen politischen Aspekte einzuordnen. Die Anschläge von Madrid sind nicht wirklich vom Markt verschwunden,“ sagte Subodh Kumar, Stratege bei CIBC World Markets. Investoren verfolgten zudem mit Spannung die Ereignisse in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan, wo die Suche nach Kämpfern der El-Kaida-Organisation und der Taliban intensiviert worden ist. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloß 1,06 Prozent tiefer bei rund 10.186 Punkten. Der breiter gefaßte S&P-Index gab 1,12 Prozent auf etwa 1.109 Punkte nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte 1,12 Prozent im Minus bei rund 1.940 Zählern. Im Wochenvergleich verlor der Dow 0,5 Prozent, der S&P ein Prozent und der Nasdaq 2,2 Prozent.
Pakistan hat seine Armee-Offensive gegen eine eingekesselte Gruppe militanter Islamisten verstärkt, unter denen auch der Stellvertreter des Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden vermutet wird. Der Ägypter Ajman el Sauahri, einer der weltweit meistgesuchten Männer, gilt als Kopf der Extremistengruppe und als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September. Diese Aktion im Kampf gegen den Terror sei ermutigend, sagte Analyst Michael Palazzi von S.G.Cowen. „Es kann allerdings zu Vergeltungen kommen und dies ist ein bißchen beunruhigend", fügte er hinzu. Börsianern zufolge sorgte darüber hinaus der vierfache Verfall von Termin- und Optionskontrakten für sprunghaftes Geschäft, weil Händler ihre Positionen entweder verlängern oder schließen.
Unter den Dow-Werten gaben die Papiere des Technologiekonzerns United Technologies 2,77 Prozent auf 85,40 Dollar nach. Ein Analyst hatte zuvor gesagt, er sei nicht sicher, ob Boeing die Triebwerke für seine neuen 7E7-Jets von United Technologies beziehen werde. Die Aktien des US-Softwarekonzerns Adobe legten entgegen dem Markttrend kräftig um knapp zehn Prozent auf 39,85 Dollar zu. Das Unternehmen hatte am Vorabend nach Börsenschluß für das erste Geschäftsquartal einen Gewinn- und Umsatzrekord ausgewiesen.
Amerikanische Anleihen schließen knapp behauptet
Knapp behauptet tendierten die amerikanischen Anleihen am Freitag, wobei die Renditen nach einer volatilen Woche praktisch wieder auf dem Stand vom Montag angekommen sind. Die zehnjährigen Titel mit einem Kupon von vier Prozent verloren 3/32 auf 101-28/32 und rentierten mit 3,773 Prozent nach 3,756 Prozent. Die mit 5,375 Prozent verzinsten dreißigjährigen Staatsanleihen sanken um 2/32 auf 110-4/32. Die Rendite betrug damit 4,706 Prozent nach 4,701 Prozent.
Einige Marktteilnehmer schrieben die leichten Kursverluste in der zweiten Handelshälfte dem Angebot an neuen Unternehmensanleihen zu, andere sahen darin eine Reaktion auf die Ereignisse in dieser Woche kurz vor dem Wochenausklang. Dabei würden auch technische Marken bei den Renditen eine wichtige Rolle spielen. Josh Stiles, Analyst bei IDEAGlobal, sagte, der Markt habe auf die Nuancenunterschiede in den Aussagen der Fed zunächst überreagiert und der Druck am Freitag brächte den Markt lediglich dorthin zurück, wo er vor der Fed stand. Der Kampf in Afghanistan um die Nr. 2 von Al-Qaida habe im Gegensatz zum späten Geschäft am Donnerstag kaum noch eine Rolle gespielt, sagte ein anderer Händler. Aber die Terrorgefahr insgesamt würde den Markt weiterhin stützen, weil kaum jemand über das Wochenende eine Short-Position offen halten wolle.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.

Medienschau
Positive Cebit-Signale, doch Bundesbank zweifelt am Aufschwung
22. März 2004
Unternehmensnachrichten
Bahn verkauft Lufthansa-Aktien
Die Deutsche Bahn will einem Zeitungsbericht zufolge ihre Beteiligung an der Lufthansa verkaufen. Der Aufsichtsrat der Bahn habe dem Geschäft kürzlich zugestimmt, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ am Sonntag vorab unter Berufung auf Teilnehmer an der Aufsichtsratssitzung. Weder die Bahn noch die Lufthansa waren zunächst für eine Stellungnahme erreichbar. Die Bahn besitze derzeit noch rund 1,5 Millionen vinkulierte Namensaktien der Lufthansa, die mit gut sechs Millionen Euro in den Büchern stünden, hieß es. Da die Aktien an der Börse Anfang März mehr als 20 Millionen Euro wert gewesen seien, hoffe die Bahn auf einen hohen Veräußerungsgewinn. (Reuters)
Post erhält laut „Welt“ neue Lizenz in Großbritannien
Die Deutsche Post erhält der „Welt“ zufolge eine neue Lizenz für das Briefgeschäft in Großbritannien. Wie die Zeitung in ihrer Montagausgabe berichtet, soll die Post-Tochter Global Mail UK von der Regulierungsbehörde Postcomm in dieser Woche eine Langfristlizenz für den britischen Postmarkt bekommen. Zurzeit besitze Global Mail nur eine Interimserlaubnis für ein jährliches Briefvolumen von rund 40 Millionen Massensendungen und Geschäftspost. „Mit der neuen Berechtigung darf der gelbe Konzern Briefe ab 100 Gramm, sämtliche aus England abgehenden Sendungen und Infopost ab einer Stückzahl über 4.000 im nicht regulierten Postbereich zustellen“, berichtete die in Berlin erscheinende Tageszeitung weiter. Die Deutsche Post biete ihre britischen Dienstleistungen vor allem Großunternehmen, Verlagen sowie Mailing- und Direktmarketingfirmen an, die traditionell hohe Sendungsmengen verschickten. Für das Bonner Unternehmen sei die neue Lizenz eine wichtige Voraussetzung zur weiteren Expansion. (AP)
Springer will um „Daily Telegraph“ mitbieten
Der Medienkonzern Axel Springer will einem Zeitungsbericht zufolge ein Gebot für die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ abgeben. Springer werde in der kommenden Woche ein Gebot von mehr als 600 Millionen Pfund (rund 900 Millionen Euro) für den „Daily Telegraph“ und Schwesterblätter abgeben, berichtete die Zeitung „The Observer“ (Sonntagausgabe). Das Bieterverfahren geht in der kommenden Woche in die zweite Runde. Die Investmentbank Lazard, die den Prozess leitet, hat eine Frist bis zum 23. März gesetzt. Bis dann müssen die Angebote vorliegen. Andere Bieter sind den Angaben zufolge unter anderen der Eigentümer der britischen Zeitung „Daily Express", Richard Desmond, und die Brüder David und Frederick Barclay, denen die Zeitung „The Scotsman“ gehört. Bei Springer war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. (Reuters)
Swisscom hat Käufer für Debitel
Der Mobilfunkprovider Debitel wird einem Pressebericht zufolge an die englische Investmentgesellschaft Permira verkauft. Der Schweizer Telefonkonzern Swisscom erhalte 900 Millionen Euro für die 97-prozentige Beteiligung an Debitel, berichtete die „SonntagsZeitung“. Swisscom wollte am Sonntag zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Der Konzern hatte Debitel 1999 übernommen und dafür laut Zeitung 2,8 Milliarden Euro bezahlt. Unterdessen berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ (Montag), Debitel habe 2003 sein Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahr vermutlich deutlich verbessert. „Wir hatten ein sehr gutes viertes Quartal“, sagte Debitel-Vizechef Achim Egner der Zeitung. 2002 habe der Jahresüberschuß 40 Millionen Euro betragen. Ziel sei es gewesen, diese Marke mindestens wieder zu erreichen. Bis zum dritten Quartal hatte Debitel dem Bericht zufolge bereits ein Nettoergebnis von 30 Millionen Euro erreicht. Die ersten beiden Monate dieses Jahres sein zwar schwächer als die Vergleichsmonate 2003 gewesen, räumte Egner ein. Er erwarte dennoch ein sehr gutes Gesamtjahr. (dpa)
Siemens entscheidet bald über Stellenverlagerung
Der Siemens-Konzern will nach einem Bericht der „Welt“ in der übernächsten Woche über die Verlagerung weiterer Arbeitsplätze ins Ausland entscheiden. Der Tageszeitung (Montagausgabe) zufolge werden die Bereichsvorstände den Gesamtbetriebsrat auf einer Sitzung des konzerninternen Wirtschaftsausschusses am 30. März über die geplanten Details informieren. Vor allem die die Netzwerksparte ICM, die Verkehrstechnik (TS), die Medizintechnik (Med) und die Automatisierungssparte (A&D) könnten von den Überlegungen betroffen sein, hieß es in der Vorabmeldung der „Welt“ weiter. Erst vor kurzem seien Pläne bekannt geworden, im Mobilfunk-Bereich ICM 2.000 der 4.500 Stellen in der inländischen Handy-Produktion ins Ausland zu verlagern. „Das ist kein bereichsspezifisches Problem von ICM. Wir sprechen generell über die Massenfertigung von Produkten in Deutschland für den Weltmarkt“, zitierte die „Welt“ nun einen Siemens-Sprecher. Ziel der Gespräche am 30. März sei es allerdings, die Kostenstrukturen so zu optimieren, daß Stellenverlagerungen ins Ausland noch vermieden werden können. (AP)
Allianz bereitet Teilverkauf der Dresdner Bank vor
Der Allianz-Konzern bereitet einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge einen Teilverkauf der Dresdner Bank vor. Teile der Bank würden schön gerechnet, um sie für potenzielle Käufer attraktiver zu machen, schreibt der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Bei der Vorlage der Geschäftszahlen des Finanzkonzerns, bei der Allianz-Chef Michael Dieckmann einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro im Bankgeschäft bekannt geben mußte, habe es deshalb zwei positive Überraschungen gegeben. Die Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein habe einen Gewinn von 354 Millionen Euro ausgewiesen, das Firmenkundengeschäft sei sogar auf 447 Millionen Euro gekommen.
Dresdner Bank-Chef Herbert Walter bekräftigte unterdessen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, die Bank stehe nicht zum Verkauf. Für den Investmentbanking-Bereich Dresdner Kleinwort Wasserstein seien weiter die im August 2003 gemachten Aussagen gültig. Demnach bestehe eine Bestandsgarantie von zwei Jahren. „In dieser Zeit wollen wir die Voraussetzungen schaffen, daß wir zusätzliches Kapital von außen aufnehmen können“, sagte Walter der Zeitung. In welcher Form das passieren soll - etwa in Form eines Börsengangs - wollte er nicht sagen. Das Firmenkundengeschäft stehe nicht zur Disposition. Es sei ein wichtiger Teil des Geschäfts der Dresdner Bank und ein „echter Ertragsbringer“, betonte Walter.
Der „Spiegel“ berichtet hingegen, zum Mißfallen von Walter stünden beide Bereiche zur Disposition. Für das Investmentbanking sei für dieses Jahr eine separate virtuelle Rechnungslegung avisiert, um für einen Verkauf oder Börsengang vorbereitet zu sein. Für das Firmenkundengeschäft stehe eine Entscheidung noch aus. Sie werde aber kommen, weil das Investmentbanking ohne die Verbindung mit den wichtigen Firmenkunden deutlich weniger wert sei. (dpa)
Belgacom nennt Ausgabepreis für Aktien mit 24,50 Euro
Der belgische Telekommunikationskonzern Belgacom hat den Ausgabekurs für seine Aktien beim Börsengang am Montag mit 24,50 Euro festgelegt. Damit wird sich die Marktkapitalisierung Belgacoms auf rund 8,6 Milliarden Euro belaufen, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. Es wird der bislang größte Börsengang in Europa in diesem Jahr sein, der jedoch um ein bis zwei Milliarden Euro kleiner ausfällt als noch im Oktober bei Bekanntgabe der Pläne erwartet. Vor zwei Wochen hatte Belgacom für den Preis je Aktie eine Spanne von 23,00 bis 26,50 Euro festgesetzt. Analysten und Händler hatten mit einer Festlegung des Preises von durchschnittlich 25,50 Euro gerechnet. Belgacom-Aktien werden in der neuen Handelswoche um 9.30 Uhr ihr Börsendebüt an der Euronext in Brüssel geben. Das Angebot sei gut dreifach überzeichnet gewesen, teilte Belgacom mit. „Die Nachfrage nach Aktien war sehr groß, sowohl in Belgien als auch international", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung mit ADSB, dem Konsortium, das die Minderheitsaktionäre vertritt, die ihre Anteile im Zuge des Börsengangs verkaufen. (Reuters)
EADS hat Chancen auf Tankflugzeug-Auftrag der amerikanischen Armee
Die European Aeronautic Defence and Space Co (EADS) hat offenbar Chancen, Betankungsflugzeuge für die amerikanische Armee zu liefern. EADS sei von der Regierung in Amerika ermutigt worden, nachdem ein ursprünglich an Boeing vergebener Auftrag über 100 Tankflugzeuge im Februar vorläufig gestoppt wurde, zitiert das “Wall Street Journal“ (WSJ) Ralph Crosby, Chairman von EADS Nordamerika. Als die Bestellung der Armee vor zwei Jahren bei Boeing erfolgte, sei EADS noch nicht zur Produktion von Betankungsflugzeugen bereits gewesen, mittlerweile jedoch schon, sagte Crosby weiter. Die amerikanische Regierung überprüft den Boeing-Auftrag im Volumen von 17 Milliarden Dollar, nachdem zwei Topmanager von Boeing entlassen wurden. Einer davon hatte vor seiner Zeit bei Boeing im Pentagon die Bestellung der Tankflugzeuge mitverhandelt. (vwd)
Prüfer haben Royal Dutch/Shell das Testat verweigert
KPMG hat als mitverantwortlicher Wirtschaftsprüfer einem Pressebericht zufolge das Testat für die Royal Dutch/Shell Group of Companies verweigert. Die neben PriceWaterhouseCoopers tätige Prüfungsgesellschaft habe Zweifel an der Qualität der erhaltenen Informationen geäußert, schreibt “The Business“. Dies habe zu der Verschiebung der Publikation des Geschäftsberichts für 2003 geführt, der eigentlich am vergangenen Freitag veröffentlicht werden sollte. Zudem seien die Prüfer über mögliche Haftungsrisiken besorgt, weil die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) aktuell die Vorgänge um die Senkung der Bewertung von vorhandenen Öl- und Gasreserven bei Shell prüft. Am Donnerstag hatte Shell die Verzögerung bei der Publikation mitgeteilt. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich nicht zu dem Pressebericht äußern. (vwd)
Wirtschaftsnachrichten
KPMG-Studie: Steuerbelastung in Deutschland weiter hoch
Die Steuerbelastung in Deutschland liegt einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG immer noch deutlich über dem EU-Durchschnitt. Der durchschnittliche Körperschaftssteuersatz in der EU sei 2004 auf 29,4 Prozent gesunken, nachdem er im Vorjahr noch bei 31,8 Prozent gelegen habe, heißt es in der am Sonntag veröffentlichten Untersuchung. In Deutschland liege der durchschnittliche Steuersatz einschließlich Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer bei 38,3 Prozent nach 39,6 Prozent im Jahr 2003. Damit blieben Deutschland und Italien (37,2 Prozent) die Länder mit den höchsten Steuersätzen in der EU. Der niedrigste Körperschaftssteuersatz falle in Irland mit 12,5 Prozent an.
„Die Ertragssteuerbelastung von Kapitalgesellschaften in Deutschland ist zu hoch“, sagte KPMG-Vorstand Bernd Erle. Auch angesichts einer in den vergangenen Jahren zunehmend erweiterten Bemessungsgrundlage bleibe Deutschland als Steuerstandort unattraktiv. In der Studie wird allerdings auch darauf hingewiesen, daß die Steuersätze der einzelnen Länder nur bedingt vergleichbar sind, da die Bemessungsgrundlage unterschiedlich ist. Zudem gewähren viele Staaten Steuerbefreiungen oder -vergünstigungen, die die effektive Steuerbelastung zum Teil erheblich vermindern. (dpa)
Bundesbank zweifelt an Aufschwung
Die Bundesbank stellt den wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland in Frage: „Ich habe Zweifel, ob sich die Wachstumserwartungen für Deutschland im laufenden Jahr erfüllen“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Franz-Christoph Zeitler der „Welt am Sonntag“. Er schließe nicht aus, daß es auch „in diesem Jahr zu einem sehr flachen Aufschwung kommt, der unsere Probleme nicht löst“. Laut Zeitler sei das Kreditwachstum als Vorläufer für mögliche Investitionen nach wie vor sehr niedrig. Nach Informationen der Bundesbank liegt das Kreditwachstum derzeit bei weniger als einem Prozent. Im Euroraum wächst die Kreditausgabe dagegen derzeit um durchschnittlich fünf Prozent.
Wenig ermutigend sei auch die Entwicklung beim Konsum und auf dem Arbeitsmarkt. Dagegen stellt der hohe Ölpreis nach Ansicht von Wirtschaftsexperten keine akute Gefahr für die deutsche Wirtschaft dar. „Erst wenn die Notierungen noch lange auf dem gegenwärtigen Niveau blieben, gäbe es ein kleines Problem“ für die deutsche Konjunktur, sagte Gustav Horn, Leiter der Konjunkturabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der „Welt am Sonntag“. Der starke Euro fange die Erhöhung der in Dollar berechneten Energiekosten zum Teil auf, sagte Horn weiter. Er halte den Ölpreis für „spekulativ überhöht“. (AP)
DIHK-Chef Braun rät Unternehmen zu Jobverlagerung ins Ausland
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, hat Unternehmen geraten, eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu überprüfen. „Ich empfehle den Unternehmen, nicht auf eine bessere Politik zu warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen“, sagte Braun dem „Tagesspiegel“ (Montagausgabe). Damit würden letztlich auch Arbeitsplätze und Lehrstellen in Deutschland gesichert. Derzeit werde in Deutschland selbst kaum Geld verdient, zitierte das Blatt den DIHK-Chef weiter. „Der Gewinn kommt zumeist aus dem Ausland.“ Der Bundesregierung attestierte Braun ein offenbar „grundlegend falsches Verständnis von Wirtschaft“. Zu den herausragenden Aufgaben von Politik gehöre es, Vertrauen zu schaffen, damit die Bürger konsumierten und die Wirtschaft investiere, betonte er. „Das geht aber nicht, wenn permanent Gesetze und Regelungen verändert werden.“ (AP)
Cebit-Halbzeit: Unternehmen sehen klare Signale für Aufschwung
Die weltgrößte Computermesse Cebit hat aus Sicht von Unternehmen und Politikern klare Signale für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland gesendet. „Es geht wieder vorwärts“, sagte das Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG, Ernst Raue, am Sonntag zur Cebit-Halbzeit in Hannover. Aussteller berichteten von einer „Aufbruchstimmung“ nach drei Jahren Branchen- Krise. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte bei einem Messe-Besuch am Samstag: „Ich habe wahrgenommen, es geht aufwärts. Und das ist mir das wichtigste.“ Clement meinte, von der Cebit könnten auch andere Bereiche „wieder die Zuversicht lernen“. Die IT-Branche sei einer der bedeutendsten Innovationsmotoren, der in alle zukunftsträchtigen Bereiche hineinwirke. Der Deutschland-Chef des weltgrößten Computerherstellers IBM, Walter Raizner, sagte in einem dpa-Gespräch zur Cebit-Halbzeit: „Der Tenor ist optimistisch, potenzielle Kunden sind da, es tut sich was.“ Die „negative Grundstimmung“ der Deutschen sei verflogen. (dpa)
Saudi-Arabien besorgt über hohen Ölpreis - Opec-Reaktion ungewiß
Saudi-Arabien hat sich am Sonntag besorgt über die hohen Ölpreise geäußert, aber zugleich keine Rücknahme des Opec-Beschlußes zur Drosselung der Ölexporte in Aussicht gestellt. „Wir sind auch besorgt über die Preise, aber wir beobachten auch die fundamentalen Nachfragedaten,“ sagte Ölminister Ali el Naimi der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore". „Ich bin überzeugt, daß es zwei Gründe für einen solch hohen Preis gibt - die reduzierten Benzinvorräte in Amerika und Spekulanten, die überzeugt sind, daß es einen Mangel an Rohöl geben wird,“ fügte der Minister des weltgrößten Ölexportlandes hinzu. Das Ergebnis der Ölministerkonferenz der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am 31. März in Wien könne er nicht voraussagen. „Ich weiß es nicht. Im Moment ist niemand in der Lage dazu. Der Beschluß, die Förderung und Exporte zu drosseln wurde bereits in Algiers gefaßt. Wir werden jedoch wie immer eine tiefgehende Prüfung aller Daten zu Nachfrage und Vorräten vornehmen", erklärte der Minister. (Reuters)